Kasparov in deutsch

20.04.2005 – Nach seinen Rücktritt vom Profischach gab Garry Kasparov anlässlich eines Aufenthalts in New York der New York Times und Mig Greengard ein außerordentlich ausführliches Interview, das in insgesamt drei Teilen auf der ChessBase-Webseite veröffentlicht wird. Im ersten Teil nimmt Kasparov zu den jüngsten Entwicklungen im Spitzenschach und zur Situation der Weltmeisterschaft Stellung, äußert sich zum legendären Wettkampf gegen Deep Blue, seinen Plänen als Autor und Lehrer und nennt die Namen der Spieler, die einmal in seine Fußstapfen treten könnten. Teil Eins liegt nun auch in einer von Wolfgang Malk angefertigten deutschen Übersetzung vor. Kasparov im Interview...

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Interview mit Garry Kasparov, Teil 1
New York City, Ende März 2005
 



Warum haben Sie gerade jetzt Ihren Rücktritt erklärt? Viele Spieler nehmen bis ins hohe Alter erfolgreich am Schachsport teil.

Was ist Erfolg? Es geht nicht um vereinzelte Siege, sondern für 20 Jahre lang der Beste Schachspieler der Welt zu sein. Meine menschliche Natur verlangt nun eine Änderung.  Ich habe genug erreicht, mehr als ich mir in der Welt des Schachs je vorstellen konnte. Jetzt will ich mich anderen Dingen widmen. Ich will mir neue Ziele setzen, die mich interessieren und bei denen ich meine Erfahrung und mein Talent einsetzen kann.

Können Sie sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, in der Schachwelt in Vergessenheit zu raten?

Ich denke nicht, dass es arrogant ist zu sagen, ich hätte in den nächsten 3 bis 4 Jahre weiter an der Spitze des Schachsports gestanden. Es gibt jedoch noch andere wichtige Dinge im Leben und die Zeit dazu ist für mich nun gekommen. Ich will hier nur die Krise in Russland nennen oder die Bücher, die ich noch schreiben und vermarkten will. Es ist wichtig für mich Menschen zu sagen, dass Schach eine Art Hilfe sein kann, den Entscheidungsprozess im normalen Leben zu verbessern. Es ist auch wichtig, den russischen Menschen bei der Errichtung der Demokratie zu helfen. All diese Dinge sind momentan wichtiger. Solange ich das Gefühl habe, dass mein Wirken einen Unterschied machen kann, bin ich nicht in der Lage im Schach 100 % zu geben.

Einmal angenommen, die Situation wäre anders und sie könnten um den Weltmeistertitel spielen, wären Sie dann nicht zurückgetreten?

WENN die Situation anders wäre, WENN die Herrschaft Putins stabiler wäre, WENN das Buch „How Life Imitates Chess“ ein weiteres Jahr aufgeschoben werden könnte. Das sind zu viele „Wenns“ und all die Dinge kommen momentan zusammen. Es ist wie eine unglücklicher Zufall, dass alles momentan gleichzeitig eintritt. Aber es ist keine Entscheidung, die man über Nacht trifft. Man wacht nicht eines Tages auf und denkt: „Ja, bingo! Es ist vorbei!“ Nein, Mauern werden Stein für Stein errichtet und mein Frust hat sich auch langsam aufgebaut. Man analysiert irgendwann alle Fakten und kommt zu dem Schluss, sein Leben ändern zu wollen.

Begonnen hat alles mit der schlechten Situation in der Schachwelt, das war der erste Anstoß. Mittlerweile bin ich auch mehr in der russischen Politik aktiv. Zu meiner Überraschung bin ich letztes Jahr in das Komitee zur Durchführung der Freien Wahlen 2008 gewählt worden. Es wird immer mehr. Die Arbeit mit den Büchern kommt hinzu. Ich erweitere meine Buchserie „My Great Predecessors” von Volume 6 zu Volume 10.

Wie werden sich die Dinge für Sie verändern, wenn Sie nicht mehr im Profischach tätig sind?

In einigen Bereichen wird es schwieriger, mein Leben zu planen, da alles hektischer wird. Die russische Politik ist schnelllebig und hält sich nicht an feste Zeitpläne.

Wo würden Sie sich auf einer ewigen Bestenliste der Schachspieler einordnen?

Ich mag diese Frage generell nicht. Ausgehend von der Zeitdauer im Spitzenschach und der Spielstärke als objektive Kriterien, stufe ich mich jedoch als Nr. 1 ein. Der größte spielerische Abstand zwischen der Nr. 1 und den übrigen Spielern bestand jedoch 1972 zur Zeit von Bobby Fischer. Ein- oder zwei Jahre später kam allerdings schon Karpov. Ich war damals fähig, mit dieser neuen Generation mitzuhalten und konnte Karpov schlagen. Letztlich blieb ich auch für 20 Jahre an der Spitze, was mich auch berechtigt, mich als Nr. 1 anzusehen.

Wer wird Sie ersetzen?

