Interview in Neues Deutschland

17.01.2005 – In seiner Wochenendausgabe brachte Neues Deutschland ein Interview mit dem ChessBase-Geschäftsführer Rainer Woisin, das Dr. René Gralla geführt hat. Die Hamburger Firma habe es geschafft, sich auch nach dem Zusammenbruch vieler Internetportale mit Schachsoftware und einem Schachserver weltweit erfolgreich zu behaupten. Das Aushängeschild ist die ChessBase-Schachnachrichtenseite in drei Sprachen, die sich inzwischen zum größten Schachnachrichtenportal der Welt entwickelt hat. Über 100.000 Besucher rufen die Seite täglich auf. Dies zeigt, dass Schach so vielfältig ist, dass man täglich darüber berichten kann, aber auch, dass es ein breites Interesse am Schach gibt. Interview in Neues Deutschland...Nachdruck...

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ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

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Interview mit Rainer Woisin.
Nachdruck aus Neues Deutschland mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Wo sich Bobby Fischer und eine nackte Großmeisterin treffen - virtuell ...
Von Dr. René Gralla
 
Alle reden von Krise, ChessBase aus Hamburg zeigt, wie es anders geht. Das kleine, aber kreative Team aus 17 Mitarbeitern, die auf einer Büroetage am Mexikoring in der City Nord werken, produziert das größte Schachnachrichtenportal der Welt, mit täglich 100.000 Besuchern. Inzwischen ist jetzt auch der ChessBase-Server die globale Nr. 1, in der Spitzenzeit ab 21 Uhr tragen dort rund 3000 Spieler aus 100 Nationen ihre Partien aus. Untrennbar verbunden mit dieser Erfolgsgeschichte sind die Programme "Fritz 8" (über eine Million Mal verkauft) und die preisgekrönte Ausgabe für Kinder, "Fritz & Fertig"; Bestellungen gehen ein von den Fidschi-Inseln und aus Aruba, aus Grönland und aus Honolulu. Die Führungs-Troika von ChessBase, die beiden Geschäftsführer Rainer Woisin und Matthias Wüllenweber sowie Marketing-Chef Frederic Friedel, kommt selber aus der Schach-Szene; mit dem 40-jährigen Rainer Woisin hat der Autor Dr. René Gralla gesprochen.


Rainer Woisin (Foto: C.Harder)

 
Sie haben einen Traum verwirklicht: mit Ihrem Hobby richtiges Geld zu verdienen.
 
Darüber freuen wir uns auch. Ich selber komme aus dem Jugendschach, habe damals viel gespielt, und die Liebe zum Schach ist seitdem erhalten geblieben.
 
Trotzdem spielen Sie jetzt in der Firma nicht den ganzen Tag Schach? Das ist ja eine Gefahr bei echten Fans.
 
Deshalb sehen Sie hier auch keine Schachbretter auf den Tischen. Aber ab und zu spielen wir natürlich auf dem Server, das gehört schließlich dazu, auch zum Test der Produkte.
 
Sie sind ein Unternehmen, das viel mit dem Internet arbeitet. Und da gehören Sie zu den Wenigen, die den Crash vor wenigen Jahren überlebt haben.
 
Wir haben eben nicht erst einen Spielserver eröffnet und dann auf die ersten User gewartet. Primär haben wir Schachprogramme produziert und die entsprechenden CDs verkauft. Als dann der Internet-Hype begann, haben wir eine Koppelung zwischen dem Vertrieb unserer Produkte und dem Zugang zum Server hergestellt; dabei haben wir uns auf eine große Gemeinde von Spielern gestützt, die bereits unsere Programme nutzten. Das ist der große Unterschied zu Firmen gewesen, die zwar eine gute Idee hatten, aber noch nicht die Kunden dazu.
 
Untrennbar verbunden mit dem Aufstieg von ChessBase ist Ihr Vorzeigeprodukt "Fritz 8": eines der international stärksten Schachprogramme, das sogar gegen Stars wie Garri Kasparow und Weltmeister Wladimir Kramnik Remis gehalten hat. Was ist das Geheimnis von "Fritz 8"?
 
Ein spezieller Algorithmus, nach dem die Engine Züge berechnet. Dabei nutzt "Fritz 8" auch die ChessBase-Datenbank von über drei Millionen Partien.
 
