Ivan Saric gewinnt Europameisterschaft

von Conrad Schormann
29.03.2018 – U-18-Europameister war er, U-18-Weltmeister auch. Aber außerhalb Kroatiens ist Großmeister Ivan Saric in erster Linie bekannt, weil er 2014 bei der Schacholympiade Magnus Carlsen besiegt hat. Dem inoffiziellen Titel „Weltmeisterbesieger“ kann er jetzt einen gewichtigen offiziellen hinzufügen. Mit 8,5 Punkten aus 11 Partien sicherte sich der Kroate den alleinigen ersten Platz bei der bärenstark besetzten Europameisterschaft in Batumi (Georgien). Die deutschen/deutschsprachigen Teilnehmer konnten ihre prächtigen Platzierungen des Vorjahrs nicht wiederholen. | Fotos: European Individual Championship on Facebook

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Ivan Saric gewinnt im Schlussspurt

Am Ende der zehnten Runde sah es aus, als würde das Turnier mit einem Masseneinlauf enden. Acht Spieler lagen mit 7,5/10 in Front. In Runde 11 blieben sie unter sich, und niemand hätte sich gewundert, wären diese vier Partien remis ausgegangen, was allen Beteiligten die World-Cup-Qualifikation gesichert hätte. Doch in der Partie zwischen Ivan Saric und David Navara suchten (und fanden) beide Kontrahenten einen zweischneidigen sizilianischen Kampf, der mit einem Sieg und dem Titel für den Kroaten endete.

 

100.000 Dollar Preisgeld und 22 Tickets für den World Cup 2019 waren in Batumi zu vergeben. Beides lockte gut 300 Spieler an, die gemeinsam einen Elo-Schnitt von 2.421 auf die Waage legten. Auch in der Breite war das Feld so stark besetzt, dass sich wahrscheinlich zwei Drittel der Teilnehmer Hoffnungen machten, eines der 22 Tickets zu ergattern, sollte das Turnier sehr gut laufen. Kein Wunder, dass am Ende einige der Elo-Favoriten in die Röhre guckten, die Ex-Europameister Dmitry Jakovenko oder Vassily Ivanchuk zum Beispiel.

