Interview mit Thomas Weischede zum Jubiläum der Emanuel Lasker Gesellschaft

von André Schulz
19.03.2026 – Die Emanuel Lasker Gesellschaft feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Im Interview blickt ihr Vorsitzender Thomas Weischede zurück, schaut aber vor allem nach vorne auf viele Events im Jubiläumsjahr, auch wenn die Streitigkeiten im Deutschen Schachbund wenig hilfreich sind.

Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter.
FRITZ 20: Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter. FRITZ 20 ist mehr als nur eine Schach-Engine – es ist eine Trainingsrevolution für ambitionierte Spieler und Profis. Egal, ob Sie Ihre ersten Schritte in die Welt des ernsthaften Schachtrainings machen oder bereits auf Turnierniveau spielen: Mit FRITZ 20 trainieren Sie effizienter, intelligenter und individueller als je zuvor.

Im Jahr 2001 wurde in Berlin die Emanuel Lasker Gesellschaft am Rand einer großen Konferenz zu Ehren des einzigen deutschen Weltmeisters gegründet. Der Initiator war damals der Kulturmanager Paul Werner Wagner, der zur Person Emanuel Lasker ein besonderes Verhältnis hat, weil ihm dessen Partien in einem Gefängnis der DDR seinerzeit über die Zeit half.

Mit vielen prominenten Mitglieder machte es sich die Emanuel Lasker Gesellschaft zur Aufgabe, im Namen des zweiten Schachweltmeisters die Schachkultur zu pflegen und über das gemeinsame Interesse an diesem ehrwürdigen Spiel Brücken zwischen Ländern und Kulturen und schlagen und die Menschen zu verbinden. Nun feiert sie ihr 25-jähriges Bestehen.

Paul Werner Wagner führte die ELG bis 2019 und übergab die Leitung dann in jüngere Hände. Thomas Weischede ist seitdem der Motor der Emanuel Lasker Gesellschaft. Als Anwalt für internationales Wirtschaftsrecht hat Thomas Weischede viele nationale und internationale Kontakte. Dies kommt auch der Förderung der Schachkultur zugut, denn viele Firmen und ihre Vertreter sind durchaus auch für das Thema Schach als verbindendes Kulturgut ansprechbar und bereit, sich als Partner und Unterstützer bei Events zu beteiligen.

Im Gespräch mit André Schulz berichtet Thomas Weischede von den vielen Veranstaltungen, die die ELG in der Vergangenheit auf den Weg gebracht hat, richtet aber seinen Blick vor allem nach vorne auf die kommenden Veranstaltungen und Turniere im Jubiläumsjahr. Über die Jahre ist ein europaweites Netzwerk von Schachfreunden und Schachorganisationen entstanden, in der gemeinsame Kultur und die Freude am Schach gepflegt wird. Schon mit der Gründung der ELG wurden freundschaftliche Beziehungen zu den polnischen Schachfreunden hergestellt, die die Erinnerung an großen Schachweltmeister ebenso pflegen, das Laskers Geburtsort Barlinek (Berlinchen) heute in Polen liegt. Die Emanuel Lasker Gesellschaft hat darüber hinaus im Rahmen ihres Projektes "chess4europe" Verbindungen zu Schachfreunden und Organisationen in Frankreich, Irland, der Ukraine, der Schweiz, Österreich und vielen weiteren Ländern hergestellt und symbolisiert das Netzwerk mit ihren "Lucky Pawns" in Landesfarben.

Für das Jubiläumsjahr hat die ELG als Symbolfigur einen Turm gewählt. Das ist nicht zufällig, wie Thomas Weischede erläutert, sondern nimmt Bezug auf eine berühmte Partie zwischen Emanuel Lasker und Harry Nelson Pillsbury in St. Petersburg 1895, wo ein Turm eine besondere Rolle spielt. 

Mit ihren Preisen, "Lasker", "Viktor" und "Vera" ehrt die ELG alljährlich Personen oder Organisationen, die sich auf dem Gebiet des Schachs besonders verdient gemacht haben.

Die wichtigste Publikation der ELG war eine Lasker-Monographie, die zuerst in einem großformatigen Band auf Deutsch erschien, und dann in einer ergänzten und verbesserten dreibändigen Ausgabe auf Englisch.

Thomas Weischede berichtet zum Schluss des Gesprächs, dass die ELG im Jubiläumsjahr an den Deutschen Schachbund herangerückt ist, um gemeinsam eine Reihe von Events in einer Zeit viele Jubiläen zu verwirklichen. Der andauernde Streit im Deutschen Schachbund erweist sich jedoch als sehr störend. Viele Partner zeigen sich irritiert, erklärt Thomas Weischede, der hofft, dass der Konflikt bald beigelegt werden kann und der Deutsche Schachbund zur Ruhe kommt. Aus seiner Sicht wäre es das beste, im Mai den von vielen Landesverbänden beantragten frühen außerordentlichen Bundeskongress durchzuführen und dort ein Präsidium zum wählen, das das Vertrauen der Mitglieder hat.

 Video: Arne Kähler


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure