Isle of Man: Caruana schrammt an Niederlage vorbei

von André Schulz
15.10.2019 – Auch für die Weltbesten ist nicht alles Gold, was glänzt. Nicht jede Partie gelingt. Das musste auf der Isle of Man schon Magnus Carlsen erfahren und gestern auch Fabiano Caruana. Gegen Luke McShane stand er fast 30 Züge lang auf Verlust. Er verlor aber nicht. | Foto: Maria Emelianova/chess.com

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Auch die besten Spieler der Welt stehen bisweilen schlecht. Aber das bedeutet nicht gleich, dass sie die Partie verlieren. Magnus Carlsen hatte beim FIDE chess.com Grand Swiss schon ein paar schlechte Stellungen zu verwalten und überlebte das. Gestern erwischte es Fabiano Caruana gegen Luke McShane. Ein Zufall ist das nicht, denn der Engländer präsentiert sich auf er Isle of Man in glänzender Spiellaune und gehörte vor der gestrigen 5. Runde zum Führungsquartett. Seine Partie gegen Caruana war eines der beiden Spitzenspiele.

McShane kam mit dem Vierspringerspiel und die Partie entwickelte sich zu einem Duell Springerpaar gegen Läuferpaar (plus Schwerfiguren). 

 

Es war dann bald McShanes Kavallerie, die das Geschehen auf dem Brett bestimmte, während Caruanas Läufer kein Paar wurden und nie zueinander fanden. Die Partie nahm bald dramatische Ausmaße an:

31.g5

[Hier wäre Schwarz nach 31.Ta1! Db2 32.h4 Dc3 33.Dd5 schon in großer Verlegenheit gewesen. Es droht unangenehm Ta8, gefolgt von h4, g5 und Angriff gegen f7. Die schwarzen Steine auf b4 und c3 sind völlig außer Spiel.]

31...hxg5 32.Sxg5 Da8+ 33.Kg1 Dc6? [Danach steht Schwarz auf Verlust. Die beiden Läufer sind praktisch ohne Wirkung. [33...Db7 war besser, Weiß steht aber auch dann überlegen.]

34.d4 Lf5 35.Sd5

[Auch 35.e6 fxe6 36.d5 war stark.]

35...Td7 36.Se3

[Hier konnte Weiß auch mit 36.Sf6+ gxf6 37.d5 Dc7 38.Txf5 fxg5 39.Txg5+ Kf8 40.Dg4 gewinnen.]

36...Lg6 37.d5 Dc7 38.Sg4 Dd8 39.e6? [Ungenau. Einfach 39.h4 gefolgt von d6 und e6 und gewinnt.]

39...fxe6? [Schwarz verpasst die Chance 39...Dxg5 40.exd7 Te4 z.B.: 41.Dc1 Txg4+ 42.hxg4 Dxg4+ 43.Kf2 Dh4+ mit Dauerschach.]

40.Sxe6 [Nun hat Weiß die Zügel wieder fest in der Hand.]

40...Db8 41.d6!

[Einfach 41.Kg2 war auch OK.]

41...Txd6 42.Sc7+ Tde6 43.Td7 [Droht Sf6 und Matt] 43...Kh8 44.Df4

[Um mit Txg7 und Dh6 fortzusetzen. Auch 44.Sf6 war immer noch gut: 44...Txf6 45.Txf6 mit der Idee 45...gxf6 46.Dh4+ Kg8 47.Dg4]

44...Db6 [Gegendrohung: c4 mit Schach.] 45.Sxe6 Dxe6 46.Td6 De4 47.Dg5 [Weiß hat eine Qualität mehr, aber Schwarz hat sich ein wenig befreit.]

47...Kh7 [47...Lh7 war besser.] 48.Dh4+ Kg8 49.Dg3 Kh7 50.Sf2 Dc2

 

51.Sd3 [Es gewann 51.Dh4+ Kg8 52.Dg5 Kh7 (52...Lh7 53.Sg4 Kh8 54.Sf6) 53.Sd3 Lxd3 54.Th6+ gxh6 55.Tf7+ Kh8 56.Dg7#] 

51...Le4

[Nötig war 51...Lxd3 52.Dxd3+ Dxd3 53.Txd3]

52.Dg5 De2 [Droht Ld2-e3. Auf sofort 52...Ld2 folgt 53.Dh5+ Lh6 54.Txh6+ und Matt in ein paar Zügen.]

 

53.Sxb4?! [53.Sc1 gefolgt von Dh5 gewinnt sofort.] 

53...cxb4 54.Td2 Da6 55.Dh5+ Dh6 56.Dxh6+ Kxh6 57.Te1 Te5 58.Kh2 [58.Tde2 Tg5+] 58...Td5 59.Txd5 Lxd5 [So gut stand Schwarz in dieser Partie schon lange nicht mehr. Weiß kann aber immer noch gewinnen.]

60.Te3 g5 61.Kg3 Kg6 62.Kf2?

 

[Nach 62.Kg4 Lf7 63.Te5 Lxb3 64.Txg5+ Kf6 65.Tb5 Le6+ 66.Kg3 b3 67.h4 ist das Endspiel für Weiß gewonnen.] 

Ergänzung: 65...Ld1 hält remis. Dank an die Kommentatoren Madeye und crizzy, s.u.]

