Kandidatenturnier: Nepomniachtchi baut Führung aus

von André Schulz
21.04.2021 – Der Sieger der 10. Runde heißt Ian Nepomniachtchi - in doppeltem Sinne. Nepomniachtchi gewann seine Partie gegen Kiril Alekseenko und da seine Verfolger alle drei nicht über ein Remis hinauskamen, konnte der russische Spitzenspieler auch noch seine Führung ausbauen. | Fotos: Lennart Ootes

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Nach der 9. Runde hatte sich das Achterfeld des Kandidatenturniers in zwei Hälften geteilt. Ian Nepomniachtchi führte weiter und alleine mit 5,5 Punkten und dahinter folgten Fabiano Caruana, Maxime Vachier-Lagrave und Anish Giri, alle mit 5 Punkten. Zur zweiten Tabellenhälfte hatte sich eine kleine Lücke von einem Punkt aufgetan. Alexander Grischuk, Wang Hao und Kirill Alekseenko hatten jeweils 4 Punkte auf dem Konto. Ding Liren trug alleine die Rote Laterne mit 3,5 Punkten.

In der zehnten Runde traf Spitzenreiter Ian Nepomniachtchi nun auf seinen Landsmann Kirill Alekseenko. Fabiano Caruana spielte mit Weiß gegen Schlusslicht Ding Liren, immerhin auch das Treffen des Weltranglistenzweiten mit dem Weltranglistendritten. In einem Duell der Verfolger saßen sich Maxime Vachier-Lagrave und Anish Giri gegenüber. Und mit Wang Hao und Alexander Grischuk stand noch eine Paarung aus der zweiten Tabellenhälfte auf dem Programm.

Nepomniachtchi eröffnete gegen Alekssenko mit 1.c4 und erreichte bald eine Stellung, die für die Katalanische Eröffnung typisch ist. Weiß hatte die bessere Position und führte diese erstaunlich schnell zum Gewinn.

Nepomniachtchi,Ian (2789) - Alekseenko,Kirill (2696) [A13]

FIDE Candidates 2020 Yekaterinburg (10.4), 21.04.2021

1.c4 Sf6 2.g3 e6 3.Lg2 d5 4.Sf3 dxc4 5.Da4+ Sbd7 6.Dxc4 a6 [Solide ist auch 6...c5 7.0–0 b6 8.d4 Lb7=] 7.Dc2 c5 8.Sc3 Le7 [In einer Reihe von Vorgängerpartien wurde 8...Dc7 9.0–0 b6 10.d4 Lb7 gespielt, mit ordentlichen Ergebnissen.] 9.0–0 0–0

 

10.d4 [Mit dieser für die Katalanische Eröffnung typischen Stellung hat Weiß herausragende Ergebnisse erzielt, laut Mega 82% in 30 Partien.]

10...cxd4 11.Sxd4 Dc7 12.Td1 Td8 [12...Sc5 13.Sa4 Ld7 14.Sxc5 Lxc5 15.b4 La4 16.Dxa4 Lxd4 17.Txd4 Dc3 18.Lb2 Dxb2 19.Tad1 Dxe2 20.Lxb7 Ta7 21.Lg2 h6 22.Lf1 Df3 23.b5 Db7 24.bxa6 Db6 25.Db5 Tb8 26.Tb1 1–0 (26) Korobkov,P (2508)-Provotorov,I (2398) Voronezh 2008]

13.Le3 Sb6 14.Tac1 e5

 

15.Sf5 Lxf5 [Nach 15...Lf8 16.Sxg7!? Kxg7 17.Db3 hat Weiß starken Druck. Der Sb6 hängt und es droht ein Abzug des Sc3. Wahrscheinlich war dies aber noch besser als die Partieforsetzung. 17...Sc4 18.Txd8 Sxe3 19.Txf8 Kxf8 20.fxe3]

16.Dxf5 Sc4 17.Lg5 Txd1+ 18.Sxd1 Td8 19.Lxf6 Lxf6

 

20.Le4 [Weiß steht bereits auf Gewinn. Der Einbruch auf h7 ist nicht zu verhindern und der Sc4 ist in Gefahr.]

20...Da5 21.Sc3 [21.Dxh7+ Kf8 22.Txc4 Txd1+ 23.Kg2 gewinnt ebenfalls.]

21...Kf8 22.Sd5 b5 23.Dxh7 [Droht schlicht Matt.]

23...Txd5 24.Lxd5 Dd2 25.Txc4 bxc4

 

26.e4 [Oder gleich 26.Dh8+ Ke7 27.Da8 Dxb2 28.Dc6 mit Mattdrohung.] 26...Dxb2 27.Dh8+ Ke7 28.Dc8 Db6 29.Dxc4 Db5 30.Dc7+ Dd7 31.Dc5+ [Schwarz wird auch noch den Bauern a6 verlieren und steht auf verlorenem Posten.] 1–0

The Catalan: A complete repertoire for White!

Katalanisch ist zweifellos eine der solidesten Eröffnungssysteme für Weiß überhaupt. Es gehört zu der großen und starken Fianchettofamilie, in der Weiß seine Strategie hauptsächlich um den Läufer auf g2 herum aufbaut. Dieser neue Trainingskurs von Viktor Bologan deckt alle schwarzen Erwiderungen gegen Katalanisch ab, also auch mögliche Übergänge zu anderen Eröffnungen wie der Tarrasch-Verteidigung oder zu Damenindisch.