[Achselzucken] Ich weiß es nicht, das ist auch nicht mehr mein Problem. Ich habe ein T-Shirt von Mig bekommen, auf dem steht: „Ich bin in Rente, nun bist Du dran!“

Wie steht es mit Kramnik? Er hat Ihren Titel, aber…

Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass es mein Titel ist. Im Jahre 2000 hatte der Titel einen Wert, da ich der beste Schachspieler der Welt war. Aber nach meiner Kenntnis ist der Titel nur bis 2002 gültig. Hiernach hätte Kramnik den Titel verteidigen müssen, was er nicht tat. Wichtiger ist aber auch, dass ich in 2001 mehrere Turniere hintereinander gewann und Kramnik nicht antrat, um zu beweisen, dass er der beste der Welt ist. Insofern ist der Titel wohl schon früher verfallen.

Kramnik hat keinen offiziellen Weltmeister besiegt. Das Match war auch nicht von der FIDE oder einem anderen Verband ausgerufen. Er gewann einen Wettkampf gegen den stärksten Spieler der Welt, und das gab ihm die Möglichkeit zu beweisen, dass er der Beste ist. Da er das nicht tat und auch zu keinem Rückkampf antrat oder mehrere Siege verzeichnen konnte, hat er seine Position als bester Schachspieler nicht glaubhaft unter Beweis gestellt.

Ist das nicht unfair gegenüber Kramnik? Schließlich haben Sie veranlasst, dass das Match nicht im Rahmen der FIDE stattfand, nicht er.

„Unfair“ ist sicherlich nicht das korrekte Wort in Bezug auf Kramnik. Es war unfair gegenüber Shirov, dass Kramnik nicht spielte, das ist wichtig. Kramnik hat sich überhaupt nicht qualifiziert. Er hat gegen Shirov [in 1998] verloren. Er konnte sich glücklich schätzen, dass Anand es ablehnte, gegen ihn zu spielen und dann habe ich unter Druck der britischen Organisatoren zugesagt. Sie hatten gewusst, dass ein Match von Kramnik mit Shirov in einem Massaker geendet hätte.

Kramnik wurde ausgewählt, da er der nächste auf der Liste war und eine gute Bilanz gegen mich hatte, so dass die Siegchancen nicht schlecht waren. Als Kramnik gewählt wurde und Shirov sich beschwerte, war Kramniks Kommentar beachtlich. Er sagte: „Wie kann man die Stärke von zwei Spielern aufgrund eines Matches von vor zwei Jahren beurteilen?“ Das ist genau das, was ich nun auch sage!

Ich habe nie gesagt, dass meine Niederlage gegen Kramnik ein Ausrutscher war und das werde ich auch in Zukunft nicht. Wenn man die Ergebnisse vor und nach unserem Kampf bewertet, so scheint es jedoch so zu sein. Aber ich bleibe dabei, er gewann fair und zu recht. Er war besser vorbereitet und sein Sieg war gut für den Schachsport. Er brachte das Spiel voran und hatte einige sehr gute Ideen, die das Verständnis von Schach bereicherten.

Betrachtet man in die ganze Geschichte jedoch von einem entfernteren Standpunkt und bezieht die späteren Ergebnisse mit ein, so war dies eine Anomalie. Kramnik hätte einen Rückkampf anbieten müssen und wenn er mich dann wieder geschlagen hätte, so hätte er den damaligen Erfolg wirklich bewiesen. Auch hätte er Turniere spielen und gewinnen müssen, um seine außergewöhnliche Form zu überweisen. Da er auf beides verzichtete verlor sein Titel schnell an Wert, was auch seine Position in der FIDE schwächte, da man sich stets als bester Spieler in der Welt beweisen muss. Wenn man nicht gerade der beste Spieler der Welt ist, funktioniert es nicht ohne ein System.

Die Ratio des Spiels im Jahr 2000 war simpel: Die Nummer eins gegen die Nummer zwei der Welt. Kramnik war eine zweifelhafte Nummer zwei, aber Anand verweigerte das Match und Kramnik hatte eine bessere Bilanz gegen mich und war in diesem Jahr auch sehr erfolgreich. Es war die Nummer eins gegen die Nummer zwei, was der einzige mögliche rationale Grund war, ein Spiel außerhalb der FIDE zu bestreiten, ohne ein System. Aber hiernach unternahm die Nummer zwei plötzlich alles, um nicht wieder gegen die Nummer eins spielen zu müssen.

Nach Astana im Jahr 2001, als ich Kramnik in der letzten Runde besiegte um das Turnier zu gewinnen, bekam ich einen Telefonanruf eines Freundes, der ein großer Schachfreund ist. Er fragte: „Wann ist der Rückkampf? Ich will einen Wetteinsatz geben. Nun ist alles klar! Nach der Niederlage in London hast du drei Turniere hintereinander gewonnen und ihn jetzt auch noch geschlagen. Er muss dir jetzt eine Revanche geben.“

Haben Sie jüngst Kramnik angerufen, um ihn nach einem Rückkampf zu fragen?

