Junioren-WM: Praggnanandhaa schlägt van Foreest

von André Schulz
17.11.2017 – Die indischen Schachfreunde freuen sich über einen Sieg ihres "Wunderkindes" Praggnanandhaa R. über den Elo-Favoriten der U20-WM Jorden van Foreest. Im rein deutschen Duell siegte Alexander Donchenko gegen Vincent Keymer. Rasmus Svane verlor seine Partie. Josefine Heinemann punktete hingegen. (Foto: Bernd Vökler)

Schach Nachrichten


ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Russland und Indien

Junioren-Weltmeisterschaft

Nach vier Runden liegen bei der U20-Weltmeisterschaft in Tarviso zwei russische Spieler vorne, Kirill Alekseenko und Aleksey Sorokin, beide mit maximaler Punktzahl. Murali Karthikeyan aus Indien führt die Verfolgergruppe an. Mit Daniil Yuffa auf Platz vier, Praggnanandhaa R auf Platz fünf und Grigoriy Oparin belegen drei Spieler die nächsten Plätze, die entweder aus Russland oder aus Indien kommmen. Die Gruppe der Spieler mit 3,5 Punkten reicht bis Platz, vom Norweger Aryan Tari eingenommen.

Für die Sensation der Runde sorgte der 12-jährige (!) Inder Praggnanandhaa R, der mit Jorden van Foreest den Elo-Favoriten des Turniers besiegte. Zwar liegen zwischen den beiden Spieler noch etwas über 100 Elopunkte, doch Praggnanandhaa R entwickelt seine Spielstärke mit rasanter Geschwindigkeit und ist mit seinem aktuellen Leistungsvermögen sicher schon um einiges weiter als seine Elozahl aussagt. Seine Eloperformance im Turnier bisher liegt nach diesem Sieg bei 2770. 

Den Punkt gegen van Foreest sicherte sich Praggnanandhaa im Endspiel. Im Springerendspiel steht Weiß deutlich aktiver, aber vielleicht noch nicht auf Gewinn.

 

Auch Jordens Bruder Lucas van Foreest musste eine Niederlage hinnehmen. Er verlor gegen Aryan Tari. Für die deutschen Spieler im Offenen Turnier war der vierte Spieltag kein guter. Das Lospech wollte es, dass mit Vincent Keymer und Alexander Danchenk, zwei der nur drei deutschen Spieler im Feld gegeneinander spielen musste. Alexander Donchenko gewann die Partie und so konnte sich wenigstens ein deutscher Spieler über einen ganzen Punkt freuen. Rasmus Svane, der nach seiner Auftaktniederlage zwei Partien in Folge gewonnen hatte, quittierte gegen den Österreicher Valentin Dragnev seine zweite Niederlage bei dieser WM. Als Dritter der Setzliste liegt der Lübecker nun mit seinen 50% im tiefen Mittelfeld. Vincent Keymer ist mit ebenfalls zwei Punkten 76ter.

Donchenko-Keymer (Foto: Bernd Vökler)

Kurz vor Beginn des Turniers gab der 13-Jährige ein Interview, das auf der Seite des Deutschen Schachbundes veröffentlich wurde. Hier ein Auszug:

Du bist mit 12 Jahren, sieben Monaten und 15 Tagen der jüngste Internationale Meister aller Zeiten aus Deutschland. Damit hast Du David Baramidze abgelöst, der den Titel 2002 im Alter von 13 Jahren erhielt. Was ist Dir wichtiger? Der Titel oder der Rekord?

Ich spiele vor allem gerne Schach, das ist mir am wichtigsten. Wenn ich damit einen Titel oder einen Rekord erreiche, freue ich mich natürlich. Das ist dann aber eher ein Nebeneffekt. Als ich vor ca. 2½ Jahren meine erste IM-Norm erzielt habe, wusste ich gar nicht, was eine Titelnorm ist.
...

Was sind 2018 ansonsten für Schachturniere geplant? Steht der Terminkalender schon für das ganze Jahr?

Nein, so weit kann ich schlecht im Voraus planen. Einige Turniere sind aber schon eingeplant: Gibraltar im Januar, das Grenke Chess Open um Ostern und die U18-Team-EM in Bad Blankenburg im Sommer.

Diese ganzen Reisen kosten mit Sicherheit Einiges an Geld. Ich nehme an, dass Deine Eltern den Großteil dieser Kosten übernehmen und dass Du Zuschüsse bekommst. Hast Du auch Sponsoren?

