Kindermann: "Die pfiffige Python - eine Rezension

von Melik Kramer
07.05.2019 – Mit der Pythonvariante gegen die Sizilianische Verteidigung scheint Weiß sich zurückhaltend aufzubauen, plant aber in Wirklichkeit, wenn möglich, einen giftigen Angriff. Stefan Kindermann hat der Spielweise eine DVD gewidmet und Melik Kramer hat sie sich angeschaut.

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Stefan Kindermann – „Siegen gegen Sizilianisch – die pfiffige Python“

Als e4-Spieler sieht man sich einer Unmenge an verschiedenen Sizilianisch-Eröffnungen ausgeliefert. Aufgrund der riesigen Daten- und Variantenmenge wird auch auf hohem Niveau immer wieder versucht, die ausanalysierten Hauptvarianten zu vermeiden. Eine sehr ambitionierte aber einfach zu erlernende Idee stellt Stefan Kindermann auf seiner neuen DVD „Siegen gegen Sizilianisch – die pfiffige Python“ vor. Er lädt alle Interessierten dazu ein, ihn auf seiner Reise durch die Entwicklungsgeschichte dieses Systems zu begleiten. Die Ausgangsstellung ergibt sich meist nach den Zügen 1.e4 c5, 2.d3 Sc6, 3.f4 gefolgt von Sf3 und Le2.

Nach der obligatorischen Einführung, basierend auf der Partie McShane – Cheparinov, führt Kindermann durch die verschiedenen möglichen Zugfolgen. Alleine an dieser Partie sieht man schon, wie sich das weiße Spiel entwickeln kann. Der Anziehende erreicht eine angenehme, ausgeglichene bis leicht druckvolle Stellung. Danach führt er typische Figurenmanöver durch (z.B. die Überführung der Dame über e1 nach h4, oder die Entwicklung des e2-Läufers über d1 nach b3). OK, der Computer bewertet die Stellung oft ausgeglichen, aber dann schnürt die Python die schwarze Stellung langsam ein und, ohne etwas zu überstürzen, nimmt sie dem Nachziehenden die Luft zum Atmen. Aufgrund dieser Vorgehensweise kam die Eröffnung auch zu ihrem Namen.

 

Immer wieder erwähnt der Wahlmünchner, dass es zu der Eröffnung noch relativ wenig Theorie gibt und demzufolge noch viel Potential für Entdeckungen vorhanden ist. Und das Aufzeigen von Ideen und Plänen versteht Stefan Kindermann neben Sergei Tiviakov sehr gut. Er erläutert diese sehr verständlich und rattert nicht eine Variante herunter. Züge, die auf den ersten Blick nicht sehr einleuchtend wirken, werden nach einer kurzen Erläuterung plötzlich logisch und klar. Wenn es allerdings um genaue Zugfolgen geht, die zu merken sind, weist der Autor explizit darauf hin.

Im Anschluss folgen sieben Modellpartien. Dabei fällt auf, dass das ganze System kein Hurra und drauf Losstürmen ist. Genau wie bei der DVD über das Trompowski-System, verfolgt der Leiter der Münchener Schachstiftung auch hier eine eher strategische Herangehensweise. Und er erläutert sehr verständlich die Züge auch aus allgemeiner schachlicher Sicht.

Ich persönlich finde ja sehr lustig, dass der bekennende Holländer-Fan Kindermann auch als Weißer schon sehr früh seinen f-Bauern ins Rennen schickt. Im krassen Gegensatz zu dem aus der gleichen Schachgeneration stammenden Klaus Bischoff, der in seinen Live-Übertragungen auf Chessbase immer vor verfrühtem f2-f4 oder f7-f5 warnt!

Einen starken Eindruck hat bei mir die Modellpartie Brkic – Saric hinterlassen, in der Weiß zuerst einige typische Python-Manöver ausführt, dann Schwarz jeglichen Gegenspiels beraubt, um am Ende eine schöne Kombination folgen zu lassen.

 

Ganz im Sinne der Python ist auch die Damentauschvariante, die nach 1.e4 c5, 2.d3 Sf6, 3.f4 d5, 4.Le2 dxe4, 5.dxe4 Dxd1+, 6.Lxd1 entsteht. In der Partie Nevednichy – Gokerkan (Cesme 2017) entstand nach 28….Td7 folgende Stellung

 

Weiß hatte einen sehr instruktiven Plan und schickte seinen König auf die Reise. Der Rest der Partie ist einfach zum Genießen!

Im nächsten Teil geht Stefan Kindermann zum „Theorieteil“ über. Dabei wird klar, dass sich in dieser Eröffnung die Theorie erst noch finden muss. Es werden keine ausanalysierten langen Varianten wiedergegeben, sondern die verschiedenen Strukturen gezeigt, die Schwarz wählen kann. Dabei stehen Pläne und Ideen für Weiß im Vordergrund und der Zuschauer wird immer wieder zur selbstständigen Analyse eingeladen.

