Interview mit Vaile

05.02.2007 – Die Hamburgerin Karoline Fuchs ist unter ihrem Künstlernamen Vaile bekannt geworden, seitdem sie in der ARD-Soap Marienhof (dabei seit Folge 2.796, aktueller Stand: 3.030) die Rolle der Jessy Wieland übernommen hat. Als Schülerin hat die Schauspielerin bereits in der Mädchenband "Changing Minds" gesungen und sich später als Sängerin konsequent ein zweites Standbein aufgebaut. Nach "Red Rain" erscheint im Sommer ihr neues Album. Als Hobbys pflegt die 27-Jährige eher ungewöhnliche Tätigkeiten. So nimmt sie einmal im Jahr eine Auszeit von der Zivilisation und durchstreift zu Pferde die Wälder im Norden Skandinaviens. Nun ist auch noch Schach hinzu gekommen. Ihr Engagement bei den Chess Classic im vergangenen Jahr brachte ihr ein kleines "Konzert" mit der Schachabteilung von HIM ein. Gerne würde sie auch einmal gegen ihren Schach spielenden Musikerkollegen Smudo antreten. Dr. René Gralla sprach mit der Künstlerin für Neues Deutschland. Webseite von Vaile... ; Marienhof...Interview im ND...Nachdruck....

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Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.
 

SOAP UND SCHACH – UND ZWISCHENDURCH IN SCHWEDENS WÄLDERN UNTERTAUCHEN  … 
von Dr. René Gralla
Fotos: hartmut Metz, Vaile

Das ist der Kult am Vorabend: Am 10. Februar feiert die ARD 15 Jahre Drehen für den „Marienhof“. Über 3000 Folgen sind inzwischen ausgestrahlt worden, und einer der neuen jungen Stars ist die Sängerin Vaile (26), vollständiger Name: Karoline Vaile Fuchs. Die Musikerin und Schauspielerin, die in Berlin wohnt und in München arbeitet, liebt gleichzeitig das ehrwürdige Schach – wenn sie nicht zwischendurch wochenlang in den Wäldern des Nordens untertaucht. Mit Vaile hat der Autor Dr. René Gralla gesprochen.

Dr. René Gralla: In der ARD-Vorabendserie „Marienhof“ spielen Sie die Jessy, gleichzeitig beschäftigen Sie sich mit Schach. Soap und Schach – wie passt das zusammen?

VAILE: Intelligenz und Soap schließen sich ja nicht aus. Ich bin Schauspielerin und habe das jahrelang studiert, in Hamburg und New York. In einer Soap wie „Marienhof“ mitzuspielen, das ist einfach eine schöne Arbeit. Trotzdem kann ich mich auch für Schach interessieren.

Dr. R.Gralla: Wollen Sie damit die bekannten Vorurteile widerlegen: Sie sind blond – und lieben Schach …

VAILE: … zeitlebens bin ich in die Schublade „blond“ gestopft worden, das geht mir, Entschuldigung, total am Arsch vorbei! Natürlich bediene ich Klischees mit meinem Äußeren: das Klischee vom Püppchen und der blond gelockten Elfe. Aber sobald die Leute mit mir reden, merken Sie, dass ich kein wandelndes Klischee bin.

Dr. R.Gralla: Ärgert Sie das – wenn „blond“ mit „blöd“ gleichgesetzt wird?

VAILE: Warum soll ich mich darüber aufregen? Falls jemand ernsthaft glaubt, dass „blond“ gleich „blöd“ ist: soll er doch, das ist unter meinem Niveau!

Dr. R.Gralla: Gibt es am "Marienhof"-Set Kollegen, mit denen Sie zwischendurch mal eine Runde Schach zocken?

VAILE: Nur von Sven Thiemann ...

Dr.R.GRALLA: ... der in der Serie "Charly" heißt und einen Handwerksbetrieb führt ...

VAILE: .. weiß ich, dass er das Spiel beherrscht. Allerdings haben wir bisher noch keine Gelegenheit für eine Partie gefunden.

Dr. R.Gralla: Wann haben Sie Schach gelernt?

VAILE: Erst vor drei Jahren, während einer Reise nach Thailand. Mein damaliger Freund hat es mir beigebracht.

Dr. R.Gralla: Was ist das Besondere an diesem Spiel, das oft quälend lange dauert, bis eine Entscheidung fällt?

VAILE: Schach verlangt, dass Sie sich dafür Zeit nehmen. Und am Brett sind Ihre Gedanken wunderbar fokussiert, auf die Manöver der Figuren, und Sie kriegen den Kopf komplett frei. Das gefällt mir.

