Interview mit Elisabeth Pähtz

06.11.2006 – Freitag in zwei Wochen wird in Berlin alte Tradition wieder belebt. Früher war es in Deutschland durchaus üblich, dass Tageszeitungen auch große internationale Turniere organisierten, darunter ein Klassiker wie Berlin Tageblatt 1928 (Capablanca gewann, Marshall wurde Letzter, Tarrasch stieg nach drei Runden aus). Turniere unter der Ägide von Tageszeitungen im europäischen Ausland waren oder sind z.B. die London Times Weltmeisterschaft 1993 und der Politiken Cup. In Berlin engagiert sich nun die Tageszeitung Neues Deutschland und organisiert zusammen mit der Zeitschrift Schach, Dorland und der Laskergesellschaft ein Frauenschnellschachturnier (Fr.17.Nov, 16.00 Uhr). Eine der Teilnehmerinnen ist Elisabeth Pähtz. Art Kohr führte mit der zweifachen Weltmeisterin ein Interview für Neues Deutschland. Interview bei Neues Deutschland...Nachdruck...

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Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

 

Die Erfurterin Elisabeth Pähtz ist Favoritin beim „1.ND-Damenturnier“ am 17. November in Berlin:

"Mit einem glücklichen Händchen ist auch die WM zu schaffen"

Wichtige überregionale Zeitungen, die Schachturniere veranstalten: Das hat eine gute Tradition, beispielhaft ist der „Politiken Cup“, zum dem alljährlich Kopenhagens Tagesblatt „Politiken“ in die dänische Hauptstadt lädt.

Hierzulande hat die in Berlin erscheinende Tageszeitung „Neues Deutschland“ (Abk.: ND) seit gut zwei Jahren kontinuierlich eine regelmäßige Schachberichterstattung aufgebaut, mit Interviews und Reportagen über wichtige Wettkämpfe und neue Trends. Das ND ist damit konkurrenzlos in der deutschen Presselandschaft.

Und nun vollzieht die Redaktion den logischen nächsten Schritt: Das „Neue Deutschland“ veranstaltet in Kooperation mit der Zeitschrift „Schach“, der Werbeagentur Dorland und ChessBase das „1.ND-Damenturnier“ am 17. November 2006 in Berlin. Vier Weltklassespielerinnen kämpfen um Sieg und Platz im Schnellschachmodus; Topstars sind dabei die Frontfrau der Republik, Elisabeth Pähtz (21), und Goldmedaillengewinnerin Inna Gaponenko (30) aus der Ukraine.

Ein hochkarätiger Wettkampf in stilvollem Rahmen: in den Räumen der „Emanuel Lasker Gesellschaft“, zu deren Mitgliedern auch Persönlichkeiten wie Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter zählen. Für die Schachgala des ND werden 50 Freikarten verlost unter allen richtigen Einsendern, die drei Schachaufgaben gelöst haben, die sowohl in der Printausgabe des „Neuen Deutschland“ veröffentlicht als auch unter dem nachfolgenden Link online gestellt worden sind:

www.nd-online.de/rubrikschach1106.asp

Mit Elisabeth Pähtz, auf der vor allem die Hoffnungen der deutschen Fans ruhen, hat ND-Autor Art Kohr gesprochen.

ND: Geht es um Schach in Deutschland, fällt meist sehr schnell Ihr Name. Macht Sie das stolz - oder empfinden Sie das manchmal auch als Last?

ELISABETH PÄHTZ: Seit 16 Jahren spiele ich Schach, die Erfolge sind mir nicht zu Kopf gestiegen. Und was die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit angeht: Klar, ein gewisser Druck ist schon zu spüren, aber ich kann damit umgehen.

ND: Unter den jungen Männern der Republik gibt es niemanden, der Ihnen das Wasser reichen kann.