Nicht direkt, aber über unsere Vertreter. In öffentlichen Interviews betonte er, dass er hierbei auf eine „faire Qualifikation“ Wert lege, was wirklich erstaunlich war, da diese Aussage von einem Mann kam, der jedes Qualifikationsmatch in seinem Leben verloren hatte und im Jahr 2000 doch spielen konnte. Abgesehen davon, dass es ein sehr schwaches Statement war, tat er alles dafür, dass es keine faire Qualifikation gab.

Das Turnier in Dortmund war kein Qualifikationsturnier. Weiter gab es keine Garantien für ein Finalmatch. Mir wurde eine Nachricht übersandt, in der man mich fragte, ob ich spielen wolle. Mein Manager schrieb zurück und fragte, wo die 2 Millionen Dollar für das Finalmatch seien, wie die Regeln aussähen, wenn ich gewinnen würde usw. Er bat um eine formale Einladung. Nichts passierte, keine offizielle Einladung. Damit stand ich völlig in der Luft, denn es hieß: „Möchtest Du in dem Turnier spielen, dass, wenn Du gewinnen solltest, Dich vielleicht dazu berechtigt, gegen Kramnik zu spielen, wenn der Kampf finanziert werden kann“. Wirklich sehr schön.

Sprechen Sie noch mit Kramnik?

Sicher, warum nicht? Aber ich sagte nach dem Match in London, dass es nun sein Lebensziel sei, niemals mehr gegen Garry Kasparov zu spielen. Er will als Spieler abtreten, der mich als einziger in einem Wettkampf bezwungen hat. Weitere Interessen hat er wohl nicht.

Wie sehen Sie Anand?

Er wird die Nummer eins auf der Liste sein nachdem ich mich zurückziehe. Nach ihm wird es ein viel jüngerer Spieler sein, der einmal der Nachfolger sein könntet. Es gibt diese Teenager, Karjakin, Carlsen, Nakamura. Die neue Generation wächst schneller heran. Anand ist 36 Jahre alt! Bei den Abschlussfeiern in Linares sagte ich zu ihm: “Ich bin raus, nun bist Du der Älteste! Du bist jetzt der Dinosaurier!“

Sie können zurückkommen, sie können wieder spielen. Michael Jordan feierte zweimal ein grandioses Comeback.

Anand fragte mich, ob ich sicher sei, dass ich nicht wieder in sechs Monaten zurückkehren würde. Ich sagte, dass ich mich nicht komplett zurückziehen werde. Ich werde die Spiele beobachten, mich der Analyse widmen, meine Datenbanken erneuern und meinen Verstand wach halten. Außerdem werde ich Bücher schreiben, so dass ich mit dem Computer arbeiten muss. Ich kann Schaukämpfe spielen oder Blitzschach, jedoch kein professionelles Turnierschach.

Ob ich mir vorstellen kann, in 6 oder 12 Monaten aufzuwachen und mir zu sagen: „Oh mein Gott, ich kann nicht ohne Schach leben!“ Ich denke nicht, aber ich weiß es nicht. Meine Entscheidung war ernst und es ist nicht ein Spiel. Ich werde nicht auf der Ersatzbank sitzen und warten, bis man mir Millionen von Dollars anbietet, damit ich wieder zurückkehre. Das ist nicht mein Plan. Meine Entscheidung war sehr gut überdacht und stellt Übergang in einen neuen Lebensabschnitt dar. Ich habe wirklich keine Pläne, wieder professionelles Turnierschach zu spielen, ehrlich.

Ich weiß nicht, wie sich Michael Jordan fühlt. Er wird es auch zu der passenden Zeit entschieden haben. Ich jedoch aber momentan andere Dinge zu tun. Meine Pläne sind umfangreich, ich denke nur an die Buchreihe „My Great Predecessors“ und „How Life Imitates Chess”, die russische Politik, meine Familie. All das wird meine Zeit verschlingen.

Außerdem habe ich die DVD-Reihe, an der ich arbeite [Zeigt uns die Box]. Sie beinhalten viel Unterricht und eine große Spielsammlung. Alle bedeutenden Spiele zum Thema und auch die Erklärung, warum sie bedeutend sind. Sie sind ein Wegweiser durch den Dschungel der Varianten, die nicht nur Durchschnittsspieler, sondern auch fortgeschrittene Spieler weiter bringen können. Die Anzahl der Varianten  erschlagen einen mittlerweile, es ist niederschmetternd. Aber man kann sich helfen, indem man sich die bedeutenden und wegweisenden Strukturen einprägt. Bei der Schachsoftware war dies schon erfolgreich und sie haben noch nicht angefangen, es in den Läden in Amerika zu verkaufen.

Ich habe bisher nicht daran gearbeitet, da ich weder Zeit noch über die entsprechende Technologie verfügte. Alle diese Faktoren kamen zusammen. Ich denke nicht, dass ich zu viele Geheimnisse verraten habe, aber meine Einstellung hat sich verändert. Ich arbeite an „My Great Predecessors“, ich gebe Unterreicht und denke mehr daran, meine Erfahrungen und mein Wissen zu teilen.

