Interview mit Niclas Huschenbeth

28.01.2007 – Kürzlich wurde mit Niclas Huschenbeth ein Schachspieler vom Axel Springer Verlag als Hamburger Talent des Jahres geehrt. Der 14-jährige ließ dabei eine Reihe von Mitbewerbern aus anderen Sportarten hinter sich. Im letzten Jahr schon sorgte Niclas Huschenbeth für Aufsehen, als er als jüngster Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft durch munteres Angriffspiel die arrivierten Spieler beschäftigte. Bei der Jugendweltmeisterschaft in Batumi spielte er in der Altersgruppe U14 um den Titel mit, verfehlte diesen aber knapp durch eine Niederlage in der letzten Runde. Dr. René Gralla führte ein Interview mit dem Nachwuchsspieler für Neues Deutschland. Interview beim Neuen Deutschland...Nachdruck

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Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

 

Mi 14 Jahren schon die Bundesliga im Visier
Ungewöhnliche Auszeichnung für einen jungen Schachspieler: Ein Hamburger Medienhaus hat den 14-jährigen Niclas Huschenbeth zum Sporttalent des Jahres gewählt. Mit dem Nachwuchsstar von der Elbe spricht der Autor Dr. René Gralla.

Das Interview wurde in der Tageszeitung "Neues Deutschland" veröffentlicht:

Dr. RENÉ GRALLA: „Talent des Jahres“ im Sport: Was hat Schach mit Sport zu tun?

NICLAS HUSCHENBETH: Klar, im Schach bewegt man sich nicht. Auf jeden Fall ist Schach aber ein Denksport; während ich mir überlege, wie ich die Figuren ziehe, gehen Vorgänge im Gehirn ab. Außerdem muss ich mich am Brett voll konzentrieren, und das kann sehr anstrengend sein. Und in manchen Partiesituationen kann man sicher auch richtig ins Schwitzen kommen (lacht). Zieht sich eine Partie über fünf Stunden hin, bin ich hinterher meist ziemlich geschlaucht.

DR. R.GRALLA: Treiben Sie dafür Ausgleichssport wie Weltmeister Wladimir Kramnik?

HUSCHENBETH: Im vergangenen Jahr habe ich Tischtennis gespielt, neuerdings gehe ich aber ins Fitnessstudio. Außerdem treffe ich mich am Wochenende mit Freunden zum Fußball.

DR. R.GRALLA: Im Rennen um den Titel „Talent des Jahres“ waren Konkurrenten aus den Sparten Rudern, Schwimmen, Radsport und Trampolin.

HUSCHENBETH: Eigentlich hatte ich nicht erwartet, den ersten Platz zu machen, die Entscheidung der Jury hat mich selber überrascht. Schließlich ist Schach kein massenpopulärer Sport.

DR. R.GRALLA: Haben die Kandidaten der so genannten "richtigen" Sportarten während der Preisverleihung gemurrt, als verkündet worden ist, dass Sie Hamburgs "Talent des Jahres" sind?

HUSCHENBETH: Nein.  

DR. R.GRALLA: Setzt Ihre Wahl zum „Talent des Jahres“ ein Zeichen – dass Schach als Sport tatsächlich ernst zu nehmen ist?   

HUSCHENBETH: Ich will das nicht überbewerten, aber das kann vielleicht schon eine gewisse Signalwirkung haben.

DR. R.GRALLA: Das Image des Schachs in der Öffentlichkeit ist nicht immer das beste. Die Spieler werden gelegentlich belächelt als Nerds, in einer Liga mit Freaks, die ständig vor dem Computer hocken ...

HUSCHENBETH: ... das kann ich nicht bestätigen. Und falls irgendjemand denkt, dass Schachspieler vielleicht nicht so cool sind, na und?! Von den Typen, die sich manche Menschen als "die"typischen Schachspieler vorstellen, davon gibt es in Wahrheit nur wenige. Sicher, Sie finden vielleicht einige exzentrische Leute, auch in der Weltspitze. Die meisten Aktiven sind aber normale Menschen, die halt gerne Schach spielen. Und die sehr vielen Jugendlichen, die Schach spielen, die sind auch alle ganz normal.

DR. R.GRALLA: Dass Sie aktiv im Schachsport sind, deswegen werden Sie in der Schule von Klassenkameraden niemals angemacht? 

HUSCHENBETH: Im Gegenteil, die haben mich jetzt auch beglückwünscht,nach dem ersten Platz bei der Sportlerwahl.    

DR. R.GRALLA: Bei der Jugend-WM 2006 im georgischen Batumi verfehlten Sie nur knapp den Titelgewinn in der Altersgruppe U-14. Was ist da schief gelaufen?