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Karsten Müllers Endspielanalyse

 

Und hier stellt Georgios Souleidis die Partie vor:

In der Partie zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Anish Giri wählte der Niederländer so wie schon gegen Ian Nepomniachtchi in Runde acht die Sizilianische Sweshnikow-Variante.

Vachier-Lagrave bekämpft diese mit der Variante 7.Sd5, die auch schon Caruanas Wahl im WM-Kampf gegen Carlsen 2018 gewesen ist. Im 10. Zug wich Vachier-Lagrave von der WM-Partie Caruana-Carlsen ab und gewann im weiteren Verlauf der Partie am Damenflügel einen Bauern, allerdings nur als Doppelbauern. Giri fand ausreichend Gegenspiel am Königsflügel und im Zentrum und wickelte in ein Endspiel mit Damen und ungleichfarbige Läufer ab, in dem der Mehrbauer und auch ein weißer Freibauer nicht tz verwerten waren. Die Partie endete remis.

Fabiano Caruana und Ding Liren spielten eine Spanische Partie in einer der modernen Anti-Marshall Varianten. Die Spieler folgten eine Variante, die Ding Liren zuvor schon dreimal auf dem Brett hatte. Im 15. Zug wich der Chinese mit 15... Dc8 von den Vorgängerpartien ab. Schwarz gewann am Damenflügel einen Bauern. Weiß suchte als Kompensation Spiel im Zentrum und entwertete dort die schwarzen Bauern. Schwarz hielt seinen Mehrbauern zwar bis ins Doppelturmendspiel mit Springern fest, zum Gewinn reichte das aber nicht. Die Partie endete im 40. Zug remis durch Dauerschach. 

Navigating the Ruy Lopez Vol.1-3

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Wang Hao

Gegen Wang Hao brachte Alexander Grischuk erneut die Französische Verteidigung aufs Brett und kam in der Klassischen Variante zu aktivem Spiel. Die Partie erhielt eine besondere Note, als der chinesische Großmeister sich genötigt sah, den Angriff auf seine Dame mit dem Tausch derselben gegen zwei Leichtfiguren plus zwei Bauern zu beantworten.

Zusammen mit einem Freibauern auf der d-Linie waren die weißen Figuren in der Nähe des schwarzen Königs damm sehr aktiv und schließlich erreichte Weiß in ein Endspiel mit Turm und Läufer gegen Dame plus Bauern, in dem Schwarz mit einem Remis zufrieden sein musste.

Ergebnisse

 

Tabelle

 

Partien

 

Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 26.04.2021 10:09
Ich habe gerade mal die Umstände der Qualifikation zum Kandidatenturnier bei der Kommentierung von GM Sergej Schipov gehört und kann genau sagen, wie dazu kam, dass Alekseenko mitspielen darf. Die Wild Card gab es wirklich, dafür mussten strenge sportliche Vorgaben erfüllt werden. Ein Nominant musste den nächsten Platz hinter dem qualifizierten Teilnehmer belegen. Das waren World Cup, FIDE Gran Prix, der bessere Durchschnitt und das Turnier auf Island of Man. Bei den ersten drei stand Maxim Vachie Lagraf und war schon mit einem Bein im Kandidatenturnier zumal er in Russland großes Ansehen und Zuneigung beim Schachpublikum genießt. Als jedoch Alekseenko mit seinem sensationellen Abschneiden in Island ebenfalls eine Bedingung erfüllte, sagte der russische Verbandschef umgehend, dass Alekseenko die Wild Card bekommen wird. Das war zwar nicht direkte Qualifikation, da Wan Hao sie für sich holte, aber trotzdem eine legitime Entscheidung aus einem Sportwettbewerb heraus. Schon ein Platz weiter hinten wäre nicht mehr ausreichend. Damals hoffte noch Aronjan auf diese Qualifikation im Turnier. Es war Dramatik pur in der letzten Runde. Von daher ist es mir jetzt verständlich, dass das deutsche Publikum nicht so ganz durchblickte, wie diese Nominierung zu Stande kam. Ich selbst verwechselte direkte und indirekte Qualifikation von Alekseenko, da ich mich damals nur an einen großen Jubel erinnerte und wusste, dass Alekseenko nominiert werden wird, weil das schon vom Kommentator verkündet wurde. Stellt euch vor, ein deutscher Spieler erfüllt eine Voraussetzung für die Teilnahme am Kandidatenturnier im eigenen Land und ein ausländischer Spieler wird stattdessen nominiert. Das kann sich kein Verbandschef leisten.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 26.04.2021 07:14
Ich habe gerade entdeckt, dass Nisipeanu doch einmal die 2700 Marke knackte vor 16 Jahren, konnte sich dort aber nicht lange halten und kam zurück in die Volksreihen. Die Beständigkeit ist das wichtigste Merkmal eines Super GMs. Da reicht nicht die Marke einfach zu knacken. Dort zu bleiben ist eben viel schwieriger.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 26.04.2021 06:39
Esipenko gewann natürlich einmal gegen Carlsen, wo Magnus mit Schwarz selbst unbedingt auf Sieg spielen wollte. Eine gewisse Unterschätzung war dabei sichtbar. Ansonsten gewann Esipenko drei mal gegen die Letzteplatzierten, bei denen offensichtlich nicht alles rund lief, verlor einmal gegen den wesentlich schwächer eingestuften Tari und machte sonst viele Remis, was ja zu einem Super GM passt. Obwohl Esipenko sehr talentiert ist und mit dem 3. Platz ein tolles Ergebnis einfuhr, würde ich seine Leistung nicht überbewerten und das Turnierergebnis nicht auf dem Kopf stehen sehen. Giri mit dem 2. Platz war doch nicht so überraschend. Die Jungs haben ihre Chance halt genutzt, während Carlsen, Vache Lagrave und andere stolperten, aber mehr auch nicht. Von einer Domination würde ich nicht reden. Zudem die Pandemie im Nacken. Keine Turniere seit längerer Zeit. Vielleicht nutzte das den Jungs besser als ihren Gegnern.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 26.04.2021 06:25
Ich habe gerade noch mal gelesen, dass Sie sagen, die Differenz zwischen 2800 und 2700 sei genauso wie zwischen 1600 und 1700 und muss doch widersprechen. Bei Super GMs wächst ihre Elo sehr langsam, da ist nichts mit Zuwächsen von 30-40 Elopunkten. Im 1600 Bereich kann man eine 100-er Hürde ganz locker in einem guten Turnier schaffen und die Jugendspieler machen sogar 300-er Sprünge. Da sind die Unterschiede offensichtlich. Ich habe schon als Beispiel gennant, dass in Deutschland seit Arkadij Naiditsch kein Spieler mehr die 2700 Marke schaffte und der selbst kam aus der Soviet Union. Und ich kann mir vorstellen, wie alle sie das wollen und manchmal sehr dicht dran sind. Da ist die Marke 2700 viel zu größe Hürde, geschweige denn 2800. Natürlich sind das Lichtjahre aus meiner Sicht.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 26.04.2021 06:11
Übrigens, was schaffte van Forest besonderes in Wijk an See in diesem Jahr? Er gewann gerade mal 4 Partien aus 13 Runden und drei davon gegen unter 2700 Spieler. Nur mit Harikrischna konnte er einen Super GM schlagen. Er spielte die anderen Partien Remis und diese Eigenschaft passt schon zu einem Super GM. Die sind eben schwer zu schlagen. Übrigens, sowohl Esipenko als auch van Forest haben die 2700 Marke gerade so eben geknackt. Das spricht für Potenzial. Die sind halt stärker, als ihre ELO anzeigt. Wie stark aber, wo sie dann ihre Grenzen erfahren, da werden wir sehen, wenn sie weitere Rundenturniere spielen. Die schweizer Turniere sind auch nicht schlecht. Dann muss man in jeder Partie beweisen, wer besser ist. Die Beständigkeit zeichnet die Top Spieler aus.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 26.04.2021 06:00
Seit der Einführung der ELO 50 Jahren schafften gerade mal 13 Schachspieler die 2800 Marke, die 2700 Marke schafften dagegen 123 GMs. Man sieht doch den Unterschied, nicht wahr. Und diese 123 sind gewiss nicht untalentiert im Schach. Das sind schon die Besten in dieser Sportart, schaffen aber extrem selten die 2800 Marke. Wann schaffte zuletzt ein Schachspieler diese Schallmauer? Da muss man sehr weit zurückblicken, sind etliche Jahre vergangen. Wenn das nicht das Prädikat Lichtjahre verdient, dann weiß ich auch nicht, was sonst.

Bei dem Wijk an See sehe ich keinen Widerspruch bezüglich der Endplazierung. Das Ratingniveau war in diesem Jahr 2725, was deutlich unter dem der letzten Jahre war (um 2750). Bei diesen Umständen haben die jungen Wilden natürlich die besseren Chancen (im Vergleich zu Vorjahren), sich in Szene zu setzen. Ich würde gern sehen, wenn sie jeden Tag gegen laute Vischi Anands oder Gritschuks spielen müssten und ob sie sich dann regenerieren können. Außerdem haben sie trotz ihrer Elo unter 2700 sicherlich ein großes Potenzial, was bei Firudzha beispielsweise schon in seiner ELO gut sichtbar ist. Er gehört bereits zur Elite. Esipenko und van Forest haben schon halt 2700 auf Lager, müssen noch in Turnieren umsetzen. Dann sieht man auch den Untershied. Die Elo von Donchenko, Esipenko und van Forest sind fast gleich, aber zwischen ihnen liegen doch Welten und sogar Magnus Carlsen, wenn wir uns die Endtabelle anschauen. Ich vermute, da werden beide bald die 2700 Marke knacken, was bei Donchenko wahrscheinlich nie wird, obwohl ich ihm das natürlich sehr gönne. Ich freue mich auf jeden starken Großmeister, der aus Deutschland kommt. Wann aber einer in der Lage sein wird, die 2700 Marke zu knacken, das ist halt schwierig zu erwarten.
Pemoe6 Pemoe6 26.04.2021 01:12
@Traktor Priestewitz: "Zwischen knapp 2700 und 2800 liegen Lichtjahre."
Nein, liegen eben nicht. Zwischen 2700 und 2800 ELO liegen per Definition exakt dieselben Spielstärkedifferenzen wie zwischen 1600 und 1700 oder 1900 und 2000 (und das ist für mich als Vereinsspieler in der Regel praktisch gar nicht so viel). Wer etwas anderes behauptet, stellt das ELO-System grundlegend in Frage. Als vor Urzeiten Kazimdshanov FIDE-Weltmeister wurde, hat er sich vehement über das eingangs genannte Statement aufgeregt (und Kazim weiß in der Regel, was er sagt). Er sagte sinngemäß: "Woher könnt ihr das überhaupt wissen - ihr Top 20 spielt doch in jedem einzelnen Turnier nur untereinander, da bliebt natürlich euer ELO-Schnitt per Definition exakt konstant." (Damals war es mit dem "Top 20-Inzest" auch noch deutlich schlimmer als heute.) Als Champ musste man ihn natürlich zu Top-Turnieren einladen, und siehe da - er gewann zwar die Turniere nicht (was ja auch keiner erwartet hatte), aber spielte deutlich über seinem ELO-Erwartungswert.
"Lichtjahre, hm..." - da stand wohl die Welt dieses Jahr in Wijk auf dem Kopf.
Natürlich ist das alles Statistik und da spielt immer das Gesetz der großen Zahlen rein: Alles schaukelt sich gemäß ELO erst ein, wenn die Leute wirklich viele Partien/Turniere gegeneinander gespielt haben, nicht so eine Neulings-Kostprobe wie sie Alekseenko hier beim Kandidatenturnier hat. Die ELO-Zahlen stimmen schon ganz gut, und gemäß Erwartungswerten war die Wahrscheinlichkeit, dass van Foreest in Wijk gewinnt, sicherlich unter 1% (um mal eine Zahl zu sagen); aber jedes hundertste Turnier läuft dann eben so.
Alekseenko spielt hier meiner Meinung nach unter Wert, weil die Eröffnungen nicht so sitzen wie beispielsweise bei Caruana, weil er wahrscheinlich (noch) keine -zigtausenden Analysen aus jahrelanger Arbeit mit Sekundanten-Teams (wozu vielleicht der eine oder andere Geldschein noch fehlen wird) auf dem Rechner hat.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 25.04.2021 07:35
Ich habe die Kommentare nochmal gelesen und keine eindeutigen Behauptungen entdeckt, das Partieergebnis Nepo gegen Alekseenko sei geschauckelt worden. Ich habe einige Aussagen etwas zu weit interpretiert. Von daher lassen wir so eine Verschwörungstheorie die Theorie bleiben und genießen lieber die Partien der Kandidaten. Gestern gab es 4 Siege, davon zweimal mit Schwarz. Hier können wir uns einig sein, dass die Spannung immer größer wird und keine Langeweile aufkommt.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 25.04.2021 07:21
Sie haben Recht. Ich habe mich ein bissl in Rage geredet. Das waren theoretische Überlegungen in Richtung, ob die Partienergebnisse auf hohem Niveau verkauft werden. Wenn ich dieser Logik folge, dann muss ich mir die Frage stellen, wie das ablaufen soll. Und prompt stellt man sich blöde Fragen. Aber jetzt kann man diese Diskussion beenden, weil sie nichts bringt.
AWSoP AWSoP 24.04.2021 11:28
Ja, genau so läuft es. Alekseenko ruft Nepo an und sie vereinbaren es. Oder er schreibt ihm eine E-Mail. Genau so, ich war dabei.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, was für blöde Fragen Sie hier stellen....
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 24.04.2021 10:42
Zwischen knapp 2700 und 2800 liegen Lichtjahre. Das kann man durchaus mit 3-4 Spielklassen im Fußball vergleichen. Man darf beide Spielarten jedoch nicht direkt vergleichen. Die Remistendenzen im Schach sind doch sehr stark. Ein guter GM über 2600 hat aus meiner Sicht mehr Chancen auf Remis gegen einen Super GM, als ein Regionalligist im Fußball gegen eine Bundesligamannschaft. Gegen den Super GM aber zu gewinnen für einen unter 2700, das ist schon ein großer Unterschied. Das schaffen entweder unterbewertete Talente mit großem Potenzial, die selbst dahin gehen oder das passiert sehr selten, was den "normalen" GMs nicht über die 2700 Marke hilft. Warum erreicht niemand in Deutschland die 2700 Marke, obwohl sie hart und gar profimäßig daran arbeiten? Gelegentliche Siege gegen Super GMs finden ab und zu statt, das hilft aber mal die ELO Wertung um ein Paar Punkte aufzupolieren, um bei den nächsten Niederlagen wieder einzubüßen.
Pemoe6 Pemoe6 24.04.2021 09:27
Naja, ich habe ja nicht viel Ahnung vom Fußballgeschehen, aber würde der FC Bayern gegen die Regionalliga tatsächlich nur 6 von 10 Spielen gewinnen; ist die Leistungsdichte dort so stark? Alekseenko liegt mit ELO ca. 80 unter dem Schnitt hier - das sind 40% Erwartungswert. Gut, das hat er eben gerade man so verspielt, vor der letzten Partie hatte er sogar etwas Plus.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 24.04.2021 07:04
Meine Logik ist folgende: wenn wir annehmen, dass Nepo sein unglaubliches Niveau ohne Cheating und gekaufte Partien erreichte, gibt es keinen Grund, ihn zu verdächtigen, wenn er dort angekommen ist. Er hat gegen Carlsen eine gute Bilanz, was vielleicht kaum jemand behaupten kann. Dann spielt er gegen einen wirklich Nobody, der spielstärkemäßig Lichtjahre von ihm entfernt ist und geht auf ein Deal ein?? Spielend mit Weiß??? Sein Sieg ist sowieso das Normalste, was man erwarten kann. Stellt euch vor, ein superstarker Boxer wie Mike Tyson tritt gegen Nobody an und bezahlt ihn für die Niederlage. Vorstellbar? Genauso bei Alekseenko. Er qualifizierte sich sensationell für ein Kandidatenturnier, was bei Weitem nicht jeder Topspieler schaffte (zum Beispiel Nakamura?) Er ist jung und hat schöne Aussichten, macht gerade eine riesengroße Erfahrung, möchte sich langfristig für das russische Nationalteam empfehlen, was extrem schwer ist. Er bereitete sich mit GM Peter Svidler ordentlich vor. Nun soll mir jemand erklären, wozu er seine Partie an Nepo verkaufen soll und außerdem, wie das technisch ablaufen soll? Behaupten kann jeder alles. Beschreibe bitte, wie das praktisch ablaufen soll? Ich gebe ein Tipp. Das geht ohne Kommunikation nicht. Also, man muss so beginnen, X wendet sich an Y (bitte Umstände beschreiben) und sagt (wie und was beschreiben)...
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 24.04.2021 06:37
Es gab schon Fälle, wo die Schachspieler beim Cheating oder Verkauf von Partien für Normen ertappt bzw. verdächtigt wurden. Das widerspricht doch meiner These nicht, dass man heutzutage kaum etwas verbergen kann. Ich rede von Eliteschachspielern, die über 2700 stehen. Mir muss jemand glaubwürdig erklären, was für Motive sie hätten, ihre Partien zu verkaufen. Das sind keine Menschen, die um Gottes Willen jedem Preis unbedingt GM werden wollen, um ihr Ansehen aufzupolieren. Mit Verlaub, es wird kaum jemand behaupten, dass man unfair die 2700 Marke knacken kann. Das sind schon besondere Talente im Schach. Das hohe Niveau muss außerdem stets mühevoll verteidigt werden. Das kannst du auf Dauer nicht halten. Selbst wenn in unteren Schachetagen im großen Stil gecheattet werden würde, können wir doch diese Situation nicht einfach auf die Supergroßmeister übertragen. Da sind Sie einer Erklärung ihrer (SuperGMs) Motivation schuldig, wenn sie das machen.
AWSoP AWSoP 24.04.2021 03:55
Do you have any enemies in chess? Any players you simply dislike and think are bad for the game?