„How Life Imitates Chess“ îst ähnlich, jedoch für ein größeres Publikum auf einer breiteren Basis. Ich versuche meine Ideen zu teilen, um den Entscheidungsfindungsprozess zu analysieren, damit die Spieler ihre Stärken und Schwächen finden, so dass sie ihre eigene Erfolgsformel finden. Einer wird Intuition bevorzugen, ein anderer eher Fakten, um die Formeln zu verstehen und wie sie zusammenspielen.

Auch diese Dinger werden nicht ewig dauern. Sie sind erst 41 Jahre alt.

Ich weiß es nicht! Ich denke, ich fühle mich besser, wenn ich meine Ideen teile. Ich weiß nicht, ob ich helfen oder etwas bewirken kann, aber ich werde meinen Weg finden. Bücher schreiben, in der Politik Mitwirken. Das sind die ersten Schritte in meinem Wechsel. Aber ich werde dem Schach verbunden bleiben. Ich freue mich, dem Schach dienen zu können und in Schulen Schach zu fördern und dort Erfolge zu erzielen.

Was wird mit der “Kasparov Chess Foundation“ passieren?

Das ursprüngliche Ziel war, einen umfassenden Lehrplan für Kinder in der Schule zu entwickeln und das ist immer noch unser Hauptanliegen. Ich denke, dass es wichtig ist, den Schachlehrern ein System an die Hand zu geben, anhand dessen sie Schach unterrichten können. Also eine Art Hilfe für Lehrer zum Schachunterricht, die sich nicht auf das Erlernen der Regeln beschränkt, sondern den Kindern hilft, ihre Spielstärke zu verbessern. Die Qualität des Unterrichts ist dabei elementar.

Wie Schach letztlich vermittelt wird, ist aber nicht so wichtig. Wenn jemand ein System hat, prima. Wenn er auf unser System zurückgreift und es nutzt, auch gut. Wichtig ist nur, dass Schach überhaupt vermittelt wird. Unser Schulprojekt hat weiterhin die größte Priorität. Es gibt jedoch auch andere Bereiche, bei denen wir tätig sind, z.B. die Arbeit mit dem amerikanischen Frauenteam letztes Jahr. Wir wollen das zwar nicht fortsetzen, da wir in anderen Bereichen tätig sind, aber wir werden helfen, Sponsoren zu finden. Einer unserer neuer Sponsoren hatte die Angelegenheit finanziell unterstützt, aber letztlich kamen wir zu dem Schluss, dass unserer Organisation nicht dazu da ist den professionellen Schachsport und professionelle Teams zu unterstützen. Aber wie gesagt, wir werden helfen, Sponsoren zu finden. Außerdem haben wir eine reine Frauenmeisterschaft in Chicago ins Leben gerufen, die bald zum zweiten Mal ausgetragen wird.

Das Projekt, das wir dieses Jahr noch starten werden, ähnelt der Botvinnik/Kasparov Schule in der UDSSR. Wir wollen talentierten Kindern helfen, ihre Spielstärke zu verbessern. Momentan neigen wir dazu, es „Team 2010“ zu nennen. Derzeit gibt es viele talentierte Kinder in Amerika, die unsere Hilfe benötigen.

Wissen Sie etwas über Karpovs Aktivitäten in Lindsborg, Kansas?

Ich weiß nicht sehr viel darüber, aber es freut mich. Ich bin nicht hier, um mit ihm in der Form einen Wettkampf auszutragen. Wenn er sich für das Schachspiel einsetzt, ist es großartig.


COMPUTER, DIE GARRY-DATENBANK UND DEEP-„DU WEISST SCHON“

[Wir schauen uns die Melody Amber spiele und die Ergebnisse im Internet an. Später betrachtet Kasparow die Öffnung von Kramnik-Shirov in einem ChessBase file mit insgesamt 16,729 Variationen. Mehr zu der Garry-Datenbank hier]

Aha, Anand hat Topalov heute 2-0 geschlagen! Er ist wirklich gut drauf. Topalov hat sich wohl noch nicht von Linares erholt. Er hat all sein Glück in Linares verbraucht. Gegen Adams hat er 1,5 Punkte in zwei schon verlorenen Spielen errungen. Adams hat in Linares ordentlich gespielt, er war immer bei der Sache. Er schlug Anand mit Schwarz und war gegen Topalov mit Schwarz und Weiß am Gewinnen.

Wenn wir das Turnier noch einmal spielen würden, denke ich, ich würde erneut ein +4 Ergebnis erreichen, aber bei Topalov bin ich mir nicht sicher. Aber er hat es verdient, da er viel Energie hatte und bis zum letzten Bauen kämpfte und sein Glück suchte. Jetzt sehen wir, dass das Schach ihn in Monaco entschädigt.

