Interview mit Jeroen van den Berg

25.01.2007 – Jeroen van den Berg gehört zu den erfolgreichsten Turnierorganisatoren der Welt. Neben dem Corus-Turnier in Wijk organisiert er das Essent-Turnier in Hoogeveen und außerdem Joop van Oosteroms Amber Melody in Monaco. In allen drei Turnieren werden ganz unterschiedliche Konzepte realisiert, aber alle drei verbindet der Erfolg. Im Interview mit Dagobert Kohlmeyer erklärt Jeroen van den Berg das Erfolgskonzept des Turniers in Wijk aan Zee. Absolute Spitzenspieler kreuzen die Klingen mit den besten Talenten. Aber auch die nationalen Kräfte kommen zum Zuge. Obwohl der Corus-Konzern zum Verkauf ansteht, ist das Turnier mindestens noch bis 2010 gesichert. Mehr...

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Zukunft des Corus Turniers ist gesichert
Interview mit Jeroen van den Berg
Von Dagobert Kohlmeyer

Beim Corus Turnier bildet der Niederländer Jeroen van den Berg gemeinsam mit seinem Landsmann Dolf Vos seit Jahren eine bewährte Doppelspitze. Dagobert Kohlmeyer sprach mit dem 44-jährigen Turnierdirektor, der in Amsterdam lebt und mit einer Italienerin verheiratet ist, über den Jahrgang 2007 und die Zukunft des Schachfestivals an der Nordsee.


Dolf Vos


Jeroen van den Berg

Wie lange bist du eigentlich schon dabei, Jeroen?

Ich habe nächstes Jahr zwei Jubiläen. 2008 bin ich zum 25. Mal in Wijk aan Zee  involviert. 1984 habe ich hier als junger Pressemitarbeiter begonnen. Und Turnierdirektor bin ich im kommenden Jahr das zehnte Mal. 1999 habe ich dieses Geschäft von Piet Zwart übernommen.

Was ist das Besondere an diesem Jahrgang?

Wir haben mit dem Weltmeister Kramnik sowie mit Topalow und Anand die drei besten Schachspieler der Welt hier. Dann kommt eine Lücke, und es folgen die anderen Weltklasse-Leute. Die meisten spielen sehr ambitioniert.

Besonders die junge Generation klopft 2007 kräftig an die Tür.

Das stimmt. Radjabow, Karjakin, Navarra und Carlsen wollen den Großen das Leben schwer machen. Sicher mit unterschiedlichem Erfolg, aber vor allem Teimur Radjabow hat bisher gezeigt, dass er ein ernster Konkurrent für die etablierten Stars ist. Auch David Navara spielte tolle Partien gegen die Großen.

Auf die gute Mischung kommt es eben an.

Das war die Idee in diesem Jahr. Neben Spielern, die wir ganz oft in Wijk aan Zee gehabt haben, luden wir junge Burschen ein, die sehr ehrgeizig sind und denen die Zukunft gehört.

Seit ihrem WM-Duell in Elista sind Kramnik und Topalow keine Freunde mehr. Spürst du hier etwas von ihrer Rivalität?

Sie lassen es sich zwar nicht so anmerken, aber ich stellte natürlich fest, dass sie nicht miteinander sprechen. Auch die Manager der beiden nicht. Man streitet sich hier nicht, sondern meidet einander. Jeder spielt sein eigenes Turnier.

Eure Auslosung war genial: Die beiden treffen erst am Samstag in der vorletzten Runde aufeinander!

Wir haben schon vor dem Turnier darüber gesprochen, wie es wohl kommen wird. Es wäre ja auch möglich gewesen, dass sie sich am Anfang treffen. Mit der jetzigen Konstellation erhält das Duell Kramnik - Topalow, in dem es vielleicht um den Turniersieg geht, noch zusätzliche Brisanz.

Großartig am Corus Turnier ist neben dem Festivalcharakter mit Profis und Amateuren in einer Halle die Tatsache, dass in der B- und C-Gruppe immer auch neue, ganz junge Talente eine Chance erhalten. Ich denke nur an den Inder Negi und die Chinesin Hou Yifan.


Parimarjan Negi


Negi mit Trainer Ubilawa


Hoe Yifan

Ich meine, dass Hou Yifan nach Judit Polgar die beste Spielerin der Welt werden kann. Ihre Entwicklung verläuft unglaublich schnell. Ob sie dann wirklich so stark wie Judit wird, muss die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall wird sie, denke ich, in vielleicht zwei Jahren die Nr. 2 in der Frauen-Weltrangliste sein. Sie hat wirklich großes Talent, das sehen wir schon.

Dabei ist sie erst 12 Jahre!


Hou Yifan


Hou Yifan und Trainer Yu Shaoteng

Das merkt man, wenn sie das Brett verlässt. Dann ist sie ein ganz normales, fröhliches Mädchen. Sie lacht viel, das gefällt mir. Ich bin überzeugt davon, dass wir auch künftig noch sehr viel von ihr hören werden.

Der Stahlkonzern Corus, Hauptsponsor des Schachfestivals in Wijk aan Zee, steht zum Verkauf. Wie ist es um die Zukunft eures Turniers bestellt? Sind die nächsten Jahre gesichert?

Wer den Konzern übernehmen wird, weiß ich nicht, das ist nicht mein Geschäft. Aber die Schachliebhaber brauchen keine Angst zu haben. Die nächsten Turniere bis 2010 sind vertraglich gesichert. Nächstes Jahr haben wir mit dem 70. Turnier in Wijk aan Zee ein stolzes Jubiläum, und ich bin auch ganz optimistisch, was die Zukunft des Corus Festivals angeht.

Euer Turnier gehört ab 2008 auch zur Grand Slam Serie des Schachs, die jetzt ins Leben gerufen wurde. Dazu gehören die Top-Turniere von Wijk aan Zee, Linares, und Sofia. Was ist die Philosophie?

Wir haben die Grand Slam Chess Association gegründet. Diese möchte ähnlich wie im Tennis eine Turnierserie etablieren. Die drei Sieger der Wettbewerbe in Wijk, Linares und Sofia sollen dann zusammen mit einem weiteren Spieler im Herbst 2008 ein Superfinale, das Masters, in Bilbao spielen.

Und du wirst, wie man hören konnte, Sprecher der Assoziation sein?

Es ist vorgesehen, aber noch nicht offiziell. Wir werden uns Anfang März in Linares treffen, um die weiteren Dinge zu beschließen.

Denkt Ihr bei eurer Terminplanung für den Grand Slam auch daran, dass im November 2008 die Schacholympiade in Dresden sein wird?

Das wird natürlich berücksichtigt. Ich möchte im nächsten Jahr sehr gern nach Dresden kommen. Diese schöne Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten wollte ich schon immer mal kennen lernen.

Warum willst du so lange damit warten? In der ersten Aprilhälfte 2007 findet in Dresden die Schach-Europameisterschaft der Herren und Damen statt.

Ich schreibe mir den Termin gleich auf.

 

 

 

 


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