Lagunow gewinnt Schachfestival Erfurt

von Gerd Densing
03.01.2020 – Zum Jahreswechsel gab es nicht nur in Deutschland viele Offene Turniere. Das Schachfestival in Erfurt war sicher das höchste - es wurde im 17. Stock des Radisson Blu Hotels gespielt. Gerd Densing berichtet. | Fotos: Gerd Dening

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IM Raphael Lagunow gewinnt das Meisterturnier

Nachdem ich bereits im Rahmen eines Betriebsausfluges im Jahr 2004 die schöne Stadt Erfurt an drei Tagen kennen lernen durfte, spielte ich im Jahr 2007 und 2009 beim Erfurter Schachopen zwischen den Jahren mit. Hier bei ChessBase gibt es dazu einen älteren Bericht vom 12.01.2010. Damals wurde das Turnier noch von Jürgen Lenz ausgerichtet und war mit etwas über 200 Teilnehmern deutlich kleiner als heute. Nach langer Erfurt-Pause und zwischenzeitlicher Teilnahme beim Schachtürken-Cup in Paderborn zog es mich dieses Jahr erneut zwischen Weihnachten und Silvester nach Erfurt.

Das Turnier wird nach Übernahme von Jürgen Lenz inzwischen von Daniel Wanzek als Turnierdirektor und Hartmut Seele seit vielen Jahren organisiert. Das Turnier wurde aufgrund der Größe und des Rahmenprogramms auch von „Erfurter Weihnachtsopen“ in „Erfurter Schachfestival“ umbenannt. Ende 2019 stand die bereits 29. Auflage des Turniers auf dem Programm.

Bewährt hat sich die Aufteilung in verschiedene Gruppen. Meisterturnier, Hauptturnier, Amateurturnier und Seniorenturnier. Insgesamt waren 449 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Start. Darunter einige Titelträger. Einziger Großmeister in der Startrangliste, GM Thomas Pähtz, spielte hingegen nicht im 8-Rundigen Meisterturnier (mit Doppelrunden) sondern spielte im 5-Rundigen Seniorenturnier mit nur je einer Runde pro Tag.

Ausgerichtet wurde das Turnier in bewährter Weise im Radisson Blu Hotel im Herzen Erfurts in unmittelbarer Nähe der Altstadt und diverser Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Krämerbrücke.

Die Krämerbrücke

Das Meisterturnier und die ersten 20 Bretter des Haupt-Turniers befanden sich im 17. Stock des Hotels ganz oben verteilt auf zwei Räume. Dort konnte man währen der Partie den Blick ein wenig schweifen lassen und über die Stadt Erfurt hinwegschauen.

Blick auf Erfurt

Die weiteren Bretter des Haupt-Turniers sowie der anderen Turniere waren im ersten Obergeschoss in einem großen Raum und zwei kleineren Räumen untergebracht. Insgesamt waren sehr gute Turnierbedingungen zu verzeichnen.

Das Meisterturnier

Ein wenig in die alte Zeit zurückversetzt fühlte ich mich hinsichtlich des Bedenkzeit-Modus im Hauptturnier, Amateurturnier und Seniorenturnier. Gespielt wurden 2 Stunden für 40 Züge und ½ Stunde für den Rest der Partie. An einigen Brettern wurde noch mit mechanischen schönen tickenden Garde-Uhren gespielt, welche nach der ersten Zeitkontrolle um eine halbe Stunde vorgestellt werden mussten. An den allermeisten Brettern des Haupt-Turniers und des Meisterturniers wurde jedoch mit elektronischen Uhren gespielt. Im Meisterturnier gab es eine Bedenkzeit-Regelung mit Inkrement.

Das Meisterturnier gewann nach 8 Runden der junge Internationale Meister Raphael Lagunow (Jahrgang 2000) vom SK Zehlendorf mit 6,5 aus 8.

Raphael Lagunov

Er tritt damit quasi in die Fußstapfen seines Vaters, IM Alexander Lagunow, der das Meisterturnier in Erfurt im Jahr 2017 gewann. Die gleiche Punktzahl erreichte der dreimalige DDR-Schnellschachmeister FM Karsten Schulz von den Schachfreunden Schwerin. Die beiden Erstplatzierten trafen in der Schlussrunde aufeinander und trennten sich remis, sodass die Feinwertung ganz knapp über den Turniersieg entschied.

Beste Dame im Feld wurde die Dresdnerin WIM Filiz Osmanodja.

Filiz Osmanodja

Sie erzählte mir beim Warten am Kaffeeautomat beim Frühstücksbuffet, dass sie zuletzt viele ELO Punkte eingestellt habe und hier wieder einige ELO hinzugewinnen wollte. Dies gelang ihr dann auch.

Nach spannendem Verlauf des Seniorenturniers gewann Turnierfavorit und Lokalmatador GM Thomas Pähtz nach zwei Remispartien nur ganz hauchdünn vor Günter Weidlich aus Pirna.

Wegen begrenzter Rundenzahl und zu wenig adäquater Titelträger konnten im Meister-Turnier durch die Spieler leider keine Normen erzielt werden. Im Haupt-Turnier erzielte der FIDE-Schiedsrichter Bernd Missbach jedoch eine Norm zum Internationalen Schiedsrichter.

