Keine Bedrohung für Najdorf

01.10.2020 – "Mit den Partien und Analysen in meinem Artikel bin ich zuversichtlich, dass Sie für 6.f4 gegen Najdorf in einer praktischen Partie gut gerüstet sind". So schließt Niclas Huschenbeth seinen Artikel im aktuellen CBMagazin #197 ab. Nur wenige Tage nach Redaktionsschluss hatte er beim German Masters selbst die Gelegenheit, seine Analysen in der Praxis zu testen. Denn Andreas Heimann ging "seinen" Najdorf prompt mit dem aggressiven 6.f4 an. Und? Huschenbeth kam problemlos aus der Eröffnung, verpasste im Mittelspiel aber eine schöne Gewinnchance.

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Keine Bedrohung für Najdorf

Niclas Huschenbeth entschärft weißes 6.f4

Die Ausgangsstellung unserer Diskussion ergibt sich nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.f4.

 

Der letzte Zug von Weiß hat in letzter Zeit an Popularität zugelegt und wurde von Spielern wie Yu Yangyi und Alireza Firouzja angewandt. 6...e5. 6...Dc7 pflegte früher meine Wahl gegen 6.f4 zu sein, aber Yu Yangyis neue Idee 7.f5!? war ein guter Grund, sich diese Variante wieder vorzunehmen und das Hauptabspiel 6...e5 zu untersuchen.

 

7.Sf3 Nicht die einzige weiße Fortsetzung. 7.Sf5 ist ein seltener (und nicht sehr fordernder) Zug, und Schwarz hat verschiedene Wege, ihn zu kontern. Die Optionen werden besprochen in Dvalishvili,P - Najer,E ½-½. 7.Sb3 ist dagegen nicht so harmlos, wie es aussieht. Weiß stützt weiter den Bauernvorstoß g2–g4, weshalb Sb8–d7 is nicht zu empfehlen ist. Eine gute Reaktion ist 7...Sc6, was in der Fernpartie Strbad,F - Coplin,L ½-½ analysiert wird. 7...Sbd7.

 

8.a4 Dies ist die beliebteste Fortsetzung, die schwarze Expansion mit b7-b5 am Damenflügel wird gestoppt. Dagegen lädt 8.Bc4 zu 8...b5 ein und Weiß muss aufpassen, um nicht bereits schlechter zu stehen. Die Fortsetzungen werden diskutiert in Schuster,P - Wunderlich,H 0-1. 8.Ld3 ist ein vernünftigerer Entwicklungszug als 8.Lc4. Doch erneut wird Schwarz nicht gefordert und erreicht mit natürlichen Entwicklungszügen eine gute Stellung, wie man in Tompa,J - Efimenko,Z ½-½ sehen kann. 8...Dc7!

 

Schwarz nimmt sich die Zeit, erst die Dame zu entwickeln, um noch einmal das Zentrum zu kontrollieren und, wichtiger noch, Weiß die Möglichkeit zu nehmen, den Läufer auf c4 zu platzieren. 9.Ld3 Le7 10.0–0 0–0 11.Kh1 Weiß entfernt den König prophylaktisch aus der g1–a7-Diagonalen. Dieser Zug und andere Alternativen (11.Sh4 und 11.De1) werden ausführlich analysiert in der Musterpartie Smirin,I - Dominguez Perez,L ½-½. 11...Sc5

 

Schwarz erhöht den Druck auf das weiße Zentrum und hat außerdem die Option, im richtigen Moment den Läufer auf d3 zu tauschen. 12.De1 Te8.

 

In dieser Variante steht der Turm typischerweise gut auf e8, wo er den eigenen Bauern stützt und, nach einem Tausch ...exf4, den Druck auf den e4-Bauern erhöht. Daher tauscht Weiß zumeist in diesem Moment, um die e-Linie geschlossen zu halten. 13.fxe5 dxe5 14.Dg3 Le6.

 

15.Sg5 Weiß kann das Bauernopfer mit 15.Dxe5 annehmen, aber Schwarz erhält großartige Kompensation. So kam es in der kürzlichen Partie Smirin,I - Dominguez Perez,L ½-½. 15...Sxd3 16.Sxe6 fxe6 17.cxd3 Tf8.

 

Wir folgten der Fernpartie Van Leeuwen,E - Zhak,B ½-½. Die Stellung ist zwar ausgeglichen, aber das Spiel von Schwarz wirkt bereits einfacher, und in der erwähnten Begegnung war auch Weiß derjenige, der genau agieren musste.

Fazit: 6.f4 mit 6...e5 zu begegnen, ist der prinzipiellste Weg, auf die frühe Aggression von Weiß zu reagieren. Das Spiel kann sich in verschiedene Richtungen entwickeln, je nach dem wo Weiß den Springer platziert (f5, b3 oder f3) und später den Läufer (c4 oder d3). Schwarz macht überwiegend natürliche Entwicklungszüge, wobei er Druck auf den Zentrumsbauern e4 ausübt. Doch es gibt ein paar Nuancen und Zugfolgentricks, die man kennen sollte. Mit den Partien und Analysen in diesem Artikel bin ich zuversichtlich, dass Sie für 6.f4 gegen Najdorf in einer praktischen Partie gut gerüstet sind.

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