Of course, every person works with people they like or dislike. It doesn't really become a problem over the board, although it is more difficult to play against your friends. The only people who I truly dislike are those who buy and sell games, ratings and titles. [titled players who participate in fixed matches in order to "sell" norms, ratings points and titles to non-titled players]

That's a bold accusation, is this happening frequently in over-the-board chess?

I believe it is, but I won't name names right now.

Wer hat das alles gesagt? Nepo. Auch ein Verschwörungstheoretiker?????
Blitz2010 Blitz2010 23.04.2021 04:17
Dank Giri wird es gerade wieder spannend!! Giri hat dieses Jahr einen Lauf, scheint mir!
Pemoe6 Pemoe6 23.04.2021 02:54
Okay, aktueller Stand: nix mit Kazims Gifteküche, das sehe ich ein. Clevere Eröffnungswahl von Nepo - die anderen haben erst ein paar Eröffnungszüge gemacht und er sitzt schon im gleichstehenden Turmendspiel.
Pemoe6 Pemoe6 23.04.2021 01:09
Also, ich verstehe nicht so ganz, warum hier so viele meinen, die Spannung wäre jetzt gesunken. Wenn Nepo heute verliert, ist Caru doch Erster und fertig (siehe Tiebreak). Und das wäre (selbst mit Schwarz) doch ein Resultat, das viele noch vor einem Jahr als ganz natürlich angesehen hätten. Natürlich ist es gut möglich, dass Schwarz heute unter Druck steht und überzieht. Mal sehen, was Kazimdshanovs Gifteküche heute serviert.
Nebenbei bemerkt, finde ich die Tiebreak-Regel mit dem Ergebnis gegeneinander blöd. In einem Rundenturnier zählt eine entschiedene Partie gegeneinander sowieso schon doppelt - man holt ja einen ganzen Punkt auf im direkten Vergleich, und nun kommt on top noch diese Regel. Um im Fernduell Gleichwertiges zu erreichen, müsste - wenn der eine durchremisiert - der andere schon dreimal gewinnen.
Blitz2010 Blitz2010 23.04.2021 09:12
Lieber Traktor Priestewitz, danke für Ihre Antwort, in der Sie wieder viele Argumente nennen, die mir sehr einleuchten. Gerade auch Ihren Vergleich mit den 80 Millionen Bundestrainern finde ich gut (ich bin auch einer dieser 80 Millionen :-) Und man könnte den Vergleich zum Fußball vielleicht noch etwas weiterführen: Während die Mannschaften vielleicht in erster Linie Titel gewinnen wollen, gibt es einige (nicht auf eine Mannschaft festgelegte) Fans, die vor allem spannende Spiele sehen wollen. Und die manchmal sagen: "Ein Tor für Mannschaft X täte diesem Spiel jetzt gut" oder "Dieser hohe Tor-Vorsprung für Mannschaft Y macht das Spiel langweilig." Als Fan mit einer solchen, subjektiven Sichtweise hatte ich mir nur erlaubt festzustellen, dass der Sieg Nepos über Alekseenko dem Turnier weniger guttat als ein Remis gutgetan hätte. Herzliche Grüße Thomas
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 23.04.2021 07:32
Na, ja sehen Sie, was ich für ein "Experte" bin. Ich meinte natürlich das Kandidatenturnier vor 8 Jahren in London.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 23.04.2021 07:26
Vor 7 Jahren fand das Kandidatenturnier in London, wo ein gewisser Magnus Carlsen sich für die Weltmeisterschaft qualifizierte. Ein anderer Topspieler, ein gewisser Teymur Radshabov holte nach 14 Runden erst 4 Punkte. Damals war er in der Top 10 und galt als Geheimfavorit des Turniers. Sein Absturz war sensationell und fast beispiellos, er galt als Punktelieferant, jeder wollte gegen ihn gewinnen. In diesem Kandidatenturnier hat Alekseenko 4 Punkte bereits nach 9 Runden bei nur 2 Niederlagen. Mensch, der ist nicht einmal 2700 unter den besten Schachspielern des Planeten! Das ist einer aus der Basis und hält sehr gut mit. Das ist eine Leistung, die vorher gar nicht groß erwartet wurde und nicht genug zu würdigen ist.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 23.04.2021 07:16
Werter Blitz2010, Sie haben richtig gesagt, dass die "Experten" ironischerweise gemeint werden. Das ist nicht abwertend, ich zähle mich genauso zur "Expertschaft" dazu, in Anlehnung an Fußball, wo es bekanntlich 80 Millionen Bundestrainer gibt, die alles wissen und nur einer die ganze Verantwortung für die Ergebnisse trägt. Und ich habe absichtlich niemanden genannt, ist auch nicht mein Ziel, jemanden direkt anzugreifen. Es ist vielmehr ein Wunsch, eine Kommunikation herzustellen, wo wir gern miteinander in Gespräch kommen. Wir sind doch alle Schachfreunde. Da steckt das Wort "Freunde" drin. Auch Profispieler sind Schachfreunde. Ich möchte von der Unschuldsvermutung gar nicht reden. Aus meiner Sicht sind die Paarungen der Landsleute zum Anfang des Turniers bzw. der Rückrunde eine harte Unterstellung genug. Es mag sein, dass zu Sovietzeiten Absprachen stattfanden. Das lag aber überwiegend in ideologischen Gründen und einem großen Druck von außen. Die Zeiten haben sich geändert. Einem Gritschuk, Svidler oder Ivantschuk Absprachen zu unterstellen wäre bespielsweise nur ein Zeichen für die Wahnsinnigkeit des "Experten", der wirklich keine Ahnung hat. Selbst ein Remis ist bei ihnen hart erkämpft. Gerade in unserer Zeit, wo nichts und fast gar nichts mehr zu verbergen ist, kann man die Unterstellungen der Schiebereien auf höchsten Niveau entgültig ad acta legen. Hier ist noch zu unterscheiden, wenn die GMs ein schnelles Remis spielen. Sofern die Turnierregeln dies nicht verbieten, dürfen sie das doch machen. Jeder Spieler hat seine sportliche sowie situationsabhängige Ziele. Sie müssen uns den Zuschauern gar nichts vorweisen, übrigens.
Blitz2010 Blitz2010 22.04.2021 11:37
Hallo Traktor Priestewitz, vielen Dank für Ihre lehrreichen Informationen! Das Einzige, was mir unnötig zu sein scheint, ist Ihre ironisierende Bezeichnung der hier Diskutierenden als "Experten" in Anführungszeichen. Ich für meinen Teil jedenfalls habe mich nie als Experte ohne Anführungszeichen ausgegeben. Insofern ist es nicht nötig, mir die Expertenschaft abzusprechen.
Was schwierig ist: Hier auf dieser Seite gibt es sowohl Schach-Profis, Halb-Profis als auch nicht zuletzt Hobby-Leute - mit jeweils ganz verschiedenem Anspruch und Selbstverständnis. Das mag vielleicht dazu führen, dass man sich über Amateure und Schach-Fans wie mich aufregt. Aber Schach ist nun mal Breitensport und da gibt es Fans wie mich, die manchmal "ihren Senf dazugeben" und enttäuscht sind, wenn eine einzelne Partie weniger Nervenkitzel und Spannung bot, als sie sich erhofften.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 22.04.2021 10:22
Was mir noch gerade einfällt. Hier sind im Forum viele "Experten" unterwegs, die sich bestens in der Schachwelt "auskennen". Ich lese übrigens oft die Kommentare und kenne schon manche Nicknames. Ich kann verstehen, dass sie mal vergessen können, dass Kiril Alekseenko sich für das Kandidatenturnier ordentlich qualifiziert hatte. Wie kommt man aber auf die Idee, dass der russische Schachverband gerade ihm eine Wildkarte ausstellt, während in Rußland ein Dutzend weitaus bekanntere und "stärkere" Spieler da wären, um sie für sich zu beanspruchen? Das sind nicht nur ältere Schachspieler, wie Nationalspieler Andrejkin, Karjakin, Vitiugov aber auch jüngere wie Dubov, Fedoseev, Esipenko und viele andere. Der Triumph von Alekseenko war auch in Rußland absolut unerwartet und sensationel. Die "Experten" tauschen sich ausgiebig über alles (un)Mögliche zu den geschobenen Partien zwischen den russischen Spielern, mutmaßen die Teilnahmeberechtigung, aber fragen sich nicht einmal warum denn wirklich ein "Nobody", während in Rußland ein Haufen Weltklassespieler zuschauen müssen. Das wollte ich noch gesagt haben.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 22.04.2021 09:47
Da fällt mir gerade auf, dass ich Peter Svidler eine gewonnene russische Meisterschaft aberkannte. Er ist ja 8-maliger russische Meister, was absolut unmöglich klingt, aber wahr ist.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 22.04.2021 09:40
Es ist sehr schade, dass das deutsche Schachpublikum die Live Kommentare von GM Sergej Schipov, GM Sergej Makarychev oder beispielsweise auch GM Rauf Mamedov nicht verstehen kann. Sie freuen sich natürlich insbesondere für die Erfolge russischer bzw. russischsprachiger Spieler, wie z.B. Anisch Giri, der als "unser Junge" bezeichnet wird. Aber andere Spieler werden für ihre tollen Einfälle und überhaupt als Persönlichkeiten dermaßen gelobt und beglückwünscht, so dass man wirklich sieht, dass für sie Gens una Sumus nicht ein schöner Spruch ist, sondern Realität, die sie vorleben. Einfach schade, von den miesen Verschwörungstheorien auf einer populären deutschen Schachseite zu lesen. Das kann ich nicht fassen.
fjordfish fjordfish 22.04.2021 09:40
Ach nö,
bitte nicht Nepo gegen Carlsen,zum schmunzeln ist Nepo immer gut geeignet,auch im Blitz ganz unterhaltsam,
aber ernsthafte Partien gegen Magnus Carlsen?!?!
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 22.04.2021 09:18
Was mich noch sehr geärgert hat, dass die Unterstellungen in Raum gestellt werden, dass die Partie zwischen den russischen Spielern zu Gunsten von Nepomnjatschij geschauckelt worden sei. Ich verfolge die Berichtserstattungen von angesehensten russischen Kommentatoren, die in russischer Schachszene bestens bekannt sind. Sie kommen nicht auf die Idee, so eine Unterstellung überhaupt in Raum zu führen. Das geht gar nicht. Russische Eliteschachspieler haben ihren Ruf hart erarbeitet. Ein Remis zu vereinbaren kann immer passieren, aber die Partie zu verschenken, das ist absolut unmöglich. Wie kommt man auf diese Idee. Aufgrund von welchen Hinweisen? Die russischen Kommentatoren würden dies dermaßen hart verurteilen. Sollte etwas bekannt werden, ist der Ruf der betroffenen Schachspieler in Rußland für immer ruiniert. Außerdem Alekseenko erkämpfte sein gutes Teilnahmerecht durch die harte Arbeit. Was für ein Grund soll ihn antreiben, seine Partien zu verschenken? Er hat eigene Ziele. Für dieses Turnier hat er sich mit dem 7-maligen russischen Meister Peter Svidler vorbereitet. Wer traut sich Peter Svidler derartige Machenschaften zu unterstellen?
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 22.04.2021 08:56
Sie haben Recht, Rubin_Stein, ich verfalle ebenfalls in die emotionsgeladene Stimmung. Ich habe schon mehrfach gelesen, dass Alekseenko eine Teilnahme quasi geschenkt wurde, während der Junge eine Heldentat auf Isle of Man vollbrachte. Ich habe bei weitem nicht alle Weltklassespieler genannt, die dort weiter hinten gelandet waren. Ich gönne ihm diesen Erfolg wirklich sehr, das ist ein modernes Märchen. Seid froh, dass es noch heutzutage möglich ist. Mir platzte diesmal der Kragen. Ich entschuldige mich, falls es verbal etwas entgleisend klang.
Rubin_Stein Rubin_Stein 22.04.2021 08:04
Danke für den Hinweis, Traktor Priestewitz. War den meisten inkl. mir wohl nicht mehr bewusst, dass beim Isle of Man 2019 ein Startplatz für das Kandidatenturnier vergeben wurde. Alekssenko war in der Tat mit 7,5 P/11 3.-8. mit der besten Wertung, nach Wang Hao und Caruana mit je 8/11. Und auch aktuell ist er mit 4P immerhin punktgleich mit Ding Liren.

