Interview mit Levon Aronian

30.11.2011 – Das Tal Memorial in Moskau war sicher ein Meilenstein in der Geschichte der Schachturniere. Mit Anand, Carlsen, Aronian und Kramnik waren vier Spieler über 2800 Eloa am Start, dazu der WM-Herausforderer Gelfand und mit Karjakin, Nakamura und Nepomniachtchi junge Talente und weitere mögliche Kandidaten für den WM-Thron in der Zukunft. Turniersieger wurde gemäß Reglement Magnus Carlsen. Punktgleich auf dem zweiten Platz landete Levon Aronian, der in Moskau eine Reihe von Elopunkten hinzu gewann und in der Live-Weltrangliste den Weltmeister überholt hat. Maria Manakova sprach mit dem Wahlberliner gleich nach Turnierende über Schach als Zuschauersport, ließ sich die große Anzahl von Remispartien erklären und fragte Aronian u.a nach seiner besten und nach seiner schwierigsten Partie im Turnier. Julia Manakova hat die passenden Turnierimpressionen eingefangen. Zum Interview...

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Interview mit Levon Aronian
Interview: Maria Manakova
Bilder: Julia Manakova


Das Paschkow-Haus


Bühne...


... und Zuschauer

Maria Manakova: Sie sind einer der Gewinner des Tal-Memorials. Kann man sagen, dass Sie besser als die anderen Teilnehmer gespielt haben?

Levon Aronian: Nein, natürlich nicht.

Wenn Großmeister der Extraklasse, die fast alle gleich stark sind, in einem Turnier gegeneinander antreten, was gibt dann den Ausschlag, warum ein bestimmter Spieler gewinnt? Arbeitet er mehr als die anderen? Oder gönnt er sich mehr Ruhe? Oder gibt es noch andere Gründe?

Das ist schwer zu sagen … wahrscheinlich war er besser auf das Turnier vorbereitet.


Auf dem Weg zum Turnier: Aronian, Gelfand, Kramnik

Was bedeutet “besser”?

Er war besser ausgeruht … Ich weiß es nicht.


Aronian und Nepomnichtchi, Dvoretzki hört zu


Vor der Siegerehrung: Aronian, Nepomniachtchi, Carlsen

Warum gibt es die vielen Remispartien?

Alle Spieler haben gut, ja großartig, gespielt!

Ist die Verteidigungstechnik auf sehr hohem Niveau?

Ja, das ist sie.


Carlsen als Kiebitz

Ist diese Entwicklung nur eine Frage der Zeit?

Ein solches Turnier musste einmal kommen.

Vielleicht ist das nicht gut, um Schach spektakulär zu machen. Die Zuschauer wollen Blut sehen…

Natürlich will jeder, dass Schachspieler verlieren, aber meiner Ansicht nach ist Schach auch bei hervorragenden Verteidigungsleistungen interessant.

Was bedeutet “schachliche Schönheit” für Sie?

Geometrie. Das Aufeinanderprallen von Plänen.

Hätte jemand anderes als Sie dieses Turnier gewinnen können?

Zweifellos. Jeder der Teilnehmer.

Vor wem hatten Sie am meisten Angst?

Schwer zu sagen. Ich habe vor jedem Angst.

Wen haben Sie vor dem Turnier als Favoriten auf den Turniersieg gesehen?

Ich war der Meinung, ich hätte eine Chance. Aber auch Magnus spielt gut. Alle Teilnehmer spielen gut. Alle von uns hätten Erster werden können. Aber es kam nun einmal so, wie es kam…

Welche Partie aus diesem Turnier halten Sie für Ihre beste?

Die gegen Ivanchuk.

Und die schwierigste?

Die letzte.

 

 

Kann man Schach zuschauerfreundlich machen?

Schach ist bereits zuschauerfreundlich. Bei diesem Turnier gab es viele Zuschauer.

Sind Sie mit den Bedingungen dieses Turniers zufrieden?

Ja, sehr.

Haben die vielen Kameras Sie gestört?

Nein.




 

Was würden Sie ändern, um das nächste Tal-Memorial noch besser zu machen?

Vielleicht einen weiteren Ruhetag hinzufügen.

Im Internet wurde darauf hingewiesen, dass man, wenn man auch noch den bisherigen Ruhetag streicht, soviel Geld spart, dass dies einen guten Preisfonds für den Russlandpokal garantiert hätte.

Wenn man uns in unseren Hotelzimmern spielen lässt, könnte man ebenfalls eine Menge sparen.

Hätten Sie Probleme damit, ein Sponsorenlogo zu tragen?

Wenn ich einen eigenen Sponsor hätte – nein.

Nur bei Ihrem eigenen Sponsor? Was ist mit dem Turniersponsor?

Wenn das im Vertrag steht.

In diesem Turnier gab es die Regel, dass man vor dem 40. Zug nicht Remis machen darf. Wie gefällt Ihnen diese Regel?

Sie ist OK.

Gefallen Ihnen die Neuerungen, die FIDE einführt, um Schach spektakulärer zu machen?

Das kommt auf die Regeln an. Manche sind gut, manche nicht.



Gefällt Ihnen das neue Weltmeisterschaftsformat?

Nicht gut genug, aber das ist Stoff für ein weiteres Gespräch…

 

 

 

 

 

 

 

 


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