Kandidatenturnier: Karjakin schafft das Wunder!

von Klaus Besenthal
24.03.2018 – Mit 2,0/6 war Sergey Karjakin in das Berliner Kandidatenturnier gestartet, bevor ihm in der 7. Runde endlich der erste Sieg gelang - zu diesem Zeitpunkt gab es wohl keinen Beobachter mehr, der den russischen Großmeister nicht bereits komplett abgeschrieben hatte. Heute wurde nun die 12. Runde gespielt, und Sergey Karjakin gewann nicht nur seine Partie gegen Fabiano Caruana, sondern übernahm damit auch gleich noch die Tabellenführung von dem Amerikaner. Ein unfassbares, großartiges Comeback! Doch damit nicht genug. Weil auch noch der Chinese Ding Liren endlich zu seinem ersten Sieg kam, und das ausgerechnet gegen den bis dahin Zweitplatzierten Shakhriyar Mamedyarov, erweiterte sich der Kreis der Anwärter auf den Turniersieg auf fünf Spieler: Karjakin und Caruana (je 7,0/12), Ding Liren, Mamedyarov und Grischuk (je 6,5/12). Zwei Runden folgen noch am Montag bzw. Dienstag.

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Fotos: World Chess

Zusammenfassung mit IM Steve Berger

Mehr als die Hälfte der Spieler ist nach 12 von 14 Runden im Kampf um den Turniersieg noch voll dabei - es ist unglaublich spannend. Caruana spielt noch mit Weiß gegen Aronian und mit Schwarz gegen Grischuk; Karjakin trifft mit Schwarz auf So und mit Weiß auf Ding. Eine Prognose ist zu diesem Zeitpunkt unmöglicher denn je zuvor.

Tabelle nach der 12. Runde

 

Karjakin - Caruana

Für Karjakin zählte nur der Sieg, und er ergriff sofort die erste Chance, die sich ihm bot, um ein dauerhaftes Ungleichgewicht zu schaffen. Nach dem Opfer einer Qualität für nur einen Bauern lähmte Karjakins dominierender Läufer mitten im Zentrum Caruanas Spiel. Der Amerikaner hätte sich vermutlich in eine lange, passive Konsolidierungsphase fügen müssen, an deren Ende vielleicht irgendwann ein besseres Endspiel gestanden hätte. Ein meisterhafter "Schachzug" Karjakins auch in psychologischer Hinsicht, denn Caruana verlor schnell die Geduld und fügte seiner Stellung entscheidende Schwächungen zu: 

 

Irgendwie sieht man es Sergey Karjakin auf diesem Foto schon an: Da würde heute etwas gehen für ihn! 

Mamedyarov - Ding Liren

Es geht also doch: Nachdem Ding Liren gestern Abend noch der Verzweiflung nahe war, schaffte er heute nach zuvor elf Remisen endlich einen Sieg. Damit konnte er auch gleich zu seinem Gegner, dem bislang zweitplatzierten Shakhriyar Mamedyarov, aufschließen. Und so furchtbar schwer sah das noch nicht einmal aus:

 

Shakhriyar Mamedyarov gönnt sich einen Schluck aus der Pulle, während Ding Liren über der Stellung grübelt...

... aber es ist doch schön, dass der Chinese wieder grübelt. Gestern, nach dem Auslassen von Sd8! sah das noch ganz anders aus.

Grischuk - Aronian

Natürlich hätte Alexander Grischuk gerne gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Levon Aronian gewonnen. Das hätte ihn auf Augenhöhe mit der Tabellenspitze gebracht. Doch nachdem der Russe eine einzige, winzige Chance ausgelassen hatte, bekam er keine zweite mehr:

 

Der russische Großmeister Alexander Grischuk spielt beim Kandidatenturnier eine herausragende Rolle.

Kramnik - So

Die beiden Spieler konnten einem fast ein wenig Leid tun - mussten sie doch vor den Augen der Weltöffentlichkeit eine Partie spielen, von der von vornherein klar war, dass sie ziemlich bedeutungslos sein würde. Aber beide machten gute Miene zum bösen Spiel und brachten die Sache achtbar über die Bühne:

 

Wesley So: Der Amerikaner hatte nie eine Chance, das Turnier zu gewinnen - zu Ende bringen muss aber auch er es irgendwie. 