Wenn man sich die Tendenzen im Schach heute ansieht, erkennt man viele Positionen, die immer wieder gespielt werden. Langsame Spanische Spiele, strategische Linien, bei denen die Computer keinen Unterschied erkennen können. Man muss sich schon sehr intensiv damit beschäftigen, wie ich es mit Najdorf tat, oder man muss sich selbst sicherere Linien suchen. Offensivere Linien werden mittlerweile nicht mehr oft gespielt, da die Spieler zu ängstlich geworden sind. Zu verdanken haben wir das den Computern und den Grenzen der menschlichen Erinnerungskraft. Niemand will schon in der Eröffnung mit etwas überrascht werden und nur deswegen verlieren, da sich sein Gegner in der Analyse besser auf seinen Gegner eingestellt hat. Damit haben die Computer eine große Auswirkung auf unsere Analyse, aber auch auf die psychologischen Denkweisen der Spieler.

Mehr zu Kasparov und Chessbase hier: http://www.chesscafe.com/mig/mig.htm

Wie wird sich ihr Spielstil in der Zukunft ändern? Was heißt es, kein professioneller Schachspieler mehr zu sein?

Professionelles Schach heißt, hart zu arbeiten, sein Repertoire immer zu aktualisieren und sich auf jedes Spiel vorzubereiten. Wenn Du ein Profispieler bist, spielst Du um zu gewinnen und darfst keinen Fehler machen. Blitzschach zur Unterhaltung erfordert nicht die gleiche Einarbeitung und Vorbereitung. Internet-Blitzschach verlangt dabei sogar nicht einmal das!

Änderte das Match gegen Deep Blue das Verständnis von Schach?

Es war ein trauriger Tag für den Schachsport. Wissenschaftlich ausgedrückt war das Match ein Betrug. IBM hat keine Beweise vorgelegt, dass dem nicht so ist, obwohl sie die Beweislast getroffen hat. Wenn ich sagen, dass durch menschliche Einwirkungen manipuliert wurde, so hätten sie dies mit den Rechenprotokollen widerlegen oder darstellen müssen, dass ich Unrecht habe. Man darf mich nicht falsch verstehen, ich will keinen Schadensersatz oder ähnliches, mir geht es nur um die Bereitstellung der Informationen. Ohne die vollständigen Rechenprotokolle aller Spiele können wir nicht auf einer wissenschaftlichen Basis hierüber reden.

Ob ich es beweisen kann? Nein. Was ich beweisen kann, ist, dass Deep Junior und Deep Fritz die Spiele besser analysieren. Ich habe nichts außer den sechs Spielen gegen Deep Blue. Aber ich kann diese Spiele von aktueller Software analysieren lassen.  Beispielsweise in Spiel Nr. 4 gegen Deep Blue zeigen mir die aktuellen Programme, dass ich in keiner Gefahr stehe, dass Spiel zu verlieren. Deep Junior zeigt sogar, dass ich am Gewinnen bin. Das ist ein Beispiel, das beweist, dass die heutigen Computer besser sind. Sie sind weiter entwickelt und bieten bessere Züge an. Deep Junior und Deep Fritz sind besser als Deep Blue in jedem Bereich mit der Ausnahme, bei der ich eine menschliche Manipulation vermute.

Letztlich bin ich nicht der Verlierer. Ich tat, was ich konnte und ich trete ab als glücklicher Mensch. Im Jahre 1997 gab es von den Medien kein Interesse einer Manipulation von IBM nachzugehen. Heute, nach Enron und Worldcom, ist die Sichtweise anders und würde wohl auch zu einer anderen Wiedergabe in den Medien führen. IBM hatte eine beeindruckte Werbemaschine am Start und viel Geld hierein investiert. Vielleicht bin ich paranoid, aber die Anschuldigungen gegen IBM zur Darlegung der Beweise sind nicht aus der Luft gegriffen. Wenn sie den besten menschlichen Spieler schlagen, okay, aber dann sollen sie die Beweise zeigen. Sie sollen den Rechenprozess, die Protokolle zeigen und auch noch ein paar Spiele spielen. IBM hat all diese Fragen nicht beantwortet. In der abschließenden Pressekonferenz hatten sie zugesagt, alle Beweise zu liefern, aber haben es nie getan.

Ich sagte, es ist eine Tragödie für das Schach, da das Spiel von der Vorstellung, dass ein Computer den besten menschlichen Spieler schlagen kann, stark geschädigt wurde. Ob es ein Computer oder doch ein Mensch war, weiß man nun nicht. Es steht Aussage gegen Aussage, was in der Wissenschaft auch keine Bedeutung hat. Sie hatten die Beweise zu liefern, nicht nur die Medienkampagne. Ich bin immer noch sehr verärgert darüber, da das Ansehen des Schachs hierunter stark gelitten hat. Niemand investierte mehr Geld in die Schachforschung. Drei oder vier Jahre später haben wir nur wenige gute Programme.

