Kein Remis in Down Under

26.04.2011 – Im australischen Schachleben ist der Doeberl-Cup eine Institution. Ins Leben gerufen hat ihn der australische Architekt Erich Doeberl, Namensgeber und lange Zeit Hauptsponsor des Turniers. Sieger des ersten Doeberl-Cups 1963 war John Purdy, Sohn von C.J.S. Purdy, dem ersten Fernschachweltmeister der Schachgeschichte und seines Zeichens Schachautor und australische Schachlegende. Beim zweiten Doeberl-Cup folgte er dem guten Beispiel seines Sohns und gewann das Turnier. C.J.S. Purdys Schachleidenschaft und Kampfgeist sind legendär und auch heute noch sieht man beim Doeberl-Cup schnelle Remispartien gar nicht gern. GM Andrey Deviatkin nahm sich das zu Herzen und wurde für seinen Mut belohnt. Wie und warum das so war, weiß Dejan Bojkov.Turnierseite...Bericht und Fotos...

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Deviatkin in Canberra erfolgreich
Text und Fotos: Dejan Bojkov

Der diesjährige Doeberl-Cup schien ein bisschen schwächer besetzt zu sein als letztes Jahr. Das indische Kontingent, das sonst immer dabei ist, fehlte. Allerdings waren vier Großmeister angereist, um an dem Turnier teilzunehmen, und dazu noch die Hälfte der insgesamt vier australischen Großmeister, nämlich Smerdon und Johansen. Der dritte australische Großmeister, Zhao, tritt dann beim bevorstehenden Sydney International Open an, und der vierte australische Großmeister, kein Geringerer als Ian Rogers, glänzte das ganze Turnier hindurch als Kommentator.


GM Rogers kommentiert die laufenden Partien. Übrigens hat kein anderer Spieler den Doeberl-Cup so oft gewonnen wie Rogers. Zwölf Mal war er alleiniger oder geteilter Sieger.


Unterstützt wird Rogers bei der Analyse von einem jungen Mann, der berichtet, was die Engines so vorschlagen.


Rogers' Publikum.

Wegen beruflicher Verpflichtungen begann GM Smerdon das Turnier mit einem kampflosen Remis, genau wie Arianne Caoili, Australiens Nummer Eins bei den Frauen, die dann auch gleich in Runde zwei kampflos Remis machte.


Arianne Caoili

In Canberra sind kampflose Remis in den ersten Runden erlaubt. Das Turnier fand erneut im Hellenic Club statt und die Titelträger starteten gut ins Rennen. Bei zwei Runden pro Tag war der Turnieräquator schnell überquert und nach sechs Runden lag Andrey Deviatkin mit 5,5 Punkten allein an der Spitze. Langsamer ging es in Runde sieben zu, was vor allem an Daryl Johanson lag, der sich alle Mühe gab, um gegen den jungen Mountlyn Ly zu gewinnen. Die Partie dauerte mehr als 150 Züge, und dann gelang es Johansen schließlich, das schwer zu verteidigende Endspiel Turm und Läufer gegen Turm in einen Gewinn zu verwandeln. Da die Partie so lange gedauert hatte, begann die achte Runde eine halbe Stunde später. Allerdings kam diese Seeschlange beide Spieler teuer zu stehen, denn beide verloren in der darauf folgenden Runde.

Das ganze Turnier hindurch gab es bemerkenswert lange, ausgekämpfte Partien. Das liegt unter anderem an den Sonderpreisen, die beim Doeberl Cup vergeben werden, und die man nur bekommt, wenn man während des ganzen Turniers keine Partie vor dem dreißigsten Zug Remis gemacht hat - und nicht weniger Punkte hat als der Spieler, der in der letzten Runde an Brett Vier sitzt.

Die Lage vor der Schlussrunde versprach Spannung. Zwei Spieler mit je 6,5 Punkten mussten mit Weiß gegen zwei GMs mit je 6 Punkten antreten.

An Brett drei gelang es dem an Eins gesetzten Sune Berg Hansen, der vor der Schlussrunde ebenfalls 6 Punkte hatte, Lokalmatador Eugene Schon zu besiegen.


Sune Berg Hansen wurde am Ende Dritter. Charles Bishop überreicht den Pokal.

Ich spielte an Brett zwei gegen David Smerdon und misshandelte die Eröffnung kolossal. Die Gefahr, ein Lehrbuchspiel dafür zu liefern, wie man in der Eröffnung nicht spielt, war durchaus vorhanden, aber der Australier war ebenfalls nervös und bot mir nach einer Reihe von Ungenauigkeiten Remis an, das ich dankbar annahm. Da stand ich allerdings schon deutlich besser.


David Smerdon

Den Mutigen gehört das Glück. Und so hatte unterdessen Andrei Deviatkin den Mut bewiesen, ein ähnliches Remis gegen den georgischen GM David Arutinian abzulehnen. Dann gewann Deviatkin erst einen Bauern, dann einen zweiten und verwandelte das Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern schließlich zum Sieg. Damit setzte sich der Russe mit 7,5 aus 9 allein an die Spitze des Feldes, wobei ihm dieser Sieg zugleich einen Anteil am mit 1.000 Dollar dotierten Preisfonds für besonderen Kampfgeist sicherte.


Andrey Deviatkin

Die beiden anderen Spieler, die sich einen Teil dieses Preises holten, waren Max Illingworth und Akshat Khamparia. Beide erzielten eine 2450+-Performance, aber da die technischen Voraussetzungen nicht erfüllt waren, holten sie damit keine IM-Norm.

Während wir uns um den Preisfonds kümmerten, amüsierten sich die Australier in der Lobby mit einem Spiel namens "Two Up". Dieses recht einfache Wettspiel haben die australischen Soldaten während des Ersten und Zweiten Weltkriegs gerne gespielt und es ist fester Bestandteil australischer Erinnerungskultur.


Beim Two Up

In Anspielung auf den Beatles-Film und Song "A Hard Days Night" lautete einer der Slogans auf den Doeberl Cup T-Shirts dieses Jahr "It's been a hard day's knight". Doch auch ein anderer Slogan sorgte für Aufmerksamkeit: Er lautete "Lost your bishop? Better start praying now…" (Wortspiel mit der doppelten Bedeutung von "Bishop", was sowohl Läufer als auch Bischof bedeuten kann. Also: "Den Läufer verloren? Fang besser an zu beten…".) Das stand auf dem T-Shirt eines zwei Meter großen Hünen namens Charles Bishop, dem Organisator des Turniers. Tatsächlich wäre es nicht gut für den Doeberl Cup, wenn dieser Bishop verloren ginge, denn er übernimmt eine Fülle organisatorischer Aufgaben. Seine Frau Laura ist ebenfalls an der Organisation des Turniers beteiligt und seine Kinder spielten mit. Charles stand uns auch bei unseren Ausflügen in das australische zur Seite, er zeigte uns frei laufende Kängurus und lud uns zu einem phantastischen Essen ein. In den Jahren zuvor hat er die Gastspieler sogar eigenhändig mit einem Bus von Canberra nach Sydney (etwa 250 Kilometer) gebracht, damit sie im zweiten Turnier spielen konnten. Nächstes Jahr feiert der Doeberl-Cup 50-jähriges Jubiläum. Wir freuen uns schon darauf.


Emma Guo


Bobby Cheng


In Canberra gingen Spieler aller Altersklassen an den Start.






Der australische IM Stephen Solomon

Impressionen






Gut getarnte Känguruhs


Noch einmal Känguruhs








Der berühmte australische Gummibaum

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