Kasparov veröffentlicht Presseerklärung

07.01.2003 – Gary Kasparov reagierte heute auf die Klage der First International Bank of Israel und ließ durch seinen Anwalt eine Presseerklärung veröffentlichen. In dieser werden Details zum Hintergrund der Klage beschrieben. Demnach ist sie anscheinend der Höhepunkt eines Streits zwischen Kasparov und den israelischen Gesellschaftern des gemeinsamen Unternehmens Kasparov Chess Online (KCO). Eine besondere Brisanz erhält dadurch der in Kürze beginnende Wettkampf gegen Deep Junior. Shay Bushinsky, einer der Direktoren von KCO ist gleichzeitig Mitentwickler des Programms. Mehr...

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Kasparov gegen FIBI und Deep Junior

Einen Tag vor Weihnachten reichte die First International Bank of Israel (FIBI) am Gericht von Delaware Klage gegen den Mehrheitseigner von Kasparov Chess Online, Gary Kasparov, ein. Kurz zuvor hatte Kasparov die Webseite kasparov.com vom Netz nehmen lassen und beabsichtigte offenbar, eine Seite gleichen Namens von Moskau aus ins Internet zu stellen. In der Argumentation der Bank hat Kasparov dadurch dem Unternehmen KCO die Geschäftsgrundlage entzogen. Ein Bankkredit von 1,6 Mio. Dollar, für den Kasparov seine Anteile an KCO verpfändet hatte, sei dadurch geplatzt. Die FIBI wollte durch das Gericht die Schuld feststellen lassen und die Rechte am Namen Kasparov einklagen. In einer Presserklärung von Kasparovs Anwalt werden Details zum Hintergrund der Klage offen gelegt.

Im Jahr 1999 hatten Kasparov und israelische Investoren das Start-Up-Unternehmen Kasparov Chess Online gegründet. Das vordergründige Ziel war die Entwicklung einer Spiel-Plattform und die Breitstellung von verschiedenen Schach-Internetdiensten. Mittelfristig war jedoch der Gang an die Börse geplant, um wie andere Webfirmen auch durch Aktienverkäufe Geld zu verdienen. Das Unternehmen agierte von drei Firmsitzen aus, Moskau, New York und Tel Aviv. Die technische Realisierung wurde in Tel Aviv durchgeführt. Geplant war, innerhalb von kürzester Zeit die größte Schachseite der Welt hoch zu ziehen. Zu diesem Zweck wurde ein gewaltiger Aufwand betrieben.



Das Unternehmen startete mit 120 Mitarbeitern und verbrauchte in weniger als drei Jahren 13 Mio. Dollar. Der Plan, durch Gang an die Börse Geld zu verdienen, platzte zusammen mit der Internetblase des Neue Marktes. Für den kleinen Schachmarkt war das Untenehmen völlig überdimensioniert. Anfang 2002 musste KCO sein Scheitern eingestehen und fast alle Mitarbeiter entlassen. Auf kleinem Level konnte die Seite mit deutlich reduziertem Dienstleistungsumfang weiter betrieben werden. Ende 2002 wurde kasparov.com offenbar auf Betreiben von Kasparov abgeschaltet. Anscheinend beabsichtigte der Ex-Weltmeister aus die Realisierung einer neuen Seite gleichen Namens.

In der Zwischenzeit hatten sich die israelischen Partner und Kasparov bereits zerstritten. In der Presseerklärung von Kasparovs Anwalt beschuldigt Kasparov seine früheren Geschäftsfreunde, ihre Beziehungen zur FIBI genutzt zu haben, damit diese die Klage gegen Kasparov einreiche.
 

Mitte letzten Jahres wurde ein Wettkampf zwischen Gary Kasparov und dem israelischen Computerschach-Weltmeister Deep Junior vereinbart. Ursprünglich sollte das Match noch vor dem Wettkampf zwischen Kramnik und Deep Fritz beginnen, musste aber mehrfach verschoben werden. Auch der ursprüngliche Veranstaltungsort Jerusalem wurde inzwischen durch New York ersetzt. Als Entschädigung sollte Jerusalem einen kleinen Aufwärm-Wettkampf über zwei Partien erhalten. Diesen hat Kasparov inzwischen wegen der Klage der FIBI abgesagt. Der nun am 29. Januar beginnende Wettkampf  zwischen Kasparov und Deep Junior hat durch den Streit der früheren Partner besondere Brisanz erhalten.

André Schulz/7.1.2003

Presseerklärung von Kasparovs Anwalt zur Klage der FIBI ...


 


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