Die Ironie ist, dass die Spiele zwischen mir und den Computern und Kramnik gegen Deep Fritz echte Spiele waren. Man kann diese Programme von Beginn ihrer Geburt an verfolgen. Sie haben tausende von Spielen gegen andere Computer und hunderte gegen andere Menschen ausgetragen. Man kann die Veränderungen von Version 1 zu Version 9 verfolgen. Bei Deep Blue hat man diese Informationen nicht gehabt. Es ist so, als sei man vor Gericht und die Staatsanwaltschaft sagte, man sei zu dumm, um die Beweise zu verstehen. Ich fühle mich von IBM geschlagen, aber nicht von Deep Blue. Sie haben den Computer, das Programm, einfach alles auseinander genommen. Wenn man etwas Außergewöhnliches erschaffen hat, so präsentiert man es, man versteckt es nicht. Man bewirbt sich sogar für den Nobelpreis. Warum haben sie das nicht getan?

Haben Sie jemals mit Joel Benjamin darüber gesprochen?

Nein, warum? Ich denke, er hat bei verschiedenen Anlässen gelogen. Aber es geht nicht darum, über die Sache noch einmal zu sprechen, es geht um die Darlegung der Beweise. Zeigen Sie mir die Rechenprotokolle aller Spiele und sagen Sie mir nicht, ich würde diese nicht verstehen, oder diese seien zu kompliziert. Wir haben genug Wissenschaftler, um diese zu entziffern. Ich will nicht mehr darüber argumentieren.

Ich denke nicht, dass Computer heute besser als die besten menschlichen Spieler sind. Ich habe unentschieden gegen Deep Fritz und Deep Junior gespielt, insofern habe ich es nicht bewiesen, aber ich war sehr nahe dran. Ich denke wir sind fähig, die Computer zu schlagen. Aber wie ich oft sage, das Experiment ist, ob der beste menschliche Spieler die Maschine an seinem besten Tag schlagen kann. Darum geht's. Wir müssen nicht einen mehrtägigen Wettkampf austragen. Man kann nicht die beste Leistung jeden Tag garantieren. Unter diesen Bedingungen kann der Mensch gegen Maschine Wettkampf noch für eine lange Zeit ausgetragen werden. Der Tag, an dem das nicht mehr möglich ist, ist noch weit entfernt. Computerprogramme, die klar besser als Deep Blue sind, sind noch lange nicht besser als menschliche Spieler.

Wird irgend jemand anderes in ihre „schachlichen Fußstapfen“ treten?

Bewertungen und Bewertungssysteme und können sich ändern. Es geht darum, eine lange Zeit an der Spitze zu sein. Schach ändert sich schnell. Ich weiß nicht, ob irgend jemand es schaffen kann, für mehr als fünf Jahre an der Spitze zu sein. Das wäre schon eine riesige Leistung.

Wie ist Ihre physische Konditionen am Ende ihrer Schachkarriere?

Mein unterstes Gewicht in den letzten 20 Jahren war circa 82 Kilo und mein schwerstes ca. 87 Kilo. Jetzt bin ich in der Mitte, so dass es sich nicht wirklich verändert hat. Ich bin um die Schultern etwas dicker, da ich in den 90ern Krafttraining begonnen habe. Aber insgesamt hat sich in den letzten 10 Jahren nicht viel verändert.

Ich werde nun wieder zu meinen Trainingsgewohnheiten zurückkehren und mehr Zeit mit körperlichem Sport verbringen. Meine beste Zeit hatte ich 1999/2000, als ich 102 Liegestützen schaffte. Hiernach habe ich nicht mehr viel Zeit hierein verwendet. In den nächsten 6 Monaten werde ich jedoch wieder viel trainieren und mich stark verbessern, auch wenn ich den damaligen Level wohl nicht mehr erreichen werde.

Erkennen Sie einen Unterschied in der Art und Weise wie sie spielen mit Blick auf die letzten 20 Jahre?

Man kann nicht an der Spitze bleiben, wenn man sich nicht verändert. Man muss sich immer anpassen. Das ist ein ganz normaler Prozess. Wenn man hart an sich arbeitet, verändert man sich. Im Laufe der Zeit verändert man sich automatisch, da man mit immer mehr Sachen konfrontiert wird und mehr Verantwortung trägt. Man hat Kinder, kümmert sich um den Beruf, so dass man sich nicht auf eine Sache fixieren kann. Es gibt immer Dinge im Leben, die einen ablenken. 

Würde der Kasparow von heute den Kasparow von 1986 schlagen?

Schwer zu sagen! Ich würde sagen, mein bestes Jahr war 1999/2000. „Kasparow 1999“ war wahrscheinlich der beste Spieler, der ich jemals war. Im Jahre 1999 spielte ich auf dem höchsten Niveau, auf dem je spielte. Es ist nicht frustrierend, dass dies hinter mir liegt, dass ich nun nicht mehr der Beste bin, da ich nicht mehr im Schachsport bin. Ich bin nicht naiv, aber ich weiß, es gibt eine geringe Chance, dass ich alles im Leben auf dem Level erreichen kann, auf dem ich mich im Schach bewegte.

