Ivanchuk gewinnt Torre Memorial

25.12.2006 – Das diesjährige 19. Carlos Torre-Gedenkturnier in Merida, Mexiko, gewann der Ukrainer Vassily Ivanchuk. Er setzte sich im Stichkampf im 2,5:1,5 gegen den Kubaner Lazaro Bruzon durch. Die Veranstalter hatten sich ein interessantes Format ausgedacht. Die 13 besten nach sechs Runden Schweizer System sowie die gesetzten Spieler Ivanchuk, Sergei Tiviakov und Lazaro Bruzon traten in einem K.O.-Turnier gegeneinander an. Wer sich nicht für diese K.O.-Ausscheidung qualifiziert hatte, spielte noch weitere drei Runden im Schweizer System Turnier. Das gewann Vadim Milov mit 7,5 aus 9. Bleibt nur noch die Frage: Was erinnern wir von Carlos Torre?Turnierseite...Partien des Turniers...Knockout-Partien...Mehr über Carlos Torre...

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Zwei Damenopfer sorgen dafür, dass Carlos Torre heute noch berühmt ist. Mit dem einen Damenopfer gewann er 1925 gegen Emanuel Lasker, bei dem anderen Damenopfer war Torre der Verlierer.

Gegen Lasker hatte Torre Weiß und nach dem 24. Zug des Schwarzen kam es zu folgender Stellung:



Weiß gewann mit 25.Lf6! Dxh5 26.Txg7+ Kh8 27.Txf7+ Kg8 28.Tg7+ Kh8 29.Txb7+ Kg8 30.Tg7+ Kh8 31.Tg5+ Kh7 32.Txh5 Kg6 33.Th3 Kxf6 34.Txh6+ Kg5 35.Th3 Teb8 36.Tg3+ Kf6 37.Tf3+ Kg6 38.a3 a5 39.bxa5 Txa5 40.Sc4 Td5 41.Tf4 Sd7 42.Txe6+ Kg5 43.g3 1-0

Das zweite Damenopfer geschah in folgender Stellung:


Adams - Torre, New Orleans 1920

Weiß spielte: 18.Dg4! Db5 19.Dc4! Dd7 20.Dc7! Db5 21.a4! Dxa4 22.Te4 Db5 23.Dxb7! 1-0

Beide Kombinationen sind berühmt, aber die zweite wurde wahrscheinlich nie gespielt. Die Stellung entstand, wenn man Torres Biograph Velasco glauben darf, während einer Analyse Torres, zu der er nachträglich eine Partie erfand. Es spricht allerdings für ihn, dass er dabei in die Rolle des Verlierers schlüpfte, während sein Trainer und Freund E. Adams den Ruhm des Sieges einheimsen durfte.

Große Turniererfolge waren Carlos Torre nicht vergönnt. Bereits 1926, da war Torre etwas über zwanzig Jahre alt, zog sich der Mexikaner vom Schach zurück, denn seine Nerven machten nicht mehr mit. Am 23. November 1904 in Yucatan, Mexiko, geboren war Torre 1915 mit seinen Eltern nach New Orleans gezogen, doch 1924 wollte er sein Glück als Schachspieler in New York versuchen. Nach Erfolgen in amerikanischen Turnieren lud man ihn bald zu großen europäischen Turnieren ein, wo er mit seinem Talent Aufsehen erregte.

Doch zurück in New York untergruben eine Mischung aus schlechter Ernährung - angeblich soll er nur von Süßigkeiten gelebt haben -, aufreibendem Lebenswandel und finanziellem Druck sein Nervenköstum. Später erzählte er seinem Biographen Velasco: "Ein junger, alleinstehender Mann, mit wenig und unsicherem finanziellen Rückhalt, weit fort von seiner Familie und von schwacher Gesundheit, ist immer für Depressionen anfällig. Das Reisen und der Lebensstil, den das Spielen in hochklassigen Turnieren mit sich bringt, ist anstrengend und zum verrückt werden", Gabriel Velasco, The Life and Games of Carlos Torre, Russell Enterprises 2000, S.292, zit. in Schachkalender 2005, S.145).

So gab Torre das Schach auf und ging wieder nach Mexiko zurück, wo er am 19. März 1978 in einem Altersheim in Merida starb. Ende 1977, kurz vor seinem Tod, hatte ihm die FIDE noch den Großmeistertitel verliehen und ihn damit zum ersten lateinamerikanischen Großmeister gemacht - er selber wusste von dieser Ehrung jedoch nichts.


Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren