Die jungen Wilden vom HSK
IM-Turnier im HSK-Schachzentrum

Das Klubhaus des Hamburger Schachklubs
Vom 13. bis 19. Oktober
2003 veranstaltete der HSK, gesponsert von vdw ScanBrokers Versicherungsmakler
GmbH (www.vdwscanbrokers.de)
und intexx Kommunikation Daten Betriebsführung GmbH (www.intexx.de),
in seinem Schachzentrum ein Internationales Meisterturnier. Die Förderung des
Turniers ist Teil eines langfristigen Konzepts dieser beiden mittelständischen
Firmen. Sie möchten durch ihr Engagement für die Jugendarbeit eine Verbindung zu
den jugendlichen Mitgliedern und den Studenten des Klubs schaffen, die ihnen in
Zukunft ermöglicht, Mitarbeiter aus diesem Kreis zu gewinnen: Praktikums- und
Ausbildungsplätze oder auch Jobs für Studenten sind mögliche Ansätze für
berufliche Karrieren, die für Mitglieder des Klubs attraktiv sein können, wie
umgekehrt die Firmen auf guten Nachwuchs aus dem Kreis der Schachspieler bauen
können.
Die Initiative, zum
ersten Mal seit der Eröffnung des HSK-Schachzentrums im Jahr 1996 ein
Meisterturnier zu organisieren, ergriff Wolfgang Pajeken, der gemeinsam mit Dirk
Sebastian in diesem Jahr die Mannschaftsführung des 2. Bundesligamannschaft des
HSK übernommen hat.


Wolfgang Pajeken
Parallel zum Turnier
fand auch noch der von Wolfgang in Zusammenarbeit mit Björn Lengwenus und
Hendrik Schüler sowie dem Hamburger Schachjugendbund veranstaltete
C-Trainerlehrgang statt, in dem in 120 Stunden 26 neue Trainer für die Hamburger
Klubs ausgebildet werden. Ein Mammutprogramm also, das Wolfgang in gewohnt
souveräner Weise meisterte! Aber so ganz allein wäre dies natürlich nicht
möglich gewesen – deshalb an dieser Stelle auch noch einmal der Dank an die
vielen Helfer vom HSK: Hans Christian Stejskal, Katja Stephan, Renate Sauerwald,
Manfred Stejskal, Atay Engin, Christopher Kyeck und Christoph Engelbert!
Das Turnier erreichte
die Kategorie V. Drei Meister sorgten für Internationalität: IM Piotr Murdzia
(2446, POL) ist für die Hamburger natürlich schon ein alter Bekannter und
Freund: Seit vielen Jahren spielt der Weltmeister im Problemlösen von 2002 für
HSK II in der 2. Bundesliga, der Danziger ist ein guter Freund von GM Robert
Kempinski, der im HSK-Bundesligateam aktiv ist.

Merijn van Delft, Piotr Murdzia
IM Suren Petrosian
(2439, ARM) war mit 29 Jahren der "Senior" des Turniers! Er wohnt in Norderstedt
und ist nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer sehr erfolgreich: Mit
Aljoscha Feuerstack wird er Ende Oktober zur Jugend-WM fahren! Der letzte im
Bunde, IM Gediminas Sarakauskas (2428, LIT), reiste mit dem Nachtzug von
einem Turnier in der Schweiz an und kam vom Hauptbahnhof direkt ans Brett im
HSK-Schachzentrum. Die Hamburger kennen Gedeminas schon von seinen Einsätzen
beim HSK-Eloturnier, das er in diesem Jahr mit 5,5 aus 7 gewinnen konnte.
Der durchschnittliche
Alter der übrigen Teilnehmer betrug 21,2 Jahre, bei einem Eloschnitt von 2304:
Wie Piotr ist auch Merijn van Delft (2402, NED) inzwischen für die
Hamburger ein guter Freund geworden - die Freundschaft hört aber bekanntermaßen
am Schachbrett auf, wie die ersten Runden des Turnier zeigten... Merijn machte
in diesem Jahr bei der Internationalen Hamburger Meisterschaft und bei der
Wiener Stadtmeisterschaft IM-Normen, seine ELO ist auch auf über 2400 geklettert
- fehlt nur noch die 3. Norm zum ersehnten Titel...! Die HSK II-Fraktion stellte
mit Dirk Sebastian (2360), Markus Lindinger (2358) und Steve Berger
(2278) neben Hannes Langrock (2336), der in diesem Jahr am ersten
Brett der Landesliga aktiv ist, ebenfalls heiße Norm-Kandidaten und die meisten
Teilnehmer am Turnier.

Dirk Sebastian gegen Piotr Murdzia
Dirk Sebastians Mutter
wurde von seiner Grundschullehrerin in der ersten Klasse folgender Ratschlag
erteilt: "Ihr Sohn sollte ein Musikinstrument erlernen oder Schach spielen!" Zum
Glück entschied sich Familie Sebastian fürs Schach und so kam Dirk in die
Kindergruppe vom HSV zu Harro Dahlgrün.

Christian Zickelbein (li.)
Sehr schnell erkannte
Christian Zickelbein sein Talent und holte ihn und seinen älteren Bruder Jörg in
die Schulschachgruppe der Rudolf-Steiner-Schule und zum Klub. Seitdem ist Dirk
im Klub aktiv, als Spieler, als Trainer und als Betreuer, z. B. bei den
alljährlichen HSK-Schachreisen.

Dirk Sebastian
Markus Lindinger, der
Philosoph unter den Teilnehmern, ist nach zwischenzeitlichen
Motivationsproblemen nun wieder stark im Aufwind, und Hannes Langrock nutzt
die Zeit zwischen Abitur und Studium u.a. fürs Schachspielen. Hannes kam als
13jähriger aus Leipzig nach Hamburg und konnte gleich mit ins neu eröffnete
HSK-Schachzentrum einziehen. Seitdem spielt er mit dem legendären '83er-Jahrgang
in einer Mannschaft - 1996 konnten sie den Deutschen Meistertitel U16 erringen.
Hannes ist amtierender Hamburger Jugendmeister, im Jahr 2002 war er Klubmeister
und Dähne-Pokal-Sieger und 2003 wurde er Co-Sieger bei den Open in Apolda und
in Goch. Steve Berger hat als Fünftklässler bei Christian Zickelbein das
Schachspielen am Gymnasium Bornbrook gelernt, mit dem er 1995 auch Deutscher
Schulschachmeister wurde. Steve wurde 2000 Hamburger Jugendmeister, vor kurzem
gewann er das Open in Greifswald.

Leonie und Katja
Komplettiert wurde das
Feld von zwei Youngsters: Die 19jährige Leonie Helm (2199) ist, genau wie
Dirk, schon seit der ersten Klasse im Klub - die ersten Züge machte sie an der
Grundschule Hasenweg bei ihrer Lehrerin Heidi Hahnefeld, die schnell ihr großes
Talent erkannte. Leonie, die nebenbei auch noch sehr erfolgreich beim SC Eilbek
Fußball spielt, wurde mehrmals Hamburger und Deutsche Meisterin und nahm
erfolgreich an Europa- und Weltmeisterschaften teil. Heute spielt sie am 3. Bett
im Frauen-Bundesliga-Team des Klubs und versucht Schach, Fußball und die gerade
begonnene Ausbildung bei der Hamburger Sparkasse unter einen Hut zu bekommen.

Analyse: Leonie Helm, Steve Berger

Merijn van Delft, Leonie Helm
Der 15jährige
Aljoscha Feuerstack (2196, Meerbauer Kiel), der mit seiner Familie in
Eckernförde wohnt, ist das schleswig-holsteinische Schachtalent.

Aljoscha Feuerstack
Ein großes
Ausrufezeichen setzte er vor wenigen Wochen, als er mit 6 aus 7 das Apolda-Open
gewinnen konnte! Dort schlug er auch seinen ersten Großmeister. Aljoscha ist der
einzige Teilnehmer mit eigener Homepage:
www.schachzwerg.de!

vorne: Merijn van Delft,
Feuerstack
Drei der „jungen Wilden“
vom HSK gestalteten die Dramaturgie des Turniers so zuschauerfreundlich, dass
jeder vor der letzten Runde noch Chancen auf eine IM-Norm hatte: Dirk Sebastian
hatte bis zur siebten Runde ein Turnier nach Plan gespielt: Er remisierte gegen
die IM’s und schlug Merijn van Delft, Markus Lindinger und Leonie Helm. Mit
diesen „+ 3“ hätten Remisen aus den letzten drei Runden gereicht. In der siebten
Runde wollte er gegen Aljoscha Feuerstack den Score auf „+ 4“ erhöhen, konnte
gegen Aljoschas Caro-Kann aber keinen Vorteil erlangen – Remis. Die achte Runde
brachte dann das Duell gegen einen weiteren Normkandidaten, Hannes Langrock.
Erwartungsgemäß hatte Hannes sich einen ähnlichen Plan wie Dirk zugelegt. Bis er
sechsten Runde in Aljoscha Feuerstacks Königsangriff unterging, lief auch alles
perfekt: Siege gegen Merijn van Delft und Leonie Helm, Remisen gegen zwei IM’s
und Markus Lindinger. Vor der achten Runde lag er einen ganzen Punkt hinter
Spitzenreiter Dirk Sebastian und musste mit den weißen Steinen alles versuchen:
Er fand das richtige Rezept gegen Dirks Pirc-Verteidung und machte damit das
Turnier noch einmal richtig spannend! Bitter natürlich für Dirk, der sich in
seinen Weiß-Partien das gesamte Turnier über sehr souverän gezeigt hatte, mit
Schwarz aber einige Male Probleme hatte. Parallel dazu hatte Steve Berger
unterwegs ein Remis zuviel abgegeben:

