Kramnik gegen Topalov II

15.04.2006 – Die Nachricht, dass Topalov und Kramnik im September um die Weltmeisterschaft spielen, war in der Schachwelt die Überraschung des Osterwochenendes. Nach der Ankündigung, dass die beiden gegeneinander spielen, werden jetzt auch die Bedingungen des Wettkampfes allmählich bekannt. Dagobert Kohlmeyer hat mit Kramniks Manager Carsten Hensel gesprochen und weiß mehr über die Einzelheiten des Wettkampfs, dem wochenlange Verhandlungen voraus gegangen waren. Mehr...

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Duell Topalow - Kramnik um Schachkrone in Elista

Von Dagobert Kohlmeyer

Osterüberraschung durch die FIDE! Weltschachbund-Präsident Kirsan Iljumschinow hat am Karfreitag das WM-Match von Veselin Topalov (Bulgarien) und Vladimir Kramnik (Russland) angekündigt. Der Wettkampf zwischen dem FIDE-Champion und dem Titelhalter im klassischen Schach beginnt am 21. September in der kalmückischen Hauptstadt Elista. Am 13. Oktober soll der neue Schachkönig gekrönt sein. Gespielt werden 12 Partien, der garantierte Preisfonds beträgt eine Million US-Dollar. Iljumschinow, seit mehr als zehn Jahren FIDE-Chef, hat damit einen neuen Überraschungscoup gelandet, der ihm nicht zuletzt helfen soll, bei der nächsten Wahl am Rande der Schacholympiade in Turin im Amt zu bleiben.

Der Einigung beider Parteien war ein wochenlanger Poker vorausgegangen. Vladimir Kramniks Manager Carsten Hensel hatte Anfang Februar Gespräche in Moskau geführt und das Angebot der FIDE sorgfältig geprüft. Knackpunkt war nach den Worten des Dortmunders die Forderung, dass Kramnik nicht als Herausforderer gilt. "Wir haben uns geeinigt, dass es hier um einen Weltmeisterschaftskampf der beiden Spitzenspieler Kramnik und Topalov geht. Alle Zusatzbezeichnungen (FIDE-Champion, klassischer Weltmeister, Herausforderer) werden weggelassen. Der Sieger nennt sich Schachweltmeister und fertig."


Kramnik (links) mit seinem Manager Carsten Hensel

In der Vereinbarung steht, dass sich beide gegenseitig als Weltmeister anerkennen. Der Sieger gewinnt alles, der Verlierer erkennt die Niederlage an und beansprucht nichts mehr, auch nicht die Teilnahme am nächsten WM-Turnier 2007. Gewinnt Kramnik, so würde er an Topalovs Stelle das geplante Achter-Matchturnier im kommenden Jahr spielen. Nach dem Duell in der kalmückischen Steppe werden alle weiteren Weltmeisterschaften unter der Ägide der FIDE stattfinden, so schreibt es laut Carsten Hensel die Einigung beiden Seiten vor.

Grund für uns zu einer Nachfrage: Kramnik bevorzugt doch aber das Matchsystem zur Ermittlung des Weltmeisters?

Carsten Hensel: "An dieser Einstellung hat sich auch nichts geändert. Aber um des größeren Zieles willen, haben wir eingelenkt. Vladimir denkt da auch an seine Kollegen, die sich schon über San Luis qualifiziert haben bzw. dies über die WM-Kandidatenkämpfe noch tun werden. Um da nichts kaputt zu machen, beißt er in den sauren Apfel. Seine traditionelle Sichtweise bleibt aber, dass der Schachweltmeister in einem Match ermittelt werden sollte, egal ob er es selbst ist oder jemand anderes."


Schachkönig Kramnik

Im Gewinnfalle, betont Hensel, wird Kramnik das Turnier 2007 spielen, "damit die unsägliche Situation beendet wird, die Kasparow 1993 durch seine Trennung von der FIDE hervorgerufen hat."

Auf die Frage, wie wohl Kasparov auf die neueste Entwicklung reagieren wird, antwortet Hensel lakonisch: "Sein Standpunkt in der Geschichte ist nicht relevant. Aus meiner Sicht hatte er schon kein Recht, ein Match gegen die FIDE-Weltmeister Ponomarjow und Kasimdschanow zu bekommen. Das waren Zugeständnisse Iljumschinows, die ich immer als ungesund angesehen habe. Was soll ein Spieler, der keinen Titel hat und nicht mehr aktiv ist, heute noch um die Weltmeisterschaft kämpfen? Wichtig allein ist jetzt, dass dieses Match Kramnik - Topalov stattfindet. Es wird die Frage nach dem wahren Schachweltmeister beantworten."

Zu der betrüblichen Tatsache, dass sein Schützling ernsthaft krank ist und seit längerem keine Spielpraxis hat, gab Carsten Hensel diese aktuellen Informationen: "Kramnik hat rheumatische Arthritis. Wie wir wissen, ist das eine sehr schmerzhafte Krankheit. Seine Behandlung wird fortgeführt. Seit etwa sechs Wochen, etwa Anfang März, gibt es eine erhebliche Verbesserung. Vladimir wird weiter danach leben müssen, eine spezielle Diät machen und Medikamente zu sich nehmen. Wir sind im Augenblick mit seinen Ärzten guten Mutes, dass er sich stabilisiert."

Vladimir Kramnik braucht in der Tat einen intakten Körper, wenn er den Wettkampfstress erfolgreich meistern will. Das Programm der nächsten Zukunft ist randvoll: Zuerst gibt es eine willkommene Abwechslung. Am kommenden Samstag (22. April) ist Kramnik in Mannheim, wo sein Freund Wladimir Klitschko gegen Chris Byrd boxt. Mit Vitali Klitschko soll es dabei auch ein Treffen geben.


Alte Freunde: Vitali Klitschko und Vladimir Kramnik

Danach geht es ins Trainingscamp. Denn überraschend kündigte Kramnik auch an, bei der Schacholympiade in Turin am ersten Brett für Russland zu spielen zu wollen, was er seit Jahren nicht getan hat.


Ein altes Bild: Kramnik vertritt die russische Fahne

Und im Sommer stellt der Moskauer sich der Konkurrenz in "seinem Revier" zum Chess Meeting in Dortmund. Kramnik braucht dringend Spielpraxis. Er hat zwei Trainerteams, das eine für Wettkämpfe gegen Menschen, das andere für sein Duell gegen den Computer. Denn nach der WM in Elista, dem Höhepunkt des Jahres, gibt es im November in der Bundeskunsthalle in Bonn Kramniks Zweikampf gegen das ChessBase-Programm "Deep Fritz". Für eine halbe Million Dollar Antrittsgeld und eine Million im Falle des Sieges setzt der 30-jährige, sonst so kühle Rechner im Herbst noch einmal alles auf eine Karte.

(Fotos: D. Kohlmeyer)


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