Kein rundes Dutzend

02.08.2009 – Elf Mal hat Weltmeister Vishy Anand die Chess Classic bereits gewonnen, doch für das runde Dutzend fehlte ihm das Glück. Am Freitag hatte er bei der GRENKELEASING Rapid Weltmeisterschaft in Mainz nur 1 Punkt aus 3 Partien geholt und auch am zweiten Tag lief es nicht viel besser. Anand kämpfte hart darum, sich doch noch für das Finale zu qualifizieren, aber seinem Spiel fehlte die gewohnte Leichtigkeit. Nach dramatischen Partien verpasste der Weltmeister den Einzug ins Finale der Schnellschachweltmeisterschaft und wird am Sonntag gegen Arkadi Naiditsch um Platz drei spielen, während Levon Aronian und Ian Nepomniachtchi um den Sieg kämpfen. Harry Schaack berichtet aus Mainz.Turnierseite...Zum Bericht...

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Vishy Anand verpasst erstmals das Finale in Mainz
Text: Harry Schaack, Fotos: Carsten Straub

Schafft er es, oder schafft er es nicht? Das war die Frage, die die Gemüter in der vollbesetzten Rheingoldhalle bewegte. Weltmeister Anand hatte eine denkbar schlechte Ausgangsposition. Nach zwei Auftaktniederlagen konnte er gestern nur gegen Naiditsch gewinnen. Seine Kontrahenten Aronian und der überraschend starke Nepomniachtchi brachten es dagegen auf 2,5 Zähler. Einen Rückstand von 1,5 Punkte in drei Partien aufzuholen, ist selbst für den weltbesten Schnellschachspieler eine große Aufgabe.


Weltmeister Vishy Anand - dieses Jahr in Mainz nicht in Top-Form

Der zweite Tag begann mit einem verhaltenen Auftakt des Inders. Gegen Aronian geriet er in die Defensive, konnte jedoch mühsam eine schlechtere Stellung zum Remis verteidigte. Mit einem Figurenopfer beseitigte er im Endspiel alle verbliebenen Bauern, sodass schließlich mit Turm gegen Turm + Springer ein theoretisches Remis entstand.

Am Nebenbrett rehabilitierte sich die deutsche Nr. 1 für seine schlechte Vorstellung am Vortag. Naiditsch sagte in der Pressekonferenz, er sei nach seinen drei Niederlagen sehr enttäuscht gewesen. Er war eigentlich in sehr guter Form nach Mainz gekommen, konnte er doch vor einer Woche noch ein starkes Schnellschachturnier für sich entscheiden. Am Nachmittag hatte er sich im ORDIX Open warmgespielt, wo er im Moment mir 5/5 Punkten führt. Zum Auftakt gegen Nepomniachtchi, gegen den er schon in der Hinrunde eine vielversprechende Stellung hatte, verlängerte er seine Siegesserie überzeugend.


Nepomniachtchi (links) gegen Arkadi Naiditsch

Runde 2 hatte schon vorentscheidenden Charakter. Anand musste gegen seinen direkten Kontrahenten gewinnen, wollte er noch eine Chance aufs Finale haben. Mit einer selten gespielten Variante im Caro-Kann versuchte Anand seinen jungen Gegner zu überraschen. Und tatsächlich erhielt er eine gewisse Initiative. Im taktischen Damenendspiel materialisierte sich sein Vorteil. Doch der trickreiche Nepomniachtchi opferte noch zwei weitere Bauern und erreichte in einem hoffnungslos aussehenden Damenendspiel durch Dauerschach Remis. Dadurch hatte der Russe 3 Zähler, Anand fand sich dagegen mit zwei Punkten in einer aussichtslosen Situation.

Naiditsch baute sich gegen die "krumme" Spanischvariante Aronians sehr gut auf und erreichte schnell Vorteil. In gedrängter Stellung gelang es jedoch Aronian, seine Figuren zu entknoten und einen gefährlichen Gegenangriff zu initiieren. Plötzlich entstanden große Komplikationen und Naiditsch verlor mehr und mehr die Kontrolle über die Stellung. Am Ende lief er in unklarer Stellung in eine Springergabel. Damit war Aronian vorzeitig fürs Finale qualifiziert.


Trifft im Finale auf Ian Nepomniachtchi: Levon Aronian

In der dritten Runde reichte den beiden Führenden Aronian und Nepomniachtchi im direkten Aufeinandertreffen ein Remis, um den indischen Seriensieger auszubooten. Anand war ironischer Weise auf die Hilfe Aronians angewiesen. Der Armenier zeigte wahren Sportsgeist und machte mit Weiß keineswegs ein Kurzremis. Aronian drückte, verrechnete sich aber an einer Stelle und musste schließlich im Turmendspiel mit einem Remis sehr zufrieden sein. Die bedeutungslos gewordene Partie zwischen Anand und Naiditsch endete ebenfalls Unentschieden. Vishy hatte zwar einen kleinen Vorteil, der sich allerdings bald verflüchtigte. Außerdem stand Anand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.


Die Überraschung des Turniers: Ian Nepomniachtchi

Für den 11-maligen Sieger Vishy Anand ist es eines der schlechtesten Resultate, die er je in einem Schnellschachturnier erzielt hat. Die niedergeschlagene Stimmung während der Pressekonferenz brachte die Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass eine Ära zu Ende gegangen ist. Anand zeigte sich als fairer Verlierer. "Ich denke, die beiden Finalisten haben es verdient. So ist das Leben. Wenn Du schlecht spielst, wirst Du bestraft." Morgen wird er um Platz 3 gegen Arkadi Naiditsch spielen. Aber alle hoffen, dass der Mann, der mit den Chess Classic so eng verbunden ist, wie niemand sonst, im nächsten Jahr zurückkehrt, um sich seinen Titel zurückzuholen.

Tabelle:






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