In Gedenken an Edith Keller-Herrmann

von André Schulz
12.05.2020 – Edith Keller, geboren 1921, war nach dem Krieg über viele Jahre die beste deutsche Schachspielerin. Sie lebte in der DDR, belegte bei der ersten Weltmeisterschaft der Frauen nach dem Krieg den fünften Platz und gewann zehn Landesmeisterschaften. Heute jährt sich ihr Todestag zum zehnten Mal. | Foto: Andreas Saremba

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Die besten deutschen Schachspielerinnen

Die Anzahl der deutschen Schachspielerinnen, die auf absolutem Weltklasse-Niveau mitspielten, ist nicht groß, aber es gab einige solche Spielerinnen. Vor Elisabeth Pähtz spielten schon Spielerinnen wie Sonja Graf, Friedl Rinder und Edith Keller-Herrmann erfolgreich bei Weltmeisterschaften mit. Sonja Graf erreichte beim Weltmeisterschaftsturnier 1939 in Buenos Aires den zweiten Platz hinter Vera Menchik und fast hätte Graf ihre Partie gegen die Weltmeisterin gewonnen. Friedl Rinder erreichte im gleichen Turnier mit 15 Punkten, nur einem Punkt weniger als Sonja Graf und drei Punkten weniger als Vera Menchik, den vierten Platz.

Graf hatte inzwischen ihre Heimat verlassen und einen Amerikaner geheiratet. Der Krieg unterbrach die Karriere von Friedl Rinder. Danach nahm sie noch an einem Kandidatenturnier der Frauen teil, konnte sich aber für die Weltmeisterschaft nicht mehr qualifizieren. Sie spielte aber noch bis in die späten 1960er Jahre auch international noch Turniere, z.B. in der Westdeutschen Frauen-Nationalmannschaft 1966 in Oberhausen. Friedl Rinder starb 2001 im Alter von 95 Jahren.

An der Schacholympiade der Frauen 1966 in Oberhausen nahm auch Edith Keller-Herrmann teil, aber für die Mannschaft der Deutschen Demokratischen Republik. Edith Keller, geboren am 17. November 1921 in Dresden, besuchte 1936 ein Schachturnier, bei dem Alexander Aljechin mitspielte, und wurde dann vom Schachfieber ergriffen. Ihr vier Jahre älterer Bruder Rudolf Keller hatte mit 12 Jahren das Schachspiel vom Vater gelernt. In den Jahren von 1935 bis 1938 wurde Rudolf Keller schon Dresdener und Sächsischer Meister. 1939 belegte Rudolf Keller bei den Deutschen Meisterschaften den sechsten Platz. Edith Keller eiferte ihrem Bruder nach. 1939 wurde sie zu einem Lehrgang des Großdeutschen Schachbundes eingeladen, einer Jugendschachwoche in Fürstenwalde. Unter den anderen Nachwuchsspielern des Lehrgangs befanden sich Klaus Junge und Wolfgang Unzicker.

1942 konnte Edith Keller die Deutsche Meisterschaft der Frauen gewinnen. Von Anfang an spielte Edith Keller aber auch bei Männerturnieren mit und belegte bei einem Turnier in Bad Krynica 1943 den siebten Platz. Gegen den großen Efim Bogoljubow spielte sie dort remis.

Nach dem Krieg nahm sie an der ersten offenen Meisterschaft der Ostzone teil, 1946 in Leipzig, und wurde hinter Rudolf Teschner Fünfte. Zwischen 1947 und 1953 wurden fünf gesamtdeutsche Meisterschafen ausgetragen, von den Edith Keller mit einer Ausnahme alle gewinnen konnte. Die Meisterschaft von 1949 in München ging an Friedl Rinder.

Edith Keller 1951

Beste nicht-sowjetische Spielerin

1949 wurde Edith Keller als einzige deutsche Spielerin zu der ersten Nachkriegs-Frauenweltmeisterschaft eingeladen. Diese fand zum Jahreswechsel 1949/50 in Moskau statt. Um ihre Teilnahme gab es zuvor in der FIDE einen Streit, denn einige Funktionäre waren der Ansicht, es wäre noch zu früh, um nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine Spielerin aus Deutschland einzuladen. Letztlich durfte Edith Keller aber mitspielen und bestätigte die Entscheidung als beste nichtsowjetische Spielerin mit einem geteilten fünften bis siebten Platz. Gegen die beiden Bestplatzierten, die spätere Weltmeisterin Liudmilla Rudenko und Olga Rubtsova, spielte sie remis, verlor aber die Partien gegen Elisaveta Bykova und Valentina Borisenko und kam so mit zwei Punkten Rückstand auf die Siegerin ins Ziel.

 

In den folgenden Jahren nahm Edith Keller noch an drei Frauen-Kandidatenturnieren teil, mit dem dritten Platz als beste Platzierung, konnte sich aber nicht als Herausforderin qualifizieren.

 

1950 nahm Edith Keller an einem gesamtdeutsche Turnier in Duisburg teil. Sie wurde dort als einzige Frau im Feld Achte. 1951 bei einem Turnier in Dortmund wurde sie - wieder als einzige Frau -zwar nur Vorletzte, nahm aber Bogoljubow erneut ein Remis ab und besiegte Nicolas Rossolimo.

 

Im Laufe ihrer Karriere gewann Edith Keller insgesamt fünfmal die Deutsche Meisterschaft der Frauen und wurde fünfmal DDR-Landesmeisterin. 1953 und 1958 spielte sie als einzige Frau bei den offenen DDR-Landesmeisterschaften mit. Zwischen 1957 und 1969 vertrat sie viermal die deutschen Farben in der DDR-Mannschaft bei Schacholympiaden, gewann dreimal Bronze mit der Mannschaft und einmal Bronze, einmal Silber in der Einzelwertung. 1969 zog sich Edith Keller-Herrmann vom Turnierschach zurück und nahm viele Jahre später nur noch einmal an einem Turnier teil.

1978 verlieh die FIDE ihr den Titel einer Großmeisterin (WGM). Die Emanuel-Lasker-Gesellschaft nahm sie 2001 als Ehrenmitglied auf.

Hans Holländer (+ 2017), Susanna Poldauf, Pauls Werner Wagner, Edith Keller-Herrmann (+2010, im Jahr 2001) | Foto: Andreas Saremba

1951 heiratete Edith Keller den Arzt Ludwig Herrman, der auch ein starker Schachspieler war - er nahm 1956 in der DDR-Nationalmannschaft an der Schacholympiade teil - und hatte mit ihm eine Tochter. Heute jährt sich Edith Keller-Herrmanns Tod zum 10. Mal. Sie starb am 12. Mai 2010 in Ingolstadt. 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.