„Langsames Italienisch“

von ChessBase
30.04.2022 – Das ChessBase Magazin #207 liefert u.a. alle Partien vom FIDE Grand Prix 2022, der von Februar bis April in Berlin und Belgrad ausgetragen wurde. Mit Andrey Esipenko, Anish Giri, Grigoriy Oparin, Alexandr Predke, Sam Shankland, Wesley So, Vidit Gujrathi und Nikita Vitiugov kommentieren einige Teilnehmer der Turnierserie ihre besten Partien im neuen ChessBase Magazin. Wesley So, der den dritten Grand Prix gewann aber in der Gesamtwertung einen Spitzenplatz und damit die Teilnahme am Kandidatenturnier 2022 verpasste, untersucht seinen Schwarzsieg gegen Leinier Dominguez. Es ist "Die Analyse" der Ausgabe, und sie beginnt mit den Worten "Zurück im schönen Berlin." Schauen Sie rein!

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FIDE Grand Prix 2022: Esipenko, Giri, Vidit, Oparin, Predke, Shankland, So und Vitiugov kommentieren + Videos von Rogozenco. „Special“ zu Bent Larsen. Eröffnungsvideos von Kasimdzhanov, Ragger und Marin. 11 Eröffnungsartikel mit neuen Ideen für Ihr Repert

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„Langsames Italienisch“

Wesley So kommentiert seine Schwarzpartie gegen Leinier Dominguez

Leinier Dominguez Perez – Wesley So (FIDE Grand Prix 1 Pool D Berlin GER (4.1), 07.02.2022)

Zurück im schönen Berlin. Das letzte Mal, als ich hier weilte, war beim Kandidatenturnier, und ich hatte einen schlechten Lauf, aber ansonsten habe ich die Stadt und die deutschen Leute lieben gelernt.

Diese Partie wurde in der 4. Runde gespielt, als Leinier und ich beide auf +1 standen. Unnötig zu sagen, dass die Partie von größter Bedeutung war, um den Gruppenersten zu ermitteln.

1.e4 Leinier hat einen sehr starken Aufschlag mit 1.e4, was er immer exklusiv spielt. Tiefe Eröffnungsvorbereitung und positionelles Verständnis gehören zu seinen größten Stärken.

1...e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.0–0 Sf6 5.d3 d6 Ich könnte auch zuerst rochieren: 5...0–0 6.c3 und hier kann Schwarz 6...d5 spielen, was ebenfalls voller Theorie ist.

6.c3 a5 Auf jeden Fall entschied ich mich, die Rochade zu verzögern, um Weiß davon abzuhalten, früh Lg5 zu spielen.

7.Te1 La7

Diesen frühen Rückzug des Läufers spielte Magnus in der letzten Partie des Weltmeisterschaftsmatches 2021 gegen Ian Nepomniachtchi. Ich hatte das zuvor noch nie gesehen.

8.Sbd2 0–0 9.h3 Le6 10.Lb5 10.Lxe6 fxe6 Mit dem Bauern auf a5, der Raum kontrolliert, stellen die Doppelbauern kein großes Problem für Schwarz dar. Weiß hat nicht seinen üblichen Plan, mit b4–a4 am Damenflügel vorzurücken.

10...Se7 11.d4 Sg6 12.La4

Leinier kennt die Materie wie immer sehr gut und wählt die kritischste Variante.

12...Sh5 Dieser Plan, den Springer nach f4 zu bringen, scheint im Moment die beste Option für Schwarz zu sein.

13.Sf1 Shf4 Der Springer auf f4 bietet aktives Spiel, muss aber gleichzeitig gut unterstützt werden, sonst kann er dort hängen gelassen werden.

14.Sg3 exd4 Ein interessanter Zug ist hier 14...Dc8!? was droht, auf h3 oder g2 zu opfern.

15.Sxd4

Lxd4 Es scheint überraschend, das Läuferpaar aufzugeben, aber es stellt sich heraus, dass der aktive Springer auf f4 und die Idee, im Zentrum mit ...d5 zu hebeln, dies kompensieren.

16.cxd4 Die andere Möglichkeit ist 16.Dxd4, was natürlicher erscheint.

16...d5 17.Df3 Df6!?

Dieser schlaue Zug droht sowohl den Bauern auf d4 zu schlagen als auch den Trick ...Sxh3+ .

18.Ld1!? Schützt die Dame auf f3 und hält die Spannung aufrecht. Dieser Zug hat mich ein wenig überrascht, obwohl er sehr natürlich ist. Meine Vorbereitung beinhaltete 18.Kh2 Dxd4 19.Lxf4 Dxa4 20.Lxc7 Dd7 , wonach die ungleichfarbigen Läufer Schwarz eine sichere Stellung garantieren.

18...Dh4 19.Ld2 Der schwarze Springer auf f4 steckt im Moment ein wenig fest, aber Weiß kann das nicht wirklich ausnutzen. Daher setzt er seine Entwicklung am Damenflügel fort.

19...c6 20.Tc1 f5!?