Partien

 

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Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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M_Bechmann M_Bechmann 26.03.2018 01:09
@Julian111 - danke für die Information.
Julian111 Julian111 26.03.2018 12:33
@MBechmann nunja, eigentlich ist das SonnebornBergerSystem sehr simpel, undzwar wird die erreichte Punktzahl gegen Spieler X mal die Punktzahl dieses Spielers gerechnet. Also eine Art gewichtete Buchholz. Beispiel: Spieler A hat gegen Spieler B 1,5 Punkte aus beiden Partien geholt. Spieler B beendet das Turnier mit 6,5/14; Somit erhält Spieler A 1,5 x 6,5 = neun, 75 punkte
M_Bechmann M_Bechmann 25.03.2018 10:52
Wären 2 Spieler mit der höchsten Punktzahl punktgleich, sollten sie 2 zusätzliche Partien austragen und wer die meisten Punkte aus diesen 2 Partien erreicht hat sollte der Turniersieger sein. Bei 2 Remis oder entgegengesetzten Ergebnissen (1:0 und 0:1), weitere solche 2 Partien, eventuell mit schrittweise verkürzter Zeit.
Das Sonneborn-System ist mir nicht geläufig und ist (jedenfalls für mich) nicht nachvollziehbar und für die Meisten vermutlich auch nicht.
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 25.03.2018 07:50
@ crizzy, es zählt die Anzahl der Siege nach dem direkten Vergleich und dann Sonneborn-Berger. Sollte SM mit SK punktgleich einkommen, ist SM der Sieger. Ding hat nicht genügend Siege, um für das 2. Kriterium, Anzahl der Siege im TieBreak Chancen zu haben. Es gibt also definitiv keinen zusätzlichen Zweikampf ! Karjakin ist nun der Favorit und müsste es auch aufgrund seiner derzeitigen mentalen Verfassung schaffen. Fabi müsste über sich hinauswachsen und beide ausstehenden Partien auf Gewinn anlegen. Hätte er zuvor gegen Ding gewonnen, wäre er durch gewesen... Unglaublich! Ich denke aber, dass er gegen MC nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte im Zweikampf. Karjakin ist da schon ein anderes Kaliber. Gewinnt er den Kandidatenwettkampf, kann sich Magnus auf einen heißen Tanz gefasst machen.
crizzy crizzy 25.03.2018 05:38
In dem Bericht kommt nicht zum Ausdruck, daß Sergey Karjakin (SK) mit seinem Sieg gegen Fabiano Caruana (FC) nun die absolut besseren Chancen hat! Bei Punktgleichheit entscheidet das Ergebnis gegeneinander, also FC muß, will er noch eine Chance haben gegen Magnus Carlsen den WM-Kampf zu spielen, einen halben Punkt mehr machen als SK! Was für eine Dramatik für die letzten beiden Runden. Man erinnere, das Carlsen und Kramnik beide ihre Letztrundenpartie verloren beim Kandidatenturnier in London. Ich werde morgen bei der vorletzten Runde vor Ort dabei sein, wenn FC mit Weiß gegen Levon Aronian und SK mit Schwarz gegen Wesley So spielen werden. Falls es in dem Kampf von Shakhriyar Mamedyarov (SM) mit Weiß gegen den Russen Alexander Grischuk einen Sieger gibt, wird es ganz spannend. Wenn der Aseri gewinnt und mit SK und FC drei Punktgleiche ins Ziel kommen, ist mir unklar wie es weiter geht. Der Aseri hat 1,5:0,5 gegen SK und Ausgleich gegen FC, also +1. SK +1-1 und FC -1. Wäre dann SM der Herausforderer?
flachspieler flachspieler 25.03.2018 10:03
Tolle Partien, und fantastischer Kampfgeist der Teilnehmer. Über einen neuen WM-Kampf zwischen Karjakin und Carlsen würde ich mich freuen, auch weil Karjakin für König Magnus ein unangenehmer Gegner ist. Auch einen Kandidatensieger Ding Liren fände ich spannend.

Aber egal wer gewinnt: er hat den Titelkampf verdient.
joe connelly joe connelly 25.03.2018 09:20
Keine Frage: starke Partie von Karjakin! Aber bitte nicht nochmal eine WM Carlsen Karjakin ...
Blitz2010 Blitz2010 25.03.2018 12:48
Karjakin ist eben ein herausragender Spieler. Die Partie gegen Caruana fand ich strategisch ganz großartig! Und falls es noch einmal zu einem WM-Match Carlsen-Karjakin käme, erschiene es mir auch sehr spannend! Bei der Kritik am letzten WM-Kampf (als angeblich langweilig) wird schnell übersehen, wie viel Spannung darin lag, dass die beiden sich auf Augenhöhe begegneten, und wie ästhetisch faszinierend die zum Teil studienartigen Endspiel-Kniffe waren!
M_Bechmann M_Bechmann 24.03.2018 11:02
Gratulation! Wer hätte das vorgestern schon gedacht?
eminenz eminenz 24.03.2018 10:51
Tolle Leistung.
Aber wenn, dann gebe ich persönlich nur Kramnik eine Chance gegen M.C. anzutreten.
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