HUSCHENBETH: Das Match in der letzten Runde war sehr spannend, leider habe ich aber einen Black-out gehabt.

DR. R.GRALLA: Ihr aktuelles Rating?

HUSCHENBETH: ELO 2260.

DR. R.GRALLA: Sie sind damit nahe dran am Titel IM; dafür sind ja ELO 2300 erforderlich

HUSCHENBETH: Die erste IM-Norm habe ich auch schon geschafft, aber das ist noch ein weiter Weg.

DR. R.GRALLA: Sie könnten sogar der nächste Großmeister sein, der aus Hamburg kommt, so jedenfalls die Prognosen von Experten.

HUSCHENBETH: Na ja, da muss ich erst einmal schauen. Ich kann das schaffen, aber das bedeutet noch viel Arbeit.

DR. R.GRALLA: In der kommenden Saison sollen Sie für den Traditionsverein HSK, den „Hamburger Schachklub von 1830“, in der Bundesliga starten.

HUSCHENBETH: Es sieht recht gut aus, dass ich diese Chance bekommen werde. Zumal der HSK den Klassenerhalt so gut wie sicher geschafft hat.

DR. R.GRALLA: Sie wären dann der jüngste Erstligaspieler in der langen Geschichte des HSK. Entsprechend steigt der Erwartungsdruck: Belastet Sie das?

HUSCHENBETH: Nein. Ich freue mich schon auf die besondere Atmosphäre und die starken Gegner in der Bundesliga.

DR. R.GRALLA: In welchem Alter haben Sie Schach gelernt?

HUSCHENBETH: Mein Vater hat mir das beigebracht, als ich sechs Jahre alt war. In den Verein bin ich ungefähr vier Jahre später eingetreten.

DR. R.GRALLA: Was begeistert Sie persönlich am Schach?

HUSCHENBETH: Es gibt unendlich viele neue Stellungen, auf die man immer wieder andere Taktiken anwenden kann. Es ist einfach unglaublich, was sich auf diese Weise ergeben kann. Diese Vielgestaltigkeit, die finde ich faszinierend. 

DR. R.GRALLA: Hochleistungsschach ist zeitintensiv. Wie lange trainieren Sie pro Tag?

HUSCHENBETH: Nach der Schule mache ich natürlich zuerst meine Hausaufgaben. Dann ist Schach dran, am Abend mindestens 30 Minuten, das ist das Minimum.

DR. R.GRALLA: Klingt ziemlich überschaubar ...

HUSCHENBETH: ... aber wenn ich das konsequent durchziehe, bringt das auch etwas.

DR. R.GRALLA: Peilen Sie eine Karriere als Schachprofi an?

HUSCHENBETH: Eher nicht. Mit Schach kann man – abgesehen von den Topleuten - kein richtiges Geld verdienen.

DR. R.GRALLA: Weltmeister Kramnik hat 500 000 Dollar Antrittsgeld kassiert für sein Duell mit dem Supercomputer „Deep Fritz“ im Spätherbst 2006 …

HUSCHENBETH: … Kramnik ist eben auch die absolute Weltspitze. Und ich weiß nicht, ob ich jemals so gut werden kann.

DR. R.GRALLA: Ihr Vorbild im Schach?

HUSCHENBETH: Vishy Anand, den finde ich sympathisch. Außerdem ist er immer mal wieder für schnelle Siege gut, und das gefällt mir.

DR. R.GRALLA: Schacholympia 2008 in Dresden rückt näher. Ihre Pläne dafür?

HUSCHENBETH: Ich würde schon gerne daran teilnehmen, es gibt ja auch ein Jugendolympiateam, allerdings bin ich da noch nicht drin. Aber ich wäre der nächste Anwärter.

DR. R.GRALLA: Sie könnten also vielleicht über die Reserveliste reinrutschen?

HUSCHENBETH: Ich könnte das schaffen, ich muss eben einen Sprung machen, mit meinen Leistungen.

DR. R.GRALLA: Schach ist Ihre erste Leidenschaft. Gleichzeitig sind Sie Fan des HSV – und das ist momentan kein Spaß.

HUSCHENBETH: Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich der HSV gegenüber der vorigen Saison steigern würde. Und dann dieser Einbruch: Ich verstehe das nicht.

DR. R.GRALLA: Glauben Sie, dass der HSV in der Bundesligarückrunde das Ruder herumreißen und sich vor dem Abstieg retten kann?

HUSCHENBETH: Ich denke schon. Obwohl meine Zweifel wachsen.

 

 

 

 

 

 

 


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