E. PÄHTZ: Vergessen Sie aber nicht Arkadij Naiditsch aus Dortmund, der ist sehr stark.

ND: Naiditsch ist gebürtiger Lette und erst vor knapp zwei Jahren eingebürgert worden. Ansonsten ist im Land, das einst stolz war auf einen Emanuel Lasker – der war Rekordweltmeister von 1894 bis 1921 - aktuell kein WM-Kandidat in Sicht. Woran liegt’s?

E. PÄHTZ: Heutzutage haben es die Jungs generell viel schwerer als die Mädchen, einen Titel zu holen, weil das Feld an der Spitze sehr dicht ist. Im Frauenschach ist die Zahl der Mitbewerberinnen deutlich geringer, und das Leistungsniveau ist nicht so hoch wie bei den Männern.

ND: Unverbesserliche Machos werden das gerne hören.

E. PÄHTZ: Bis zu einem gewissen Grad können Sie das vergleichen mit der Leichtathletik, wo die Männer aus rein körperlichen Gründen stärker sind als die Frauen. Und auch für Schach bringen Männer bessere Voraussetzungen mit: Sie haben bessere Nerven, während Frauen sensibel reagieren auf Konflikte, die sie vielleicht außerhalb des Sports in Partnerschaft oder Familie belasten. Männer stecken das leichter weg.

ND: Kann es nicht auch sein, dass Frauen einfach weniger verbissen sind? Dass Frauen nicht bereit sind, alles zu opfern für eine mögliche Karriere im Schach?

E. PÄHTZ: Das stimmt, Frauen sind nicht so fanatisch. Frauen finden noch andere Dinge im Leben wichtig, nicht bloß Schach.

ND: Tut Deutschland genug, um Schach fördern?

E. PÄHTZ: Schach ist nun mal kein Fußball, und Deutschland ist nicht Russland, deswegen räumt die Politik dem Fußball Priorität ein. Zumal Schach nicht medientauglich ist, jedenfalls ist das die Einstellung bei den Verantwortlichen in den Fernsehsendern. Weil Schach angeblich nicht spektakulär genug ist.

ND: 2008 ruft Dresden die Aktiven zu Schacholympia. Müsste jetzt endlich mehr Geld in den Denksport gesteckt werden?

E. PÄHTZ: Ich denke, dass Dresden alle Anstrengungen unternimmt und Olympia 2008 groß aufzieht. Einen kleinen Vorgeschmack hat bereits der WM-Cup der Frauen parallel zur Fußball-WM im vergangenen Sommer gegeben; der Cup ist von den Medien gerne aufgegriffen worden.

ND: Am 17. November treffen Sie beim „1.ND-Damenturnier“ in Berlin auf Spitzenfrauen aus der internationalen Schachszene. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen?

E. PÄHTZ: Alles ist offen, zumal Inna Gaponenko zugesagt hat, die vor wenigen Monaten während Schacholympia 2006 in Turin mit der Frauenmannschaft für die Ukraine Gold holte. Ich möchte keine Prognose abgeben.

ND: Das Vierer-Turnier macht höchst attraktiv Werbung für Schach …

E. PÄHTZ: … Frauen sind nun mal besser präsentabel als Männer. Wer guckt sich gerne Männer an – wenn es sich nicht gerade um Brad Pitt handelt?!

ND: Dagegen hat das vor wenigen Wochen ausgetragene 12-Runden-Match zwischen den konkurrierenden Champions Kramnik und Topalow im kalmückischen Elista um den Titel des Superweltmeisters für zweifelhaftes Aufsehen gesorgt. Die Duelle am Brett wurden überlagert von „Toilet-Gate“: einem bizarren Streit um angeblich auf dem Klo versteckte Schachcomputer.

E. PÄHTZ: Das war für die Presse natürlich ein gefundenes Fressen: ein Toilettenskandal, über den man viel schreiben kann. Ich fand es enttäuschend, dass der Wettkampf in diese Richtung eskaliert ist.

ND: Sie persönlich spielen nicht nur Schach, sondern dienen als Zeitsoldatin beim Heer. Wie lange haben Sie sich verpflichtet?

