Kandidatenturnier der Frauen: Die Eröffnung

von André Schulz
31.05.2019 – Gestern begann der offizielle Teil des Frauen-Kandidatenturniers mit einer Pressekonferenz und der offiziellen Eröffnungsfeier. Nach über 20 Jahren wird wieder ein Kandidatenturnier der Frauen gespielt. | Fotos: FIDE (Turnierseite)/ Elisabeth Pähtz

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Mit Spannung erwartet:
Das Kandidatenturnier der Frauen

Nun ist es also so weit. In Kasan beginnt heute das Kandidatenturnier der Frauen (31.Mai bis 17. Juni). Es wird analog zum Männerkandidatenturnier mit acht Teilnehmerinnen, doppelrundig ausgetragen. Die Siegerin wird Weltmeisterin Ju Wenjun in einem Wettkampf um die Weltmeisterschaft herausfordern. Damit endet eine Zeit der Irrungen und Wirrungen, die fast 20 Jahre gedauert hat. 

Das letzte Kandidatenturnier der Frauen fand nämlich 1997 statt, in Groningen mit zehn Teilnehmerinnen, damals ebenfalls doppelrundig ausgetragen. Zu dieser Zeit war Zsuzsa Polgar Weltmeisterin. Die Merkwürdigkeiten begannen allerdings schon bei diesem Turnier, denn die beiden ersten qualifizierten sich für ein Kandidatenfinale. Alisa Galliamova gewann das Turnier, Xie Jun wurde Zweite. Galliamova weigerte sich dann aber, das Kandidatenfinale komplett in China zu spielen, wurde schließlich disqualifiziert und Xie Jun zur Herausforderin erklärt.

Weltmeisterin Zsusza Polgar war zu dieser Zeit schwanger, bat um einen Aufschub, erklärte sich nach der Geburt ihres Sohnes auch noch nicht für spielfähig und war auch mit den Spielbedingungen nicht einverstanden, denn auch der WM-Kampf gegen Xie Jun sollte komplett in China stattfinden. Am Ende der Verhandlungen wurde die Weltmeisterin ebenfalls disqualifiziert. Nun kam Galliamova erneut ins Spiel. Es wurde ein Wettkampf um den Titel zwischen den beiden Ersten des Kandidatenturniers, Galliamova und Xie Jun angesetzt, den die Chinesin gewann und so Weltmeisterin wurde. Der Wettkampf fand damals in Kasan (!) und Shenyang statt. Xie Jun war zuvor schon von 1991 bis 1995 Weltmeisterin gewesen, bevor sie im Wettkampf von Zsuzsa Polgar entthront wurde.

Die nächste Weltmeisterschaft wurde dann schon im K.o.-Format gespielt, dem Lieblingsprojekt des damals noch recht neuen FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumzhinov. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es eine einzige Weltmeisterin, Vera Menchik. Von 1945 bis 2001 gab es sieben verschiedene Weltmeisterinnen. Nach 2001 produzierte die FIDE dann mit ihrem neuen Format nicht weniger als neun neue Weltmeisterinnen. Zunächst wurden die Weltmeisterschaften in einem K.o.-Turnier ausgetragen, dann gab es einen jährlichen Wechsel zwischen K.o.-Turnieren und Wettkämpfen. Yifan Hou, die mit Abstand beste Frau der Welt, zwischenzeitlich mehrfach auch Weltmeisterin, war mit diesem Format so unzufrieden, dass sie sich aus dem Frauenschach schließlich zurückzog.

Im Herbst letzten Jahres wurde ein neues FIDE-Präsidium gewählt und eine der ersten Maßnahmen war, den Modus der Frauenweltmeisterschaften zu "normalisieren". Das Ergebnis ist das Kandidatenturnier, das heute mit der ersten Runde sportlich beginnt.

Die Pressekonferenz

Gestern wurde die Veranstaltung bereits mit einer Pressekonferenz und einer Eröffnungsfeier offiziell gestartet. Die Pressekonferenz fand in Anwesenheit von FIDE Executive Director Victor Bologan, RCF Executive Director Mark Glukhovsky, dem First Deputy Minister of Sport of the Republic of Tatarstan Khalil Shaikhutdinov und den zwei Teilnehmerinnen Kateryna Lagno (Russland) und Nana Dzagnidze (Georgien) bei der Presseagentur AO Tatmedia statt. 

Victor Bologan wies daraufhin, dass nur wenig Zeit für die Organisation zur Verfügung stand und dankte dem Gastgeber Kasan und der Republik Tartastan. Die Offiziellen wiesen in ihren Statements auf die internationale Bedeutung des Turniers hin, während die beiden Spielerinnen sich auf die spannenden Partien freuten, aber auch für die guten Spielbedingungen und das schöne Wette in Kasan dankbar waren.

Das Musikprogramm

Am Abend folgte die offizielle Eröffnung. Dort wurde nicht nur auf auf das Bühnenprogramm die Spielerinnen geschaut, sondern auch auf Großmeister, die neben ihnen saßen. Denn das gab Aufschluss darüber, welche Großmeister die jeweiligen Spielerinnen unterstützen. So sah man Vladislav Tkachiev bei Katherina Lagno und Pavel Eljanov bei Anna und Mariya Muzychuk. Nana Dzagnidze kann auf die Unterstützung von Khvicha Supatashvili bauen. Yu Shaoteng hilft Tan Zhonqui und Konstantin Landa betreut Aleksandra Goryachkina. Alexandra Kostenuk hat mit Pavel Tregubov den Sekundanten quasi in der Familie, was aber nicht heißt, dass er der einzige Sekundant sein muss. Valentina Gunina hat ihren Sekundanten bisher nicht preis gegeben.

Wer sitzt bei wem?

Die Auslosung war schon vor einigen Wochen von FIDE-Präsident Arkadij Dvorkovich und Judit Polgar vorgenommen worden. 

Elisabeth Pähtz wird die Partien zusammen mit Evgeny Miroshnichenko kommentieren und hat Zeit gefunden ein paar Eindrücke von den Vorbereitungen und der Baumann Straße vor dem Hotel einzusammeln.

Der Spielsaal wird hergerichtet | Foto: Elisabeth Pähtz

Die ersten Zuschauer sind unterwegs

Der Spielplan:

31. Mai, Runde I
Valentina Gunina — Kateryna Lagno
Alexandra Kosteniuk — Alexandra Goryachkina
Nana Dzagnidze — Tan Zhongyi
Maria Muzychuk — Anna Muzychuk

1. Juni, Runde II
Kateryna Lagno — Alexandra Kosteniuk
Alexandra Goryachkina — Valentina Gunina
Tan Zhongyi — Maria Muzychuk
Anna Muzychuk — Nana Dzagnidze

2. Juni, Runde III
Valentina Gunina — Alexandra Kosteniuk
Alexandra Goryachkina — Kateryna Lagno
Tan Zhongyi — Anna Muzychuk
Nana Dzagnidze — Maria Muzychuk

3. Juni Ruhetag

4. Juni, Runde IV
Nana Dzagnidze — Valentina Gunina
Alexandra Kosteniuk — Tan Zhongyi
Anna Muzychuk — Alexandra Goryachkina
Maria Muzychuk — Kateryna Lagno
 

5. Juni, Runde V
Valentina Gunina — Maria Muzychuk
Alexandra Kosteniuk — Nana Dzagnidze
Alexandra Goryachkina — Tan Zhongyi
Kateryna Lagno — Anna Muzychuk

6. Juni, Runde VI
Anna Muzychuk — Valentina Gunina
Maria Muzychuk — Alexandra Kosteniuk
Nana Dzagnidze — Alexandra Goryachkina
Tan Zhongyi — Kateryna Lagno

7. Juni, Rest Day

8. Juni, Runde VII
Alexandra Kosteniuk — Anna Muzychuk
Alexandra Goryachkina — Maria Muzychuk
Kateryna Lagno — Nana Dzagnidze
Valentina Gunina — Tan Zhongyi

9. Juni, Runde VIII
Kateryna Lagno — Valentina Gunina
Alexandra Goryachkina — Alexandra Kosteniuk
Tan Zhongyi — Nana Dzagnidze
Anna Muzychuk — Maria Muzychuk

10. Juni, Runde IX
Alexandra Kosteniuk — Kateryna Lagno
Valentina Gunina — Alexandra Goryachkina
Maria Muzychuk — Tan Zhongyi
Nana Dzagnidze — Anna Muzychuk

11. Juni, Ruhetag

12. Juni, Runde X
Alexandra Kosteniuk — Valentina Gunina
Kateryna Lagno — Alexandra Goryachkina
Anna Muzychuk — Tan Zhongyi
Maria Muzychuk — Nana Dzagnidze

13. Juni, Runde XI
Valentina Gunina — Nana Dzagnidze
Tan Zhongyi — Alexandra Kosteniuk
Alexandra Goryachkina — Anna Muzychuk
Kateryna Lagno — Maria Muzychuk

14. Juni, 14 Runde XII
Maria Muzychuk — Valentina Gunina
Nana Dzagnidze — Alexandra Kosteniuk
Tan Zhongyi — Alexandra Goryachkina
Anna Muzychuk — Kateryna Lagno

15. Juni, Ruhetag

16. Juni, 16 Runde XIII
Valentina Gunina — Anna Muzychuk
Alexandra Kosteniuk — Maria Muzychuk
Alexandra Goryachkina — Nana Dzagnidze
Kateryna Lagno — Tan Zhongyi

17. Juni, 17 Runde XIV
Anna Muzychuk — Alexandra Kosteniuk
Maria Muzychuk — Alexandra Goryachkina
Nana Dzagnidze — Kateryna Lagno
Tan Zhongyi — Valentina Gunina

Turnierseite...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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