62...Kf5 [Nun lässt Schwarz den König nicht mehr nach g4.] 63.Tg3 Le6 64.Ke2 Ld5 65.Kd2 Le6 66.Tf3+ Ke5 67.Te3+ Kf6 68.Kc2 Lf5+ 69.Kc1 Le6 70.Kd2 Ld5 71.Kc2 Le6 72.Kb2 Lf5 73.Tg3 Le6 74.Td3 Ke5 75.Te3+ Kf6 76.Te4 Lxh3 77.Txb4 g4 78.Te4 g3 79.Kc3 Kf5 80.Te1 Kf4 81.b4 Kf3 82.b5 Kf2 83.Kd2 g2 84.b6 Lc8 85.Te2+ ½-½

Und was passierte an den übrigen Brettern? An den ersten 20 Tischen gab es nur fünf Entscheidungen. Alexander Grischuk, Vladimir Fedoseev, Alexei Shirov, Magnus Carlsen und Adhiban sind die Namen der fünf Sieger. Alle anderen Partien endeten remis. Aus dem Führungsquartett wurde nun ein Septett. Alexei Shirov gehört auch dazu.

Carlsen-Ganguly | Foto: John Saunders

Auch Magnus Carlsen ist wieder auf dem Weg zur Tabellenspitze. Sein Gegner Ganguly wurde in der Najdorfvariante weltmeisterlich zerlegt.

 

Es folgte 39.b4 

Die deutschen Spieler spielten alle remis und erreichten das Ergebnis zumeist gegen nominell stärkere Gegner. Nur Elisabeth Pähtz gab in ihrem Derby gegen Dietmar Kolbus einen halben Punkt gegen eine eloschwächeren Gegner ab.

Elisabeth Pähtz | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Matthias Blübaum ist nach seinem Remis mit seinen nun 3,5 Punkten weiter gut im Rennen.

Niclas Huschenbeth zeigte auch gegen Vallejo, dass er sich von Spielern um die 2700 Elo nicht besiegen lässt. Für den Deutschen Meister war aber noch mehr drin:

 

Schwarz steht hoch überlegen: 24... Tb8 oder 24... Tb7 war logisch und gut. Schwarz setzte mit 24...Sb4 fort, stand auch danach weiter auf Gewinn, verdarb die Partie aber später zum remis.

Niclas Huschenbeth spielt mit | Foto: Maria Emelianova/chess.com

Das Remis von Vincent Keymer gegen seinen Trainer Peter Leko kam nicht völlig überraschend.

Leko und Keymer| Foto: Maria Emelianova/chess.com

Stand nach 5 Runden 

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Wang Hao 4,0 2711
2 Caruana Fabiano 4,0 2682
3 McShane Luke J 4,0 2673
4 Fedoseev Vladimir 4,0 2670
5 Grischuk Alexander 4,0 2657
6 Shirov Alexei 4,0 2651
7 Maghsoodloo Parham 4,0 2639
8 Adhiban B. 3,5 2708
9 Bluebaum Matthias 3,5 2702
10 Abdusattorov Nodirbek 3,5 2669
11 Anton Guijarro David 3,5 2667
12 Carlsen Magnus 3,5 2658
13 Alekseenko Kirill 3,5 2655
14 Vitiugov Nikita 3,5 2655
15 Karjakin Sergey 3,5 2648
16 Aronian Levon 3,5 2646
17 Gelfand Boris 3,5 2637
18 Akopian Vladimir 3,5 2612
19 Kryvoruchko Yuriy 3,5 2601
20 Dreev Aleksey 3,5 2596
21 Lenderman Aleksandr 3,5 2581
22 Sarana Alexey 3,0 2783
23 Abasov Nijat 3,0 2739
24 Kasimdzhanov Rustam 3,0 2710

Partien

 

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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crizzy crizzy 15.10.2019 01:50
Vincent Keymer ist sehr gut im Rennen für seine dritte GM-Norm.
2018 beim Grenke-Open holte er die erste Norm bei 9 Partien.
2018 beim Xtracon-Open in Kopenhagen erfolgte die zweite Norm mit 10 Partien.
Beim Isle of Man-Open 2018 verfehlte er die dritte Norm knapp.

Nach vier Remis und einem Sieg hat Vincent aktuell eine Performence von 2738. Eine GM-Norm entspricht einer Leistung von 2600.
Mindestens 27 gespielten Partien sind erforderlich.
Aufgrund der starken Gegner braucht Vincent m.E. nur noch ein Remis aus den Runden 6 bis 8, um mit 15 Jahren Grossmeister zu werden!
Dieses Remis kann er schon heute schaffen gegen den Vietnamnesen Le Quang Liem, ein Super-Grossmeister.
crizzy crizzy 15.10.2019 01:04
62. Kg4 reicht nicht zum Gewinn, da 65.- Ld1+! anstelle Le6+? Remis macht laut shredderchess. Da hat Madeye recht!
Die Zugnummerierung ist bei ihm verrutscht.
Madeye Madeye 15.10.2019 12:31
Die Anmerkung zu McShane-Caruana: 62.Kg4! scheint leider nicht zu stimmen. Nach 62... Lf7 63.Te5 Lxb3 64.Txg5 Kf6 54.Tb5 zeigt die Tablebase, dass 54. ... Ld1+ Remis hält. Irgendwie denkt "Mensch" die ganze Zeit "das muss doch gewonnen sein", auch die Engines zeigen bei Tiefe 70 immer noch +2.5, aber sobald ein 6-Steiner auf dem Brett ist, geht es nicht weiter. Schade um die tolle Partie von Luke!
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