E. PÄHTZ: Auf zwei Jahre, mein momentaner Dienstgrad ist Obergefreite. Ich bin stationiert bei der Sportförderkompanie in Frankenberg, Sachsen. Die Dienstzeit endet am 31. Dezember 2007.

ND: Ihr Pläne danach?

E. PÄHTZ: Wahrscheinlich studiere ich in Berlin, ich möchte Lehrerin an einer Grundschule werden.

ND: In Spanien ist Schach ein ordentliches Lehrfach. Halten Sie Vergleichbares in Deutschland für wünschenswert?

E. PÄHTZ: Ich finde es wichtig, dass die Kinder neben dem Unterricht einen Ausgleich finden, das kann Schach sein oder ein anderer Sport. Vielleicht werde ich später an meiner Schule AG’s für Schach einrichten.

ND: Sie sind Internationale Meisterin und Großmeisterin der Frauen. Nach Ihren Titelgewinnen in den Altersklassen U18 und U20: Träumen Sie manchmal von der richtigen WM?

E. PÄHTZ: Ein Vorstoß bis ins Finale ist nicht unrealistisch. Falls dann noch ein glückliches Händchen dazu kommt – ist auch die WM zu schaffen.

MIT LINKS SIEGEN - MIT DEM LINKSSPRINGER

Mutig, cool und schnell: So agiert Deutschlands Vorzeigefrau Elisabeth Pähtz am Brett. Und sie beschränkt sich dabei nicht nur auf das klassische Repertoire, sondern geht furchtlos auch mal ungewöhnliche Wege: Während der deutschen U18-Meisterschaft 1999 in Oberhof schockt sie ihren Gegner mit einem Vorstoß des linken weißen Springers zum Auftakt des Gefechts – und erzwingt die Kapitulation des Schwarzen in unglaublichen sechs (!!) Zügen.

Nachfolgend das Protokoll des kürzesten Sieges, den Elisabeth Pähtz in ihrer bisherigen Karriere errungen hat – wobei sie zugleich einen neuen Rekord unter Spielerinnen und Spielern ihrer Leistungsklasse aufgestellt haben dürfte.

(1) Paehtz,Elisabeth (2211) - Pitl,Gregory (2157) [A00]

DEM U18 Oberhof (5), 25.05.1999

[Anmerkungen von GM Thomas Pähtz]

Linksspringer-Eröffnung

1.Sc3!? …

Ein ungewöhnlicher Beginn. Mit dem Springerzug will Elisabeth den ausanalysierten Varianten aus dem Weg gehen (GM Thomas Pähtz).

1... c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5?!

Die Taktik von Elisabeth ist aufgegangen. Schwarz, der auf 1.e4 … stets die komplizierte Schweschnikow-Variante bevorzugt, folgt blind seiner Theorie. Doch Dank des eingesparten Zuges e2-e4 hat Weiß ein entscheidendes Tempo mehr [4...Sf6 5.Lg5 e6 6.e4 d6 7.Dd2 wäre normal.] (GM Thomas Pähtz).

5.Sdb5 d6??

Hier half nur noch die sofortige Vertreibung des Springers mit 5…. a7-a6 (GM Thomas Pähtz).

6.Sd5!



Fazit von GM Thomas Pähtz: „Nach diesem Zug gab der Nachziehende vielleicht etwas verfrüht, aber trotzdem verständlicherweise auf. Das Springerschach auf c7, das den König ins Freie treibt, ist nicht mehr zu verhindern. Im Nu bildete sich eine dichte Spielertraube um das Brett - die mit 10Minuten kürzeste Partie der Deutschen Meisterschaft 1999 wollte sich niemand entgehen lassen.“

6. … Aufgabe 1–0

„1.ND-Damenturnier“ in Kooperation mit der Zeitschrift „Schach“, der Werbeagentur Dorland und ChessBase: 17. November 2006 von 16 Uhr bis 21 Uhr in der „Emanuel Lasker Gesellschaft“ Berlin, Leuschnerdamm 31, Telefon 030 / 616 84 130

 

 

 

 


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