Aus "Fritz" hat sich auch der kleine "Fritz" entwickelt, nämlich "Fritz & Fertig" für den Nachwuchs. Ist Schach gut auch schon für Kinder?
 
Sie lernen sich zu konzentrieren, das ist das Wichtigste. "Fritz & Fertig" ist mittlerweile in zwölf Sprachen übersetzt, demnächst erscheint eine Version in Korea.
 
Aushängeschild von ChessBase sind Ihre täglich aktualisierten Nachrichtenseiten in deutscher, englischer und spanischer Sprache ...
 
... wobei wir Wert auf eine besondere Note legen. ChessBase ist kein Nachrichtendienst im engeren Sinn, sondern wir zeigen mit Spaß und etwas Ironie die bunte Welt unseres Spiels: Da kann es um Kultur oder Wirtschaft gehen, oder Schauspieler und Politiker bringen sich mit Schach in Verbindung.
 
Bei ChessBase übernehmen Sie teilweise auch Beiträge aus der übrigen Presse, das "Neue Deutschland" ist da inzwischen ja auch häufiger präsent. Widerlegt das nicht die weit verbreitete Ansicht, irgendwann werde das Internet die Druckpresse verdrängen? Zeigt ChessBase nicht vielmehr, dass eine Symbiose zwischen Online-Presse und Print möglich ist, zum wechselseitigen Nutzen?
 
Die verschiedenen Formen können voneinander profitieren. Deswegen unterstützen wir die Schachberichterstattung jeder Art, ob es gute Berichte im "Neuen Deutschland" sind, ob es Radio ist oder Fernsehen.
 
Da scheuen Sie sich auch nicht, Nacktfotos der russischen Großmeisterin Maria Manakowa zu veröffentlichen - obwohl einige Schachanhänger, die um die Seriosität des Denksports fürchten, vernehmlich gegrummelt haben.
 
Meinetwegen kann öffentlich gegrummelt werden. Trotzdem gucken sich das dann doch alle an. Beim Schach sitzen nicht nur pickelige, vereinsamte und kommunikationsunfähige Menschen am Brett.
 
Das Beispiel Maria Manakowa zeigt mithin, dass Schach nicht nur eine Sache für wenige Eingeweihte ist.
 
Schach ist ein Bestandteil unserer Kultur. Der "Spiegel" hat vor einigen Jahren in einer Umfrage ermittelt, dass 20 Prozent der Bundesbürger Schach spielen können. Deswegen ist Schach kein Nischenthema. Nehmen Sie doch auch den Fall Bobby Fischer: Jahrelang ist der Mann nicht mehr im Schachsport aktiv gewesen, und trotzdem steht er immer noch für den dramatischen Ost-West-Konflikt und die unvergessenen WM-Partien 1972 in Reykjavik. Und so schlägt es jetzt diplomatische Wellen, dass Island angeboten hat, Bobby Fischer könne dort einreisen, nachdem er vergangenen Sommer in Japan verhaftet worden ist; denn nun kommen Einwendungen von der amerikanischen Regierung. Folglich hat sich ChessBase bemüht, am Thema Fischer sehr nah dran zu sein. Zumal Fischers Lebensgefährtin, wie wir inzwischen wissen, der japanische Distributor unserer Schachsoftware ist ...
 
Das ist Miyoko Watai, die Präsidentin des japanischen Schachverbandes ...
 
... vielleicht hat ja Bobby Fischer sogar unser Programm "Fritz" eingetütet und im Versand geholfen.
 
Planen Sie ein exklusives ChessBase-Interview mit Bobby Fischer?
 
Nein. Fischers aktuelle Statements sind wenig appetitlich; sie zeigen, in welche Richtung auch Genies abdriften können. Ein Interview mit Garri Kasparow ist uns da wesentlich lieber.
 
Schacholympia kommt 2008 nach Dresden. Wird das einen neuen Schachboom in Deutschland auslösen?
 
Das wird ein gewaltiges Sportereignis, eine der größten Sportveranstaltungen, die es überhaupt gibt. Wir senden bereits Schach-TV im Internet, jeden Freitag ab 17 Uhr. Das werden wir ausbauen: Für Olympia in Dresden planen wir eine tägliche Berichterstattung.
 

Interview: Dr. René Gralla

 

 

 

 

 

 

 


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