FIDE-Pressemitteilung
Fotos: Michal Walusza und Rafal Oleksiewicz
In Paphos auf Zypern stehen die Figuren bereit, denn am 29. März beginnt dort das Kandidatenturnier 2026, in dem sich entscheidet, wer gegen Gukesh um den WM-Titel spielen darf.
Das Teilnehmerfeld vereint Spieler, die bereits Erfahrung in Kandiatenturnieren sammeln konnten mit neuen Herausforderern. Einige qualifizierten sich durch spektakuläre Turniersiege, andere durch Beständigkeit, doch alle reisen mit einem Ziel nach Zypern: das wichtigste Turnier der Schachwelt zu gewinnen.
Das Kandidatenturnier gilt hartes und forderndes Turnier – vierzehn Runden, keine leichten Gegner, und jeder halbe Punkt kann entscheidend sein.
Das Teilnehmerfeld des diesjährigen Kandidatenturniers verspricht Spannung: erfahrene Spieler wie Fabiano Caruana, Anish Giri und Hikaru Nakamura treffen auf aufstrebende Stars wie Praggnanandhaa Rameshbabu, Javokhir Sindarov und Andrey Esipenko; dazu kommen Top-Spieler wie Matthias Blübaum und Wei Yi.
Wer das Turnier gewinnt, wird sich zeigen, aber eine Sache ist sicher: In Zypern zählt jeder Zug. Kommentiert wird das Turnier von Jan Gustafsson und Peter Svidler, aber werfen wir doch einen genaueren Blick auf die Kandidaten - in der Reihenfolge ihrer Elo-Zahlen von März 2026.

Als fünffacher US-Meister und eine der bekanntesten Persönlichkeiten des modernen Schachs qualifizierte sich Nakamura über die Elo-Rangliste für das Kandidatenturnier. Im Qualifikationszeitraum wies er die höchste durchschnittliche Elozahl im klassischen Schach auf.
Obwohl er sich regelkonform verhielt, löste seine Qualifikation öffentliche Diskussionen aus, weil er die erforderliche Mindestzahl an Partien teilweise gegen deutlich schwächer bewertete Gegner erreichte.
Derzeit auf Platz zwei der Weltrangliste, hat sein Ruhm zuletzt auch durch seine starke Online-Präsenz weiter zugenommen. Zugleich hat Nakamura im Laufe seiner Karriere in Top-Turnieren, im Weltmeisterschaftszyklus sowie zahlreichen Rapid- und Blitz-Wettbewerben, große Zähigkeit bewiesen.
Zu seinen Erfolgen zählen die Goldmedaille bei der Schacholympiade 2016, der Sieg beim Tata Steel Tournament 2011 und Norway Chess Turnier 2023 sowie mehrere Turniersiege in der Grand Chess Tour.
Er gilt weithin als einer der stärksten Schnell- und Blitzspieler der Geschichte, gewann die Schnellschach-Weltmeisterschaft 2022 und erreichte mehrfach Podiumsplätze bei der Blitzschach-Weltmeisterschaft. Online gehört er zu den Schach-Streamern und ist prominenter Botschafter des Spiels auf Plattformen wie Twitch und YouTube.
Mit mehreren Teilnahmen an Kandidatenturnieren gibt es nur wenige Spieler, die besser mit Druck umgehen können als Nakamura. Wenn Hikaru früh ins Turnier findet, gehört er zu den ernsthaften Anwärtern auf den ersten Platz.

Fabiano qualifizierte sich durch den Sieg im FIDE Circuit 2024 und spielt zum fünften Mal im Kandidatenturnier. Derzeit auf Platz drei der Weltrangliste, gehört Caruana seit mehr als einem Jahrzehnt zum engsten Kreis der Titelanwärter und ist für seine tiefe Eröffnungsvorbereitung und seine Rechenfähigkeiten bekannt.
Der amerikanische Großmeister gewann das Kandidatenturnier 2018 in Berlin und forderte anschließend Magnus Carlsen in London um die Weltmeisterschaft heraus, unterlag jedoch in einem der ausgeglichensten WM-Kämpfe der Geschichte.
Weitere Turniererfolge sind der Sieg beim Grenke Chess Classic 2015, beim Norway Chess Turnier 2018 und beim Tata Steel Tournament 2020. Sein vielleicht beeindruckendster Turniersieg gelang ihm 2014 beim Sinquefield Cup: Dort erzielte er gegen Weltklassekonkurrenz 8½ Punkte aus 10 Partien – und startete mit 7 aus 7. Außerdem ist er fünffacher US-Meister, gewann 2016 Olympiagold und hat mehrere Titel in der Grand Chess Tour errungen.
Zur Vorbereitung auf das Kandidatenturnier spielte Fabiano zuletzt zwei Turniere in Saint Louis, darunter das Saint Louis Masters, das er mit vielversprechenden 7 aus 9 abschloss.
Caruana gilt weithin als einer der stärksten Spieler des 21. Jahrhunderts und als einer der ernsthaftesten Anwärter auf den Weltmeistertitel. Viele Analysten sehen ihn als natürlichen Favoriten – und wenn Erfahrung im Kandidatenturnier eine Rolle spielt, bringt er davon reichlich mit.

