Karpov auf dem Weg der Besserung

von André Schulz
07.11.2022 – Karpov ist nach seinem Sturz auf dem Weg der Besserung. Am Montag soll er von der Intensivstation auf die Normalstation verlegt werden. Karpov hat ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Oberschenkelhalsbruch erlitten und kämpfte mit einer Lungenentzündung. Inzwischen kann er sich bereits über das Essen beschweren. | Foto: Karpov mit Frau Natalia und Tochter Sofia

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Letzte Woche erreichte die Meldung von Anatoly Karpovs Einlieferung in ein Moskauer Krankenhaus die Schachwelt. Viele Schachfreunde machten sich Sorgen um den 12. Schachweltmeister, auch weil die Nachrichten über die Ursache für die Einlieferung und das Ausmaß der gemeldeten Verletzungen aus den verschiedenen russischen Medien und Nachrichtenkanälen recht widersprüchlich waren. 

Karpov war ohne Bewusstsein und mit Kopfverletzungen in der Nähe der Duma aufgefunden worden und in den ersten Meldungen hieß es, er sei das Opfer eines Angriffs gewesen. Der 71-Jährige läge mit schweren Kopfverletzungen und einem Bruch der Hüfte, nach anderen Quellen mit einem Oberschenkelhalsbruch, auf der Intensivstation eines Moskauer Krankenhauses und wäre in ein künstliches Koma versetzt worden. 

Die englische Daily Mail sah Karpov schon in der Reihe der mysteriösen Todesfälle von prominenten russischen Oligarchen, Managern und anderen Vertretern der russischen Elite und verwies auf ein Interview des Ex-Weltmeisters bei einem kasachischen Fernsehsender:

"Ich wünschte, der Krieg würde bald enden, damit friedliche Menschen aufhören zu sterben", wird Karpov von Daily Mail zitiert, und weiter: "Am Ende sind die einfachen Menschen die Opfer. Normale Leute kämpfen, Politiker und Generäle entscheiden, und normale Leute kämpfen, Zivilisten sterben. Nein, ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass Russen und Ukrainer in den Krieg ziehen würden. Ich habe viele Freunde in der Ukraine."

Das Interview liegt allerdings schon einige Zeit zurück.

Karpovs Tochter Sofia und seine Frau Natalia widersprachen aber bald der Meldung eines Angriffs auf Karpov. Der frühere Schachweltmeister und jetzige Duma-Abgeordnete sei im Schnee oder Eis gestürzt und habe dabei ein Schädel-Hirn-Trauma und tatsächlich einen Bruch des Oberschenkelhalsknochens erlitten. Allerdings habe er auch noch mit einer Lungenentzündung zu kämpfen und sei an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

Nach jüngsten Meldungen aus dem Kreis der Familie sei Karpov inzwischen auf dem Weg der Besserung und soll am Montag von der Intensivstation auf die Normalstation verlegt werden. Karpov wurde schon am Mittwoch vom Beatmungsgerät genommen, sei aber noch geschwächt und könne nur leise sprechen. Seine Wünsche und Anweisungen schreibe Karpov meist auf Zettel. Karpovs Frau Natalia hat Karpov ein iPad mitgebracht. Auch habe er nach einem Buch gefragt.

Als gutes Zeichen eines sich bessernden Zustandes kann man Karpovs Beschwerde über die Qualität des Essens im Krankenhaus deuten. Das Essen sei geschmacklos. Am Montag will Karpovs Frau Natalia ihrem Mann von zuhause eine Hühnerbrühe mitbringen.


Meldung bei Mir 24...

Meldung bei kp.ru...

Artikel bei Daily Mail...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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