Dr. R.Gralla: Außenstehende meinen, dass beim Schach bloß langweilige Holzklötzchen herum geschoben werden.

VAILE: Solche Leute haben noch nie Schach gespielt. Wer Schach kennt, der weiß, wie spannend das ist.

Dr. R.Gralla: Vergangenen August haben Sie sogar ein richtiges Turnier besucht, die so genannten „Chess Classic 2006“ in Mainz. Und dort  gleich noch einen drauf gesetzt, indem Sie, als wäre das übliche Schach nicht schon kompliziert genug, eine neue Variante ausprobierten, die „Chess960“  heißt. Der Clou: Vor jeder Partie "Chess960" werden die Startpositionen der Figuren ausgelost, ändern sich also von Runde zu Runde. Scheint ziemlich tricky zu sein: Wie finden Sie das?

VAILE: Sehr gut. Schließlich bin ich in Mainz auf einen richtigen Vollprofi getroffen. Das war Lewon Aronjan, und der war sogar schon Nummer Vier der Weltrangliste. Der Mann kennt im normalen Schach die ersten Züge in- und auswendig und spult die automatisch runter. Während er sich beim "Chess960" auch jedes mal neu hineindenken muss in das Spiel.  

Dr. R.Gralla: Ihre Begegnung mit dem gebürtigen Armenier Aronjan, der mittlerweile in Berlin lebt, war von der besonderen Art. Der hat nämlich die Partie sozusagen "blind" bestritten, das heißt, er saß mit dem Rücken zum Brett und zog das Match vollständig im Kopf durch. Das muss eine ziemlich bizarre Aktion gewesen sein. 

VAILE: Eigentlich kann ich mich an gar nichts mehr erinnern, ich war total aufgeregt. Ich weiß nur, dass ich auf einmal diesen unglaublich netten zurückhaltenden Menschen vor der Nase hatte. Und dann waren auch viele Leute um mich herum, die alle gedolmetscht haben und die genau so aufgeregt waren wie ich. Und dann haben wir losgelegt, und ich habe versucht, konzentriert zu bleiben, obwohl mir das schwer gefallen ist. Ich habe schon bessere Partien gespielt (lacht).

Dr. R.Gralla: Anschließend haben Sie sich in Mainz einem weiteren Härtetest gestellt. Sie sind angetreten gegen die Hardcore-Finnen von der Rockband HIM. Die sind nämlich auch Schachfans.

VAILE: Die haben mich schnell vom Brett gefegt.

Dr. R.Gralla: Wie das?! Das sind doch Finnen, und deswegen waren die doch sicher reichlich alkoholisiert!

VAILE: Oh nein, die waren ganz nüchtern und trocken. Die waren äußerst konzentriert bei der Sache.


Vortrag mit Burton bei den Chess Classic

ND: Haben Sie sich nach Ihrem Abenteuer in Mainz ein Schachprogramm oder ein Trainingsprogramm für den PC gekauft?

VAILE: Noch nicht, ich bin ja auch ohne Noten zur Musik gekommen. Aber vielleicht sollte ich das nächste Mal doch vorher etwas üben, bevor ich mich noch einmal mit der Weltspitze messe.

Dr. R.Gralla: Falls Sie diesen Sommer wie jedes Jahr in Skandinavien verschwinden, könnten Sie als Lektüre für einsame Abende am Lagerfeuer ein Schachbuch mitnehmen.

VAILE: Das wäre tatsächlich mal eine schöne Beschäftigung. Und wenn ich zurückkomme, werde ich Weltmeisterin (lacht).

Dr. R.Gralla: Wann sind Sie das erste Mal für ein paar Wochen ausgestiegen?

VAILE: Da war ich gerade 18 Jahre alt geworden. Und ich bin gleich vier Monate lang in die Wälder gegangen, ganz allein, bloß begleitet von zwei Pferden. Inzwischen haben sich meine Touren auf einen Monat eingependelt.

Dr. R.Gralla: Was machen Sie im skandinavischen Wald?

VAILE: Ich habe einen Schlafsack dabei, Angelzeug und Trockennahrung, vor allem Tütensuppen und Semmelknödel, die sind ideal. Ziel meiner Reisen ist es, so lange wie möglich keinen Menschen zu sehen. Und das gelingt mir dort oben ganz gut. Das ist Blaubeerwildnis, da ist niemand. Meistens bin zu Fuß unterwegs und schleife die beiden Pferde hinter mir her. 

Dr. R.Gralla: Ist das Ihre Art, sich von der Scheinwelt der TV-Soaps zu erholen?

Vaile: Genau das! Ich kümmere mich nicht um saubere Fingernägel und mache mir keine Sorgen, ob ich gut vor der Kamera aussehe. Und wenn ich dreckig bin, springe ich in den nächsten See.

