Interview mit Roman Krulich

04.11.2015 – Schach begeistert viele, aber Schach ist selten kommerziell erfolgreich. Viele Initiativen leben vom Engagement ungenannter Helfer und stiller Geldgeber, die dafür sorgen, dass etwas bewegt werden kann. Einer dieser Mäzene ist Roman Krulich. Dank seiner Hilfe können viele Schachprojekte in München verwirklicht werden. Wir stellen den Schachmäzen im Interview vor. Zum Interview...

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Roman Krulich - ein großes Herz für Schach-und für Menschen in Not

Von den Schachmedien bisher eher unbeachtet, soll hier einer der größten deutschen Schachförderer im Kurzportrait und im Interview vorgestellt werden: Roman Krulich, Jahrgang 1963, Geschäftsführer des Münchner Traditionsunternehmens Immobilien Krulich  war schon um die Jahrtausendwende Sponsor des Schachvereins König Plauen und ermöglichte dessen Auftritt in der ersten Bundesliga. Auch heute unterstützt er das Zweitbundesligateam von MSA Zugzwang, wo er selbst in der zweiten Mannschaft aktiv ist.

2005 war er nicht nur Mitbegründer und Gesellschafter der Münchener Schachakademie, sondern vor allem auch der entscheidende Investor, ohne den dieses Projekt nicht zu realisieren gewesen wäre.

2007 ermöglichte er die Gründung der Münchener Schachstiftung,  die vor allem Kinder in sozialen Brennpunkten, körperbehinderte und autismusbetroffene Kinder sowie junge, unbegleitete Flüchtlinge aber auch bedürftige Senioren fördert.

Als Helfer beim Turnier der Körperbehinderten in der Pfennigparade

Im nächsten Schritt war er auch am Zusammenschluss des Münchener Schachvereins Zugzwang mit der Münchener Schachakademie beteiligt, was den Aufstieg über die Landesliga bis in die zweite Bundesliga, einen erheblichen Mitgliederzuwachs sowie eine beachtliche Kinder-Jugendabteilung ermöglichte. Nun sind alle Gesellschafter der Münchener Schachakademie sowie auch einige ihrer Trainer für MSA Zugzwang am Start.

Schachunterricht mit Kindern in Pöcking

Selbst ist er für einen Amateur und Schachförderer ein sehr starker und aktiver Spieler mit einer aktuellen Elozahl von 2224, der unter anderem bei der Schacholympiade 2008 in Dresden für Monaco an den Start ging, regelmäßig an Openturnieren teilnimmt und jetzt gerade erst Sieger beim Silberpokalturnier in Bad Aibling 2015 wurde.

Für Monaco bei der Schacholympiade in Dresden

Sieger in Aibling

 

Roman Krulich im Interview:

Stiftungsgründer Roman Krulich

Wie ist Ihre eigene Beziehung zum Schach?

Ich habe das Schachspielen mit fünf Jahren von meinem Großvater erlernt; nach einer Pause bin ich dann mit 14 Jahren in einen Schachclub eingetreten. Seit dieser Zeit bin ich von diesem Spiel fasziniert.

Was waren Ihre größten schachlichen Erfolge?

Während der Schulzeit war ich Münchener Jugendmeister, heute würde ich mich als leidenschaftlichen Amateur bezeichnen. Ab und zu gelingt es mir, auch Profis ein Bein zu stellen (siehe Partie). Mein Highlight war sicherlich, dass ich 2008 bei der Schacholympiade in Dresden an den Start gehen durfte. In 2015 konnte ich zu meiner Freude das Silberpokalturnier in Bad Aibling gewinnen.

 

 

 

Weshalb engagieren sie sich finanziell für das Schach?

Ich selbst habe in meinem Leben vom Schach stark profitiert, insbesondere lehrt einen das Schach, strukturiert, zielorientiert, analytisch, aber dennoch auch intuitiv vorzugehen. Wir sind überzeugt, dass Schach insbesondere für Kinder im Grundschulalter die perfekte Möglichkeit schafft, sozusagen spielerisch diese Eigenschaften zu erlernen. Schach wirkt sich nicht nur auf die geistige, sondern auch auf die charakterliche Entwicklung von Kindern äußerst positiv aus.

Schachshow in Pöcking mit Stefan Kindermann und Dijana Dengler

 

Können Sie in ihrem unternehmerischen Alltag Parallelen zum Schach erkennen?

Ich denke, es gibt recht viele Parallelen zwischen dem Turnierschach und dem unternehmerischen Handeln. Beim Schach ist es faszinierend, Stellungen zu kreieren, in denen alle Figuren ihre eigenen Stärken entfalten können und harmonisch zusammenwirken. In einem gut geführten Unternehmen sollte man auch darauf achten, die Stärken seiner Mitarbeiter in den Vordergrund zu bringen und dafür zu sorgen, dass ein harmonisches Unternehmensklima herrscht, in dem jeder zu guten Arbeitsleistungen bereit ist.

Sowohl beim Schach als auch bei schwierigen Vertragsverhandlungen ist es schließlich auch wichtig, sich in die Position seines Gegenüber hineinzuversetzen. Nur wer das beherzigt, wird erfolgreich sein.

Was bezwecken Sie mit der von ihnen gegründeten Münchener Schachstiftung?

Im Rahmen der Münchener Schachakademie haben wir in den letzten Jahren schon sehr viel bewegt. Mit mehr als 20 Trainern haben wir mehr als 2500 Kinder unterrichtet und sind inzwischen an ca. 30 Grundschulen mit ständigen Kursen vertreten. Leider haben wir festgestellt, dass einige Eltern sich diese Kurse für Ihre Kinder nicht leisten können. Mit der Münchener Schachstiftung fördern wir seit 2007 bewusst Kinder aus finanziell schwächeren Familien. Unsere Hilfe kommt direkt an, bürokratische Hindernisse gibt es bei uns nicht.

Mit dem Schirmherrn der Schachstiftung OB Dieter Reiter: Dijana Dengler, Stefan Kindermann, Roman Krulich

 

Welche Zukunftsperspektiven sehen sie für die Münchener Schachakademie und die Münchener Schachstiftung? Was ist ihre Vision?

Gemeinsam mit meinen Partnern, den Schachmeistern Dijana Dengler, Stefan Kindermann und Gerald Hertneck wollen wir uns auch weiterhin dafür engagieren, dass Schach ein fester Bestandteil in der schulischen Erziehung von Kindern wird. Unser Ziel ist es, dass wir in absehbarer Zeit an nahezu allen Grundschulen in München mit Schachkursangeboten vertreten sein werden.

Als jüngstes Projekt, das uns ebenfalls sehr am Herzen liegt, unterstützen wir in Kooperation mit der Münchener SchlaU-Schule www.schlau-schule.de junge unbegleitete Flüchtlinge. In vier Klassen vermitteln wir hier über das Medium des Schachs verschiedene wichtige Fähigkeiten und fördern auch ganz gezielt die künftige Integration in den Arbeitsmarkt.

Im Rahmen der Münchener Schachstiftung wollen wir so viele Kinder und Jugendliche wie möglich unterstützen, deren Eltern sich das Schachtraining nicht leisten können. Deshalb freuen wir uns auch weiterhin über jede finanzielle Hilfe, die uns von staatlicher und privater Seite zuteil wird.

Ich werde auf jeden Fall mein finanzielles Engagement für das Schach weiter fortsetzen, weil es einfach unheimlich bereichernd ist zu sehen, wie toll sich die von uns geförderten Kinder in allen Belangen entwickeln.

 


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