Kandidatenturnier: Giri und Grischuk punkten

von André Schulz
23.04.2021 – Das Spitzenspiel der Runde zwischen Ian Nepomniachtchi und Fabiano Caruana verflachte sehr früh und fand in einem Doppelturmendspiel ein unspektakuläres Ende. Anish Giri trug sich hingegen nach einer lebendigen Partie gegen Ding Liren als Sieger ein. Mitverfolger Maxime Vachier-Lagrave unterlag indes Alexander Grischuk. | Fotos: Lennart Ootes (Fide)

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Mit der heutigen 11. Runde beim Kandidatenturnier in Jekaterinburg ist praktisch die Halbzeit des zweiten Umgangs erreicht, beziehungsweise überschritten. Ian Nepomniachtchi kam mit einem Punkt Vorsprung in diese Runde, verfolgt von Fabiano Caruana, Anish Giri und Maxime Vachier-Lagrave.

Heute musste der russische Spitzenspieler seine Führung gegen einen seiner Verfolger verteidigen, gegen Caruana, und hatte dabei den Vorteil, die weißen  Steine führen zu dürfen. Sollte Nepomniachtchi ein Sieg gelingen, dann wäre er dem mögliche Turniersieg und einem WM-Kampf gegen Magnus Carlsen erheblich näher gekommen. Sollte hingegen Fabiano Caruana gewinnen, dann hätte der US-Großmeister Nepomniachtchi eingeholt und seinerseits gute Chancen, nach 2018 den Weltmeister ein zweites Mal herausfordern zu dürfen - diesmal vielleicht mit besseren Chancen und mehr Erfahrung. Die spannende Frage war vor Rundenbeginn: Wie würden die beiden Spieler die Partie anlegen? 

Der Spitzenkampf

Nepomniachtchi wählte das Vierspringerspiel als Eröffnung. Dieses gehört zu seinem festen Repertoire und Nepomniachtchi hat es in der Vergangenheit bisweilen durchaus aggressiv interpretiert. Heute aber nicht. Mit 4.d4, dem Schottischen Vierspringerspiel, gab er zu erkennen, dass ihm ein Remis als Ergebnis der heutigen Partie nicht ungelegen käme. Ziemlich rasch verschwanden auch die meisten Figuren vom Brett und dann stand ein Doppelturm-Endspiel mit je drei Bauern und einem weißen Randfreibauern am Damenflügel auf dem Brett, das unter normalen Umständen von keiner Seite gewonnen werden kann.

 

Nach 25 Zügen

 

Schlussstellung nach dem 41. Zug

Neben Caruana haben auch Anish Giri und Maxime Vachier-Lagrave als weitere Verfolger gute Chancen auf den Turniersieg, besonders wenn Nepomniachtchi gegen Caruana nicht zu einem vollen Punkt käme.

A Black Repertoire versus the Anti-Sicilians

In dieser Video-Serie gibt Pert ein starkes und praktisches Schwarz-Repertoire gegen die Anti-Sizilianer wie den Lb5-Sizilianer, den Grand-Prix-Angriff, den Alapin und viele mehr, aus meiner langjährigen Erfahrung beim Spielen des Sizilianers.

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Vachier-Lagrave muss sich nie fragen, welche Eröffnung er diesmal mit den schwarzen Steinen spielen soll. Sein Repertoire steht unerschütterlich fest.

Najdorf oder Grünfeld?

Hat sein Gegner Weiß und ist "beidhändig", kann also mit 1.e4 und 1.d4 eröffnen, kann er sich aussuchen. ob er gegen die Najdorf-Variante oder gegen Grünfeld spielen möchte. Oder er spielt irgendein Nebensystem. So machte es Alexander Grischuk heute. Er bekämpfte die Sizilianische Verteidigung seines Gegners mit der Gashimov-Variante: 1.e4 c5 2.Sc3 d6 3.d4 cxd4 4.Dxd4.