Wei Yi, derzeit die Nummer sieben der Weltrangliste und Chinas bester Spieler, qualifizierte sich als Finalist des World Cups 2025 in Goa für das Kandidatenturnier. Für ihn ist es die erste Teilnahme.
Viele Jahre lang galt Wei Yi als das größte Schachtalent seit Magnus Carlsen. Der chinesische Großmeister trat bereits als Teenager mit außergewöhnlicher taktischer Brillanz und furchtlosem Angriffsschach ins Rampenlicht.
Bis heute hält Wei Yi den Rekord als jüngster Spieler, der die Marke von 2700 Elo überschritt – er schaffte das im Alter von nur 15 Jahren.
Der Chinese hat einige der spektakulärsten Partien der modernen Schachgeschichte gespielt. Zu den Favoriten vieler Fans zählt sein Sieg von 2015 gegen GM Lazaro Bruzon, eine der eindrucksvollsten Königsjagden der jüngeren Schachgeschichte.
Wei Yi gewann zahlreiche Elite- und Einladungsturniere in China und international und spielte außerdem eine wichtige Rolle in den chinesischen Goldteams bei der Schacholympiade 2014 und der Mannschaftsweltmeisterschaft 2015.
Wei Yi verbindet präzise Kalkulation mit taktischer Kreativität und einem furchtlosen Angriffsinstinkt. Wird die Stellung scharf, ist er jederzeit zu brillanten Opfern und spektakulären Kombinationen fähig.

Anish Giri qualifizierte sich durch den Sieg beim FIDE Grand Swiss 2025 in Samarkand für das Kandidatenturnier. Es ist seine dritte Teilnahme.
Als einer der konstantesten Spitzenspieler des vergangenen Jahrzehnts gehört er seit seinen Teenagerjahren zur Weltelite und ist ein regelmäßiger Teilnehmer im Weltmeisterschaftszyklus. Beim Kandidatenturnier 2016 sorgte er für Aufsehen, als er alle vierzehn Partien remis spielte. Beim Kandidatenturnier 2020–21 kämpfte er bis in die Schlussrunden um den Turniersieg.
Giri hat zahlreiche internationale Turniere gewonnen und ist seit vielen Jahren eine tragende Säule der niederländischen Nationalmannschaft. Mit dem Team gewann er bei der Schacholympiade 2014 die Bronzemedaille und erzielte außerdem mehrfach starke Einzelergebnisse am ersten Brett bei Olympiaden und Mannschaftseuropameisterschaften.
Derzeit auf Platz acht der Weltrangliste, ist Giri für seine tiefe Eröffnungsvorbereitung, strategische Klarheit und technische Präzision bekannt. Während er früher bisweilen mit besonders solidem Spiel in Verbindung gebracht wurde, verfolgt er in den letzten Jahren einen deutlich ambitionierteren Stil und hat viele dynamische und angriffsfreudige Partien gespielt.

Javokhir Sindarov zählt zu den aufregendsten jungen Spielern der Gegenwart und hat sich in kurzer Zeit als eine der prägenden Figuren der neuen Generation etabliert.
Der usbekische Großmeister qualifizierte sich auf einem der schwierigsten Wege im Schach: durch den Sieg beim World Cup 2025 in Goa (Indien) – einem langen K.-o.-Turnier, das sowohl Nervenstärke als auch Vielseitigkeit verlangt.
Obwohl er noch am Anfang seiner Karriere steht, hat sich Sindarov bereits einen Ruf für aggressives dynamisches Spiel erworben. In Zypern wird er nun sein Debüt im Kandidatenturnier geben. In der Weltrangliste steht er bereits auf Platz zwölf und hat bei mehreren Elite-Turnieren starke Ergebnisse erzielt. Dazu gehört auch die Goldmedaille bei der Schacholympiade 2022 in Chennai, bei der Usbekistan sensationell vor vielen traditionellen Schachnationen gewann.
Sindarov ist für seinen dynamischen und ambitionierten Stil bekannt. Häufig wählt er scharfe Eröffnungen und steuert komplexe Mittelspielstellungen an, in denen seine taktische Stärke besonders zur Geltung kommt.
Seine Partien sind oft geprägt von mutigen Opfern, energischen Angriffen und kreativen Lösungen in schwierigen Stellungen. Mit seinem Angriffsspiel und seinem Selbstvertrauen gilt Sindarov als der unberechenbarste Teilnehmer des Turniers.

Praggnanandhaa nimmt zum zweiten Mal am Kandidatenturnier teil; qualifiziert hat er sich über den FIDE Circuit 2025. Sein Aufstieg in die Weltspitze verlief bemerkenswert schnell.
Der indische Großmeister verfügt über außergewöhnliche Rechenstärke, große taktische Präzision und ein tiefes positionelles Verständnis und hat sich damit als einer der führenden Spieler der neuen Generation etabliert.
Er gewann zahlreiche Elite- und Einladungsturniere auf der internationalen Turnierbühne, darunter das Tata Steel Masters 2024. Außerdem spielte er eine wichtige Rolle beim historischen Olympiasieg der indischen Nationalmannschaft im Jahr 2024.
Obwohl er noch am Anfang seiner Karriere steht, hat Praggnanandhaa bereits Erfolge erreicht, von denen viele Spieler nur träumen können. Mit Resultaten auf Weltklasseniveau und wachsender Erfahrung in der absoluten Spitze gilt er als einer der ernsthaftesten Kandidaten für den Weltmeistertitel in den kommenden Jahren.

Der deutsche Großmeister hat sich im Laufe der Jahre den Ruf eines der konstantesten und technisch stärksten Spieler Europas erarbeitet. Bekannt für seine umfassende Eröffnungskenntnis und hervorragende Endspieltechnik ist Blübaum zu einer zentralen Figur im deutschen Schach geworden und ein regelmäßiger Teilnehmer auf der internationalen Turnierbühne.
Der zweifache Europameister gibt beim Kandidatenturnier sein Debüt. Qualifiziert hat er sich dank seines überraschenden zweiten Platzes beim Grand Swiss 2025, wo er zahlreiche etablierte und nominell stärkere Spieler hinter sich ließ. Nach Robert Hübner und Wolfgang Uhlmann ist er der dritte Deutsche, der sich für ein Kandidatenturnier qualifiziert hat.
Blübaum gewann oder teilte den ersten Platz bei mehreren starken Open-Turnieren in Europa, darunter auch bei der deutschen Meisterschaft. Zudem ist Matthias eine wichtige Stütze der deutschen Nationalmannschaft und zählt zu den führenden deutschen Spielern seiner Generation.
Blübaum geht zwar als Außenseiter ins Turnier, doch Spieler, die in langen Schweizer Turnieren erfolgreich sind, schneiden im Kandidatenformat oft überraschend gut ab.

Zu guter Letzt: Andrey Esipenko liegt in der FIDE-Weltrangliste vom März 2026 zusammen mit Blübaum auf Platz 33. Auch er gibt sein Debüt im Kandidatenturnier und qualifizierte sich durch seinen dritten Platz beim World Cup 2025.
Esipenko klopft seit mehreren Jahren an die Tür zur Weltspitze. Nach dem geteilten Sieg bei der Einzel-Europameisterschaft 2022 und konstant starken Leistungen bei großen Turnieren hat er sich nun erstmals für das Kandidatenturnier qualifiziert.
Der junge Großmeister ist für seinen Kampfgeist und scharfe Eröffnungsideen bekannt. Früh in seiner Karriere gelang ihm ein vielbeachteter Sieg gegen Magnus Carlsen in einer klassischen Partie. Bemerkenswert ist auch seine Widerstandskraft: Nachdem er im Halbfinale im World Cup eine der schmerzhaftesten Niederlagen seiner Laufbahn hinnehmen musste, gelang ihm im November in Goa im entscheidenden Match um Platz drei ein starkes Comeback.
Mit seinem furchtlosen Stil ist Esipenko in jeder Runde ein gefährlicher Gegner. Die Kombination aus Kreativität, taktischem Gespür, starker Endspieltechnik und wachsender Erfahrung könnte beim Kandidatenturnier 2026 für eine Überraschung sorgen.