Konferenz zur Geschichte des Französischen Schachverbandes

25.03.2021 – Vergangenes Wochenende führten einige namhafte internationale Schachfreunde und Schachhistoriker anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Gründung des Französischen Schachverbandes eine Online-Konferenz durch. Über zwei Tage wurde in Vorträgen die Geschichte des Schachs in Frankreich beleuchtet. Mitorganisator Herbert Bastian und Frank Hoffmeister berichten.

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Von Herbert Bastian und Frank Hoffmeister

100 Jahre Französischer Schachverband – eine Jubiläumsfeier der besonderen Art

Die große Tradition der Schachnation Frankreich ist noch im kollektiven Bewusstsein der Schachgemeinde präsent! So jedenfalls lässt sich erklären, warum sich weltweit fast 200 Personen zu der ersten schachhistorischen Online-Konferenz angemeldet und durchweg mindestens 80 Personen – männlich und weiblich - die einzelnen Vorträge direkt online verfolgt haben. Teilnehmer gab es aus zahlreichen Ländern, aus Südafrika, Argentinien, USA, Kanada, Island, Russland, Polen, Tschechien sowie aus fast allen westeuropäischen Ländern.

Ursprünglich war ein Treffen mit physischer Präsenz in Paris geplant, um die führenden Schachhistoriker an einen Tisch zu bringen.

Ein derartiges Jubiläumstreffen hat Corona zwar verhindert, aber das hatte auch sein Gutes. Denn aufgrund des online Formates konnten viel mehr Schachfreunde ganz kostenlos teilnehmen! Außerdem haben die Zuschauer  nicht nur konsumiert, sie haben über die Chatfunktion Austausch gepflegt und Begeisterung geweckt, und das über acht Stunden lang! Es war eine würdige Jubiläumsfeier, das war der allgemeine Tenor.

Referenten (Bildschirmfoto)

Die Präsidenten der FIDE (Dvorkovich), der ECU (Azmaiparachvili) und der beiden an der Organisation beteiligten Föderationen (Marek und Krause) haben die Konferenz mit schönen Grußworten eingeleitet. In 10 Vorträgen (fünf auf Französisch, vier auf Englisch, einer auf Spanisch), passierten die Referenten knapp 500 Jahre französischer Schachgeschichte und seine Bedeutung für Europa. Von den ersten Handschriften aus dem 15. Jahrhundert (Göttingen, Paris, MS Allemand) und dem 18. Jahrhundert (Chapais) ging es zum großen Philidor und seiner Rezeption in England und Rußland. Neue Erkenntnisse über den legendären Deschapelles sowie die ausländischen Schachprofis im Café de la Régence des 19. Jahrhunderts (Kieseritzky, Harrwitz, Rosenthal, Taubenhaus) folgten.

Das Café de la Régence

Das Café de la Régence, innen

. Außerdem zeichneten französische Schachhistoriker genau die Entwicklungen nach, die zur Entstehung der Föderation am 19.3. 1921 geführt haben, und wie sich der junge Verband in seinen ersten 25 Jahren gerierte. Den Schluss machte eine eindringliche Untersuchung über das Wirken von Weltmeister Aljechin in Frankreich, der bekanntlich die französische Staatsangehörigkeit annahm und für Frankreich auf mehreren Olympiaden am ersten Brett spielte.

Schach im Salon, Alexander Aljechin schaut zu

Eine ausführlichere Zusammenfassung kann auf dem Blog von Jean-Olivier Leconte nachgelesen werden, auch das Konferenz-Video ist dort öffentlich zugänglich:

Le Café de la Régence (lecafedelaregence.blogspot.com).

Wie geht es weiter? Uns stimmt positiv, dass nicht nur die Spitzen der Verbände die Konferenz unterstützt haben, sondern auch andere Hochkaräter teilgenommen haben. Zu nennen sind etwa die Präsidenten der Chess Collectors International (Michael Wiltshire, Ex Präsident Dr. Thomas Thomsen) sowie die einiger nationaler Verbände dieser Organisation (z. B. Patrice Plain für Frankreich), außerdem der Präsident der Chess History & Literature Society (Bob van de Velde) und neben dem DSB auch die Lasker Gesellschaft das Ereignis unterstützte. Auffälig war auch die Teilnahme solche Koryphäen wie Tim Harding, Richard Forster, Fabrizio Zavatarelli, Elke Rehder, André Schulz, Harry Schaack, Alexander Kostyev, aber es waren sicher noch mehr „Großmeister der Schachkultur“ beteiligt.

Zum Ende der Konferenz hat Prof. Dr. Robert von Weizsäcker, Fernschachgroßmeister und Ehrenpräsident des Deutschen Schachbundes, eindringlich beschworen, wie wichtig die Pflege der kulturellen Tradition des Schachspiels ist. Dem kann man nur zustimmen – Schach bietet mehr als die Jagd nach Punkten und Wertungszahlen. Und das schon seit Jahrhunderten, nicht erst seit dem Übergang zu einer Sportart, der nie aufgearbeitet wurde. Schaut man in alte Schachzeitschriften aus den Fünfziger Jahren, dann stellt man fest, dass die Angliederung an den Sport keinesfalls unumstritten war. Das heranrückende Jubiläum bietet eine Gelegenheit, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Damit haben wir eine Steilvorlage für den Deutschen Schachbund, der in nicht allzu ferner Zukunft 150 Jahre alt wird.

Nutzen wir das schöne Beispiel unseres Nachbarverbandes und pflegen wir den regen wissenschaftlichen Austausch mit einer stärkeren Vernetzung der europäischen Schachhistoriker, so wie er sich am 20. März ganz natürlich einstellte!

Beitrag beim Deutschen Schachbund...

Beitrag zum Jubiläum bei der FIDE...


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