DIE ANDREN, FRÜHER UND HEUTE

Kasimdzhanov spielte letztes Jahr hervorragend in Libyen, aber schien in Linares deklassiert. Warum kann ein Spieler wie Bologan, der auf der gleichen Spielstärke wie Kasimdzhanov steht, plötzlich Dortmund vor Leko, Kramnik, und Anand gewinnen?

Ich weiß es nicht, aber es ist interessant, dass Bologan vor dem Turnier in Dortmund zwei Monate mit mir analysierte und Blitzschach als Teil meiner Vorbereitung gegen das Match gegen Ponomariov spielte. Vielleicht hat das etwas mit seinem Selbstvertrauen in Dortmund zu tun. Ich rief ihn an, fragte ihn, ob es Ihnen recht sei, da er vorher mit Ponomariov gearbeitet hatte. Ich sagte ihm, er solle Ponomariov vorher anrufen und ihn informieren. Das war vor dem angesetzten Match in Argentinien im Frühjahr 2003. Seinen Leistungen in Dortmund kann es nicht geschadet haben.

Aber Bologan ist ein soliderer Spieler als Kasimdzhanov. Er hat eine bessere Basis und sehr gute Lehrer wie Chebanenko, später dann Lanka und Dvoretsky. Ich habe eine Einleitung zu Bologans Buch geschrieben, was bald erscheinen wird. Es ist ein tolles, sehr beeindruckendes Buch, da Bologan ein fleissiger Spieler ist. Er mag es, Spiele zu analysieren. Viele Spieler analysieren und arbeiten heutzutage nicht gerne an ihrem Schach. Bologan will der Sache auf den Grund gehen und hat viele positive Eigenschaften.

Warum wurde ein Spieler wie er nicht ein Top 10 Spieler?

Viele Spieler haben großes Talent, aber wenn irgendetwas fehlt, erreichen sie nicht ihr Ziel. Vielleicht sind es fehlendes Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen oder andere Charaktereigenschaften, die den Unterschied machen. Es sind immer irgendwelche Unvollkommenheiten, die Spieler am Vorankommen hindern. Aber diese Spieler sind manchmal für eine tolle Show wichtig. Schauen Sie sich Kasimdzhanov an, er gewann nicht zufällig in Libyen. Er konnte gegen Ivanchuk, Topalov, Grischuk, und Adams bestehen, unfassbar. Bologan ist anders, vielleicht weil er die Stärken der Topspieler kennt. Er hat viel mit Kramnik und mir gearbeitet.

Wird es jemals wieder einen „vollkommenen“ Spieler geben, wie sie damals im System der UDSSR produziert wurden?

Alle Zutaten hierfür existieren immer noch und können leicht wieder rekonstruiert werden. Schauen Sie sich den Erfolg des amerikanischen Frauenteams im letzten Jahr an. Michael Khodarkovsky hat die Bedingungen des damaligen UDSSR Trainings rekonstruiert. Er hat ein sowjetisches System erschaffen und schauen Sie, mit wem das Team gearbeitet hat: Kaidanov, Gulko, Novikov, Stripunsky, Chernin... wenn das Geld hierzu verfügbar ist, können die Bedingungen wiederhergestellt werden. Wenn das Geld für Carlsen vorhanden ist, kann es passieren.

Haben wir das beste Schach gesehen, was wir jemals sehen werden? Vergessen Sie Vertagungen, die künstlich die Qualität der Endspiele erhöhen. Bedeutet ein schnelleres Spiel mit weniger Gewicht auf die Qualität ein Abstieg von dem Punkt, an dem wir gerade sind?

Ich bin wahrscheinlich befangen, aber ich denke, wir haben das beste Schach bereits gesehen. Die Zeitkontrolle und die Betonung auf den sportlichen Wettkampf wirken sich negativ auf die Qualität des Spiels aus. Das sportliche Element dominiert das wissenschaftliche und künstlerische Element des Schachspiels. Ich denke, wir haben das beste Schach in den 80er und 90er Jahren gesehen.

In Abschnitten beurteilt denke ich, dass meine Wettkämpfe mit Karpov die beste Qualität, oder nicht Qualität, sondern die größten Auswirkungen auf das Schachspiel hatten. Hinsichtlich der Qualität kann man streiten, aber es waren faszinierende Spiele, die wir beide spielten. Die Wettkämpfe haben das Schachspiel vorangebracht. Die Kasparov-Karpov Matches, und das werde ich in „My Great Predecessors Volume VI“ darstellen, waren die Grundsteine des modernen Schachspiels. Alle jetzigen Spieler sind mit diesen Spielen groß geworden, so dass damit der Rahmen für das moderne Schach geschaffen wurde.

Das Wort „karkas“ in Russland bedeutet einen guten Witz hierüber. Es bedeutet die interne Struktur eines Gebäudes, also das Gerüst. Roshal sagte, dass Karpov und Kasparow die “karkas” des russischen Teams seien: „Kar-pov” and “Kas-parov”, “Kar-Kas”. Ich denke diese Wettkämpfe waren die “karkas” des modernen Schachspiels. Es brachte das Schachspiel zu einer neuen Stufe in vielerlei Hinsicht.

