Keine Altersmilde: Viktor Kortschnoi

20.02.2015 – Viktor Kortschnoi spielt noch Schach, aber seit einem Schlaganfall vor drei Jahren ist er an den Rollstuhl gefesselt und hat Schwierigkeiten mit dem Sprechen. Doch mit Unterstützung von Genna Sosonko konnte Evgeny Surov nach dem Wettkampf mit Wolfgang Uhlmann ein Interview mit Kortschnoi führen. Wie immer nahm der Altmeister kein Blatt vor den Mund. Mehr...

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Ein Interview mit Evgeny Surov (Chess-News.Ru)

Großmeister, Übersetzer und Freund Genna Sosonko hilft beim Interview mit Viktor Kortschnoi

Dieses Interview fand kurz nach Ende des Wettkampfs zwischen Viktor Kortschnoi und Wolfgang Uhlmann statt. Kortschnoi wollte bald nach Wohlen zurück, was ungefähr eine Autostunde von Zürich entfernt liegt, und wo Kortschnoi wohnt. 'Springer c2 nach a1...' waren die Worte, mit denen Viktor Lvovich unsere Unterhaltung begann. Er stand noch immer unter dem Eindruck der Partien.

E. Surov: Wie sehen Sie den Wettkampf aus schachlicher Sicht?

V. Kortschnoi: Der Wettkampf war sehr schwach. In der ersten Partie hat er nur auf Remis gespielt und einfach alles abgetauscht. Die zweite Partie war schrecklich, obwohl ich gewonnen habe: er spielte Königsindisch, hatte aber keine Ahnung, was er machte. Mit der dritten Partie war ich zufrieden, obwohl es scheint, als ob er am Ende gewisse Remischancen hatte. Zuvor hat er Kompensation für den Bauern gehabt.


E. Surov: Wie haben Sie sich auf den Wettkampf vorbereitet?

V. Kortschnoi: Schlecht.

G. Sosonko: Warum schlecht? Du hast die zweite Partie in der Eöffnung gewonnen, oder?

V. Kortschnoi: Weil er von Eröffnungen nichts versteht!

Wolfgang Uhlmann

G. Sosonko: Was ist mit 6...Se7 in der dritten Partie? Die überwältigende Mehrheit der Leute spielt in dieser Stellung 6...Sb6.

V. Kortschnoi: Irgendwann hat einmal ein Amerikaner 6...Se7 gegen mich gespielt...

G. Sosonko: Was für ein Amerikaner? Hieß er nicht Bobby mit Vornamen...?

V. Kortschnoi: Ein Amerikaner. Mir gefiel die Idee, also habe ich sie hier gespielt.

E. Surov: Welcher der modernen Spieler hat das beste Schachverständnis?
 
V. Kortschnoi: Schwer zu sagen. Ich glaube, alle haben Schachverständnis.

E. Surov: Was ist mit dem Weltmeister? Ist sein Verständnis im Vergleich zu den anderen besser, wie es seine hohe Elo-Zahl nahelegt?

V. Kortschnoi: Ich habe keine besonders hohe Meinung von dem Schachweltmeister.
 
E. Surov: Okay, dann sprechen wir doch über Kasparov und Karpov. Wen schätzen Sie als Schachspieler mehr?
 
V. Kortschnoi: Kasparovs Schach ist viel besser als Karpovs.

G. Sosonko: Sogar besser als Fischers?

V. Kortschnoi: (lächelt mit typischer fließender Handbewegung) Fischer... Fischer ist eine Klasse für sich.

Kortschnois motorische Fähigkeiten sind vielleicht eingeschränkt, sein geistigen Fähigkeiten definitiv nicht

E. Surov: Spassky hat kürzlich gesagt, dass er in seinen Träumen oft mit Fischer spricht. Passiert Ihnen das auch? Oder vielleicht sprechen Sie in Ihren Träumen mit Spassky?

V. Kortschnoi: Das kommt vor.

E. Surov: Was sagen die beiden?

V. Kortschnoi: Ich bin immer noch neugierig, wie Spassky die Gedanken von jemand anderem lesen kann.

G. Sosonko: Da denkt man sofort an deinen Wettkampf mit Spassky 1977. Du hattest während der Partien ein merkwürdiges Gefühl, nicht wahr?

V. Kortschnoi: Ja, ich spürte etwas. Er gewann vier Partien hintereinander.

E. Surov: Etwas Übernatürliches?

V. Kortschnoi: Ja.

Ein kleines Abendessen nach Ende des Wettkampfs. Uhlmann aund Kortschnoi sind in Begleitung ihrer Frauen
und Genna Sosonko sitzt in der Nähe von Viktor.

E. Surov: Was halten Sie von Kasparovs politischen Ansichten und der momentanen politischen Situation in der Welt?

V. Kortschnoi: Kasparov und Karpov haben etwas gemeinsam. Sie wollen beide Abgeordnete der russischen Duma werden...
 
E. Surov: Karpov ist es bereits!

V. Kortschnoi: Genau.

E. Surov: Hat Kasparov den gleichen Ehrgeiz?

V. Kortschnoi: Wie sich zeigt hat er das.

G. Sosonko: Aber er hat Russland vor zwei Jahren verlassen und kehrt nicht zurück, weil er Angst hat, verhaftet zu werden!

V. Kortschnoi: Da liegt er richtig!

Ohne die freundliche Hilfe von Genna Sosonko wäre das Interview nicht möglich gewesen

Fotos: Evgeny Surov


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Thaler Thaler 22.02.2015 09:13
Einige seltsame Äußerungen der Schachlegende Viktor Korschnoi.
Meinungsstark und altersschwach.
Foltin Foltin 21.02.2015 09:27
Viktor Kortschnoi war sicher einer der größten Spieler der Vergangenheit.
Seine Beurteilungen sind aber nicht seriös. Teilweise auch in typischer Weise tendenziös politisch verfärbt. Wenn man ehrlich ist, weiß doch jeder, was er ungefähr sagen wird, und was nicht.

Das sieht man auch bei seinen Äußerungen über Kasparov und Karpov. Wenn er meint, dass das Schach von Kasparov viel besser(!) als das von Karpov wäre, obwohl in den Weltmeisterschaftskämpfen zwischen den beiden kaum ein Unterschied festzustellen war, dann kann Karpov auch nicht so viel schlechter gewesen sein.

Zur Erinnerung: Bei einem Wettkampf lag Karpov bis zum Abruch vorne. Bei einem anderen Wettkampf konnte Kasparov erst in der letzten Runde zum Unentschieden ausgleichen.

Wobei Chessbase auch bekannt sein müsste, dass Kasparov wesentlich mehr vom Computerschach profitieren konnte als Karpov. Sowohl von ChessBase als auch von Junior. Da angenommen werden kann, dass Kasparov Computerschach nicht betrieben hat, ohne sich dabei einen Vorteil auszurechnen, darf auch vermutet werden, dass ihm das hie und da bei den langen Wettkämpfen mit Karpov wenigstens ein halben Punkt mehr eingebracht hat. Das würde wiederum bedeuten, dass er zumindest einen Wettkampf gegen Karpov verloren hätte.

Was die politischen Ambitionen Kasparovs angelangt, darf bemerkt werden, dass Kasparov - im Gegensatz zu anderen Putin-Gegnern, die schon lange in der Duma sitzen - gar nicht gewählt werden könnte, weil er gar keine Partei gründet. Die Russen könnten ihn daher gar nicht wählen, selbst wenn sie wollten. Allerdings könnten bei einer Parteigründung auch die Organe der Partei und die finanziellen Geldströme festgestellt werden. Und ob das für Kasparov bei einer Wahl von Vorteil wäre, wenn der russischen Bevölkerung das alles bekannt wäre, muss auch bezweifelt werden.
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