Kandidatenturnier: Wieder siegt Weiß

von Johannes Fischer
19.03.2014 – Schwarz scheint beim Kandidatenturnier 2014 mit einem Fluch belegt zu sein: 9 zu 1 bei 14 Remis lautet die bisherige Bilanz für Weiß. Auch in Runde 6 triumphierten die Weißen mit zwei Siegen. Topalov gewann gegen Kramnik und Mamedyarov gegen Svidler. Doch beide Partien verliefen so seltsam, dass man sich fragen konnte, ob die Schwarzspieler nicht verhext waren. Mehr...

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Runde 6, 19.03.2014, 10:00h MEZ
Aronian Levon
½-½
Andreikin Dmitry
Anand Viswanathan
½-½
Karjakin Sergey
Mamedyarov Shakhriyar
1-0
Svidler Peter
Topalov Veselin
1-0
Kramnik Vladimir

Daniel King zeigt die Highlights der 6.Runde

Vishy Anand liegt nach sechs Runden bei +2 und verteidigte seine Tabellenführung.

Seit Vladimir Kramnik im WM-Kampf gegen Garry Kasparov die Berliner Verteidigung (mit der Hauptvariante 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.0-0 Sxe4 5.d4 Sd6 6.Lxc6 dxc6 7.dxe5 Sf5 8.Dxd8 Kxd8) im Spitzenschach salonfähig gemacht hat, greifen viele Spieler mit Schwarz zu diesem System. Bislang hat Weiß noch in keiner Variante klaren Vorteil nachweisen können und auch Vishy Anand gelang das gegen Sergey Karjakin nicht. Karjakin musste nach Ende der theoretischen Varianten zwar ein paar genaue Züge finden, um die weißen Drohungen zu neutralisieren, aber das gelang ihm auch. Wie Anand auf der Pressekonferenz erklärte, sah er keine Möglichkeit, wie er die von Karjakin im Zentrum mit Turm und Springer errichtete Festung angreifen sollte. So endete die Partie nach 33 Zügen mit Remis - Karjakins fünftem Unentschieden in sechs Runden.

Anand bleibt nach diesem Remis Tabellenführer, denn Levon Aronian kam trotz guter Möglichkeiten gegen Dmitry Andreikin über ein Remis nicht hinaus.

Einmal mehr hielt die "Berliner Mauer"

Tatsächlich fehlte Aronian nicht viel zu einem Sieg gegen Andreikin, mit dem er Anand eingeholt hätte. Aronian spielte mit Weiß und diktierte von Beginn an das Tempo. Er opferte gleich in der Eröffnung zwei Figuren für einen Turm, eine Variante, die er vor einem Jahr vorbereitet hatte: "Ich habe diese Stellung mit Arshak Petrosian analysiert und versucht, mich mit Schwarz zu verteidigen. Aber er gewann immer wieder." Auch Andreikin hatte Schwierigkeiten, seine Figuren zu koordinieren und seinen König in Sicherheit zu bringen und der weiße Druck wurde immer stärker. Doch als der Sieg zum Greifen nahe war, unterlief Aronian ein Schnitzer. "Ich sah, dass ich viele Möglichkeiten hatte, um die Stellung zu gewinnen, aber dann habe ich gepatzt."

Statt einer klaren Gewinnstellung bekam Weiß so "nur" ein sehr gutes Endspiel mit Mehrbauern. Doch wie er in der Pressekonferenz erklärte, war Aronian "zu frustriert, um in diesem Endspiel mein bestes Schach zu zeigen". So konnte Andreikin schließlich mit Glück im 48. Zug einen halben Punkt retten.

Levon Aronian stand kurz vor einem Sieg und liegt jetzt mit 3,5 aus 6 knapp über 50 Prozent und einen halben Punkt hinter Tabellenführer Vishy Anand.

Mit 2 aus 6 ist Andreikin Halter der ungeliebten "Roten Laterne". In der Pressekonferenz versuchte er zu erklären, warum das so ist: "Ich habe in diesem Turnier das Problem, dass ich alles sehe, aber trotzdem nicht die besten Züge spiele."

Die brisanteste Begegnung der Runde war die Partie zwischen Veselin Topalov und Vladimir. Seit ihrem Weltmeisterschaftskampf 2006 in Elista, der unter dem Stichwort "Toiletgate" für Negativschlagzeilen in der Weltpresse sorgte und in die Schachgeschichte einging, sind die Beziehungen zwischen Kramnik und Topalov angespannt. Vielleicht trübten diese unterschwelligen Spannungen Kramniks klaren Blick. Auf jeden Fall erwischte er einen rabenschwarzen Tag. Er geriet mit Schwarz bereits in der Eröffnung ins Hintertreffen und stand nach 12 Zügen schon deutlich schlechter. Mit einer kleinen taktischen Abwicklung (19.Sxd5) kam Topalov wenig später zu einem deutlich besseren, wenn nicht fast schon gewonnenen Endspiel, das Kramnik im 41. Zug aufgab.

Gut erholt von seiner Niederlage gegen Peter Svidler in Runde 5: Veselin Topalov

Seltsame Dinge geschahen auch in der Partie zwischen Shakriyar Mamedyarov und Peter Svidler. Svidler überraschte Mamedyarov in der Eröffnung mit 1.d4 f5, eine Variante, die er, wie er in der Pressekonferenz erklärte, für dieses Turnier vorbereitet hatte. Lange Zeit schien Svidlers Eröffnungsstrategie Erfolg beschieden zu sein. Svidler kam gut aus der Eröffnung heraus und hatte in einer interessanten, scharfen Stellung mit vielen versteckten taktischen Möglichkeiten gute Chancen und stand vielleicht sogar leicht besser. Doch dann brach er plötzlich zusammen. "Es ist vollkommen unerklärlich, wie man so eine Stellung in nur drei Zügen verlieren kann. Nach 22.De3 schaltete sich mein Gehirn für 20 Minuten einfach aus. Das kann man nicht beschreiben", meinte Svidler in der Pressekonferenz. Nach einer Reihe von Fehlern und Ungenauigkeiten landete Svidler nach einer taktischen Abwicklung schließlich mit einem Minusbauern in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, das er für klar verloren hielt. So klar, dass er nicht mehr weiter spielen wollte und sofort aufgab.

Nach miserablem Start mit 0,5 aus 3 hat sich Mamedyarov gefangen und mit 2,5 aus 3 einen starken Zwischenspurt hingelegt.

Peter Svidler erlitt einen Blackout, den er sich nicht erklären konnte.

Stand nach Runde 6

Partien der Runden 1 bis 6

 

Morgen, Donnerstag, den 20. März, steht der zweite Ruhetag auf dem Programm. Die siebte Runde beginnt dann am Freitag, 10 Uhr deutscher Zeit. Alle Partien werden live auf dem Fritz-Server übertragen und von beliebten Kommentatoren und Großmeistern kommentiert. Auf Deutsch und auf Englisch.

Klaus Bischoff kommentiert

Kommentatorenplan

Datum Englisch Deutsch
Rd. 1, 13. März Simon Williams/Chris Ward Oliver Reeh/Merijn van Delft
Rd. 2, 14. März Daniel King/Simon Williams Oliver Reeh/Karsten Müller
Rd. 3, 15. März Simon Williams/Irina Krush Klaus Bischoff
Rd. 4, 17. März Alejandro Ramirez/Simon Williams Klaus Bischoff
Rd. 5, 18. März Daniel King/Chris Ward Klaus Bischoff
Rd. 6, 19. März Alejandro Ramirez/Parimarjan Negi Oliver Reeh/Merijn van Delft
Rd. 7, 21. März Simon Williams/Daniel King Oliver Reeh/Merijn van Delft
Rd. 8. 22. März Daniel King/Yasser Seirawan Oliver Reeh/Karsten Müller
Rd. 9, 23. März Simon Williams/Alejandro Ramirez Oliver Reeh/Merijn van Delft
Rd. 10, 25. März Daniel King/Simon Williams Klaus Bischoff
Rd. 11, 26. März Alejandro Ramirez/Irina Krush Klaus Bischoff
Rd. 12, 27. März Daniel King/Yasser Seirawan Klaus Bischoff
Rd. 13, 29. März Daniel King/Irina Krush Klaus Bischoff
Rd. 14, 30. März Daniel King/Yasser Seirawan Klaus Bischoff

Die Kommentierung beginnt jeweils etwa eine halbe Stunde nach Rundenbeginn und ist für Premiummitglieder kostenlos

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Rundenplan

Runde 1, 13.03.2014, 10:00h MEZ,
Andreikin Dmitry
½-½
Kramnik Vladimir
Karjakin Sergey
½-½
Svidler Peter
Mamedyarov Shakhriyar
½-½
Topalov Veselin
Anand Viswanathan
1-0
Aronian Levon
Runde 2, 14.03.2014, 10:00h MEZ
Kramnik Vladimir
1-0
Karjakin Sergey
Svidler Peter
1-0
Andreikin Dmitry
Topalov Veselin
½-½
Anand Viswanathan
Aronian Levon
1-0
Mamedyarov Shakhriyar
Runde 3, 15.03.2014, 10:00h MEZ
Andreikin Dmitry
½-½
Karjakin Sergey
Svidler Peter
½-½
Kramnik Vladimir
Topalov Veselin
½-½
Aronian Levon
Mamedyarov Shakhriyar
0-1
Anand Viswanathan
Runde 4, 17.03.2014, 10:00h MEZ
Mamedyarov Shakhriyar
1-0
Andreikin Dmitry
Karjakin Sergey
½-½
Topalov Veselin
Aronian Levon
1-0
Svidler Peter
Anand Viswanathan
½-½
Kramnik Vladimir
Runde 5, 18.03.2014, 10:00h MEZ
Andreikin Dmitry
½-½
Anand Viswanathan
Karjakin Sergey
½-½
Mamedyarov Shakhriyar
Svidler Peter
1-0
Topalov Veselin
Kramnik Vladimir
½-½
Aronian Levon
Runde 6, 19.03.2014, 10:00h MEZ
Aronian Levon
½-½
Andreikin Dmitry
Anand Viswanathan
½-½
Karjakin Sergey
Mamedyarov Shakhriyar
1-0
Svidler Peter
Topalov Veselin
1-0
Kramnik Vladimir
Runde 7, 21.03.2014, 10:00h MEZ
Karjakin Sergey
-
Aronian Levon
Svidler Peter
-
Anand Viswanathan
Kramnik Vladimir
-
Mamedyarov Shakhriyar
Andreikin Dmitry
-
Topalov Veselin
Runde 8, 22.03.2014, 10:00h MEZ
Kramnik Vladimir
-
Andreikin Dmitry
Svidler Peter
-
Karjakin Sergey
Topalov Veselin
-
Mamedyarov Shakhriyar
Aronian Levon
-
Anand Viswanathan
Runde 9, 23.03.2014, 10:00h MEZ
Karjakin Sergey
-
Kramnik Vladimir
Andreikin Dmitry
-
Svidler Peter
Anand Viswanathan
-
Topalov Veselin
Mamedyarov Shakhriyar
-
Aronian Levon
Runde 10, 25.03.2014, 10:00h MEZ
Karjakin Sergey
-
Andreikin Dmitry
Kramnik Vladimir
-
Svidler Peter
Aronian Levon
-
Topalov Veselin
Anand Viswanathan
-
Mamedyarov Shakhriyar
Runde 11, 26.03.2014, 10:00h MEZ
Andreikin Dmitry
-
Mamedyarov Shakhriyar
Topalov Veselin
-
Karjakin Sergey
Svidler Peter
-
Aronian Levon
Kramnik Vladimir
-
Anand Viswanathan
Runde 12, 27.03.2014, 10:00h MEZ
Anand Viswanathan
-
Andreikin Dmitry
Mamedyarov Shakhriyar
-
Karjakin Sergey
Topalov Veselin
-
Svidler Peter
Aronian Levon
-
Kramnik Vladimir
Runde 13, 29.03.2014, 10:00h MEZ
Andreikin Dmitry
-
Aronian Levon
Karjakin Sergey
-
Anand Viswanathan
Svidler Peter
-
Mamedyarov Shakhriyar
Kramnik Vladimir
-
Topalov Veselin
Runde 14, 30.03.2014, 10:00h MEZ
Aronian Levon
-
Karjakin Sergey
Anand Viswanathan
-
Svidler Peter
Mamedyarov Shakhriyar
-
Kramnik Vladimir
Topalov Veselin
-
Andreikin Dmitry

Fotos: Turnierseite...

Anastasiya Kharlovich, die Presseverantwortliche des Turniers, bei der Arbeit



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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