Schlussstand nach 11 Runden

Rk. SNo     Name FED Rtg Pts.  TB1   TB2   TB3  Rp K rtg+/-
1 26
 
GM Saric Ivan CRO 2657 8,5 0,0 67,0 72,5 2796 10 19,6
2 2
 
GM Wojtaszek Radoslaw POL 2738 8,0 0,0 72,0 77,0 2776 10 5,7
3 29
 
GM Sjugirov Sanan RUS 2652 8,0 0,0 69,5 74,0 2795 10 20,4
4 30
 
GM Jones Gawain C B ENG 2651 8,0 0,0 69,0 74,0 2787 10 19,4
5 7
 
GM Matlakov Maxim RUS 2707 8,0 0,0 67,0 72,0 2737 10 4,5
6 34
 
GM McShane Luke J ENG 2647 8,0 0,0 67,0 71,5 2768 10 17,2
7 21
 
GM Korobov Anton UKR 2664 8,0 0,0 66,5 71,0 2766 10 14,4
8 40
 
GM Safarli Eltaj AZE 2639 8,0 0,0 63,5 69,0 2742 10 14,4
9 11
 
GM Nabaty Tamir ISR 2690 7,5 0,0 73,5 78,5 2736 10 7,4
10 16
 
GM Najer Evgeniy RUS 2683 7,5 0,0 70,5 75,0 2729 10 7,2
  18
 
GM Demchenko Anton RUS 2672 7,5 0,0 70,5 75,0 2714 10 6,5
12 35
 
GM Grandelius Nils SWE 2646 7,5 0,0 69,0 74,5 2685 10 6,1
13 123
 
GM Yuffa Daniil RUS 2521 7,5 0,0 69,0 71,5 2721 10 31,6
14 3
 
GM Navara David CZE 2737 7,5 0,0 68,5 73,5 2715 10 -1,2
15 15
 
GM Inarkiev Ernesto RUS 2684 7,5 0,0 68,0 74,0 2719 10 5,5
16 69
 
GM Hovhannisyan Robert ARM 2601 7,5 0,0 68,0 73,0 2759 10 24,1
17 10
 
GM Cheparinov Ivan FID 2693 7,5 0,0 68,0 72,5 2707 10 2,5
18 51
 
GM Bok Benjamin NED 2622 7,5 0,0 67,0 71,5 2736 10 17,5
19 146
 
IM Santos Ruiz Miguel ESP 2488 7,5 0,0 67,0 70,5 2678 10 34,2
20 64
 
GM Abasov Nijat AZE 2608 7,5 0,0 66,5 71,0 2700 10 14,2
21 86
 
GM Pashikian Arman ARM 2585 7,5 0,0 66,5 71,0 2730 10 22,6
22 92
 
GM Sarana Alexey RUS 2577 7,5 0,0 66,0 70,5 2717 10 22,3
23 33
 
GM Anton Guijarro David ESP 2647 7,5 0,0 65,5 70,5 2683 10 5,7
  39
 
GM Parligras Mircea-Emilian ROU 2642 7,5 0,0 65,5 70,5 2635 10 -0,2
25 22
 
GM Melkumyan Hrant ARM 2664 7,5 0,0 65,0 71,0 2696 10 5,1
26 6
 
GM Mamedov Rauf AZE 2709 7,5 0,0 64,5 69,5 2689 10 -1,5
27 36
 
GM Guseinov Gadir AZE 2646 7,5 0,0 64,0 69,0 2697 10 8,2
28 73
 
GM Kobalia Mikhail RUS 2599 7,5 0,0 62,5 67,5 2637 10 6,8
29 104
 
GM Savchenko Boris RUS 2550 7,5 0,0 62,0 66,5 2630 10 13,1
30 144
 
IM Ferreira Jorge Viterbo POR 2492 7,5 0,0 61,5 66,5 2698 10 27,6
31 42
 
GM Fridman Daniel GER 2637 7,5 0,0 61,5 64,5 2570 10 0,3
32 108
 
GM Shevchenko Kirill UKR 2545 7,5 0,0 58,5 62,0 2646 10 16,8
33 121
 
GM Djukic Nikola MNE 2523 7,0 0,0 69,5 73,0 2681 10 24,8
34 62
 
GM Alekseenko Kirill RUS 2609 7,0 0,0 67,5 73,0 2682 10 10,9
35 82
 
GM Gajewski Grzegorz POL 2588 7,0 0,0 67,5 72,0 2652 10 9,9
36 5
 
GM Ivanchuk Vassily UKR 2713 7,0 0,0 66,0 71,0 2675 10 -5,2
37 54
 
GM Romanov Evgeny RUS 2619 7,0 0,0 66,0 71,0 2643 10 3,7
38 59
 
GM Paravyan David RUS 2613 7,0 0,0 66,0 69,5 2684 10 11,1
39 84
 
GM Svane Rasmus GER 2587 7,0 0,0 65,5 69,5 2631 10 7,0
40 44
 
GM Onischuk Vladimir UKR 2632 7,0 0,0 65,0 69,5 2609 10 -3,2
41 17
 
GM Sargissian Gabriel ARM 2677 7,0 0,0 64,0 69,0 2681 10 0,6
42 139
 
IM Hakobyan Aram ARM 2497 7,0 0,0 63,5 67,5 2643 10 26,1
43 47
 
GM Erdos Viktor HUN 2627 7,0 0,0 63,0 67,5 2619 10 -1,1
44 126
 
IM Nguyen Thai Dai Van CZE 2517 7,0 0,0 63,0 66,5 2655 10 22,4
45 9
 
GM Ponomariov Ruslan UKR 2697 7,0 0,0 62,0 65,5 2555 10 -13,8
46 14
 
GM Kravtsiv Martyn UKR 2685 7,0 0,0 61,5 65,5 2649 10 -5,1
47 20
 
GM Motylev Alexander RUS 2669 7,0 0,0 59,5 63,5 2585 10 -9,1
48 90
 
FM Esipenko Andrey RUS 2581 7,0 0,0 59,0 62,5 2605 10 4,6
49 38
 
GM Kovalenko Igor LAT 2642 7,0 0,0 57,0 61,5 2545 10 -12,1
50 125
 
GM Steinberg Nitzan ISR 2518 7,0 0,0 56,0 59,5 2553 10 7,0
51 75
 
GM Predke Alexandr RUS 2595 6,5 0,0 70,5 75,0 2661 10 10,7

Quelle: chess-results

Für Amateure bot der Wettbewerb derweil Gelegenheit, sich auch an den unteren Brettern mit stärkster Gegnerschaft zu messen. Landesligaspieler FM Nubius Blaser (Elo 2.284) vom SC Dillingen etwa unterlag in Runde 1 GM Rasmus Svane (Elo 2.587). Zur Belohnung bekam er in Runde 2 GM Aleksander Rachmanov (Elo 2.655) vorgesetzt.

