Interview mit Schacholympiade-Geschäftsführer Jörn-Torsten Verleger

09.11.2007 – Mit der Schacholympiade, die im kommenden Jahr (November 2008) in Dresden stattfinden wird, dürfen sich die deutschen Schachfreunde auf einen der spektakulärsten Schachevents freuen, den die FIDE zu vergeben hat. Über 150 Nationen werden mit Teams bei der Männer und Frauenolympiade vertreten sein. Hinter der Organisation der Schacholympiade, für deren Durchführung ein Etat von 3,88 Mio. Euro veranschlagt wurde, steht die Stadt Dresden. Am 15. November wird im Stadtrat darüber abgestimmt, ob die Stadt über ihre bisherige Zusage hinaus notfalls auch für die jetzige Finanzierungslücke gerade steht. Dr. René Gralla sprach für Neues Deutschland mit dem Geschäftsführer der Schacholympiade 2008 – Chess Foundation GmbH Jörn-Torsten Verleger.Interview bei Neues Deutschland... , Webseite der Schacholympiade...Nachdruck...

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Nachdruck mit freundlicher Genehmigung

 

Wirbel um fehlende Sponsoren - 50 Prozent des Olympiaetats für Dresden nicht gedeckt
"3,88 Millionen Euro sind kein Sparetat ", sagt Schacholympiade-Geschäftsführer Verleger im ND-Interview

Aufregung um die Schacholympiade 2008 in Dresden: Für 50 Prozent des Etats über 3,88 Millionen werden noch Sponsoren gesucht. Im Notfall müsste die Landeshauptstadt Dresden den Fehlbetrag decken. Vor der entscheidenden Abstimmung am 15. November spricht ND-Mitarbeiter RENÉ GRALLA mit JÖRN-TORSTEN VERLEGER (35), Geschäftsführer der Schacholympiade 2008 – Chess Foundation GmbH und Leiter des Organisationsbüros der Schacholympiade 2008.

ND: Ist die Finanzierung der Schacholympiade in Gefahr? Rund zwei Millionen Euro sollen fehlen.

JÖRN-TORSTEN VERLEGER: Richtig ist, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Finanzierungslücke in Höhe von 1,9 Millionen Euro besteht. Insgesamt sind 3,88 Millionen Euro veranschlagt für den Etat, der mit dem Weltschachbund FIDE abgestimmt ist. Da spielt eben die Tatsache eine Rolle, dass wir uns noch über ein Jahr vor der Veranstaltung befinden und dass wir es bisher nicht geschafft haben, Sponsoren im notwendigen Umfang zu binden, was aber für Sportveranstaltungen dieser Größe nicht ungewöhnlich ist.

ND: Die ursprüngliche Finanzplanung für die Olympiade sah sechs Millionen Euro vor. Warum sind die um mehr als ein Drittel zusammengestrichen worden?

VERLEGER: Auch im ursprünglichen Etat von sechs Millionen Euro, der sich auf den Gesamtzeitraum von 2005 bis 2008 bezogen hat, waren nur 4,4 Millionen Euro für das eigentliche Olympiajahr 2008 vorgesehen. In Bezug auf diese 4,4 Millionen Euro haben wir als Konsequenz der Beschlusslage des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden eine Reduzierung auf 3,88 Millionen Euro herbeigeführt, weil der Stadtrat uns gebeten hat, Einsparungsmöglichkeiten im Etat zu überprüfen, wenn nicht ausreichend Sponsoren gefunden werden.

ND: Offenbar ist das jetzt also ein Sparetat, wenn man berücksichtigt, dass die diesjährige Schach-WM in Mexiko rund vier Millionen US-Dollar gekostet hat. Bei der Weltmeisterschaft waren aber bloß acht Kandidaten am Start, während nach Dresden 2008 rund 2000 Aktive anreisen.

VERLEGER: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass 3,88 Millionen Euro kein Sparetat sind, sondern eine qualitativ hochwertige Veranstaltung garantieren. Und außerdem lassen sich die zwei Veranstaltungen nicht miteinander vergleichen. Im Etat für Mexiko waren auch umfangreiche Preisgelder enthalten, und bekanntlich werden bei der Olympiade keine Preisgelder ausgeschüttet. Die größten Ausgabenposten für Dresden sind Unterbringung und Verpflegung der Sportler. Diese Budgetansätze machen annähernd zwei Millionen Euro aus und sind unverändert geblieben. Unser Hauptaugenmerk gilt zunächst dem Hauptevent. Erst wenn weitere Sponsoren gefunden werden, können auch Veranstaltungen aufgewertet werden, die zum Rahmenprogramm gehören.

