Kramnik gegen Deep Fritz: 1. Partie Remis

25.11.2006 – Der Auftakt des Wettkampfs Mensch gegen Maschine zwischen Weltmeister Vladimir Kramnik und Deep Fritz 10 kann die Anhänger des Menschen optimistisch stimmen. Kramnik war bestens vorbereitet und spielte von Anfang an systematisch auf Vereinfachung, um damit jeden taktischen Verwicklungen aus dem Weg zu gehen. In einer Katalanischen Eröffnung wählte Weiß eine auf den ersten Blick anspruchslose Fortsetzung, die ihm aber zu einem Endspiel verhalf, in dem Deep Fritz seine taktischen Stärken nicht ausspielen konnte. Es schien, als ob der Computer nicht merkte, welche Gefahren ihm in dieser scheinbar so einfachen Stellung drohten und so kam Kramnik bald in Vorteil. Allerdings scheint auch er die beste Fortsetzung verpasst zu haben. So kam es zu einer Stellung, in der Weiß besser stand, aber keinen klaren Gewinnweg finden konnte. Zwar keimte nach einem scheinbar ungenauen Zug von Deep Fritz noch einmal Hoffnung auf, aber am Ende kam es doch zu einem spannenden und umkämpften Remis.Die Partie zum Nachspielen...Offizielle Wettkampfseite...Mehr...

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V. Kramnik - Deep Fritz 10, 25. 11. 2006

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Lg2 dxc4 5.Da4+ Sbd7 6.Dxc4 a6 7.Dd3 c5 8.dxc5 Lxc5 9.Sf3 0-0 10.0-0 De7 11.Sc3 b6 12.Se4 Sxe4 13.Dxe4 Sf6 14.Dh4 Lb7 15.Lg5 Tfd8 16.Lxf6 Dxf6 17.Dxf6 gxf6



Nach "anspruchsloser" Eröffnung kam es zu einem Endspiel. Schwarz hat das Läuferpaar, aber einen Doppelbauern. Vor dem Wettkampf hatte Kramnik erklärt, dass Deep Fritz 10 in Stellungen mit Doppelbauern anfällig ist. Deshalb dürfte Kramnik hier sehr zufrieden gewesen sein. Wie gut sich Kramnik nach der Eröffnung fühlte, zeigte auch der Zeitverbrauch: Kramnik spielte von Beginn an zügig und selbstbewusst und hatte hier weit weniger Bedenkzeit verbraucht als der Computer - auch das ein Indiz für Kramniks ausgezeichnete Vorbereitung. Vielleicht hatte er diese Stellung sogar bereits bei seiner Vorbereitung auf den Computer auf dem Brett.

18.Tfd1 Tac8 19.Se1 Lxg2 20.Kxg2 f5 21.Txd8+ Txd8 22.Sd3 Ld4 23.Tc1 e5 24.Tc2 Td5 25.Sb4



Hier sah der amerikanische Großmeister Yasser Seirawan den Weißen bereits deutlich im Vorteil. Und nach der Partiefortsetzung 25...Tb5 26.Sxa6 Txb2 27.Txb2 Lxb2 28.Sb4 Kg7


meinte Seirawan sogar, dass Weiß nach 29.a4 auf Gewinn steht, da nach einem möglichen Tausch des Springers gegen den Läufer auf c5 ein gewonnenes Endspiel erhält. Doch Kramnik spielte 29.Sd5, einen Zug, den Yasser Seirawan mit Unverständnis quittierte. "Unfortunately, I don't really like the way, Vladimir Kramnik is playing is this." Doch auch nach der Partiefortsetzung 28.Sb4 Kg7 29.Sd5 Ld4 30.a4 Lc5 31.h3 f6 32.f3 Kg6 33.e4 stand Weiß besser.



Doch wie Christopher Lutz anmerkte, kommt es recht häufig vor, dass man gegen den Computer gute Stellungen bekommt, sich aber schwer tut, diese Stellungen auch tatsächlich zu gewinnen. Tatsächlich verbrauchte Kramnik auf der Suche nach einer überzeugenden Fortsetzung immer mehr Bedenkzeit und auch die Kommentatoren Christopher Lutz, Klaus Bischoff und Helmut Pfleger überlegten hin und her, fanden aber keinen klaren Gewinnplan für Weiß.

Tatsächlich war nach 33...h5 34.g4 hxg4 35.hxg4 fxe4 36.fxe4 Kg5 37.Kf3 nicht zu sehen, wie es für Weiß weitergehen soll.



Yasser Seirawan meinte: "Unfortunately, White is no longer winning. His chances have passed."

Doch nach der Partiefortsetzung 37...Kg6 38.Ke2 Kg5 39.Kd1 Lg1



witterten Helmut Pfleger und Klaus Bischoff plötzlich wieder Gewinnchancen für Weiß, der sich mit seinem König auf den Weg zum Damenflügel machen kann. Klaus Bischoff meinte sogar: "Jetzt wird es ganz eng für Schwarz." Und Helmut Pfleger ergänzte: "Also, die menschliche Hoffnung steigt wieder."

Doch nach 40.Kc4 Lf2 41.Kb5 Kxg4 42.Sxf6+ Kf3 43.Kc6 warfen sie noch einmal einen nüchternen Blick auf die Stellung, aber konnten keinen Gewinnweg für Weiß entdecken. Wie Klaus Bischoff sagte: "39...Lg1 sah auf den ersten Blick wirklich wie ein schlimmer Zug aus, aber vielleicht geht sogar das."

Tatsächlich einigten sich die beiden Spieler nach 43...Lh4 44.Sd7 Kxe4 45.Kxb6 Lf2+ 46.Kc6 Le1 47.Sxe5 auf Remis.

Die Schlussstellung:



Ein spannender Kampf und ein verheißungsvoller Auftakt für Kramnik. Vielleicht verpasste er eine gute Chance, aber dennoch war er derjenige, der in dieser Partie auf Gewinn gespielt hat. Kramniks ausgezeichnete Vorbereitung zwang Fritz in die Defensive. Ob es Kramnik jedoch gelingen wird, dieses Kunststück am Montag, wenn er in der zweiten Partie Schwarz haben wird, zu wiederholen, bleibt abzuwarten.


Vielleicht war es die gute Stimmung beim Bankett am Vorabend, die Kramnik beflügelte. Er kam mit seiner Freundin Marie und wirkte sichtlich gut gelaunt. Hier ein paar Bilder von der Eröffnungsveranstaltung und vom Bankett.




Charmantes Fachsimpeln


Marie und Vladimir...


...ein harmonisches Paar.


Ebenfalls gut gelaunt: Frau Ostermann, die Vertreterin des Sponsors RAG


Jacob Wenzel, der Direktor der Bonner Bundeskunsthalle


Der Event-Manager der Bundeskunsthalle, Stefan Andreae bei seiner Eröffnungsansprache


Stefan Andreae, Fide-Präsident Kirsan Ilyumzhinov, RAG Vorstandsvorsitzender Dr. Werner Müller und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück


Es ist gar nicht so lange her, da haben sie noch gegeneinander gespielt: Vladimir Kramnik und Peer Steinbrück


Kramnik bei der Generalprobe


Dr. Rene Gralla, Schachkolumnist


Na, was macht die Konkurrenz? Shredder-Programmierer und Kramnik-Berater Stefan Meyer-Kahlen


Rolf Behovits: Verantwortlich für die Pressearbeit


Nach der Eröffnungszeremonie ging es zum Bankett


Das Publikumsinteresse ist groß.






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