In Erinnerung an Michail Tal

von André Schulz
09.11.2021 – Der "Magier von Riga", Michail Tal, bezauberte in den 1950er und 1960er Jahren die Schachwelt mit seinen verblüffenden Kombinationen. Er war Zeit seines Lebens krank, gehörte aber trotzdem auch nach dem Verlust des Weltmeistertitels über Jahrzehnte zur absoluten Weltspitze. Heute jährt sich sein Geburtstag zum 85sten Mal. | Foto: Dutch National Archive

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"Er war der Gesündeste von uns allen..."

Michail Tal war einer der ganz Großen der Schachgeschichte. Er wurde am 9. November 1936 in Riga geboren und würde heute seinen 85sten Geburtstag feiern. Als Tal in den 1950er raketenartig in die Weltspitze vorstieß, feierte die Schachwelt für seinen verblüffenden Kombinationstil. Streng genommen gibt es aber zwei Tals. Der junge Tal pflegte einen brillanten Angriffsstil. Der spätere Tal spielte zumeist positionell. Zwischen September 1973 und Oktober 1974 blieb er über 95 Turnierpartien hinweg unbesiegt. Im Januar 1980 war Tal nach Fischer und Karpov der dritte Spieler, der eine Elozahl über 2700 erreichen konnte.

Tals langjähriger Trainer war Alexander Koblenz (1916-1993), der auch einige Bücher über seine Trainingsarbeit mit Tal veröffentlich hat. 

Für eine kurze Zeit war Michail Tal Weltmeister. Als er Botwinnik 1960 besiegte und als Weltmeister ablöste, war Tal erst 23 Jahre alt und als 8. Weltmeister zugleich der bis dahin jüngste Weltmeister der Schachgeschichte. 1961 verlor Tal aber den damals noch üblichen Revanche-Wettkampf gegen Botwinnik und damit auch wieder den Titel.

Alle, die Michail Tal kannten, berichten von seiner überaus liebenswerten Persönlichkeit. Er war ein sehr humorvoller Mensch und es wird erzählt, dass er einmal bei einer Frage nach einem Autogramm im Scherz mit "Fischer" unterschrieb. Er hätte Fischer so oft besiegt, erklärte Tal augenzwinkernd, dass er das dürfe. Dann lieferte er aber auch noch seinen eigenen Namen nach. Fischer und Tal hatte eine recht freundliche Beziehung zueinander.

 


Tal litt Zeit seines Lebens unter Krankheiten und war unter anderem chronisch nierenkrank. Seine Schmerzen betäubte er mit allen Arten von Drogen. Von Tigran Petrosian stammt der Spruch: "Michail Tal ist der Gesündeste von uns. Alle anderen wären an seinen Krankheiten längst gestorben."

Nach dem Zerfall der UdSSR lebte Tal mit seiner Familie eine Zeitlang in der Nähe von Bonn. Er spielte im Mai 1992 noch ein GM-Turnier in Barcelona und reiste im Juni zu einem Blitzturnier nach Moskau. Von dort kehrte er nicht mehr zu seiner Familie zurück.

 

Von Tal gibt es zahlreiche Partiensammlungen und wer sich für das ganze Werk des "Magiers von Riga" interessiert, dem sei die ChessBase Masterclass zu Tal empfohlen.

Master Class Band 2: Mihail Tal

Dorian Rogozenco, Mihail Marin, Oliver Reeh und Karsten Müller stellen den 8. Schachweltmeister und seine Eröffnungen, sein Verständnis der Schachstrategie, seine Endspielkunst und nicht zuletzt seine unsterblichen Kombinationen in Videolektionen vor.

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Hier folgt Tals erste veröffentlichte Partie und seine letzte Turnierpartie vom Turnier in Barcelona.

 

 

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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belzisch belzisch 09.11.2021 08:49
Ich kann das mit der liebenswerten und netten Person nur bestätigen. Es war 1985 oder 1986, da spielte ich in Berlin das Open "Berliner Sommer", an dem Tal teilnahm und "natürlich" gewann. Es war ein sehr starkes Open und für mich als lupenreiner Amateur eine Ehre, dort mitzuspielen. Wie der Zufall es wollte setzte sich Tal bei der Siegerehrung an unseren Tisch an dem wir noch ein wenig blitzen. Er war sehr müde, er schien zu schlafen aber offensichtlich hatte er ein waches Auge auf unsere Partie. Als wir so vor uns herpatzen blitze es bei ihm auf einmal auf und er zeigte uns aus dem Stande eine tolle Kombination in der Blitzpartie. Das Erlebnis werde ich nie vergessen!
Silviolo Silviolo 09.11.2021 12:28
Danke für diese berührende Erinnerung,
ganz besonders für die Videos.
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