Interview mit Hanna Marie Klek

26.11.2012 – Am nächsten Wochenende findet im Verlagshaus der Zeitung "Neues Deutschland" die ND-Damenschachgala statt, nun schon zum siebten Mal in Folge. Am Start sind Elisabeth Pähtz, Blitzschachweltmeisterin Valentina Gunina, die österreichische Nationalspielerin Anna-Christina Kopinits und die letztjährige U16-Weltmeisterin Hanna Marie Klek. Die 17-Jährige belegte nun in der Altersklasse U18 den 14. Platz und will sich beim Turnier in Berlin gegenüber den Spitzenspielerinnen Pähtz und Gunina nicht kampflos ergeben. René Gralla fragte die frisch immatrikulierten Mathematik-Studentin (Abiturnote 1,2) , warum sie ihren Erfolg bei der WM nicht wiederholen konnte und warum der deutsche Schachnachwuchs bei den Jugendweltmeisterschaften keine Medaille erreichte. Vorbericht...Zum Interview...

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"Ich werde mich in Berlin nicht 'abschlachten' lassen!"
Interview mit Hanna Marie Klek
Von Dr. René Gralla

Nicht ohne Zuversicht war die deutsche Mannschaft zur diesjährigen Jugend-WM Anfang November 2012 nach Maribor/Slowenien gereist. Schließlich gehörte zur Delegation sogar eine Vize-Weltmeisterin, nämlich die U16-Silbermedaillengewinnerin des Jahres 2011, die frisch immatrikulierte Studentin Hanna Marie Klek (ELO 2244) aus Erlangen. Und am Ende der zwölf Wettkampftage in der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas ist das Team Schwarz-Rot-Gold durchaus nicht unzufrieden in die Heimat zurückgekehrt: Immerhin hatte man gegen sehr starke internationale Konkurrenz dreimal einen Platz unter den Top 10 erkämpfen können.

Auf Hanna Marie Klek, die in Maribor einen respektablen 14. Rang (Altersklasse U18) erreicht hat, wartet in wenigen Tagen die nächste Bewährungsprobe. Die 17-jährige startet am 30. November 2012 in Berlin bei der 7. Internationalen Damenschachgala der Tageszeitung "neues deutschland" (nd). In diesem Schnellturnier trifft sie auf Deutschlands Frontfrau und viermalige nd-Damenschachgala-Gewinnerin Elisabeth Pähtz, 27 (ELO 2482), sowie auf die 23-jährige amtierende Europameisterin und Blitzschach-Weltmeisterin Valentina Gunina (ELO 2514) aus Russland. Das Quartett wird komplettiert von Österreichs 27-jähriger Staatsmeisterin Anna-Christina Kopinits (ELO 2247). Trotzdem sieht sich Hanna Marie Klek (ELO-Zahl: 2244) bei dem bevorstehenden Wettkampf in der Hauptstadt keineswegs als Punktelieferantin, wie sie im Interview mit dem Hamburger Autor René Gralla klarstellt.

Vorbericht zur 7. Internationalen nd-Damenschachgala 2012: www.neues-deutschland.de/artikel/804386.schach-als-tempospiel.html

RENÉ GRALLA:  In der Altersklasse U16 sind Sie Vizeweltmeisterin geworden 2011 in Brasilien. Bei der diesjährigen Jugend-WM sind Sie auf Platz 14 in der Altersklasse U18 gelandet. Edelmetall war dieses Mal nicht drin?

HANNA MARIE KLEK: Dass ich mein sensationelles Ergebnis aus dem letzten Jahr wiederholen könnte, war, zumal ich ja eine Altersklasse höher antreten musste, nicht zu erwarten. Trotzdem hatte ich mir natürlich als Nummer 7 der Setzliste etwas mehr - nämlich einen Platz unter den Top Five - vorgenommen. Gegen vermeintlich schwächere Konkurrenz, eine der Damen belegte am Ende den siebten Rang, tat ich mich zu Beginn aber schwer, ließ einige Gewinnchancen verstreichen und lag mit 3,5 Punkten aus 6 Partien, Quote: ein voller Punkt bei fünf Unentschieden, nicht mal in den Top 20. Durch drei Siege in den Runden 7 bis 9, unter anderem mit Schwarz gegen die Spanierin Amalia Aranaz Murillo, ELO 2244, konnte ich dann jedoch wieder vorne mitmischen. Eine äußert dämliche Niederlage in Runde 10 machte jedoch alle Medaillenträume zunichte. In der Schlussrunde war mit Schwarz gegen WIM Ghazal Hakimifard aus Iran (ELO 2274) erwartungsgemäß nicht mehr als ein Remis drin, während ich mit einem Sieg meinen Setzlistenrang 7 hätte bestätigen können.

