Kein WM-Match in Österreich im nächsten Jahr?

von André Schulz
28.03.2019 – Der Österreichische Schachbund hätte gerne zu seinem 100sten Geburtstag die Weltmeisterschaft 2020 ausgerichtet. Ohne Worldchess als Partner ist das Finanzierungsrisiko aber vermutlich zu hoch. FIDE-Gneralsekretär Emil Sutovsky besuchte Wien und sprach mit ÖSB-Präsident Christain Hursky. | Foto: Chess.at

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Am 12. Dezember 1920 wurde im Wiener Hotel Palace der Österreichische Schachbund gegründet. Josef Emil Krejcik war der erste Präsident. 2020 feierte der Österreichische Schachbund demnach seinen 100sten Geburtstag und hätte anlässlich diese Jubiläums sehr gerne den Wettkampf um die Weltmeisterschaft ausgerichtet. Gespräche mit Agon hatte es darüber schon beim Kandidatenturnier 2018 in Berlin gegeben. Mit Hilfe der Österreichischen Regierung und der Unterstützung von Sponsoren sah sich der Österreichische Verband in der Lage, für einen Preisfonds von zwei Mio. Euro zu sorgen. Die organisatorischen Kosten von weiteren drei Mio. Euro sollten von AGON/Worldchess und seinen Sponsoren beschafft werden.

Nach der Wahl von Arkady Dvorkovich und mit dem neuen FIDE-Präsidium wurden die Karten neu gemischt. In Verhandlungen mit Worldchess, das die letzten drei Kandidatenturniere (London, Moskau, Berlin) und die letzten drei Weltmeisterschaften (Sotschi, New York, London) organisiert hatte, legte die FIDE die Aufgabenverteilung neu fest. Worldchess ist weiter für die Grand Prix-Turniere verantwortlich. Die FIDE übernimmt mehr Verantwortung bei den Kandidatenturnieren und den Weltmeisterschaftskämpfen.

Mit der neuen Vereinbarung zwischen FIDE und Worldchess war aber auch das Finanzierungskonzept des Österreichischen Schachbundes hinfällig, da Worldchess als Organisationspartner nun nicht mehr zur Verfügung stand. Alleine, ohne Worldchess, sieht der Österreichische Schachbund das Finanzierungsrisiko als zu groß an und wird sehr wahrscheinlich auf eine offizielle Bewerbung verzichten. Stattdessen wird Österreich eher das Jahr 2022 als Gastgeber für eine Weltmeisterschaft ins Auge fassen. Im nächsten Jahr möchte man aber eine andere FIDE-Weltmeisterschaft ausrichten, am liebsten die Blitzschach-und Schnellschach-WM.

FIDE Generalsekretär Emil Sutovsky war in Wien zu Besuch, um mit ÖSB-Präsident Christian Hursky über die Einzelheiten einer möglichen Kooperation zu sprechen. Ein Besuch in Michael Ehns Schachladen durfte da keinesfalls fehlen.

Der Österreichische Schachbund vermeldete diese Woche auf seiner Webseite:

"Emil Sutovsky, ehemaliger Europameister und neuer "General Director" der FIDE, hat in den vergangenen Tagen Wien besucht um Gespräche mit dem Österreichischen Schachbund über die Möglichkeiten der Austragung einer Schach-Weltmeisterschaft in Wien zu besprechen. Die FIDE hat sich vom bisherigen Veranstalter World Chess getrennt und wird die Vergabe der WM 2020 demnächst ausschreiben. Bisherige Bemühungen mit World Chess seitens des ÖSB sind daher hinfällig. Neu ist, dass potentielle Bewerber nun anstelle von World Chess als Veranstalter auftreten und damit auch das finanzielle Risiko tragen. Dies macht eine Bewerbung des ÖSB für 2020 laut Präsident Hursky nahezu unmöglich. Er wird in diesem Fall bei der Suche nach Sponsoren von Gerald Steger beraten, der als Experte bei den Gesprächen ebenso anwesend war wie PR-Berater Hannes Neumayer, Vizepräsident Johann Pöcksteiner und Generalsekretär Walter Kastner. Der ÖSB wird seine Ambitionen auf die Ausrichtung eines WM-Matches eher auf 2022 verlegen, vielleicht bietet sich davor im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2020 und als Testlauf für eine Match-Bewerbung eine Gelegenheit zur Ausrichtung einer anderen FIDE-WM. Die möglichen Spielorte und die Geschichte des Schachs in Wien hat Sutovsky jedenfalls positiv aufgenommen. Als kleine Erinnerung an den Wien Aufenthalt bekam Sutovsky ein handsigniertes Exemplar von Michael Ehns "Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus" mit auf den Weg nach Tel Aviv."

Als potenzielle und aussichtsreiche Bewerber für die Weltmeisterschaft 2020 werden nun Stavanger und Saint Louis gehandelt. 

Österreichische Schachbund...

 

 



Themen: Schachpolitik

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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