Forciert das Geschehen, obwohl es wahrscheinlich verfrüht ist. Das Beste für Schwarz ist 20...Tae8 , um Druck in der e-Linie auszuüben.

21.exf5 Weiß entscheidet sich für Vereinfachungen, aber er hat diesen Zug aufgrund eines Versehens gespielt. Herausfordernder ist das raumgreifende 21.e5

21...Lxf5 22.Sxf5 Txf5 Die Stellung mit zwei Läufern gegen zwei Springer ist faszinierend. Langfristig sind die Läufer natürlich im Vorteil, also muss ich schnell handeln.

23.Dg3? Weiß hofft, als Nächstes zu Lg4 oder Lc2 zu kommen, aber er schafft dies nicht rechtzeitig. Weiß sollte 23.Lc2 Tg5 24.g3 Tf8 25.Lxg6 spielen.

23...Dxg3 24.fxg3 Sd3 25.Lc2 Tf2

Das ist der Zug, den Leinier übersehen hat, als er 21.exf5 spielte. Allerdings noch kein Grund zur Panik, denn Weiß steht nur leicht (mehr oder weniger) schlechter.

26.Lxd3?! Das Endspiel nach 26.Te3 Txd2 27.Txd3 Txd3 28.Lxd3 Sf8 ist keineswegs angenehm, aber es ist die beste Chance für Weiß, harten Widerstand zu leisten.

26...Txd2 27.Lxg6? Die letzte Chance für Weiß ist 27.Lf5 Txb2 28.Tb1 Schwarz hat einen Bauern mehr, aber der Sieg ist noch sehr weit entfernt. Mein Springer steht passiv und meine Bauern am Damenflügel müssen verteidigt werden.

27...hxg6

Jetzt sind alle Turmendspiele für Weiß verloren.

28.Te7 Txb2 29.Tce1 Tf8 30.Td7 Weiß unternimmt einen verzweifelten Versuch, die Türme auf der 7. Reihe zu verdoppeln, aber das reicht nicht, um die Partie zu retten.

30...Tff2 31.Tee7 Txg2+ 32.Kf1 Kh7 33.h4 Kh6

Der König entkommt dem Netz leicht über h5.

34.Te5 Tbf2+ 35.Ke1 Txa2 36.Kf1 Th2 37.Kg1 Tag2+ 38.Kf1 Tb2 39.Kg1 Thd2

Weiß steht kurz davor, einen vierten Bauern zu verlieren, und gab deshalb auf. 0-1 Eine schöne Partie für mich, obwohl ich nichts Besonderes tun musste, da Leinier in den Zügen 23 und 27 Fehler beging.

Die komplette und weitaus umfangreichere Analyse von Wesley So finden Sie im neuen ChessBase Magazin #207!

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Highlights von ChessBase Magazin #207

Die Startseite von ChessBase Magazin #207 begrüßt Sie mit den Highlights der Ausgabe!  Einfach anklicken, nachspielen oder Video anschauen und genießen!
FIDE Grand Prix 2022: Partieanalysen von Andrey Esipenko, Anish Giri, Vidit Gujrathi, Grigoriy Oparin, Alexandr Predke, Sam Shankland, Wesley So und Nikita Vitiugov. Dorian Rogozenco präsentiert zwei ausgewählte Partien der Sieger, Hikaru Nakamura und Richard Rapport, im Video. Oder steigen Sie direkt ins Training ein und spielen Sie die Partie Nakamura-Grischuk vom Grand Prix „Zug für Zug“ mit Martin Breutigam durch! Ein komplettes Repertoire gegen die Sizilianische Alapin-Variante? Markus Ragger stellt Ihnen in seinem halbstündigen Eröffnungsvideo seine Empfehlungen vor. Auf keinen Fall verpassen: Das „Special“ zu Bent Larsen mit 19 kommentierten Partien sowie Analysen + Video zum strategischen Können des großen Dänen!

Special: Meine Lieblingspartie von Bent Larsen

CBM Autoren analysieren ihre Lieblingspartie von Bent Larsen. Eine exklusive Sammlung von 19 kommentierten Partien aus dem Zeitraum von 1956 bis 1998 erwartet Sie!

Spitzenschach und Meisteranalysen

FIDE Grand Prix 2022: Der Grand Prix wurde als Serie von drei Turnieren vom 3. Februar bis zum 4. April ausgetragen, von denen das erste und dritte in Berlin, das zweite in Belgrad stattfand. Die Sieger der Einzelturniere: Hikaru Nakamura, Richard Rapport und Wesley So. Als Sieger der Gesamtwertung qualifizierten sich Nakamura und Rapport für das Kandidatenturnier 2022. In dieser Ausgabe kommentieren Andrey Esipenko, Anish Giri, Vidit Gujrathi, Grigoriy Oparin, Alexandr Predke, Sam Shankland und Nikita Vitiugov ihre besten Partien. Und Dorian Rogozenco zeigt zwei Partien von Nakamura und Rapport im Video.