Gut lief das Turnier für den Österreicher Andreas Diermair: er holte bei der EM seine finale GM-Norm geholt. Elo über 2.500 hat er, jetzt gibt's den Titel.

Von den deutschen Profis hatten sich 2017 drei für den World Cup qualifiziert, allen voran Daniel Fridman, der das Turnier mit 8/11 als Vierter abschloss. Mindestens einer der 13 Deutschen, darunter fünf Kaderspieler, solle sich 2018 qualifizieren, hatte der vor Ort sekundierende Bundestrainer Dorian Rogozenco als Ziel ausgegeben. Aber wenn bei 22 zu vergebenden World-Cup-Tickets unter den 30 nominell besten Teilnehmern kein Deutscher ist, dann kann so ein Ziel leicht verfehlt werden. Und genau das passierte, auch wenn es bis zur letzten Runde spannend war.

Wer sicher unter den besten 20 sein will, das lehrten schon vergangene Europameisterschaften, der braucht 8 Punkte aus 11 Partien. 7,5 Punkte würden mit sehr guter Wertung auch reichen. Eine gute Wertung hat aber nur, wer stark ins Turnier startet, und genau das war das Problem der Deutschen. Während Georg Meier zu Beginn eine Remisserie gegen 200 Elo schwächere Gegner hinlegte, leistete sich Fridman zum Auftakt gar eine Null. Daraus ergab sich nicht nur bei diesen beiden die Bürde, bei plus fünf aufschlagen zu müssen, weil plus vier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht reichen würde.

Am ehesten schien noch der mit 1,5/3 gestartete Svane mit dem Ergebnisdruck fertig zu werden. In Runde 9 fegte Svane den Ex-Europameister Ernesto Inarkiev vom Brett.

 

The Queen's Gambit accepted

Das angenommene Damengambit ist eine klare Methode, um mit Schwarz gegen 1.d4 Ausgleich zu erzielen und führt zu lebendigem Figurenspiel.

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Nach diesem Sieg stand Svane bei 6,5/9 und hatte am nächsten Tag wieder Weiß – gegen Ivan Saric.

Rasmus Svane (Archivbild, Bernd Vökler)

Weil noch 1,5 Punkte her mussten, legte Svane die Partie (überzogen?) zweischneidig an, stand in hochkomplizierter Lage erst schlecht, dann gut, aber ihm lief die Zeit davon. Am Ende triumphierte der Kroate, und die Wege trennten sich. Saric wurde am Tag danach Europameister, Svane undankbarer geteilter 34. mit 7/11. Immerhin bringt er sieben Elopunkte mit nach Hause.

 

Letztlich war es wieder Fridman, der mit 7/10 und den weißen Steinen in der letzten Runde die schwarz-rot-goldene Fahne der Hoffnung trug. Gegen den israelischen GM Tamir Nabaty (Elo 2.690), dem ein Remis reichte, massierte Fridman eine leicht bessere Struktur so lange, bis er tatsächlich in ein Turmendspiel mit Mehrbauern abwickeln konnte. Aber auch das war Remis, wenngleich erst nach sechs Stunden. Fridman und seinen Landsleuten blieb ein erfolgreiches Schweizer Gambit verwehrt.

Niclas Huschenbeth verpasste zwar die Qualifikation, gewann aber eine sehr schöne Partie gegen Bahruz Rzayev:

 

Quelle: Deutscher Schachbund

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Hübsch war auch der Kurzsieg von Gawain Jones gegen die rumänische Nachwuchshoffnung Daniel-Bogdan Deac.

 

Partien der Runden 1 bis 11

 

Links



Conrad Schormann, gelernter Tageszeitungsredakteur, betreibt in Überlingen am Bodensee ein Büro für Redaktion und Kommunikation. Fürs Schachspielen hat er zu wenig Zeit, was auch daran liegt, dass er so gerne darüber schreibt, sei es für Chessbase, im Reddit-Schachforum oder für sein Schach-Lehrblog Perlen vom Bodensee...

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Martin Minski Martin Minski 02.04.2018 07:35
Hier ist eine Studienversion von
Niclas Huschenbeth & Martin Minski
Studie Nr.3:
http://didok.ru/lepky-130/
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