Ja, ich bin sehr froh darüber, dass die Baden-Badener Grenke AG mich als Sponsor unterstützt. Dieses Sponsoring gibt mir viel Freiheit bei der Wahl meiner Turniere und Trainer. Es ist aber nicht nur eine große finanzielle Hilfe, sondern ich habe dort auch Menschen, die sich mit mir freuen, wenn es gut läuft und die auch in schwierigen Situationen an meiner Seite stehen. Ich bekomme aber auch Unterstützung von anderen Seiten, beispielsweise vom Schachbund durch eine Sonderförderung.

Deine Schwester Cecilia ist rund drei Jahre jünger als Du und sie spielt auch Schach. Bei den U10-Mädchen ist sie die Nummer 6 in Deutschland. Anscheinend hast Du sie mit dem “Schachvirus” infiziert... Trainierst Du auch mit ihr? Oder hat sie sich - so wie Du - alles alleine beigebracht?

Antwort: Cecilia hat zuerst beim Schach immer nur zugeguckt. Sie wollte nicht spielen. Als sie es dann doch mal probiert hat, stellte sie fest, dass sie das auch ganz gut kann, eigentlich ohne viel Training. Wahrscheinlich hat sie sehr viel durchs Zugucken oder manchmal auch Zuhören gelernt. Sie hat aber eine ganz andere Art, an Schach heranzugehen als ich. Deswegen ist es für mich schwierig, sie zu trainieren. Aber natürlich gibt es einige Situationen, in denen ich Cecilia etwas erklären oder raten kann. 

Das restliche Interview beim Deutschen Schachbund...

Wenn Cecilia Keymer dann demnächst vielleicht auch mit dem Turnierschach anfängt, dürfen sich die deutschen Schachfreunde freuen. Mancher, der nur vom Zuschauen Schach gelernt hat, hat es später weit gebracht.

Ergebnisse der 4. Runde

Name Pkt. Ergebnis Pkt. Name
Kobo Ori 3 0 - 1 3 Alekseenko Kirill
Harsha Bharathakoti 3 0 - 1 3 Sorokin Aleksey
Praggnanandhaa R 1 - 0 Van Foreest Jorden
Oparin Grigoriy 1 - 0 Triapishko Alexandr
Sunilduth Lyna Narayanan ½ - ½ Lomasov Semen
Van Foreest Lucas 0 - 1 Tari Aryan
Karthikeyan Murali 1 - 0 Moroni Luca Jr
Martirosyan Haik M. 1 - 0 Gholami Aryan
Liang Awonder 1 - 0 Morozov Nichita
Christiansen Johan-Sebastian ½ - ½ Bai Jinshi
Shevchenko Kirill ½ - ½ Lobanov Sergei
Sarana Alexey 1 - 0 Haria Ravi
Makhnev Denis 0 - 1 Xu Xiangyu
Begmuratov Alisher 0 - 1 Yuffa Daniil
Dragnev Valentin 2 1 - 0 2 Svane Rasmus
Gomez Sanchez Jorge Marcos 2 0 - 1 2 Aravindh Chithambaram Vr.
Pichot Alan 2 ½ - ½ 2 Sosa Tomas
Keymer Vincent 2 0 - 1 2 Donchenko Alexander

...

Partien

Top-Partien der 4. Runde. Die übrigen Partien liegen noch nicht vor.

 

 

Stand nach 4 Runden

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Alekseenko Kirill 4,0 0,0
2 Sorokin Aleksey 4,0 0,0
3 Karthikeyan Murali 3,5 0,0
4 Yuffa Daniil 3,5 0,0
  Praggnanandhaa R 3,5 0,0
6 Oparin Grigoriy 3,5 0,0
7 Xu Xiangyu 3,5 0,0
8 Martirosyan Haik M. 3,5 0,0
  Sarana Alexey 3,5 0,0
10 Liang Awonder 3,5 0,0
11 Tari Aryan 3,5 0,0
12 Lomasov Semen 3,0 0,0
13 Bai Jinshi 3,0 0,0
14 Lobanov Sergei 3,0 0,0
15 Kobo Ori 3,0 0,0
16 Sunilduth Lyna Narayanan 3,0 0,0
17 Harsha Bharathakoti 3,0 0,0
18 Basso Pier Luigi 3,0 0,0
19 Liu Yan 3,0 0,0
20 Shevchenko Kirill 3,0 0,0
21 Donchenko Alexander 3,0 0,0
22 Zanan Evgeny 3,0 0,0
23 Gagare Shardul 3,0 0,0
24 Aravindh Chithambaram Vr. 3,0 0,0
25 Christiansen Johan-Sebastian 3,0 0,0
26 Livaic Leon 3,0 0,0
  Dragnev Valentin 3,0 0,0
28 Boruchovsky Avital 3,0 0,0
29 Li Di 3,0 0,0

