Kandidatenturnier: Ein glücklicher und müder Gewinner

von ChessBase
27.04.2021 – Ian Napomniachtchi steht eine Runde vor Ende des Kandidatenturniers als Sieger fest, da er nur noch von Anish Giri eingeholt werden kann, gegen diesen aber den direkten Vergleich gewonnen hat. Im Interview gab der Sieger einen Einblick in seinen Gemütszustand. | Foto: Lennart Ootes

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Ian Nepomniachtchi gab in der Pressekonferenz nach der gestrigen Partie gegen Maxime Vachier-Lagrave zunächst einen Einblick in seinen Gemütszustand:

"Der Erfolg ist ein Meilenstein in meiner Karriere und in meinem Leben. Ich bin sehr müde nach diesem Turnier das ja über ein Jahr gedauert hat. Ein Jahr, in dem man sich mit dem Turnier und seiner Fortsetzung beschäftigt hat und mit der Vorbereitung darauf. Ich bin jetzt sehr glücklich, aber ich möchte die Erfahrung nicht noch einmal machen."

Und sprach dann unter anderem darüber, welche Turnierstrategie er verfolgt hat und welche Lehren er aus der Beobachtung früherer Kandidatenturniere für sich gezogen hat. 

 

Interview mit Anish Giri, der vor allem von seinem schlechten Spiel gegen Grischuk enttäuscht war. "Man kann Fehler machen, aber man sollte nicht wie ein Baby verlieren."

 

 

 

 


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Pemoe6 Pemoe6 28.04.2021 08:55
@LionJo: Natürlich möchte ich als Zuschauer gerne unterhalten werden. Aber in dieser Diskussion geht es nicht um uns Zuschauer, und ich sage mal ganz ketzerisch: Der Unterhaltungswert ist den Teilnehmern dort - zumindest bei etwas wie dem Kandidatenturnier oder der WM selbst - völlig, aber auch völlig egal. Denen geht es dort möglicherweise um eine einmalige Chance in ihrem Leben und deshalb ums reine Resultat. Und ich glaube, wenn wir mal alle ehrlich sind - in dieser Situation würden auch wir unsere schachkünstlerische Ader bzw. die Entertainerpflichten mal vergessen.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 28.04.2021 06:25
Für jeden halben Punkt kriegen die Teilnehmer 3.500€. Der letzplatzierte Wang Hao verdient für seine 5 Punkte 35.000€. Es ist zwar hartes Brot, aber auch eine gute Motivationsspritze, um um jeden halben Punkt zu kämpfen. Sonst, wie gesagt, ist man nicht gezwungen, daran teilzunehmen.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 28.04.2021 06:14
@LionJo, das wollte ich eben sagen. Ich verstehe nicht, warum die Bedingung, dass der schwarze Sieg mehr Wert ist, nicht leistungsgerecht oder gar unsportlich sei? Niemand wird zum Risiko gezwungen. Ein GM kann nach dem Prinzip arbeiten, mit Weiß gewinnen und mit Schwarz Remis. Er muss aber damit leben, dass bei gleichem Punktstand die Konkurrenz für einen schwarzen Sieg belohnt wird. Der ist halt schwieriger zu erkämpfen. Die Regeln sind für alle gleich, sie sind von vorneweg allen Teilnehmern bekannt, von daher kann man von ungerecht oder unsportlich gar nicht reden. Es meckert sich auch niemand darüber von den Teilnehmern. Es wird auch niemand gezwungen am Kandidatenturnier teilzunehmen. Wenn Wang Hao keine Lust hatte, daran teilzunehmen, hätte er nicht mitspielen müssen. Da gibt es ganz bestimmt willige Nachrücker. Übrigens, vom Unterhaltungswert der Partien profitieren in erster Linie doch die Teilnehmer selbst. Wenn die Zuschauer aufgrund vom langweiligen Geschiebe abwandern, müssen die Elitespieler mit finanziellen Einbüßen rechnen.
LionJo LionJo 28.04.2021 05:53
Warum schaut man sich denn Sport (oder Schach) an? Weil man unterhalten werden möchte. Wie im Kabarett. Und leistungsgerecht ist es doch, wenn das Risiko belohnt wird. Darum gibt es ja auch die Regel mit den Auswärtstoren beim Fußball. Also alles gut.
Pemoe6 Pemoe6 27.04.2021 09:52
Natürlich bin auch ich froh über das gebotene Kampfschach, für die Zuschauer sind diese Regeln gut. Aber Tiebreak-Regeln bei einer Sportveranstaltung sollten eben streng leistungsgerecht urteilen und nicht "kommerzielle Ansprüche" (spannende Partien für die Zuschauer) bedienen. Und das tun sie nicht hundertprozentig (aus den angegebenen Gründen). Der Unterhaltungswert einer Partie kann kein Maß für die sportliche Leistung sein - wir sind hier nicht beim Kabarett.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 27.04.2021 04:56
Meiner Meinung nach sind die Tie Break Regeln sehr gut in Schweizer Turnieren und in Ausscheidungsturnieren wie beim World Cup. In einem Rundenturnier haben sie alle zweimal gegeneinander gespielt. Es muss genug sein, um einen Sieger nach den vorher festgelegten Kriterien zu ermitteln.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 27.04.2021 04:46
Diese Regeln sollten die Attraktivität der Partien steigern. Wenn schwarzer Sieg mehr zählt, dann sind die Teilnehmer motiviert, Stellungen auszuspielen, die sie sonst zum Remis spielen würden. Wenn ein Sieg gegen stärkere Spieler mehr Wert ist, dann ist der Reiz da, aggressives Schach zu spielen, anstatt einzumauern. Wer kann sich nun beschweren, dass die Teilnehmer nur ihre Pflicht erfüllen? Es gibt viele entschiedenen Partien, anstatt langweilige Remise. Das sind gute Regeln. Das haben Sie doch selbst registriert.
Pemoe6 Pemoe6 27.04.2021 11:26
Sympathisches Kurzinterview mit Giri - er gibt nicht dem Turnierumständen die Schuld an seinem Verlust und sieht die Tiebreak-Regeln auch nicht als unfair an, denn sie gelten ja für alle und alle haben's vorher gewusst. Aber er spricht etwas an, was mich schon seit vielen Jahren beschäftigt: Jede Tiebreak-Regel ist eigentlich Quatsch: a) mehr Siege --> dafür hat man auch mehr Verluste b) mehr Schwarzsiege --> dafür hat man mit Weiß verloren c) Sonneborn-Berger, also gegen die guten Spieler gewonnen --> gegen die schwachen verloren, warum zählt ersteres mehr? usw. usf.
Aber besonders interessant ist sein Statement, dass es auch positive Seite dieser Regeln gibt: Mit Blick auf den Rückstand, den er wertungsmäßig schon von Beginn an auf Nepo hatte, war er gezwungen, die Stellungen auszuspielen, die er ansonsten vielleicht remis gegeben oder stocksolide gespielt hätte (auf die altgewohnte Giri-Art). Möglicherweise hat er also gerade den Tiebreak-Regeln hier auch Punkte zu verdanken. Und wir Zuschauer haben (natürlich in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass der erste Platz eine so große Bedeutung hat) die unglaublich Quote von 42% entschiedenen Partien.
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