Interview mit Peer Steinbrück

09.05.2005 – Am 22. Mai tritt Peer Steinbrück zum Wettkampf um den Posten des Ministerpräsidenten gegen seinen Herausforderer Jürgen Rüttgers an. Vor zwei Monaten spielte der amtierende Landeschef und Schachfreund einen ungewöhnlichen Vorbereitungskampf gegen Schachweltmeister Vladimir Kramnik. Gastgeber war die Bonner Bundeskunsthalle. Der MP zeigte sich gut vorbereitet und konnte gegen den besten Schachprofi lange Zeit mithalten, bevor er dann doch das unvermeidliche Ergebnis erzielte und eine Niederlage hinnehmen soll. Die Schacholympiade 2008 in Dresden sieht Peer Steinbrück als große Chance für das Schach in Deutschland: "Man kann nicht genug Werbung für diesen Sport und die Veranstaltung machen – und dazu bin ich gerne bereit." Johannes Fischer führte ein Interview mit spielstärksten deutschen Ministerpräsidenten. Homepage von Peer Steinbrück...Interview mit Peer Steinbrück...

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Erst die Großmutter, dann der Weltmeister
Ein Interview mit Peer Steinbrück, leidenschaftlicher Schachspieler und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
Von Johannes Fischer

Herr Ministerpräsident Steinbrück, Ihnen war am 5. März etwas vergönnt, von dem viele Schachspieler träumen: Einmal gegen den Weltmeister zu spielen. Was war das für ein Gefühl?

Es war sehr aufregend und ein großes Vergnügen. Gleichzeitig das Gefühl: Bloß nicht in der Eröffnung schon auf die abschüssige Bahn kommen.

Kramnik spielte Spanisch. Hatten Sie sich auf diese Eröffnung oder auf die Partie generell vorbereitet?

Ja, aber da ich mit Weiß selber anzog, konnte ich den Eröffnungsteil ganz gut kontrollieren.

Kramnik spielte die ganze Partie sicher, solide und gab sich keine Blöße. Wann dachten Sie, dass die Partie in die falsche Richtung geht und ab wann hielten Sie Ihre Stellung für verloren?

Vor dem Spiel wäre ich ja schon mit 20 Zügen sehr zufrieden gewesen – insoweit war ich restlos begeistert, dass es 37 Züge geworden sind. Die Analyse hat später ergeben, dass ich beim 26. Zug eine winzige Chance zum Remis hatte – aber die habe ich nicht erkannt – und danach ging es dann in Richtung Niederlage. Etwas anderes als eine Niederlage habe ich aber auch nicht erwartet – so viel Realismus muss sein!

Welchen Eindruck hatten Sie von Kramnik?

Er ist ein großer Spieler. Er war im Spiel völlig konzentriert und souverän und im persönlichen Gespräch danach sehr umgänglich und alles andere als prätentiös.

Viele Schachspieler hatten mit einer ganz und gar einseitigen Partie gerechnet und waren überrascht über Ihre Spielstärke. Wie sind Sie zum Schach gekommen und wie so gut geworden?

Ich habe fast sieben Jahre gegen meine sehr gut spielende Großmutter verloren – bis ich im Alter von dreizehn Jahren das erste Mal gewonnen habe. Danach hat mich das Spiel nicht mehr losgelassen. Heute spiele ich gegen meine beiden Schachcomputer und kann dabei wunderbar abschalten.

Was fasziniert Sie am Schach?

Die totale Konzentration, die unendlichen Möglichkeiten, die das Spiel bietet und dieses ständige Suchen nach neuen Strategien.

Haben Sie schachliche Vorbilder, Spieler, die Sie bewundern?

Na ja, Bobby Fischer in seiner Skurrilität. Ansonsten spiele ich gern Partien von Anand nach.

2008 kommt die Schacholympiade nach Deutschland. Wie kann und sollte man diese Veranstaltung fördern?

Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung in Dresden und drücke den Veranstaltern die Daumen. Mit ihrer Konzeption, Kinder und Jugendliche besonders einzubinden, sind sie auf einem guten Weg. Man kann nicht genug Werbung für diesen Sport und die Veranstaltung machen – und dazu bin ich gerne bereit.

Herr Ministerpräsident, vielen Dank für das Gespräch.


Steinbrück gegen Kramnik...

 

 

 



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