RENÉ GRALLA: In der Schlussbilanz kann die Auswahl der Republik auf drei Platzierungen unter den ersten Zehn verweisen. Allerdings fehlt Deutschland in den Siegerlisten: Woran hat’s gelegen?

HANNA MARIE KLEK: Natürlich ist das Ergebnis alles andere als berauschend, die Gründe hierfür sind jedoch vielschichtig. Zum einen war zwar die deutsche Delegation 85 Personen stark, davon waren jedoch nur 40 Spieler. Dass Leistungssport in anderen - insbesondere asiatischen - Ländern selbst in der Randsportart Schach etwas anderes bedeutet und dass dafür gänzlich andere Rahmenbedingungen für die Kinder und Jugendlichen geschaffen werden, das ist sicher bekannt. Welches deutsche Kind wird schon für ein halbes Jahr oder zumindest für einen Monat von der Schule freigestellt, um sich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten? Keins!

Dazu kommt das Einstiegsalter, der Leistungsdruck in jungen Jahren, et cetera. In den jüngsten Altersklassen, also U8 und U10, werden wir meiner Meinung nach auch in den nächsten Jahren nicht ganz vorne mitmischen können, außer vielleicht ein deutscher Magnus Carlsen taucht auf. Trotzdem ist es möglich, die enormen Abstände im Rating - zum Beispiel U12: der Spitzenwert momentan ist ELO 2347, der beste Deutsche hat ELO 1984 - bis zu den höheren Altersklassen aufzuholen.

Dass in diesem Jahr die deutsche Bilanz wesentlich trüber ausfällt als letztes Jahr, ist außerdem unter anderem auch mit dem wesentlich stärkeren Starterfeld in Maribor zu erklären, den Weg nach Brasilien haben sich 2011 wohl viele gespart. Zudem spielt bei einer solchen Meisterschaft natürlich auch das Glück eine gewisse Rolle, es geht eng zu, ein halber Punkt kann zehn Plätze ausmachen. Da wird man in der letzten Runde vielleicht zum deutlich Führenden hochgelost, spielt gegen die direkte Konkurrenz immer mit Schwarz oder läuft in der entscheidenden Partie in die gegnerische Vorbereitung. Für ein sehr gutes Ergebnis muss viel zusammen kommen, insbesondere bei den Jungs sind die Teilnehmerfelder sehr ausgeglichen besetzt, da ist der Erfolg nicht planbar.

RENÉ GRALLA: Der Schachbund hat sieben Trainer, darunter vier Großmeister, mit zur Jugend-WM nach Maribor geschickt. Die haben keinen entscheidenden Unterschied machen können?

HANNA MARIE KLEK: Sieben Trainer für die nominierten Spieler, die anderen mussten sich selbst um Trainer kümmern und die auch bezahlen, sind nicht gerade ideale Rahmenbedingungen. Jeder dieser Trainer betreute in der Regel vier Spieler. Das bedeutet eine Stunde Vorbereitung pro Spieler, sicher ist das meistens ausreichend, mehr aber eben auch nicht.

Zudem wird der Wert eines Trainers für die Vorbereitung stark relativiert, wenn sich vom Gegner keine, wenige oder nur kaum verwertbare Partien in der Datenbank finden. Was, bezogen auf die Verhältnisse hierzulande, höchstens in den Altersklassen U8 und U10 passieren könnte, schließlich werden nicht nur die Partien von sämtlichen Meisterschaften - sprich:  Jugendmeisterschaft, Internet-Jugendmeisterschaft, Ländermeisterschaft, Vereinsmannschaftsmeisterschaft - , sondern auch von immer mehr Open-Turnieren und Ligen sofort in die MegaDatabase beziehungsweise in das wöchentliche Update eingepflegt. Will man sich auf Gegner bei der Jugend-WM vorbereiten, findet man dagegen mit Glück vielleicht frühere Weltmeisterschaften oder vielleicht eine Landesmeisterschaft, aber dann natürlich bloß vom letzten Jahr.

