Kampf vs. Trompowsky

von ChessBase
07.07.2022 – Wenn Sie gegen 1.d4 gerne eine Indische Eröffnung spielen (oder Benoni oder das Wolgagambit), dann behagt Ihnen das populäre 2.Lg5 vermutlich nicht besonders. Aber wenn Ihnen der Gegner schon "ihre" Eröffnung nimmt, dann folgen Sie doch Petra Papps Empfehlung aus CBM #208 und sorgen Sie mit 2...c5!? dafür, dass Weiß auch nicht seinen "normalen" Trompowsky-Angriff bekommt! Zudem erhält die Stellung sofort einen dynamischen Charakter – das weiße Zentrum wird angegangen. und die Diagonale für die Dame auf d8 ist geöffnet. Im ersten Teil ihrer Analyse untersucht unsere Autorin die weißen Antworten 3.e3, 3.dxc5, 3.Sc3 und 3.Lxf6. Schauen Sie rein!

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EM 2022: Der Sieger, Matthias Blübaum, kommentiert! „Special“ zur FIDE-WM 1997. Neue Video-Reihe von Jan Markos: “Praxistipps für Turnierspieler“. Eröffnungsvideos von Sokolov, Rogozenco und Marin. 10 Eröffnungsartikel mit Ideen für Ihr Repertoire u.v.m.

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Kampf vs. Trompowsky

Petra Papp setzt auf 1.d4 Sf6 2.Lg5 c5!? (Teil I)

1.d4 Sf6 2.Lg5 c5!?

Der Trompowsky-Angriff ist eine alte Eröffnung, die heutzutage große Popularität genießt. Mit 2.Lg5 verfolgt Weiß die Absicht, durch Hergabe seines Läufers die schwarze Bauernstruktur zu verderben. Der ehemalige Weltmeister Kasparov hat oft Trompowsky gespielt, der aktuelle Titelträger Carlsen greift gelegentlich dazu. Mamedyarov und Nakamura sind Experten für Weiß, der Hauptverfechter ist allerdings IM Djordjevic aus Serbien, der Hunderte Partien damit gespielt hat.

2...c5!? ist die viertbeliebteste Erwiderung, oft angewandt von den amerikanischen Spitzenkönnern Nakamura (!) und Xiong. Schwarz attackiert sofort das Zentrum, bestrebt, eine zweischneidige Stellung zu erreichen. Der prinzipiellste Zug für Weiß ist jetzt 3.d5, was wir im zweiten Teil dieses Artikels betrachten werden. Die nachstehende Übersicht wird sich mit anderen Optionen für Weiß im dritten Zug befassen, die zu vielen verschiedenen Stellungstypen führen können..

Aus dem obigen Diagramm heraus untersuche ich: A) 3.e3, B) 3.dxc5, C) 3.Sc3 und D) 3.Lxf6.  

A) 3.e3?!

Diese passive Fortsetzung verschafft Schwarz einen leichten Vorteil (ebenso wie 3.c3?!, ein weiterer 'solider' Zug, der es Schwarz ermöglicht, mit 3...Se4 4.Lf4 cxd4 5.Dxd4 und jetzt 5...d5! schnell die Initiative zu ergreifen) 3...Se4! 4.Lf4 Db6! Ein Standardzug, der Druck auf die Bauern d4 und b2 ausübt. 5.Sc3 Sxc3 6.bxc3 d6.

Eine ziemlich solide Stellung für Schwarz. Der Plan lautet ...g6, ...Lg7 und dann einfach Rochade.

B) 3.Sc3

Weiß versucht, zu einer Art Veresov-Stellung überzugehen. Die nächsten Züge werden wahrscheinlich 3...cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.Dh4 e6 6.0-0-0 Le7 7.e4 a6! sein.

Es hat sich ein Sizilianisch-Stellungstyp ergeben. Schwarz wird wahrscheinlich am Damenflügel agieren, während Weiß versucht, am Königsflügel zu drücken. 8.Sf3 (8.f4 b5 9.e5 b4! mit zweischneidiger Stellung, siehe Hansen,L - Lokander,M 0-1) 8...Dc7 9.Ld3 d6 10.The1 Ld7 führte zu einer komplizierten Schlacht zwischen zwei großen Kämpfern, ausführlich vom Nachziehenden analysiert: Rapport,R - Adhiban,B 0-1.

C) 3.dxc5

Dies ist eine der einfachsten Arten zu spielen. Obwohl die entstehenden Stellungen ziemlich symmetrisch sein mögen, gibt es viele spannende Varianten zu sehen. 3...e6 4.e3 Lxc5 5.Sd2 d5 6.Sgf3 h6 7.Lh4 Sc6

Wenn Schwarz die Zeit hat, ein Zentrum aufzubauen und selbiges zu behaupten, hat er Vorteil, aber Weiß kann mit c4 oder e4 Bauern tauschen, wonach die Stellung stark vereinfacht wird - siehe Miladinovic,I - Asadli,V 0-1.

D) 3.Lxf6

Nach 3.d5 ist dies der zweithäufigste dritte Zug für Weiß. Schließlich ist dies die ganze Idee des Trompowsky-Angriffs, den schwarzfeldrigen Läufer aufgeben, um die Bauernstruktur von Schwarz zu zerstören. Die entstehende Stellung wird ziemlich dynamisch sein. 3...gxf6 ist der übliche Weg zurückzuschlagen,

wonach Weiß wieder zwei Möglichkeiten hat, was mit dem d4-Bauern zu tun ist: D1) 4.dxc5 und D2) 4.d5.

D1) 4.dxc5

Weiß tauscht die Bauern und vereinfacht die Stellung. (4.c3?! - nach 2...c5!? ist es für Weiß normalerweise passiv, e3 oder c3 zu spielen - überlässt Schwarz einen großen Raumvorteil nach 4...d5 5.e3 e5!) 4...e6! 5.Sd2 Lxc5 6.Se4. Diese sehr natürliche Folge wurde in den meisten Partien gespielt, z.B. von Djordjevic. 6....Lb4+ 7.c3.

In einer Blitzpartie zog Firouzja nun das natürlich 7...Le7, womit er den starken Zwischenzug 7...d5! verpasste, der beabsichtigt, das schwarze Läuferpaar unter den besten Umständen abzugeben - siehe Djordjevic,V - Firouzja,A 0-1.

D2) 4.d5

Die prinzipiellste Fortsetzung. 4...Db6! Ich mag diesen Zug, der Weiß Probleme bereitet, indem er einfach den b2-Bauern angreift. In der Folge kann Schwarz den Druck auf ihn erhöhen, indem er ...f5 und ...Lg7 spielt. 5.Dc1 f5!.

Der Bauer gehört sowieso hierhin, deshalb halte ich es für das Beste, mit diesem Zug zu beginnen. Er öffnet die Diagonale h8-a1, außerdem kann jetzt das Feld h6 genutzt werden, vom Läufer oder sogar von der Dame. Nun gibt es eine letzte Gabelung:

D21) 6.c4. Ein natürlicher Zug. 6...Dh6!? Diese seltene Fortsetzung ist eine der Top-Empfehlungen für eine starke Engine. Nach dem Damentausch hätte Schwarz dank des Läuferpaars das etwas angenehmere Endspiel. 7.e3 (Weiß lehnt ab) und nun 7...e5!.

Die entstandene Stellung ist fast völliges Neuland, so dass es viele Pläne gibt, die ausprobiert werden können. Schwarz hat verdoppelte Bauern, dafür aber auch die offene g-Linie. Er kann seinen König zum Damenflügel manövrieren (c7!), den Springer nach f6 und aktiv spielen. In der Zwischenzeit sollte Weiß auf Statik spielen und diese Bauernstruktur beibehalten.

D22) 6.g3 Lg7 7.c3 d6 8.Lg2 f5

Schwarz plant Sd7-f6, dann den aggressiven Angriff mit h5-h4 - siehe Evgeny Postnys großartige Analyse von Lakdawala,C - Nakamura,H 0-1.

D23) 6.e3. Ähnlich wie in der obigen Variante strebt Weiß eine solide Struktur mit Bauern auf e3 und c3 an. 6...Lg7 7.c3 d6.

Eine ziemlich statische Stellung ist entstanden. Schwarz wird mit Sd7-f6 den Bauern d5 angehen, Weiß´mit Sh3-f4 fortsetzen. Der zweite Plan für Schwarz lautet dann, auf e7-e5 zu spielen, und im Fall von weißem Lc4 diesen Vorstoß mit ...Te8 zu unterstützen. All dies wird analysiert in Martinez Reyes,P - Xiong,J 0-1.

Zusammenfassung: Dies war der erste Teil meiner Analyse der energischen Erwiderung 2...c5!? gegen den Trompowsky-Angriff. Schwarz erzeugt sofort Gegenspiel, indem er das Zentrum angeht und die Diagonale für seine Dd8 öffnet, was eine der Hauptideen ist. Schwarz hat in allen Varianten gute Chancen und kann, wenn nötig, auch solide spielen. Im zweiten Teil des Artikels werde ich Ihnen zeigen, wie dem weißen Hauptzug 3.d5 zu begegnen ist. Anschließend haben Sie dann ein komplettes Repertoire für Schwarz gegen Trompowsky!

Den kompletten Artikel von Petra Papp mit allen Partien und Analysen finden Sie im ChessBase Magazin #208!

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Highlights

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Spitzenschach und Meisteranalysen

EM 2022: Matthias Blübaum feierte mit dem Gewinn der EM den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Der neue Champion kommentiert zwei seiner Partien ebenso wie die Gewinner der Silber- und Bronzemedaille, Gabriel Sargissian und Ivan Saric. Dazu Analysen vieler weiterer Spieler, darunter Ruslan Ponomariov, Aryan Tari, Ivan Cheparinov, Rasmus Svane, Yuriy Kuzubov, Maxime Lagarde u. a.

Superbet Bucharest 2022: Maxime Vachier-Lagrave setzte sich im Tiebreak gegen Levon Aronian und Wesley So durch. Anish Giri kommentiert drei Highlights aus Bukarest, Dorian Rogozenco stellt zwei Partien des Siegers im Video vor.

Neue Videoreihe: „Praxistipps für den Turnierspieler“

Unser neuer Autor, Jan Markos, ist ein slowakischer Schachbuchautor, Trainer und Großmeister. In seinem ersten Beitrag geht es um das Thema Zeitmanagement. Zunächst arbeitet Markos im über 20-minütigen Video drei generelle und leicht umsetzbare Empfehlungen heraus. Am Anfang steht dabei eine fundamentale Frage: in welchen Stellungstypen sollten wir überhaupt Zeit investieren – und in welchen nicht?

Special: FIDE-WM 1997

CBM Autoren analysieren ihre Lieblingspartie von der ersten K.-o.-WM vor 25 Jahren. Eine exklusive Sammlung von 22 kommentierten Partien erwartet Sie!

All in one

Nach seiner Untersuchung des Londoner Systems gegen Königsindisch im CBM 207 verteidigt Tanmay Srinath in dieser Ausgabe seine Lieblingseröffnung mit Weiß gegen einen überaus kämpferischen Ansatz von Schwarz: 1.d4 Sf6 2.Lf4 c5, was sofort zu scharfem und zweischneidigem Spiel führt. Nach 3.d5 b5!? empfiehlt der Inder das unternehmungslustige Bauernopfer 4.e4!

Eröffnungsvideos

Dorian Rogozenco stellt ein Bauernopfer gegen Grünfeld-Indisch vor, das auch der neue Europameister erfolgreich anwandte. Ivan Sokolov ist in der Ragosin-Variante auf die Neuerung 8...h5 gestoßen, die er in diesem und dem kommenden CBM ausführlich prüft. Und Mihail Marin erläutert, warum er in der Slawischen Verteidigung nach 5...Lf5 die Replik 6.Se5 nicht mehr fürchtet.

Dorian Rogozenco: Grünfeld-Indisch
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Sf3 c5 8.Lb5+
Ivan Sokolov: DG Ragosin-Variante (Teil I)
1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 exd5 5.Lg5 Lb4 6.e3 h6 7.Lh4 g5 8.Lg3 h5
Mihail Marin: Slawisch
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5 Sbd7 7.Sxc4 Sb6 8.Se5 a5

Neue Ideen für Ihr Repertoire

CBM #208 deckt mit 10 Eröffnungsartikeln wie gewohnt ein breites Spektrum ab:

Sergei Grigoriants: Englisch 1.d4 e6 2.c4 b6 3.e4 Lb7 4.Ld3 f5
Petra Papp: Trompowsky 1.d4 Sf6 2.Lg5 c5 (Teil I)
Robert Ris: Sizilianisch Sweschnikow 11.c4 Sd4
Viktor Moskalenko: Franz. Vorstoßvariante 5...Sge7
Roven Vogel: Italienisch 3...Sf6 4.d3 Le7
Spyridon Kapnisis: Spanisch 5.d3 d6 6.c4
Alexey Kuzmin: Angenommenes DG 7.Te1
Lucian Miron: Schara-Hennig Gambit 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5 4.cxd5 cxd4
Christian Braun: Katalanisch 7.Sa3
Krisztian Szabo: Nimzo-Indisch 4.Dc2 0-0 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 d5 7.Lg5 c5

Aktuelle Eröffnungsfallen

„Der zweite Blick“, „Unausgesprochene Einladungen“ u.v.m. - Rainer Knaak nimmt acht Fallen aus der aktuellen Turnierpraxis unter die Lupe drei davon stellt er zudem im Videoformat vor.

Zug für Zug

Kirill Shevchenkos brillantes Debut für den SV Werder Bremen in der Bundesliga gegen Andrei Volokitin steht in Martins Breutigams interaktivem Beitrag auf dem Trainingsplan. Finden Sie die Züge des 19-jährigen Nachwuchsstars?

Move by Move

Testen Sie Ihr Schach Zug für Zug mit Robert Ris! Levon Aronians strategische Glanzpartie gegen Vincent Keymer vom FIDE Grand Prix steht auf dem Programm. Finden Sie die Züge des Supergroßmeisters?

„Knockout-Strategien bei der WM 1997“

Mihail Marin thematisiert anhand des Partiematerials fünf strategische Themen, vom „Spiel auf beiden Flügeln“ bis zum „Entwicklungsvorsprung“ Inkl. Videoeinleitung (Spielzeit: 22 Minuten)

Der Klassiker

Alexander Aljechin selbst bezeichnete seine Partie gegen Richard Réti in Baden-Baden 1925 als eine seiner brillantesten Partien überhaupt. Genießen Sie die Videopräsentation von Dorian Rogozenco!

Taktik: „Nutze Deine Grundreihe!“

Oliver Reehs Taktikbeitrag besteht aus 34 Partien mit vielen Trainingsfragen. Seine Lieblingskombinationen lösen Sie zusammen mit dem Internationalen Meister im interaktiven Videoformat!

Endspielfeinschliff – „Endspielhighlights von der FIDE-WM 1997“ u.v.m.

Karsten Müller liefert umfassendes Trainingsmaterial für höchste Ansprüche. Nicht nur zum WM-Turnier vor 25 Jahren, sondern auch zum Oslo Esports Cup 2022 liefert der Hamburger Endspielexperte reichlich Anschauungsmaterial und Analysen (inkl. Video).  

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