Kramnik geht volles Risiko - und verliert: <br> Endstand 4:2 für Deep Fritz

05.12.2006 – Mit den schwarzen Steinen wählte Vladimir Kramnik heute die Sizilianische Najdorfvariante, eine der schärfsten und ehrgeizigsten Antworten gegen 1.e4. Eine klare Ansage des Weltmeisters, dass er heute mit vollem Risiko auf Gewinn spielen wollte, um den Wettkampf noch auszugleichen. Deep Fritz hatte zunächst Mühe, eine günstige Koordination seiner Figuren zu finden. In einem komplizierten Mittelspiel gelang es dem Rechner dann die Figuren umzugruppieren. Mit einem verblüffenden und taktisch präzisem Bauernvorstoß im Zentrum schaffte es die Maschine plötzlich, fast aus dem Nichts heraus einen gefährlichen Angriff am Königsflügel zu inszenieren, der ihn schließlich in materiellen Vorteil brachte. Im Endspiel ließ die Maschine Kramnik keine Chance mehr. Endstand 4:2 für Deep Fritz. In einer Presserklärung zog Turnierdirektor Josef Resch vom Veranstalter UEP eine ausgesprochen positive Bilanz dieses einzigartigen Wettkampfes, der Schach so sehr in in den Fokus der Öffentlichkeit brachte, wie kaum eine Schachveranstaltung zuvor. Presseerklärung... ; Zur Wettkampfseite... Mensch gegen Maschine: Alle Berichte... Deep Fritz 10 jetzt kaufen... Partie nachspielen...Mehr...

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Mensch gegen Maschine 2:4
Von André Schulz
Fotos: Wolfgang Rzychon


Mathias Feist und Alexander Kure


Guido Kohlen (li.), Matthias Wüllenweber und Alexander Kure


Medienprofi Matthias Feist im TV-Interview


Die Reihen füllen sich


Der Sieger-Pokal

Mit der heutigen sechsten und letzten Partie hatte Vladimir Kramnik die letzte Chance den Wettkampf wenigstens auszugleichen. Deep Fritz eröffnete zum zweiten Mal mit 1.e4. Diesmal antwortete Kramnik nicht mit 1...e5 und der Russischen Verteidigung, sondern wählte die Sizilianische Najdorfvariante  - eine klare Kampfansage an den Rechner.


Der Weltmeister kommt

Unter den möglichen Antworten entschied sich Deep Fritz für die Sosin-Variante mit 6.Lc4. Kramnik schaffte es bald, Deep Fritz mit einer seltenen Zugumstellung aus dem Eröffnungsbuch zu werfen. In der Folge ging Deep Fritz eigene Wege abseits der Schablone und brachte rasch seinen Turm auf g3 in Stellung. Christopher Lutz wies im Kommentar daraufhin, dass früher Eric Lobron gerne so spielte, manchmal aber auch herbe Rückschläge einstecken musste, weshalb man solche Türme ironischerweise "Lobron-Türme" nenne.


Beginn der Partie


Fotografenaufmarsch

Christopher Lutz berichtete im Kommentar auch von der Vorbereitung mit Kramnik auf das Match. Vor fünf Wochen habe man bei der Vorbereitung mit dem Feinschliff begonnen. Aber schon vorher habe das Team, zu dem auch noch Stefan Meyer-Kahlen gehört, versucht, Schwächen bei Deep Fritz zu finden und zu analysieren. Er selbst sei nach der langen und intensiven Vorbereitungszeit müde und bewundere Kramnik, der darüber hinaus noch diese anstrengenden Partien spielen könne.



Mit der Eröffnung zeigte sich Lutz heute recht zufrieden. Kramnik hatte die Absicht, die Partie heute zu gewinnen und hatte deshalb Najdorf statt Russisch gewählt. Um den 13.Zug übernahm Schwarz langsam die Initiative. Insbesondere der weiße Läufer auf b3 stand schlecht und erwies sich als Sorgenkind. Außerdem verstand es Kramnik, die recht geschlossene Stellung langsam in seinem Sinne zu verstärken. Helmut Pfleger und Artur Jussupov waren recht zuversichtlich, dass Kramniks Strategie vielleicht zum Tragen kommen könne.



Im 17.Zug brachte Deep Fritz mit dem Zug Lf4 dann Schärfe und einige konkrete Drohungen ins Spiel. Nachdem Kramnik dies entschärft hatte, beantwortete Deep Fritz Kramniks Zug Sf6-g8 seinerseits mit dem Springerrückzug Sc3-b1, was Jussupov zunächst als eine Form von Computerhumor deutete.


Artur Jussupov in der Kommentatorkabine mit Überblick

Mit diesem überraschenden und starken Springerrückzug leitete Deep Fritz aber dann eine vorteilhafte Umgruppierung seiner Figuren ein.




"Lobronturm" auf g3

Im 25.Zug leitete Deep Fritz schließlich mit dem überraschenden Vorstoß e4-e5 einen gefährlichen Königsangriff ein, dessen Abwehr Kramnik viel Zeit kostete. Danach erarbeitete sich Deep Fritz schnell großen Vorteil und konnte einen Bauern am Damenflügel gewinnen. Dennoch verblieben danach noch einige technische Probleme, den Vorteil in einen ganzen Punkt zu verwandeln. Im folgenden Endspiel ließ Deep Fritz Kramnik dann aber keine Chance. "Die beste Leistung von Deep Fritz in diesem Wettkampf," meinte Artur Jussupov, "eine Superleistung". "Kramnik hat in diesem Wettkampf insgesamt eine sehr gute Leistung gezeigt. Seine Strategie mit frühem Damentausch war goldrichtig. Durch den Blackout in Partie Zwei hat er sich in Nachteil gebracht. Man muss ihm hoch anrechnen, dass er heute noch einmal auf Gewinn gespielt hat, aber in offenen Stellungen ist der Rechner einfach sehr, sehr stark!"


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Deep Fritz - Kramnik [B86]
Bonn (6), 05.12.2006

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lc4 e6 7.0–0 Le7 8.Lb3 Dc7 9.Te1 Sc6 10.Te3 0–0 11.Tg3



11...Kh8 12.Sxc6 bxc6 13.De2 a5 14.Lg5 La6 15.Df3 Tab8 16.Te1 c5 17.Lf4 Db7 18.Lc1 Sg8 19.Sb1!



19... Lf6 20.c3 g6 21.Sa3 Dc6 22.Th3 Lg7 23.Dg3 a4 24.Lc2 Tb6 25.e5!



25...dxe5 26.Txe5 Sf6
[26...Lxe5? 27.Dxe5+ f6 28.Txh7+ Kxh7 29.Dh5+ Kg7 30.Dxg6+ Kh8 31.Dh7#] 27.Dh4 Db7 28.Te1 h5 29.Tf3 Sh7 30.Dxa4



30...Dc6 31.Dxc6 Txc6 32.La4 Tb6 33.b3 Kg8 34.c4 Td8 35.Sb5 Lb7 36.Tfe3 Lh6 37.Te5 Lxc1 38.Txc1 Tc6 39.Sc3 Tc7 40.Lb5 Sf8 41.Sa4 Tdc8 42.Td1  Kg7 43.Td6 f6 44.Te2 e5 45.Ted2 g5 46.Sb6 Tb8

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