Airthings Masters 2022: Anish Giri kommentiert seine Kurzsiege gegen Hans Niemann und Ding Liren

All in one

Alles, was Sie zu einem konkreten Abspiel wissen müssen, in einer ausführlich kommentierten Partie – das ist das Konzept von „All in one“. Igor Stohl untersucht den frühen Vorstoß des h-Bauern gegen das Indische Königsfianchetto: 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.h4!? Lg7 4.Sc3. Tanmay Srinath prüft das Londoner System gegen Königsindisch: 1.d4 Sf6 2.Lf4 g6 3.e3 Lg7 4.Sf3 0-0 5.Le2 d6 6.h3.

Eröffnungsvideos

Im Englischen Vierspringerspiel ist der Zug 4.e4 sehr populär. Rustam Kasimdzhanov untersucht die teilweise sehr scharfen Komplikationen nach 4...Lc5 und zeigt in seiner Analyse neue Ideen vor allem für Schwarz. Markus Ragger präsentiert mit der Nebenvariante 3...Sf6 ein komplettes Repertoire gegen die Alapin-Variante. Und Mihail Marin zeigt eine Eröffnungsidee von Bent Larsen in der Sizilianischen Drachenvariante, die auch heute noch gut spielbar ist!

Rustam Kasimdzhanov: Englisch
1.c4 Sf6 2.Sc3 e5 3.Sf3 Sc6 4.e4 Lc5
Markus Ragger: Sizilianisch Alapin-Variante
1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Sf6!?
Mihail Marin: Sizilianisch Drachenvariante
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Da5 10.0-0-0 Sxd4 11.Lxd4 Le6

Neue Ideen für Ihr Repertoire

CBM #207 bietet mit 11 Eröffnungsartikeln viele neue Ideen und Konzepte für Ihre nächsten Partien:

Yago Santiago: Wolga-Gambit 3.d5 b5 4.cxb5 a6 5.e3
Spyridon Kapnisis: Modernes Benoni Fianchettovariante
Andrey Sumets: Caro-Kann Vorstoßvariante 3...Lf5 4.h4 Dc7
Martin Lorenzini: Sizilianisch Alapin-Variante 6.Sa3/8.Sb5
Petra Papp: Najdorf Polugaevsky-Variante 7.f4 b5 8.e5
Tanmay Srinath: Französisch Tarrasch-Variante 3...Le7 (II)
Krisztian Szabo: Philidor im Anzug 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.g3
Robert Ris: Spanisch mit 3...Lc5 (Teil II) 4.c3
Lars Schandorff: Slawisch 4...dxc4 5.e4 b5 6.Le2 e6 7.a4!?
Alexey Kuzmin: Anti-Grünfeld 1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sbd2
Sergei Grigoriants: Grünfeld mit 4.g3 und 7.Sa3 c5!

Aktuelle Eröffnungsfallen

"Vermeintliche Sicherheit und neue Erkenntnisse" - Rainer Knaak nimmt 10 Fallen aus der aktuellen Turnierpraxis unter die Lupe drei davon stellt er zudem im Videoformat vor.

Zug für Zug

Martin Breutigam war vom präzisen Spiel Hikaru Nakamuras beim ersten Grand Prix in Berlin überrascht. Gegen Alexander Grischuk reichten dem US-Amerikaner ein paar kleine Ungenauigkeiten seines Gegners, um die Partie für sich zu entscheiden. „Bestens geeignet für ein interaktives Training!“

Move by Move

Testen Sie Ihr Schach Zug für Zug mit Robert Ris! Levon Aronians strategische Glanzpartie gegen Vincent Keymer vom FIDE Grand Prix steht auf dem Programm. Finden Sie die Züge des Supergroßmeisters?

„Bent Larsen – ein universeller Spieler“

Mihail Marin beleuchtet das strategische Können des bedeutendsten dänischen Großmeisters aller Zeiten. Inkl. ausführlicher Videoeinleitung (Spielzeit: 34 Minuten)

Der Klassiker

Als „eine seiner schönsten Blockadepartien“ bezeichnete Aaron Nimzowitsch seine Schwarzpartie gegen Paul Johner beim Jubiläumsturnier des Dresdener Schachvereins im Jahr 1926. Genießen Sie die Präsentation von Dorian Rogozenco!

Taktik: „Magnetfeld h7!“

Im Taktikbeitrag von Oliver Reeh mit 34 Partien dreht sich alles um die Anziehungskraft des Feldes h7 auf die angreifenden weißen Figuren. Inkl. interaktivem Videotraining!

Endspielfeinschliff – „Endspielhighlights von Bent Larsen“ u.v.m.

Karsten Müller liefert umfassendes Trainingsmaterial für höchste Ansprüche: die schönsten Endspiele von Bent Larsen sowie Highlights vom ersten Berliner Grand Prix 2022. Beiden Beiträgen stellt der Hamburger Endspielexperte eine ausführliche Videoeinleitung voran. Zudem liefert er in den „Leserbriefen“ weitere Analysen.