Wir leben ja in einer Zeit der (leider) sehr aufgeheizten Emotionen. Ich fände es schön, wenn wir uns zumindest im Schach davon freihalten könnten, vielleicht sogar allgemein deeskalierend wirken könnten und statt mit Worten wie "Frechheit" einfach sachlich argumentieren. Das ist auch das beste Mittel gegen Verschwörungstheorien etc.
Traktor Priestewitz Traktor Priestewitz 22.04.2021 05:38
Eine Mega Frechheit ist die rechtsmäßige Teilnahme von Alekseenko anzuzweifeln. Ich erinnere das werte Publikum daran, dass er das Turnier Isle of Man hinter Caruana und Wan Hao gewann und löste somit die Teilnahmekarte für das Kandidatenturnier. War dieses Turnier nicht extra als Qualifikation zum Kandidatenturnier von FIDE proklamiert worden, als eine neben dem World Cup echte Möglichkeit für jeden Schachspieler nach dem Weltmeistertitel zu greifen? Ich erinnere das werte Publikum daran, dass Alekseenko auf Isle of Man in 11 Runden mehrere Weltklassespieler hinter sich ließ, u.a. Carlsen, Aronian, Nakamura, Vitiugov, Gritschuk. Gerade im Fußball scheiterte die Superliga, als die Topclubs nur unter sich bleiben wollten. Nun tauchen Experten auf, die einem Schachspieler seine Teilnahme anzweifeln. Alekseenko verdiente diese Teilnahme absolut rechtmäßig. Und im Kandidatenturnier holte er bereits 4 Punkte, spielte sehr gute Partien, ist überhaupt kein Kanonenfutter. Unglaubliche Frechheit von Sofaexperten!!!
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 22.04.2021 02:10
Eine Wildcard für einen Landsmann bei einer WM Ausscheidung ist an Frechheit schon gar nicht mehr zu überbieten. Aber, wie heißts so schön, "Wer die Kapelle bezahlt, bestimmt die Musik". Vom "Ausscheiden" Radjabovs wollen wir gar nicht mal reden. Sollte Nepo sich qualifizieren, wird er ein Debakel gegen Carlsen erleben. Das ist doch auch etwas Tröstliches :) Ich drücke Giri die Daumen, auch wenn seine Chancen gegen Carlsen nicht besonders groß sein dürften, was wiederum für ihn eine gute Ausgangslage bedeuten könnte.
Rubin_Stein Rubin_Stein 22.04.2021 11:23
Private Turniere und eine WM-Ausscheidung sind hinsichtlich zu nominierender Teilnehmer doch 2 Paar Stiefel. Alekseenko hat immerhin 4P gemacht, fällt also nicht total ab, aber die Teilnahme in einem WM-Kandidaten-Turnier muss anders geregelt sein, z.B. Nachrücker gemäß aktueller ELO-Liste o.ä.

