Kramnik stellt indische Talente vor Probleme

von Sagar Shah
26.02.2019 – Im Laufe seiner Schachkarriere hat Vladimir Kramnik Vishy Anand mehr als einmal vor Probleme gestellt. Freunde geblieben sind die beiden bei aller Rivalität trotzdem. Kramnik hat Anfang des Jahres seinen Rücktritt vom Turnierschach erklärt, aber Probleme bereitet er Anand weiter gerne. So schickte er dem indischen Ex-Weltmeister über Handy eine knifflige Schachaufgabe, und während eines Trainingscamps forderte Anand die besten Nachwuchsspieler Indiens dann dazu auf, die Lösung dieser Aufgabe zu finden. Die Jugend tat sich schwer.

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Vishy Anand gilt als eines der größten Schachtalente aller Zeiten. Er ist der 15. Weltmeister der Schachgeschichte und war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch im Schnell- und Blitzschach kaum zu besiegen. Auf dieser DVD spricht er über seine Laufbahn und präsentiert und analysiert die besten Partien seiner Schachkarriere bis zum Gewinn des Weltmeistertitels 2007 (in englischer Sprache).

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"Schach zeigt einem, wie man mit Daten umgeht"

Vishy Anand hat durch seine Erfolge einen Schachboom in Indien ausgelöst, und damit, wenn man so will, Spielern wie Nihal Sarin, Gukesh oder Praggnanandhaa zum Großmeistertitel verholfen. Jetzt gibt der Ex-Weltmeister, der in Indien ein Volksheld und Star ist, sein Wissen in Trainingscamps auch direkt an die jungen Talente weiter. Über Anands Workshop "ChampCoach" berichtete auch die Hindustan Times und in einem Interview mit der Zeitung sprach Anand über die Ziele eines solchen Workshops, wie ihn das Schach bereichert hat, und warum er hofft, dass Schach auch andere Spieler bereichert.

Hindustan times headline

Schlagzeile der Hindustan Times

Auszüge aus dem Interview:

"Ich weiß noch, wie mich der Austausch mit renommierten Schachspielern, den ich als Jugendlicher hatte, tief beeindruckt hat. Ich glaube, ein solcher Austausch kann jungen Spielern, die am ChampCoach Training teilnehmen, helfen, in die richtige Richtung zu gehen, und ihnen helfen, Fehler zu vermeiden, die sie später mühsam wieder korrigieren müssten."

Über die Vorzüge des Schachs meinte Anand:

"Ich glaube, Schach bringt viele nützliche Dinge mit sich. Arbeiten, Lernen, Üben, an Dingen dran bleiben, obwohl man sie nicht gleich versteht, all das sind Dinge, die im Leben nützlich sind. Außerdem glaube ich, dass Schach einem durch die Art und Weise, wie man lernt, besser zu spielen, zeigt, wie man mit Daten und zahlreichen Informationen umgeht. Man lernt, wie man es vermeidet, übereilte Entscheidungen zu treffen, wenn man unter Druck steht und man lernt, sich im Griff zu haben und objektiv zu sein."

Anand sprach auch über die jungen indischen Talente:

"Es gibt Gukesh D aus Tamil Nadu, der zwar noch zur Altersklasse U12 gehört, aber bereits Großmeister ist, Rameshbabu Praggnanandhaa, der viertjüngste Großmeister in der Geschichte des Schachs, Chithambaram Aravindh, der 2012 Jugendweltmeister U14 wurde, sowie zahlreiche weitere Spieler. Es gibt viele junge Talente in Indien, und ich glaube, wir haben bereits bei sehr jungen Spielern eine sehr große Breite. Ich glaube, die Zukunft für sie sieht rosig aus, denn wenn sie schon mit 13 Großmeister sind, dann haben sie noch eine Menge Zeit, sich weiter zu entwickeln."

My Career Vol. 2

Vishy Anand gilt als eines der größten Schachtalente aller Zeiten. Er ist der 15. Weltmeister der Schachgeschichte und war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch im Schnell- und Blitzschach kaum zu besiegen. Auf dieser DVD spricht er über seine Laufbahn und präsentiert und analysiert die besten Partien seiner Schachkarriere nach dem Gewinn der Schachweltmeisterschaft 2007.

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Kramnik schickt ein Schachproblem

Bei der Einweihung des Trainingszentrums, nachden die Feierlichkeiten vorbei waren und Fotos gemacht worden waren, zückte Anand sein Handy und zeigte den jungen Talenten ein interessantes Schachproblem. Drei GMs (darunter Indiens Nr. 3) und sieben IMs suchten nach der Lösung.

Erhalten hatte Anand das Problem von Vladimir Kramnik, Anands Vorgänger auf dem Weltmeisterthron.

Wie Prof. Nagesh Havanur angibt, stammt das Problem von dem spanischen Problemkomponisten und Spieler Valentin Marin y Llovet, (1872–1936). Das Problem gewann den 1. Preis in einem Kompositionswettbewerb und wurde 1904 im Norwich Mercury erstmals veröffentlicht.

Und hier ist das Problem:

 

Wie Sie wissen, können die Figuren in dem obigen Diagramm bewegt werden. Wenn Sie Lust haben, versuchen Sie Ihr Glück und versuchen, die Lösung zu finden. Beim Workshop in Indien war der IM und Schachtrainer Prathamesh Mokal der einzige der GMs und IMs, der die richtige Lösung fand. (Aber bitte verraten Sie die Lösung nicht in den Kommentaren.)

Master Class Band 11: Vladimir Kramnik

Mit dieser DVD kann man am Vorbild eines der besten Spieler der Schachgeschichte und mit den Erläuterungen der Autoren (Pelletier, Marin, Müller und Reeh) lernen, wie man Partien strategisch erfolgreich anlegt, seinen Gegner auf diese Weise permanent unte

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Die Lösung - mit Erklärungen von Vishy Anand - des Problems gibt es morgen, am Mittwoch, den 26. Februar.


Quelle: ChessBase India




Sagar Shah ist ein junger Internationaler Meister aus Indien. Er ist zugleich ausgebildeter Wirtschaftsprüfer und würde gerne der erste indische Wirtschaftsprüfer sein, der Großmeister wird. Sagar berichtet leidenschaftlich gerne über Schachturniere, denn so begreift er das Spiel, das er so liebt, besser. Aus Leidenschaft für das Schach betreibt er auch einen eigenen Schachblog.
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Friedrich Volkmann Friedrich Volkmann 27.02.2019 12:22
Es macht natürlich einen Unterschied, ob man in einem Menschengewurl, wo alle durcheinander reden, mit einer Stellung konfrontiert wird, oder daheim in Ruhe 10 Minuten lang Varianten rechnen kann. Witzig, dass auf dem Foto, wo Vidit gerade an Kramniks Problem knobelt, von jenem ein Bild im Hintergrund hängt. Das passt gut zu der Weise, wie derzeit über Kramnik Nachrufe verfasst werden, während er noch bei guter Gesundheit ist. Ich bin sicher, dass noch viel von ihm zu hören sein wird. Vielleicht schreibt er Bücher, die sicher hervorragend sein werden, oder kommentiert in Livestreams. Und dass er weiter an Blitz- und Schnellturnieren teilnehmen wird, hat er schon angedeutet.
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