Die Top 3 aller Turniere

Hier die Top-10-Platzierungen der jeweiligen Turniere:

Meisterturnier (134 Teilnehmer)

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Lagunow Raphael 6,5 36,5
2 Schulz Karsten 6,5 33,5
3 Gschnitzer Adrian 6,0 36,0
4 Abel Dennes 6,0 36,0
5 Langheinrich Ferenc 6,0 33,5
6 Wichmann Cliff 6,0 33,0
7 Kolb Tobias 6,0 31,0
8 Zhukov Anton 6,0 30,5
9 Stein Robert 5,5 37,0
10 Zienert Richard 5,5 36,0

Hauptturnier (171 Teilnehmer)

1 41   Kraus Sebastian     GER 1819 1923 SC JÄKLECHEMIE Talente Franken 7,0 38,5 34,75
2 16   Heß Jürgen S60   GER 1889 1763 SV 1899 Vieselbach 6,5 37,5 31,75
3 32   Urban Peter     GER 1852 0 Leipzig 6,5 36,5 30,75
4 76   Heinrich John U18   GER 1742 1749 SV Lengefeld 6,0 40,0 32,25
5 13   Zimmermann Felix     GER 1905 1978 SV Grün-W. Niederwiesa 6,0 38,5 29,25
6 1   Von Otte Wilhelm S60   GER 2119 1966 TSG Ruhla 6,0 37,0 26,50
7 2   Siebarth Marco     GER 2020 1996 SG Blau-Weiß Stadtilm 6,0 36,5 27,25
8 11   Haugk Franko     GER 1917 1898 SV Lengefeld 6,0 36,0 28,25
9 31   Eickelkamp Jan-Hendrik     GER 1853 0 München 6,0 36,0 27,50
10 3   Schieferstein Michael     GER 1988 1914 SV Bad Laasphe 1954 6,0 34,0 27,75

Amateurturnier (88 Teilnehmer)

                     

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Peters Sören 6,0 26,5
2 Stöcklein Paul 6,0 23,5
3 Lorch Stephan 5,5 27,0
4 Niederdorfer Adrian 5,5 26,5
5 Ahmadov Sabir 5,5 26,0
6 Hornung Richard 5,0 29,5
7 Graf Maria 5,0 29,0
8 Naumann Thomas 5,0 25,0
9 Krafft Reinhard 5,0 23,5
10 von Erichsen Thore 5,0 23,0

Seniorenturnier (53 Teilnehmer)

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Pähtz Thomas 4,0 13,5
2 Weidlich Günter 4,0 13,5
3 Pfitzer Norbert Prof. Dr. 4,0 12,5
4 Stahr Ralf-Peter 4,0 12,0
5 Muuss Klaus 4,0 11,5
6 Svanholm Borge Waaktaar 3,5 14,5
7 Feld-Gerdes Wolfgang 3,5 13,0
8 Hüttemann Karl-Heinz 3,5 11,0
9 Vogel Alfred 3,5 9,5
10 Schmidt Matthias 3,0 14,0

Fazit:

Das Turnier hat sich in den letzten Jahren sehr gut weiterentwickelt und wurde stetig verbessert. Ich spiele ja recht viele Turniere und habe viele positive Details und Kleinigkeiten in Erfurt entdeckt, welche das Erfurter Schachfestival rundum angenehm und empfehlenswert machen und das Event im Turnierkalender zwischen Weihnachten und Silvester inzwischen sehr gut etabliert ist.

Besonders nett auch das gestaltete Rahmenprogramm mit mehreren „Karten-Turnieren“ sowie „Würfel-Blitz“ (Bedenkzeit wurde ausgewürfelt von 2 Minuten bis 6 Minuten). Ebenso die persönlich gestalteten Kugelschreiber für jeden Teilnehmer sowie zahlreiche (Buch-)Sachpreise bei der Siegerehrung, Verlosung zahlreicher Schachkalender 2020 für jede Runde in jedem Turnier und Verlosung eines 1000-Euro-Schach-Reisen-Gutscheins von GM Jörg Hickl bei der Siegerehrung. Auch ein großer Schachstand (ChessWare, Bernhard Jehle) war vor Ort vorhanden, sodass man zwischendurch ein wenig in neuen – oder alten –  Schachbüchern stöbern konnte.

Die Durchführung der Turniere erfolgte durch das große Schiedsrichterteam reibungslos. Oberschiedsrichter und Bundes-Turnierdirektor IA Gregor Johann und seine Mitstreiter Bernd Missbach, Michael Nagel, Stefan Koch, Hartmut Seele, Peter Horatschek und Klaus Steffan hatten keinerlei nennenswerte Streitfälle zu entscheiden. Großes Lob auch für die mediale Begleitung und Gestaltung der Webseite an Klaus Steffan. Es gab zwar keine DGT-Bretter mit Live-Übertragung bzw. Partieaufzeichnung. Dennoch wurden aus dem Meisterturnier inzwischen einige Partien erfasst und sind über die Turnierseite verfügbar. Weitere Partien werden wohl demnächst nacherfasst und sind in einigen Tagen/Wochen ebenso zum Download verfügbar.

 

Das Turnierhotel bot für die Schachspieler wieder vergünstigte Hotelpreise, Sonderpreise beim Essen sowie abendlich eine Happy Hour für Getränke.

Und last but not least: Die schöne Stadt Erfurt bot erneut schöne weihnachtlich winterliche Impressionen zwischen den Partien bzw. abends.

Links:

Turnierwebseite...

Ergebnisse und Statistiken bei Chess-Results...

Radisson Hotel...

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.

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