 

Der so tragisch und früh verstorbene aserische Topspieler hat 2009 einige Male so gespielt. In jüngster Zeit ist die Variante, besonders auf den vielen Online-Turnieren wieder populär geworden. Weiß rochiert für gewöhnlich lang, auch Grischuk. Und Vachier-Lagrave baute sich ein hybride Stellung mit Najdorf- und Drachenelementen auf. In dieser Partie war Feuer drin. Grischuk und Vachier-Lagrave lieferten sich bei heterogenen Rochaden ein scharfes Gefecht, in dem Grischuks Angriff am Königsflügel gefährlicher wirkte. Vachier-Lagrave verteidigte sich jedoch fintenreich. Trotz aller Gegenwehr: Die Partie mündete schließlich in ein Läuferendspiel, das für Grischuk mit einem Mehrbauern gewonnen war. 

Anish Giri, der als einziger der drei Verfolger die weißen Steine führen durfte, stand vor der Frage, wie er gegen Ding Liren in der Spanischen Hauptvariante dem Marshall-Gambit aus dem Weg gehen konnte. Italienisch wollte der Niederländer offenbar diesmal nicht spielen und auch keine der modernen Spanischen Varianten mit d3, also kam er mit der Verzögerten Abtauschvariante

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.Lxc6 dxc6

 

Als Killer-System gilt dieses Abspiel nicht gerade, aber es ist eine solide Option, wenn man mit einem leichten strukturellen Vorteil positionell spielen will. Ding Liren rochierte in der Folge jedoch lang und deutete damit an, dass er vielleicht auf den ganzen Punkt aus ist. Die Partie gewann danach rasch an Schärfe.

7.d3 Ld6 8.Sbd2 Le6 9.Sb3!? [Eine neue Idee in dieser alten Variante. Üblicher ist 9.b3 -- gefolgt von 10.Lb2]

9...De7 10.Sa5 0–0–0 11.De2 Lg4 12.c3 c5 13.a3 c6 14.b4 Lc7 15.Sb3 Sd7 [15...Dd6!? mit der Idee 16.Td1 Sxe4 17.Dxe4 f5 18.De3 e4]

16.h3 Lh5 17.Le3 f5 18.Lxc5 Df7

 

19.Tab1 g5 [In Betracht kam 19...fxe4!? 20.Dxe4 (20.dxe4 Sxc5 21.Sxc5 Thf8) 20...Sf6 mit gutem schwarzem Spiel für den Bauern.]

20.exf5 g4? [Übersieht oder unterschätzt die weiße Antwort. Nach 20...Dxf5 hat Schwarz das bequemere Spiel.] 21.Sg5 Dxf5 22.h4 [Damit ist der schwarze Angriff am Königsflügel festgefahren.] 22...b6 [22...h6 23.Se4 g3 24.Db2] 23.Se4 bxc5? [23...g3 24.Db2 gxf2+ 25.Txf2 Dg4 hält den Schaden in Grenzen.]

 

24.bxc5 [Es droht vor allem Sa5 und Db2. Schwarz kann nicht auf a5 nehmen, wegen Sd6 und Tb7 matt.]

24...Sf6 25.Sd6+ Lxd6 26.cxd6 [Nun bricht die schwarze Stellung auseinander.]

26...Txd6 [26...Kd7 27.Sd4] 27.d4 c5 28.Sxc5 Te8 29.Dc4 1–0

The Black Lion - an aggressive version of the Philidor Defense

Nach 1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5 4.Sf3 Sbd7 5.Lc4 Le7 6.0-0-0 c6 will der Löwe brüllen: Schwarz hat den Plan, mit frühem ...g5 anzugreifen.

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Die Partie Giri gegen Ding stellt Georgios Souleidis auch im Video vor:

Die offenen Spiele - Ein ausführlicher Überblick

Georgios Souleidis erklärt auf seiner DVD in 9 Stunden Videolektionen und viel Zusatzmaterial das ganze Gebiet der Offenen Spiele.

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Am vierten Tisch wählte Kirill Alexeenko gegen Wang Hao die Italienische Eröffnung. Der chinesische Großmeister war auf Krawall aus und kam sehr schnell mit einer Flügelattacke nach Art des Black Lion, also mit h6 und g5. Auch in dieser Partie war also gleich Musik drin. Wang Hao griff an, aber Alekseenko hielt dagegen. Diese Partie landete in einem Endspiel mit Damen und gleichfarbigen Läufern und je drei Bauern, davon ein Freibauer auf jeder Seite. Objektiv ausgeglichen. Die Partie endete auch remis.

Ergebnisse

 

Tabelle

 

Partien

 

Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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