Dr. R.Gralla: Haben Sie trotzdem keine Angst? Wenn Sie sich durch den Urwald schlagen?


Ausschnitt aus Vaile -Video

Vaile: Beim ersten Mal habe ich fast Todesangst gehabt. 

Dr. R.Gralla: Und trotzdem haben Sie die Aktion damals nicht abgebrochen?

Vaile: Ich wollte einfach raus, weg von den Menschen. Und ich wollte herausfinden, wo meine Grenzen sind. Kanada war zu weit, und die nächstgelegene Wildnis war Schweden. Die skandinavischen Nordwälder sind einige der wenigen Gebiete, wo man sich noch verlaufen kann.


Urlaub in Nord-Schweden

 Dr. R.Gralla: Dann sind Ihre Touren richtig gefährlich?

Vaile: Das sind Sie. Aber, mein Gott, wenn Sie von der Seite rangehen, dürfen Sie das nicht machen.

Dr. R.Gralla: Sind Sie schon wilden Tieren begegnet?

VAILE: Während eines Gewitters hat mich mal ein Bär besucht. Ich habe ihn nicht gehört, weil der Regen zu stark war. Aber als der Wolkenbruch aufgehört hat, fand ich neben meinem Zelt eine frische Spur. Das muss ein Riesentier gewesen sein.

Dr. R.Gralla: Haben Sie eine Waffe dabei?

VAILE: Bloß ein Messer, das würde im Zweifelsfall aber wenig ausrichten.

Dr. R.Gralla: Trotzdem brechen Sie auch dieses Jahr wieder Richtung Norden auf?

VAILE: Ich muss das tun, ich kann gar nicht anders. Ich habe schon die ersten Tütensuppen gekauft.

Dr. R.Gralla: Wahrscheinlich sind Sie zwischenzeitig eine Art weiblicher Trapper geworden und kennen sich aus im Busch.

Vaile: Das ist ein wenig übertrieben, dafür ist das Gebiet viel zu groß.

Dr. R.Gralla: Wo sind Sie eigentlich unterwegs?

Vaile: In der Nähe der norwegischen Grenze. Ich brauche vor allem Gras für die Pferde und sauberes Trinkwasser, dafür ist Schweden ideal

Dr. R.Gralla: Wie orientieren Sie sich?

Vaile: Einen Kompass kann ich nicht lesen, aber ich nehme topographische Karten mit. Ich folge Wasserläufen und Wildpfaden.

Dr. R.Gralla: Sind Sie die „junge Nehberg“? Auf den Spuren des bekannten Hamburger Bäckermeisters und Survival-Experten?

VAILE: Na ja, bei mir geht es doch weniger um die Kunst des Überlebens. Und das ist nun wirklich eine Kunst, die der Nehberg mit Raupenessen und Baumrindeschälen entwickelt hat. Bei mir geht es mehr um die Kunst des Seins, Sie können das ruhig Selbstfindung nennen.

Dr. R.Gralla: Haben Sie ein Mobiltelefon dabei?

VAILE: Ja, ein Handy, und das ist die ganze Zeit aus, damit der Akku geladen bleibt. So dass ich, falls ich tatsächlich in eine Notsituation geraten sollte, Hilfe rufen könnte. Ich hoffe, dass ich dann auch Zugang zu einem Netz kriege, der ist nämlich nicht überall vorhanden. 

Dr. R.Gralla: Ihre nächsten künstlerischen Projekte, abgesehen vom „Marienhof“?

VAILE: Ein neuer „Tatort“ ist wieder im Gespräch. Und im Sommer veröffentliche ich mein nächstes Album.

Dr. R.Gralla: Ihre Musik ist rockig. Planen Sie ein Projekt mit den knallharten Typen von HIM, die Sie ja bereits vom Schach in Mainz her kennen?

VAILE: Die haben mich auch schon eingeladen, gleich nach Finnland weiter zu reiten, wenn ich auf meinem nächsten Trip in Skandinavien unterwegs bin. Mal sehen.


HIM. Nüchtern und konzentriert bei der Sache

Dr. R.Gralla: Sie stammen aus Hamburg. In der Hansestadt wohnt Smudo, der wie Sie Musik macht und Schach schätzt. Hätten Sie Lust, mal gegen Smudo zu spielen?

VAILE: Sicher! Obwohl ich nicht glaube, dass ich gegen Smudo eine Chance habe (lacht).

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Vaile im „Marienhof“: ARD, Montag bis Freitag ab 18.20 Uhr; weitere Infos: www.marienhof.de

 

 

 

 

 

 

 



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