Bei der diesjährigen WM in Maribor kam hinzu, dass einige wenige Mitglieder der deutschen Delegation sechs Kilometer entfernt in einem anderen Hotel untergebracht worden waren, so dass die Vorbereitung teilweise via Skype ablaufen musste.

RENÉ GRALLA: Drängt sich nach Maribor aber vielleicht nicht auch der leise Verdacht auf, dass deutsche Kids womöglich weniger ehrgeizig sind als die internationale Konkurrenz?

HANNA MARIE KLEK:  Natürlich ist auch jedem deutschen Kind klar, dass es durchs Schach spielen nicht reich werden wird, kaum einer wird später vom Schach leben wollen.

RENÉ GRALLA: Tut man der Mannschaft unrecht, wenn man vermutet, dass zur Delegation vielleicht auch der eine oder andere WM-Tourist gehört hat?!

HANNA MARIE KLEK: Gerade in den unteren Altersklassen finden sich sicherlich auch viele WM-"Touristen", schließlich ist so eine Weltmeisterschaft auch ein großes Erlebnis. Das ist bei vielen anderen Nationen jedoch ebenso der Fall, wie kommt man auch sonst auf knapp 1600 Teilnehmer bei der Jugend-WM?

RENÉ GRALLA: Nun haben die Veranstalter Sie zur 7. Internationalen nd-Damenschachgala 2012 am 30. November nach Berlin eingeladen. Dort wird die Konkurrenz ziemlich hart, die drei anderen Teilnehmerinnen des Schnellturniers liegen der Papierform nach mit ELO-Wertungspunkten vor Ihnen. Rechnen Sie sich trotzdem eine Chance aus?

HANNA MARIE KLEK: Natürlich ist es für mich zunächst einmal eine Ehre, überhaupt dabei zu sein. Gegen so starke Gegnerinnen habe ich noch nie Schnellschach gespielt. Aber dabei sein ist nicht alles, ich möchte mich sicher nicht "abschlachten" lassen oder nur Erfahrungen sammeln. Ich habe- fast - nichts zu verlieren und kann ohne Druck spielen. Die Grundstellung im Schach ist noch immer ausgeglichen, und nicht zu verlieren ist sicherlich einfacher als zu gewinnen.

RENÉ GRALLA: Was planen Sie im Anschluss an das Berliner Turnier?

HANNA MARIE KLEK: Nach meinem Debüt im Juli 2012 beim Länderkampf gegen Polen möchte ich mich in den nächsten Jahren in der Nationalmannschaft etablieren. Auch der WGM-Titel ist nicht mehr weit weg, und 2013 möchte ich bei meiner letzten Jugend-WM noch einmal eine Medaille gewinnen.

RENÉ GRALLA: Und was ist das Maximum, das Sie im Schach irgendwann einmal erreichen wollen und sich auch zutrauen?

HANNA MARIE KLEK: Mein größtes Ziel? Schwer zu sagen. Natürlich habe ich Träume, aber ich plane eher Schritt für Schritt.

RENÉ GRALLA: Neben Schach spielen Sie auch Handball, wie wir hören ...

HANNA MARIE KLEK: ... ich spiele schon länger kein Handball mehr ...zu wenig Zeit!

RENÉ GRALLA: Und wie steht es mit dem Cello, das Sie auch beherrschen?

HANNA MARIE KLEK: Auch mein Cello ruht nach über neun Jahren seit meinem Abitur im Mai diesen Jahres. Mir fehlt die Zeit und entsprechend dann auch die Motivation. Stattdessen bin ich jetzt zweite Jugendleiterin in meinem Schachverein und trainiere ehrenamtlich eine Mädchengruppe.

RENÉ GRALLA: Das Abitur haben Sie mit der Traumnote 1,2 abgeschlossen. Wie geht es jetzt weiter mit Ihrer Ausbildung?

HANNA MARIE KLEK:  Ich studiere Mathematik- aber nicht mit dem Ziel  Lehramt - an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

 

 

 

 

 



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