Das beste WM-System hat man aus meiner Sicht abgeschafft: nationale Meisterschaften, daraus rekrutierten sich die Teilnehmer der Zonenturnieree, dann ging es über Interzonenturnier ins Kandidatenturnier, wo der Herausforderer ermittelt wurde und das alle 3 Jahre so. Das war gerecht und spannend zugleich.

Die heutige Form mit der völligen Übergewichtung der ELO-Zahlen und dann gar noch eine Wildcard an einen weitgehenden Nobody ist nicht nur sportlich Mist, sondern auch für den ganzen WM-Zyklus an sich - und damit auch für dessen Vermarktungsfähigkeit, wenn es denn ohne diese Kategorie nicht mehr geht.
Pemoe6 Pemoe6 22.04.2021 09:38
Genau ...
... und van Foreest hatte bei Tata Steel dieses Jahr nichts zu suchen (ähnliche ELO-Differenzen nach oben wie Alekseenko beim Kandidatenturnier)
... und die deutschen Spieler hatten all die Jahre in Dortmund nichts zu suchen
... und ...
Fox12345 Fox12345 22.04.2021 06:55
Über die Teilnahme von Herrn Alekseenko kann man sich sicher streiten, aber spielt der Herr Alekseenko nicht aus dem Grund mit, weil die Russen das so wollten und auch das Turnier maßgeblich sponsern? Wer hier sagt, der hat in solch einem Feld nichts zu suchen, mag sportlich Recht haben, aber derjenige kann sich ja mal um Sponsoren für solch ein Turnier kümmern. Da sage ich nur viel Erfolg und viel Spaß dabei. Immer berücksichtigen, unser toller Schachsport ist nicht Fußball oder Autorennen, wo die Millionen und Milliarden nur so "umhergeschmissen" werden.
Blitz2010 Blitz2010 21.04.2021 11:28
Ja, die relativierende, schlichtende Sicht auf diese Angelegenheit durch Krennwurzn ist mir sympathisch. Und ich möchte nicht als "Verschwörungstheoretiker" abgestempelt werden oder gar als Propagandist des "Kalten Kriegs". Es ist nur so: Als Fan von spannenden Schach-Partien und -Turnieren bin ich enttäuscht, weil diese Partie heute so verlaufen und ausgegangen ist, wie einige Unkenrufe es erwartet hatten. Die Partie war ja kein allzu ergebnisoffener, spannender, wechselseitiger Schlagabtausch. Klar ist, dass Nepo ein faszinierender, brillanter, bewunderungswürdiger Super-GM ist, aber als Fan des Schachsports will man doch einen offeneren Kampf sehen, oder?
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 21.04.2021 11:11
Alekseenko hat in diesem Feld überhaupt nichts zu suchen. Aber es wird schon einen Grund haben, warum er dennoch mit dabei ist. Auf jeden Fall hilft es dem stärksten russischen Spieler.
Krennwurzn Krennwurzn 21.04.2021 11:03
Verschwörungstheorien gibt immer ...

sagen wir mal 8. ... Le7 hat lt. Datenbank ein Score von 80% für Weiß und der stärkste Schwarzspieler der den Zug bisher in den Datenbanken gespielt hatte - hat 2435. Mit Ruhm hat sich Alekseenko in dieser Partie nicht bekleckert.

Aber Verschwörung ginge wohl doch zu weit - es war Nepos einziger Sieg aus seinen 4 Partien gegen seine Landsleute und +1 ist da wirklich nicht auffällig!!
peam peam 21.04.2021 08:15
Alekseenko-Grischuk war dann wohl ein Betriebsunfall der russischen Seite ... Fröhliches Weiterdenken in Kategorien des Kalten Krieges!
Lexa Lexa 21.04.2021 07:07
Auch Caruana hat mit Weiß gegen Alekseenko gewonnen. In Curacao lautete der Vorwurf eher, dass alle Sowjets untereinander remis spielen, um Kräfte zu sparen.