Interview mit Elisabeth Pähtz

24.01.2012 – Die deutsche Nummer Eins der Frauenrangliste, Elisabeth Pähtz, wird in Kürze als Trainerin talentierte Mädchen unterstützen und als Assistentin im Verband arbeiten - in der Türkei. In einem Interview mit Tata Steel TV hatte die zweifache Jugendweltmeisterin dies bereits angedeutet und nun ihre Zukunftspläne in einem Interview mit Axel Eger im Detail erläutert. Die Erfurterin hatte nach der Schule eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin beendet, konnte sich aber ein leben ohne Schach nur schwer vorstellen. Nun hat ihr der türkische Verband eine Tätigkeit angeboten, in dem sie beides miteinander verbinden kann. "In Deutschland hat man geringere Perspektiven, gerade, wenn man als Trainer arbeiten will. In der Türkei dagegen boomt Schach derzeit unglaublich und es wird sehr viel in die Jugendförderung gesteckt," begründet Elisabeth Pähtz ihren Schritt. Mit der Europameisterschaft, die ab 1. März in Gaziantep stattfindet, zeiht die deutsche Nationalspielerin um und wird fortan in Ankara wohnen.Elisabeth Pähtz bei ChessBase...Zum Interview...

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"Ein Leben ohne Schach ist schwer vorstellbar"
Interview mit Elisabeth Pähtz
Von Axel Eger
Fotos: Axel Eger, Joachim Schulze, Nadja Wittmann, Jeroen van den Belt

Beim Turnier in Wijk aan Zee kündigte Elisabeth Pähtz einen überraschenden Karriereschritt an. Deutschlands Nr. 1 wird im März in die Türkei ziehen und in Ankara beim Türkischen Schachverband als Trainerin und Assistentin von Verbandspräsident Ali Nihat Yazici arbeiten. Dennoch will die 27-jährige Erfurterin weiterhin am Brett sitzen und spielen - wenn auch etwas weniger als bisher. Axel Eger sprach mit Elisabeth Pähtz über ihre Zukunftspläne.

Wie kam der Kontakt mit dem türkischen Verband zustande?

Ich hatte mich bei der Mannschafts-Europameisterschaft im November in Porto Carras mit Verbandspräsident Ali Nihat Yazici unterhalten. Wir redeten über dies und das und kamen irgendwie auf das Thema Zukunftsperspektiven. Als ich ihm sagte, dass ich viel Spaß habe, mit Kindern zu arbeiten und außerdem mir die Türkei sehr gefällt, hat er eins und eins zusammengezählt . . .

. . . und dir ein Angebot unterbreitet. Was sind dort deine Aufgaben?

Meine Haupttätigkeit wird die eines Trainers sein. So soll ich die 13-jährige Menzi Nezihe Ezgi betreuen. Sie hat eine Elo-Zahl von rund 1900 und gehörte bei der EM schon zur türkischen Nationalmannschaft.  Aber da kommen sicher noch weitere Spielerinnen und Spieler dazu. Ein weiterer Aspekt ist die administrative Verbandsarbeit, für die ich aufgrund meiner Fremdsprachenkenntnisse eingesetzt werden soll. Eventuell bin ich auch beim WM-Kampf zwischen Anand und Gelfand im Mai in Moskau dabei.

In welcher Funktion?

Es kann gut sein, dass ich den Verbandspräsidenten, der ja gleichzeitig auch Vize-Präsident des Weltverbandes FIDE ist, auf Geschäftsreisen als Dolmetscherin begleite. Er spricht beispielsweise kein Russisch. Das wäre sicherlich eine meiner Aufgaben in Moskau.

Wie sehen deine Umzugspläne für die kommenden Wochen aus?

Nach Wijk  stehen im Februar nur die Termine in der Frauen- und Männer-Bundesliga an. Am 1. März fahre ich zur Einzel-Europameisterschaft - praktischerweise ist die in Gaziantep in der Türkei. Ich bleibe anschließend gleich dort und ziehe damit sozusagen um. Leben werde ich künftig in der Hauptstadt Ankara.

Musstest du lange überlegen, um das Angebot anzunehmen?

Eigentlich nicht. Es ist ein multifunktionaler Job, wo ich mal hier und mal dort bin. Und es klingt spannend. Alles andere ergibt die Zeit. In Deutschland jedenfalls hat man deutlich geringere schachliche Perspektiven, gerade, wenn man als Trainer arbeiten will. In der Türkei dagegen boomt Schach derzeit unglaublich und es wird sehr viel in die Jugendförderung gesteckt.

Bleibt da überhaupt noch Zeit zum Schachspielen? Wird man dich auch künftig am Brett sehen?  

Natürlich! Die großen Turniere werde ich weiterhin für Deutschland spielen. Die Olympiade findet ja im August und September auch in der Türkei, in Istanbul, statt. Und meine Lieblingsligen, zu denen auch die Bundesliga gehört, werde ich gewiss nicht verpassen. Openturniere werde ich aber weniger spielen.

Angst vor Heimweh?

Ach, vorher war ich doch auch nur selten zu Hause. 

Wie zu hören war, arbeitest du zur Zeit an einem Schulschachprojekt für die FIDE. Was steckt dahinter?

Es gibt jetzt eine Aktion bei der FIDE, die sich  "Schach in Schulen " nennt. Damit sollen weltweit Kinder für Schach begeistert werden. Das Ganze läuft über das Internet und besteht aus verschiedenen Bausteinen. Zum einen etwa,  wie man Mitglied im Verein wird und welche Vorteile man dort hat. Dann gibt es Kapitel, in denen erklärt wird, wie jede Figur zieht und wieder andere, in denen alle Schachregeln zusammengefasst sind. Es wird in verschiedene Sprachen übersetzt und ich übersetze halt vom Englischen ins Deutsche.

Du spielst in diesen Tagen erstmals  in Wijk aan Zee. Ist es tatsächlich etwas Besonderes?

Na klar ist es schon etwas Besonderes, zu solch einem Turnier eingeladen zu werden. Es hat einen berühmten Namen und eine lange Tradition.  Was das Feeling angeht, ist es für mich aber nicht so viel anders als andere Turniere auch. Zum Glück habe ich mit Sergej Karjakin und Vugar Gashimow zwei tolle Kumpels. Zweieinhalb Wochen allein in Wijk - das wäre trotz des nahen Meeres, das ich so liebe, ziemlich langweilig.

Wo spielst du überhaupt am liebsten Schach?

Ich liebe den Kaukasus! Vor allem wegen des Essens und der Leute. Dort spiele ich gern Turniere, wie überhaupt generell in Russland. Man merkt, dass Schach dort einen ganz anderen Stellenwert hat.  Auch hier in den Niederlanden spürt man das.

Mittlerweile bist du ausgebildete Fremdsprachenkorrespondentin. Hast du mal überlegt, in diesem Beruf zu arbeiten?

Ja, ich hatte mal darüber nachgedacht. Aber ein Dasein ganz ohne Schach ist schwer vorstellbar. Mein ganzer Freundeskreis, ja, mein ganzes Leben baut sich darauf auf.

 

 

 

 

 

 

 

 



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