Heutzutage können die Rahmenbedingungen für das Training rekonstruiert werden. Es gibt viele Spieler und Trainer von dieser damaligen Stufe, die immer noch aktiv sind. Ein Projekt der Kasparow Chess Foundation ist es, mit jungen amerikanischen Spielern in dieser Art und Weise zu arbeiten. Wenn wir die finanziellen Möglichkeiten dazu haben, können wir hier alles neu beginnen, eine neue Botvinnik/Kasparov Schule! Das Talent ist da und die Computer können uns helfen. Aber wir brauchen Unterstützung an dem Projekt.

Leider hat man in den USA keine wirkliche Karrieremöglichkeit als professioneller Schachspieler. Man muss zur Schule gehen und einen Beruf ausüben, außer man ist so gut, dass man seinen Lebensunterhalt damit verdienen kann.

Mann muss jenseits von Nakamura blicken, es ist eine neue Ära. Ich will meine älteren Kollegen nicht verunsichern, aber ich denke, die Zukunft des Schachs wird mit den Teenagern kommen. Nakamura, Carlsen, Karjakin. Es geht nicht nur darum die Politik oder die FIDE zu ändern. Die Philosophie der Schachelite wird sich verändern, da sie bisher zu lange von den sowjetischen Spielern beherrscht wurde, die von der Einstellung „Oh, wir sind professionelle Spieler, aber eigentlich auch nicht. Wir bewegen nur die Figuren und kümmern uns nicht um unsere Verpflichtungen“ geprägt war. Es gab einfach keine Solidarität oder eine geteilte Verantwortlichkeit für das Spiel.


Kasparov und
Dylan Loeb McClain (NY Times)

Ich bin jetzt in einer guten Position. Ich wurde kritisiert, weil ich ein Aktivist war. Jetzt kann ich die anderen kritisieren, da ich nicht mehr dazugehöre. Es gibt eine generelle Antipathie seitens der Topspieler des Schachspiels. Alle waren sehr beschäftigt mich zu beobachten, sich dafür zu interessieren, was ich mache, so das sie eine innere Blockade aufgebaut haben. Jetzt der Weg frei, so dass wir sehen werden, was passiert. Do it yourself! Es wurde so viel geredet, jetzt werden wir sehen, welche Taten folgen.

Schauen Sie sich die ACP an, was haben Sie getan? Bei der PCA stand das Geld im Vordergrund, wobei der Erfolg in jeder Hinsicht gegeben war, bis von allen Seiten die Sache zerstört wurde. Jetzt haben sie die ACP Tour ohne einen entsprechenden Rahmen, ohne alles. Ich glaube daran, dass wir durchschlagende Veränderungen brauchen, junge Spieler, neue Gesichter mit neuen Einstellungen, Spieler, die durch und durch Profi sind.

Nimm die drei Namen: Nakamura, Carlsen, Karjakin. Ich hoffe, diese drei können eine neue Ära einleiten. Sie haben Energie und Leidenschaft, und sie kommen von allen Teilen der Schachwelt.

Sie haben vorhin erwähnt, dass sie eventuell ein Training mit Carlsen vorbereiten.

Ja, wir werden eventuell mit ihm arbeiten. Dies ist Teil der Kasparow Schach Akademie, die wir hier und in Russland haben. Ich bin froh, meine Erfahrungen und meine Arbeitskraft hier zu investieren, da ich das Schach vorantreiben will. Ich bin bereit, eine Menge Menschen hier und in Russland zu mobilisieren, wenn wir die Unterstützung bekommen. Wenn die Norweger Carlsen unterstützen, wäre ich froh, mit ihm arbeiten zu können. Wir haben eine große Erfahrung und eine gute Datenbank. Ich will all dies in die Zukunft des Schachs einbringen.

Wir brauchen einen kombinierten Wechsel auf der Spieler- und auf der Organisatorenseite. Die FIDE ist in ihrer aktuellen Form definitiv nicht in der Lage, die derzeitigen Probleme zu beseitigen. Leider haben die führenden Spieler sich selten für das Schachspiel eingesetzt. Wir brauchen Personen mit anderen Einstellungen in der FIDE und eine andere Art der professionellen Organisation als sie jetzt besteht, nicht nur eine Gruppe von Kramniks Freunden. Wir brauchen auch ein paar neue Gesichter, wie die drei, die wir bereits diskutiert haben. Ich sehe es als meinen Job an, dies weiter zu fördern und sicherzustellen, dass das Interesse am Schach nicht verschwindet.


 

Interview: Mig Greengard und Dylan Loeb McClain (NY Times)
Fotos: Mig Greengard, Einige Fotos von Polina Kasparova and Dasha Tarasova
Herzlichen Dank an Übersetzung an Wolfgang Malk für die Übersetzung ins Deutsche

 

Wolfgang Malk
31 Jahre
Beruf: Rechtsanwalt
Hobbies: Mountainbike, Schach, Internet
Gelegenheitsspieler im Schach

 

 


 

 



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