ND: Dass Sie die Verpflegung für wichtig halten, werden die Sportler gerne hören. Teilnehmer an der Europameisterschaft 2007, die Dresden im Frühjahr ausgerichtet hat, beklagten sich darüber, dass sie Trinkwasser im Turniersaal an einer Bar zu Hotelpreisen kaufen mussten.

VERLEGER: Die Regularien für die Europameisterschaft und die Schacholympiade sind vollkommen unterschiedlich. Die FIDE fordert kostenfreies Wasser für die Teilnehmer im Spielsaal, und dies werden wir auch anbieten.

ND: Was ist dem Rotstift zum Opfer gefallen?

VERLEGER: Für den Fall, dass nicht ausreichend Sponsoren gefunden werden, wird es beispielsweise bei Rahmenturnieren für Senioren und dem Open keine Geldpreise geben. Wir werden diese Turniere aber ebenso durchführen wie den mit dem Deutschen Schachbund geplanten Deutschland-Cup oder das Jugendlager der Deutschen Schachjugend.

ND: Anlässlich des Besuches des FIDE-Vizepräsidenten Geoffrey Borg vor einigen Wochen in Dresden, der sich über den Stand der Vorbereitungen informiert hat, gab es ein gemeinsames Statement: FIDE und Organisationskomitee seien sich darin einig, dass der reibungslosen Übertragung der Wettkampfbegegnungen in das Internet eine Schlüsselrolle zukommt. Da hat es während der EM 2007, die vorher als Generalprobe für die Olympiade deklariert worden war, Probleme gegeben.

VERLEGER: Die Schwachstellen lagen im IT-System. Deswegen haben wir unter Leitung des städtischen Eigenbetriebes IT eine Task Force gegründet, die unter Beteiligung der Technischen Universität und weiterer Partner an einer Lösung arbeitet. Und wir sind zuversichtlich, dass die technischen Probleme bis zur Schacholympiade gelöst sein werden.

ND: In diversen Internetforen wird heiß diskutiert, welche Spielbretter bei der Olympiade zum Einsatz kommen - weil die Qualität der Live-Übertragungen auch etwas mit der Funktionsfähigkeit der eingesetzten elektronischen Schachbretter zu tun hat. Der niederländische Hersteller DGT bietet ein Produkt an, das sich in Turin 2006 bewährt hat und das auch von der FIDE autorisiert ist. Gleichzeitig wird in Dresden seit Jahren an der Entwicklung eigener Bretter gebastelt: Warum? Ist es nicht riskant, für eine derart wichtige Veranstaltung wie die Schacholympiade eine neue Technologie zu entwickeln?

VERLEGER: Wir haben schon seit 2005 ein schriftliches Angebot der FIDE für die mietweise Bereitstellung von elektronischen Schachbrettern. Das Angebot umfasst 500 DGT-Bretter und kostet inklusive Personal einen sechsstelligen Betrag. Sollten wir keine Bretter der Firma DGT nehmen, so fordert die FIDE auf Grund ihrer Regularien mit der Firma DGT eine Zahlung in Höhe von 25.000 Euro. Andererseits wissen wir von den Bemühungen der Dresdner Firma eChess GmbH & Co. KG um ein neues Übertragungssystem. An dieser Stelle ist aber klarzustellen: Die Bemühungen um dieses Übertragungssystem werden weder vom Organisationsbüro oder dem Ausrichter der Schacholympiade gefördert, noch erfolgen sie in unserem Auftrag. Unsere mit der FIDE abgestimmte Position hierzu ist vielmehr, dass ein funktionierendes und von der FIDE anerkanntes System die Basis jeglicher Überlegungen zu einer Übertragung der Live-Partien während der Schacholympiade bildet.

ND: Zwischen der Firma eChess und Dr. Dirk Jordan, der zugleich auch Chairman des Organisationskomitees ist, soll es geschäftliche Verbindungen geben.

VERLEGER: Es ist bekannt, dass Dr. Jordan sich für die Entwicklung dieses neuen System engagiert und Prokura für die Firma eChess besitzt.

ND: Kritiker argwöhnen, dass Gelder aus dem Olympiaetat abgezweigt worden seien für die Entwicklung neuer Bretter in Dresden.

