Kiebitz Fischer

18.12.2006 – Der "Kiebitz" ist eine weit verbreitete Erscheinung in der Schachwelt. Überall auf der Welt steht er am Brettrand, sitzt unweit der Bühne und schaut den Meistern zu. Manchmal wiegt er bedächtig den Kopf oder er schüttelt sich heftig, wenn ihm ein Zug nicht gefällt. Er glaubt immer mehr zu wissen, als die Meister selbst und hat stets das Bedürfnis, dies lautstark kund zu tun. Und manchmal stimmt das auch: Jedenfalls wenn der Kiebitz früher einmal Weltmeister war und sich gerade das Schnellschachfinale anschaut. So geschehen am letzten Samstag bei TV íkisútvarpið RUV in Island. Mehr...

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Schach ist in Island außerordentlich populär und wahrscheinlich ist die Vulkaninsel im Nordatlantik immer noch der Flecken mit dem höchsten Prokopf-Aufkommen von Schachgroßmeistern. Sollten Sie einmal als Schachspieler aus irgendwelchen Gründen von Ihrer Regierung verfolgt und anderswo vielleicht sogar ins Gefängnis gesteckt werden, dann finden Sie in Island bestimmt eine sichere Zuflucht.

Schachfreunde kommen dort auch in den Genuss, dass das Finale der Schnellschachmeisterschaften im Fernsehen übertragen wird. Vergangenen Samstag spielten dort vor einem "Millionenpublikum" - in Island sind das aber nur ein paar Zehntausend schachbegeisterte TV-Zuschauer - Arnar Gunnarson und Bragi Thorfinsson die Meisterschaft aus.


Heute Abend: Das Schachfinale


Bragi Thorfinsson and Arnar Gunnarson im Studio


GM Helgi Olafsson (li). kommentierte

Das Finale wurde vom Ríkisútvarpið RUV, dem Natioanlen TV in Island übertragen. Der Sender bietet die Show auch als Internet-Stream an:

Zum Verständnis der Sendung sind isländische Sprachkenntnisse von Vorteil, aber nicht Bedingung. Schachtechnisch passierte folgendes:

Thorfinsson ,Bragi - Gunnarson,Arnar [C50]
Icelandic TV, 09.12.2006
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 d6 4.d3 Le6 5.Lxe6 fxe6 6.c3 Qd7 7.0-0 Sf6 8.b4 a6 9.a4 Le7 10.Sa3 0-0 11.Sc4 b5 12.axb5 axb5 13.Sa5 d5 14.Lg5 Ld6 15.Te1 h6 16.Lh4 Sxa5 17.bxa5 b4 18.Db3 Db5 19.Lxf6 gxf6 20.c4 dxc4 21.dxc4 Dc6 22.Sh4 Kh7 23.c5 Le7 24.Dxb4 Lxc5 25.Db3 Ld4 26.Tac1 Dd7 27.Da3 Dd6 28.Df3 Txa5 29.Dh5 Tg8 30.Df7+? Tg7 31.Dxf6 Ta2? [31...Ta8!] 32.Tf1 Te2 33.Df3 Td2 34.Df6 Te2

Schwarz bietet anscheinend Zugwiederholung an, Weiß will mehr.35.h3? Txe4. Weiß hat nun große Probleme und "fudelt". 36.Tc6 Dxc6, nun folgte 37.Sf5.

Weiß droht Matt. Schwarz ist in die Falle gegangen, denn auf 37...exf5?? folgt 38.DxD. Arnar Gunnarson berührte nun den König, sah dann das Matt und wollte die Dame ziehen. Bragi Thorfinsson protestierte "Berührt-geführt!" Es folgte also: 37...Kg8 (??) 38.Dxg7# 1-0.


Bragi protestiert.

Soweit, so gut. Eine ganz normale Schachgeschichte. Nach der Show erhielt Kommentator Helgi Olafsson jedoch einen Anruf von Robert James Fischer, der die Sendung am Fernseher mitverfolgte. Fischer teilte Helgi mit, dass Schwarz einen Zug vor dem Ende forciert hätte gewinnen können:

Und zwar so: 37...Txg2+! 38.Kh1 (38.Kxg2 Tg4++ 39.Kh2 Dg2 Matt) 38...Th4!! 39.Df7+ Tg7+ 40.f3 Txh3 Matt.

Zum Nachspielen...

Aber das kennt man ja vom Schach: Manchmal sehen die Kiebitze mehr als die Spieler.

Arnar Gunnarson gewann dann die zweite Partie mit Weiß und konnte auch die dritte Partie für sich entscheiden, indem er den weißen König schlug (alte Blitzregeln.)

Auf Kb2-c1?? wurde der König vom Springer geschlagen. Der schwarze König ist aus der Brettgrafik verschwunden.

Dank an Karl Thoroddsen und Hedinn Steingrimsson.

 

 

 

 

 



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