Vorne: Sarkauskas gegen Steve Berger
Er machte volle Punkte gegen Leonie Helm und Aljoscha Feuerstack, remisierte
aber sechs Mal, so dass vor der letzten alle „jungen Wilden“ mit 5 aus 8 das
Feld anführten – in jeder anderen Situation hätten wir uns natürlich über diesen
Tabellenstand an der Spitze gefreut:
1. Dirk Sebastian 5 aus 8 HSK
2. Steve Berger 5 aus 8 HSK
3. Hannes Langrock 5 aus 8 HSK

Analyse: Dirk Sebastian und Hannes Langrock
Doch konnten aus den
Paarungen der 9. Runde – Dirk Sebastian gegen Steve Berger und Piotr Murdzia
gegen Hannes Langrock –bestenfalls „2 aus 3“ herauskommen: Hannes Langrock
versuchte mit Schwarz gegen IM Piotr Murdzia zwar alles, jedoch musste er
seinen Mehrbauern wieder zurückgeben und schließlich Remis machen. Für Hannes
bleibt der zweite Platz und die Erkenntnis, dass es bis zu den ersten Normen gar
nicht mehr weit ist! Steve Berger wählte, nachdem er verschlafen hatte und sich
deswegen nicht mehr vorbereiten konnte, einen Skandinavier. Doch zog er im 6.
Zug seinen Läufer aufs falsche Feld zurück und kurz darauf gelangte der dritte
Normkandidat Dirk Sebastian mit 10. f4! in Vorteil. Der Drohung f5 konnte Steve
nur noch mit dem desperaten Manöver 10....b5 ausweichen und geriet danach in
klaren Nachteil. Mit beiderseitig knapper werdender Zeit versuchte Steve noch,
am Damenflügel anzugreifen, doch hatte Dirk die Kontrolle über das gesamte
Zentrum und gewann schließlich im Königsangriff. Dirk Sebastian gewann damit das
Turnier und spielte seine erste Norm - hoffentlich kann er sich in Zukunft
aufraffen, mehr Turniere zu spielen - dann wird der IM-Titel nur noch eine Frage
der Zeit sein!

Gedeminas Sarkauskaus
Steve fiel durch diese
Schlussrundenniederlage auf den fünften Platz zurück – vor ihn schoben sich noch
IM Gedeminas Sarkauskaus mit 5,5 aus 9 und Merijn van Delft, der sich nach
seinem desolaten Start (0,5 aus 3) wieder erholen konnte und in der Folge 4,5
aus 6 machte. Mit 50% trudelten die IM’s Piotr Murdzia und Suren Petrosian auf
den Plätzen 6 und 7 ein. Die sieben Punkteteilungen von Piotr geben ein falsches
Bild wieder, da er fast jede Partie auskämpfte - dagegen zeigte sich Suren sehr
friedlich und gewann nur eine Partie gegen Leonie (in der er auf Verlust stand)
und verlor in der Schlussrunde gegen Merijn. Markus Lindinger war mit 4 aus 9
und dem 8. Platz ganz und gar nicht zufrieden – er verlor beispielsweise
unglücklich gegen Dirk. Aber er betätigte sich vorbildlich als Stadtführer und
zeigte Piotr bis in die Morgenstunden alle Szene-Kneipen des „Hamburger Bergs“
auf dem Kiez. Für Aljoscha Feuerstack und Leonie Helm war das Turnier natürlich
ziemlich hart, doch schlugen sich beide respektabel und auf Aljoschas
Abschneiden bei der bald beginnenden Jugend-Weltmeisterschaft darf man sehr
gespannt sein.

Raucherpause auf dem Balkon
Es ist für die
Ausrichter eines solchen Turniers schön, wenn Normen erreicht werden; besonders
schön natürlich ist es, wenn die Normen im eigenen Stall bleiben – deshalb hier
noch mal herzlichen Glückwunsch an Dirk Sebastian! Wir hoffen, dass es mit Hilfe
der unterstützenden Firmen intexx GmbH und vdw ScanBrokers
Versicherungsmakler GmbH und des großen Engagements der Organisatoren und
Helfer bald wieder möglich ist, solche Turniere auszurichten!
Eva Maria
Zickelbein