147 Spieler

Mädchen-Weltmeisterschaft

Bei der Mädchen-Weltmeisterschaft gab es für den Deutschen Schachbund einen weiteren vollen Punkt, denn Josefine Heinemann gewann ihre Partie mit den schwarzen Steinen gegen Teja Vidic. In der Tabelle rückte die Deutsche mit ihren 3 Punkten nun auf Platz 14 vor. In den beiden Spitzenkämpfen der 100-Prozentigen gab es eine Entscheidung und ein Remis. Davaademberel Nomin-Erdene aus der Mongolei bezwang Alexandra Obolentseva und hat sich damit als einzige Spielerin ohne Punktverlust an die Spitze gesetzt. Julija Osmak und Zhansaya Abdumalik teilten den Punkt.

Davaademberel Nomin-Erdene (Foto: Bernd Vökler)

Die 17-jährige Nomin-Erdene Davaademberel wurde in Ulaanbaator geboren, lebt aber im ungarischen Kecskemet. 2010 gewann sie bereits einen Weltmeistertitel, die U10 Mädchen-Weltmeisterschaft in Porto Carras. Bei der letzten Schacholympiade in Baku holte sie im Frauenteam der Mongolei am ersten Brett 6,5 Punkte in zehn Partien. Im Spitzenspiel der 5. Runde muss Nomin-Erdene Davaademberel ihre Führung gegen Zhansaya Abdumalik verteidigen, gegen die sie aber bei der Schacholympiade gewinnen konnte.

Ergebnisse der 4. Runde

Name Pkt. Ergebnis Pkt. Name
Osmak Iulija 3 ½ - ½ 3 Abdumalik Zhansaya
Obolentseva Alexandra 3 0 - 1 3 Nomin-Erdene Davaademberel
Khademalsharieh Sarasadat ½ - ½ Yu Jennifer
Tsolakidou Stavroula 0 - 1 Assaubayeva Bibisara
Aakanksha Hagawane ½ - ½ Shuvalova Polina
Styazhkina Anna ½ - ½ Khomeriki Nino
Zhu Jiner 2 1 - 0 Ning Kaiyu
Mammadzada Gunay 2 1 - 0 2 Di Benedetto Desiree
Badelka Olga 2 1 - 0 2 Gueci Tea
Vaishali R 2 ½ - ½ 2 Pratyusha Bodda
Tokhirjonova Gulrukhbegim 2 ½ - ½ 2 Arda Cagil Irmak
Dordzhieva Dinara 2 1 - 0 2 Parnali S Dharia
Vidic Teja 2 0 - 1 2 Heinemann Josefine
Terbe Julianna 2 1 - 0 2 Choladze Mariami

...

Partien bis Runde 4

 

 

Stand nach 4 Runden

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Nomin-Erdene Davaademberel 4,0 0,0
2 Abdumalik Zhansaya 3,5 0,0
3 Osmak Iulija 3,5 0,0
4 Assaubayeva Bibisara 3,5 0,0
5 Obolentseva Alexandra 3,0 0,0
6 Shuvalova Polina 3,0 0,0
7 Khomeriki Nino 3,0 0,0
8 Zhu Jiner 3,0 0,0
9 Aakanksha Hagawane 3,0 0,0
10 Khademalsharieh Sarasadat 3,0 0,0
11 Uuriintuya Uurtsaikh 3,0 0,0
12 Yu Jennifer 3,0 0,0
13 Badelka Olga 3,0 0,0
14 Heinemann Josefine 3,0 0,0
15 Styazhkina Anna 3,0 0,0
16 Dordzhieva Dinara 3,0 0,0
17 Mammadzada Gunay 3,0 0,0
18 Terbe Julianna 3,0 0,0
19 Yuan Ye 2,5 0,0
20 Vaishali R 2,5 0,0

87 Spielerinnen

Links:

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

Rüsseltier Rüsseltier 18.11.2017 08:19
Hatte es endlich einmal geschafft und konnte die 4. Runde live verfolgen. Leider wird diese WM in einer Sporthalle gespielt, zu den Brettern kommt nach nicht, man muss von den Tribünen zuschauen. Doch von dort sieht man von Partien so gut wie nichts, keine elektonischen Übertragungen wo die Partien der Spitzenbretter übertragen werden. Auch gibt es keinen Analyseraum, keine Bretter für Zuschauer. So wurde mein Erlebnis live bei einer WM zu sein doch sehr getrübt. Schade, hätte mir für Zuschauer mehr erwartet.
1