VERLEGER: Das ist unwahr. Es sind keine Gelder - weder von der Stadt noch vom Organisationskomitee oder der Schacholympiade 2008 - Chess Foundation GmbH - an die Firma eChess geflossen.

ND: Das heißt, dass die betreffende Dresdner Firma auf eigenes Risiko die Chance der Olympiade zu nutzen versucht, um ein eigenes Produkt anzubieten. Aber wenn das nicht funktioniert, werden die Bretter nicht eingesetzt.

VERLEGER: Meines Wissens entwickelt und produziert die Firma eChess dieses neue Übertragungssystem unabhängig vom Einsatz bei der Schacholympiade.

ND: Sie haben eingangs beruhigend darauf hinwiesen, dass Sie noch ein gutes Jahr Zeit hätten, Sponsoren für die Olympiade einzuwerben. Ist diese Frist aber nicht bereits sehr knapp? Oder wahrscheinlich sogar zu knapp - weil erfahrungsgemäß zum jetzigen Zeitpunkt die Etats für 2008 bei potenziellen Großsponsoren schon festgezurrt sind?!

VERLEGER: Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an der Lösung dieses Problems.

ND: Hauptsponsor der Schacholympiade sollte eigentlich die ZMD AG sein, das Zentrum Mikroelektronik Dresden. Die sind zwischenzeitig abgesprungen. Warum?

VERLEGER: In wiefern sich ZMD für die Schacholympiade engagiert, ist noch nicht abschließen geklärt. Die Gründe, warum ZMD nicht mehr als Hauptsponsor zur Verfügung steht, können von uns nicht abschließend bewertet werden. Klar ist aber, es hat nichts mit der Sportart Schach zu tun.

ND: Deutschland möchte auf dem IT-Sektor vorankommen, außerdem ist die Republik ein wichtiger Standort für die Game-Branche, die viel Geld ausgibt für PR. Eine neu gestartete Kampagne "Spiel fördert Schule" unterstützt den Einsatz intelligenter Spiele im Unterricht. Und Schach ist das schlaue Spiel schlechthin - warum also soll es derart schwierig sein, Sponsoren für die Olympiade im Schach zu gewinnen?

VERLEGER: Wie ich bereits ausgeführt arbeiten wir mit Hochdruck an der Lösung dieser Frage. In Zusammenarbeit mit der Universität Mainz haben wir eine aktuelle Zielgruppenanalyse durchgeführt, die noch einmal bestätigt hat, dass Schach attraktiv für alle Altersgruppen ist. Und: Schachsport wird eher betrieben von Personen aus höheren Einkommensschichten mit höheren Schulabschlüssen. Wir glauben, dass es daher gelingen wird weitere Partner für die Schacholympiade an Bord zu holen.

ND: Die Verdienste von Dr. Jordan für die bisherige Vorbereitung der Olympiade sind allgemein bekannt. Warum ist im August 2007 nun Dresdens Sportbürgermeister Lehmann zum Präsidenten des Organisationskomitees berufen worden?

VERLEGER: Die Schacholympiade war von Anfang an Chefsache bei dem für Sport verantwortlichen Bürgermeister der Landeshauptstadt Dresden, Winfried Lehmann. Bürgermeister Lehmann hatte von Anfang an vor, sich intensiver einzubringen, sobald die heiße Phase der Vorbereitung beginnt; ein gutes Jahr vor der Veranstaltung ist der Zeitpunkt dafür gegeben. Als Chairman des Organisationskomitees ist Dr. Jordan verantwortlich für die sportfachliche Seite der Olympiade. Dr. Jordans Kompetenzen in diesem Bereich sind unbestritten.

ND: Oder hat die Berufung von Bürgermeister Lehmann etwas damit zu tun, dass gegen Dr. Jordan zwischenzeitig ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren geführt worden ist wegen angeblicher
Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Abrechnung der Frauen-EM 2004 in Dresden?

VERLEGER: Dr. Jordan hat sich um die Schacholympiade 2008 und die Förderung des Schachsports in Dresden große Verdienste erworben. Ich bitte Sie zur Kenntnis zu nehmen, dass die aufgrund einer anonymen Anzeige geführten Ermittlungen gegen seine Person bezüglich der Frauen-Europameisterschaft 2004 seit August 2007 abgeschlossen sind, sich als völlig haltlos erwiesen haben und deshalb durch die Staatsanwaltschaft eingestellt wurden.


 

 

 

 

 

 


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