Theorie

01: Theorie 1.1: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 Sge7 7.c3 0-0 8.Sa3 d5 - Videoanalyse [08:10]
02: Theorie 1.2: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 Sge7 7.c3 0-0 8.Sa3 b6 - Videoanalyse [05:10]
03: Theorie 1.3: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 Sge7 7.c3 0-0 8.Sa3 d6 - Videoanalyse [03:35]
04: Theorie 2: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 e5 - Videoanalyse [06:33]
05: Theorie 3.1: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 Sf6 7.De1 0-0 - Videoanalyse [05:25]
06: Theorie 3.2: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 Sf6 7.c3 0-0/Tb8 - Videoanalyse [06:08]
07: Theorie 4: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Le2 e6 6.0-0 f5 - Videoanalyse [04:00]
08: Theorie 5.1: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 Sf6 5.e5 Sd7 6.Sf3 e6 7.c3 f6 - Videoanalyse [05:34]
09: Theorie 5.2: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 Sf6 5.e5 Sd7 6.Sf3 e6 7.c3 Le7/b5 - Videoanalyse [06:20]
10: Theorie 6: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 e6 5.Sf3 Ld6 6.0-0 Sge7 7.c4/e5 - Videoanalyse [04:02]
11: Theorie 7.1: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 Sd4 5.Sf3 Sxe2 6.Dxe2 Lg4/e6 - Videoanalyse [04:31]
12: Theorie 7.2: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 Sd4 5.Sf3 Sxe2 6.Dxe2 g6 - Videoanalyse [03:53]
13: Theorie 8.1: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 dxe4 5.dxe4 Dxd1 6.Lxd1 Sf6 - Videoanalyse [05:19]
14: Theorie 8.2: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 dxe4 5.dxe4 Dxd1 6.Lxd1 e5 - Videoanalyse [05:50]
15: Theorie 8.3: 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 d5 4.Le2 dxe4 5.dxe4 Dxd1 6.Lxd1 b6 - Videoanalyse [05:10]
16: Theorie 9.1: 1.e4 c5 2.d3 d5 3.Le2 e5 4.exd5 Dxd5 5.Sf3 Sc6 6.0-0 Sf6 - Videoanalyse [03:35]
17: Theorie 9.2: 1.e4 c5 2.d3 d5 3.exd5 Dxd5 4.Sc3 Dd8/Dd7 - Videoanalyse [05:54]

Mir gefällt der Stil und die Herangehensweise ans Schach von Stefan Kindermann. Selbst wenn man diese Eröffnung nur selten spielt (Der Verfasser selbst empfiehlt sie auch als Überraschungswaffe), verbessert die DVD das Schachverständnis!  Dem Weißspieler wird hier eine verständliche, mit vielen interessanten Ideen gespickte DVD präsentiert. Die Eröffnung ist einfach zu erlernen und mit den aufgezeigten Plänen ist man gut gerüstet. Nach dem Studium der DVD und einigen Online-Blitzpartien zum Training, ist man auf jeden Fall gut vorbereitet und vor allem motiviert und wartet förmlich auf die nächste Sizilianisch-Partie.

Siegen gegen Sizilianisch - die pfiffige Python

Diese DVD präsentiert einen ungewöhnlichen und noch kaum erforschten Ansatz: Weiß baut sich mit 1.e4 c5 2.d3 Sc6 3.f4 auf und entwickelt in der Folge seinen Läufer nach e2. Dies entspricht im Grunde einem „Super-Holländer“ mit vertauschten Farben und zwei

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Melik Kramer, spielt seit seinem 12-ten Lebensjahr Schach. Lebt seit 2017 auf Teneriffa und sitzt dort für den Club Ebano Casa Venezuela in der 1. Liga am Brett.
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WetHair WetHair 11.06.2019 06:38
"Ganz im Sinne der Python ist auch die Damentausch-Variante, die nach 1.e4 c5 2.d3 Nf6 3.f4 d5 4.Be2 dxe4 5.dxe4 Qxd1+ 6.Bxd1 entsteht."
- Wohl kaum, denn e4 hängt: 6. ... Nxe4 - mit klarer schwarzer Gewinnstellung.
Neben dieser Flüchtigkeit (n der Rezension, nicht bei Kindermann) vermisst man, wenn schon Anklänge an Kö'indisch, einen Aufbau mit g3/Bg2 statt "nur" Be2. Gleichwohl scheint es sich um eine interessante Scheibe zu handeln.
ArneBracker ArneBracker 10.05.2019 12:21
Hallo Spürnix,
falls Sie mögen, finden Sie in der beiligenden Analyse-Datenbank von GM Kindermann die Analyse zum Zug 5...d6 in der Datei mit dem Namen "schwarzes...Sf6"; hier auch die Inspirationspartie McShane vs. Cheparinov und einige mehr analysiert. In den Videolektionen wurde der Zug 5...d6 lediglich in der Einführung erwähnt und es wurde eventuell kritischeren Abspielen mit e6-Sge7-d5 Ideen weit mehr Raum überlassen. Ich denke mit den Erklärungen aus der Einführung und seiner Analyse-Datei sind Sie auch auf 5...d6 sehr gut vorbereitet. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude und Erfolg mit den Varianten rund um Stefan Kindermann's Lektionen
Spürnix Spürnix 09.05.2019 11:43
Finde die DVD an sich ziemlich gut, finde es aber schon ein wenig peinlich, dass bei der Variantenauflistung gleich MEHRmals der 5. schwarze Zug mit ...e6 anstatt ...d6 (was sich dann nirgendwo findet) falsch angegeben ist, was für Verwirrung sorgt, lässt sich so doch die Zugfolge bzw. das Setup mit 5...d6 nebst 6...Sf6 aus der erstgezeigten Modellpartie McShane vs. Cheparinov - die GM Kindermann´s "Erstinspiration" bedingte, wie er im ersten Videoclip kundgibt - in der Variantenaufzählung überhaupt nicht auffinden
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