Kramnik zeigt sich beeindruckt, aber zuversichtlich

24.11.2006 – Heute um 15 Uhr begann der Wettkampf Mensch gegen Maschine in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik in Bonn mit einer Pressekonferenz. Und obwohl Experten Vladimir Kramnik als Außenseiter sehen und das Programm Deep Fritz 10 sehr viel besser spielt als das Programm gegen das Kramnik vor zwei Jahren in Bahrein nur ein Unentschieden erreichte, erlebten Publikum und Journalisten einen entspannt und zuversichtlich wirkenden Weltmeister. Er gab zwar zu, "dass die Maschine als Favorit zu gelten hat", aber erklärte auch, dass er "sein Bestes versuchen wird" und "hoffentlich die eine oder andere Chance bekommt". Mehr...

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Die Pressekonferenz war ein Auftakt nach Mass. Publikum und Journalisten konnten sich einen Eindruck von der Umgebung verschaffen, in dem der Wettkampf Kramnik gegen Deep Fritz in den nächsten Tagen stattfinden wird.


Vor der Halle: Futuristische Weihnachtsstimmung


In der Halle: Futuristische Wettkampfstimmung

Begleitet wird der Wettkampf von einer Ausstellung, die sich unter dem Titel "Hinter den Spiegeln: Zur Kultur des Spiels und der Schönheit des Denkens" den Verbindungen zwischen Schach und Kunst widmet. Entsprechend wurden bereits bei der Pressekonferenz auf die Leinwand hinter der Bühne Motive aus der Ausstellung projiziert.


Schach und Kunst. Im Hintergrund ein Bild der Skulptur "Der König spielt mit seiner Königin" von Max Ernst



Schach und Kunst - nicht immer eine einfache Beziehung. So lautet der Text über dem Bild, das den Künstler Ugo Dossi beim Simultan gegen Kramnik in der Bundeskunsthalle 2004 zeigt: "Marcel Duchamp war kein Freund der Welt der offiziellen Kunst. Er war angetreten, um ihr Ende vorzubereiten. Im Gegenzug ist die offizielle Kunst bisher kaum seiner Einladung gefolgt, Schach als Kunst anzuerkennen."

Auf das Verhältnis zwischen Schach und Kunst nahm auch Stephan Andreae, der Event-Manager der Bundeskunsthalle, bei seiner Eröffnungsansprache Bezug. Er sprach davon, dass der Computer eben nicht spielt, sondern rechne. Und er beschrieb, wie man seit Kramniks Simultan 2004 davon geträumt hätte, in der Bundeskunsthalle einmal eine richtig große Schachveranstaltung zu organisieren - was nach zwei Jahren realisiert wurde.

Viele Schach- und Computerexperten sehen Deep Fritz als klaren Favoriten in dem Wettkampf. Manche orakeln sogar, dass dies womöglich der letzte Wettkampf Mensch gegen Maschine ist, weil Deep Fritz dem amtierenden Weltmeister keine Chance lassen könnte - womit der Reiz dieses Duells für immer verflogen wäre.

ChessBase Vertreter Matthias Wüllenweber, der nach der Pressekonferenz ins Nachtmagazin der ARD eingeladen wurde (1.10 bis 1.30), sah die Dinge nüchterner.


Matthias Wüllenweber im Computerraum

Er sprach davon, dass Deep Fritz sicher eine lange Entwicklungszeit mit zahlreichen Tests durchlaufen hätte, sich der Stand der Entwicklung aber erst im Duell mit Spitzenspielern zeigen würde. Deshalb dankte er nicht nur der Bundeskunsthalle, die den Rahmen für diese Veranstaltung bietet, und dem Sponsor RAG, sondern auch Kramnik, der sich bereit erklärt hatte, an diesem Duell teilzunehmen. Tatsächlich geht Kramnik das Risiko ein, in die Schachgeschichte als der Weltmeister einzugehen, der als Erster klar gegen einen Computer verliert.

Doch Matthias Wüllenweber will Kramnik gar nicht in Grund und Boden gespielt sehen. Auf die Frage eines Journalisten, welches Ergebnis sich Matthias Wüllenweber denn wünsche, antwortete der Entwickler der ChessBase Datenbank: "Jedes knappe Ergebnis ist erwünscht."


Schach postmodern: Im Hintergrund ein Bild des Wettkampfes Kramnik gegen Deep Fritz aus Bahrain

Doch Kramnik machte nicht den Eindruck, wie ein Schaf zur Schlachtbank zu gehen. Er wirkte entspannt und zuversichtlich.


Der Weltmeister als Außenseiter? Kramnik beim Fototermin.


Bei der Pressekonferenz. Ein kurzer Blick zur Dolmetscherin: Alles richtig verstanden?

Allerdings lobte er seinen Gegner in den höchsten Tönen: "Das Schachverständnis von Deep Fritz ist größer denn je. Die Entwickler haben das Programm gewaltig verbessert. Bei einigen meiner Trainingspartien war ich regelrecht begeistert. Das Programm eröffnete mir erstaunliche Visionen, die mir bislang verschlossen blieben. Oftmals spielt Deep Fritz viel extravaganter als selbst die größten Schachmeister und oft sehr stark. Ich bin wirklich begeistert."


Kramnik: Skeptischer Optimismus

Dennoch blieb Kramnik zuversichtlich: "Mir ist klar, dass die Maschine als Favorit zu gelten hat, aber warten wir mal ab. Im Wettkampf selbst werde ich so konzentriert wie möglich sein und hoffentlich die eine oder andere Chance bekommen. Ich werde jedenfalls mein Bestes versuchen."


Blick vom Zuschauerraum auf die Pressekonferenz


Matthias Wüllenweber und Vladimir Kramnik kurz vor der Auslosung

Den Umgang mit dem Computer beherrschen Matthias Wüllenweber und Vladimir Kramnik beide souverän, aber als es bei der Auslosung zur Handarbeit ging, traten erste Probleme auf. Sie mussten eine russische Matrjoschka öffnen, um zu sehen, ob Kramnik oder Deep Fritz die erste Partie mit Weiß spielen darf. Je kleiner die Puppen wurden, desto schwieriger wurde es, sie zu öffnen. Doch am Ende siegten Ausdauer und Geduld.


Na, was haben wir denn da?


Ein gutes Omen für die Menschheit? Kramnik gewinnt die Auslosung und hat in der ersten Partie Weiß.

Samstag, 15 Uhr, wird sich zeigen, wie gut Deep Fritz wirklich ist - und wie gut sich Kramnik vorbereitet hat. Die Pressekonferenz wirkte wie der würdige Auftakt eines spannenden Wettkampfs.


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