Kandidatenturnier: Ding gewinnt Duell um Platz zwei

von André Schulz
05.07.2022 – Die letzte Runde beim Kandidatenturnier brachte noch einmal drei Entscheidungen. Ding gewann gegen Nakamura den Kampf um Platz zwei. Radjabov besiegte Rapport und Firouzja zeigte gegen Caruana, was er eigentlich kann. Und im Hinblick auf Carlsens Titelverteidigung gab es auch neue Nachrichten. | Fotos: FIDE / Stev Bonhage

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Nun sind alle Messen gelesen beim Kandidatenturnier 2022 in Madrid. Ian Nepomniachtchi feierte einen Start-Ziel-Sieg und hat das Turnier über den gesamten Verlauf von der Tabellenspitze aus beherrscht.

Den Grundstein für den Sieg legte der alte und neue Herausforderer im ersten Umgang als er vier seiner sieben Partien gewinnen konnte, gegen Ding, Firouzja, Duda und Rapport. Im zweiten Umgang reichte dem russischen Großmeister ein weiterer Sieg gegen Firouzja. Die übrigen Partien spielte Nepomniachtchi remis. Im Verlauf des Turniers verlor er keine einzige Partie. Fünf Siege in einem derart starken Turnier sind eine beachtliche Duftmarke. Nachdem der beste russische Spieler für seinen Auftritt bei seinem WM-Kampf gegen Carlsen so sehr gescholten wurde, ist das sicher eine schöne Genugtuung für ihn.

Eine Zeitlang konnte Caruana, zusammen mit Ding von vielen als Favorit angesehen, mit Nepomniachtchis Tempo mithalten, doch dann ging dem Herausforderer von 2018 die Luft aus.

Die letzte Runde

Da Carlsen ja ein Geheimnis darum macht, ob er noch einmal zur Titelverteidigung antritt oder nicht, war der zweite Platz noch von besonderem Interesse. Verzichtet Carlsen nämlich auf die Titelverteidigung, was vor ihm in der Geschichte der klassischen Weltmeisterschaften nur Fischer getan hatte, dann würde ersatzweise der Sieger des Kandidatenturniers gegen den Zweiten den WM-Kampf bestreiten.

Vor der Schlussrunde lag Hikaru Nakamura auf dem zweiten Platz und musste in der letzten Runde gegen Ding Liren antreten, der mit einem halben Punkt auf Platz drei lag. Ding benötigte also einen Sieg. Doch die Partie gegen Nakamura legte der chinesische Topspieler mit den weißen Steinen nicht scharf an, ganz im Gegenteil.

 

 

 

Und so sah Nakamura seine Partie:


Eine weitere Entscheidung fiel am Brett von Richard Rapport und Teimour Radjabov. Die Partie begann mit der Spanischen Eröffnung und einer sehr ruhigen positionellen Variante. Nachdem die Bauernketten im Zentrum festgelegt waren, legte der Ungar los und stampfte am Königsflügel fast aus dem Nichts einen heftigen Angriff aus dem Boden.

 

 

 

Anand eröffnet

Die gleiche Spanische Variante stand auch in der Partie zwischen Fabiano Caruana und Alireza Firouzja zur Debatte, sogar mit der gleichen Bauernstruktur. Caruana suchte ebenfalls sein Glück am Königsflügel, drang damit aber nicht durch. Beim Übergang ins Endspiel gewann Firouzja einen Bauern und führte diesen Vorteil im Endspiel mit Turm und Leichtfigur zum Sieg.

Duda und Nepomniachtchi teilten den Punkt.

Mit seinem Sieg hat Firouzja die rote Laterne an Jan-Krzysztof Duda und Richard Rapport abgegeben.

Das Fazit: Das Kandidatenturnier 2022 sah denselben überlegenen Sieger wie das Turnier 2020-21, Ian Nepomniachtchi. Der Schnellspieler brachte seine volle Spielstärke aufs Brett und zeigte keinerlei Schwäche. In der Live-Eloliste hat Nepomniachtchi nun 26 Punkte hinzugewonnen und damit wieder seinen Bestwert aus dem Jahr 2021 erreicht. 2792 bedeutet Platz drei in der Eloliste hinter Carlsen und Ding. Ding hat mit seinem zweiten Platz minimal verloren, ebenso Caruana. Firouzja, Rapport und Duda, die jungen Leute also, sind die großen Verlierer des Turniers, vergleicht man ihre Ergebnisse mit den Eloerwartungen. Ihre Zeit wird noch kommen. Nakamura und Radjabov haben etwas hinzugewonnen. 

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Das nächste WM-Match soll in der ersten Mitte 2023 stattfinden. Magnus Carlsen traf sich gestern mit Arkady Dvorkovich und Emil Sutovsky, um über die Bedingungen eines möglichen WM-Matches zu verhandeln. Worum es bei diesen Verhandlungen ging, kann man nur mutmaßen. Bisweilen hört man aus Norwegen, Carlsen wünsche sich eine Formatänderung, kürzere Bedenkzeiten zum Beispiel. Vielleicht geht es aber auch einfach nur um die Preisbörse oder um die Präsentation seiner Sponsoren. FIDE Generaldirektor Emil Sutovsky äußerte sich nach dem Gespräch mit Carlsen zuversichtlich, dass es eine Einigung geben werde.


Es gibt aber natürlich noch einen anderen Aspekt. Bei allem Respekt für Ian Nepomniachtchi: Sollte sich die politische Situation im Hinblick auf den Russland-Ukraine-Konflikt nicht entscheidend verändern, wird es vermutlich schwer werden, in Europa einen Gastgeber für einen WM-Kampf mit einem russischen Herausforderer zu finden.
 

Ergebnisse

 

Endstand

 

Partien

 

Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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