
19.Februar bis 5.März 2004
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Text: André Schulz
Fotos: Jesús J. Boyero Gabarre

Kramnik und Topalov hatten
heute in durchaus interessanter Stellung im 20.Zug die Partie abgebrochen und
Remis gemacht und waren vor Ablauf einer Stunden von der Bühne verschwunden.
Damit hatte Kramnik seinen Turniersieg in Linares 2004 gesichert. Ein Kurzremis
in der Schlussrunde ist auf GM-Turnieren, und nicht nur dort, durchaus üblich,
besonders wenn dies den Turniersieg sichert. Im Fall des amtierenden
Weltmeisters im klassischen Schach standen allerdings schon sechs weitere
kampflose Remis aus den Runden zuvor zu Buche.
Mit 2 Siegen und 10 Remisen sichert sich Kramnik den Sieg in Linares 2004. Es
ist ganz genau das gleiche Ergebnis, mit dem er im letzten Jahr gewann. Damals
produzierte er vier Remisen mit 25 Zügen oder weniger, diesmal schon
sieben mehr oder weniger kampflose Partien. Im letzten Jahr gab es in Linares
immerhin noch 15 entschiedene Partien, diesmal waren es nur noch 9.
Auch das Dortmunder GM-Turnier mit ähnlichem Personal litt im
Jahr 2003 unter einer Vielzahl von kampflosen Remisen, nämlich acht bei
insgesamt 30 Partien, die mit 11 Siegen zu 19 Remis immerhin noch eine
erträglich Quote aufweist. Dortmund 2003 und Linares 2003 und 2004 haben das
Format gemeinsam: sechs oder sieben Spieler, von denen sich einige sehr gut
kennen, spielen doppelrundig gegeneinander. Es scheint, dass dieses Format
keine Spannung und keinen Willen zum Kampf bei einigen Spielern aufkommen
lässt. Dortmund wird deshalb in diesem Jahr auch wieder zum erfolgreichen
Modell des Turniers 2002 zurückkehren.
Besonders erstaunlich ist noch, dass gerade der Weltmeister und herausragende
Verfechter des Schachs mit klassischer Bedenkzeit durch seine große Anzahl von
Kurzpartien dafür sorgt, dass die Befürworter der verkürzten Bedenkzeit Nahrung
für ihre Argumente erhalten. Linares 2004 war keine Werbung fürs Schach, die
Kämpfer Shirov, Radjabov, Kasparov und Topalov standen auf verlorenen Posten.
Es scheint überflüssig zu betonen, vielleicht aber doch
nicht, dass das Profischach direkt oder indirekt vom öffentlichen Interesse
lebt und durch dieses finanziert wird, und dass sich lustlose Spieler selber,
aber auch ihren Kollegen und dem Schach insgesamt schaden. Dass es auch anders
geht, zeigen die Corus- Turniere. Hier spielen mehr Spieler, 14, und das
Leistungsgefälle ist größer, so dass es zu mehr Kampfpartien kommt.
Die andere Tabelle:
| |
Partielänge:
0-25 Züge |
26-40 Züge |
Über 40 Züge |
Durchschnitt |
Ergebnis |
| Shirov |
2 Partien |
2 Partien |
7 Partien |
46 Züge |
+1 =8 -3 |
| Radjabov |
2 Partien |
1 Partie |
8 Partien |
45 Züge |
+2 =8 -2 |
| Kasparov |
2 Partien |
4 Partien |
6 Partien |
38 Züge |
+1 =11 |
| Topalov |
3 Partien |
6 Partien |
3 Partien |
37 Züge |
+1 =9 -1 |
| Vallejo |
5 Partien |
3 Partien |
4 Partien |
33 Züge |
+1 =9 -1 |
| Leko |
6 Partien |
2 Partien |
4 Partien |
32 Züge |
+2 =9 -1 |
| Kramnik |
7 Partien |
4 Partien |
1 Partie |
27 Züge |
+2 =10 |
Durchschnittszügezahl bei Runde 13 berechnet.

Kramnik und Fotografen


Kramnik auf der Pressekonferenz
Endstand:

Ergebnisse und Zeitplan: