Lasker-Schlechter (5): Rätsel gelöst

von Karsten Müller
04.09.2020 – Karsten Müller befasst sich in einer Beitrags-Reihe mit komplizierten Endspielen der geschichte, die noch nicht eindeutig gelöst wurden und bittet um Mithilfe. Dank der Mitarbeit Leser konnte das Endspiel aus dem WM-Kampf Lasker-Schlechter (5. Partie) nun eindeutig geklärt werden. Hier ist die Lösung:

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Rätsel gelöst: Lasker stand auf Gewinn

Der Weltmeisterschaftskampf 1910 ist auch heute noch voller Mysterien. Eines ist die legendäre 5.Partie. Schlechter gewann am Ende nach haarsträubenden Verwicklungen und gewann deshalb am Ende sogar fast den gesamten Wettkampf, aber das ist eine andere mysteriöse Geschichte.

Im Schwerfigurendrama der 5.Partie stand Lasker allerdings sogar zwischenzeitlich auf Gewinn wie die Leser nachgewiesen haben.

Dieses tiefgründige Rätsel ist zwar schon oft unter die Lupe genommen worden. Dennoch sind einige Erkenntnisse neu.

Erneut hat Zoran Petronijevic die beste Lösung eingesandt:

Schlussfolgerungen:

Diese alte Partie ist von vielen großen Spielern untersucht worden (um nur einige zu nennen: Lasker, Schlechter, Tarrasch, Capablanca, Romanovsky, Hübner, Dvoretsky, Müller, Kasparov... ). Es gibt jedoch immer noch dunkle Punkte. Die neueste Analyse ist von Garry Kasparov (in seinen Predecessors, part I second edition, Moskau 2020). Ich meine allerdings, dass er an einigen Stellen die wesentlichen Punkte nicht erfasst hat. Das bedeutet, dass diese Partie außergewöhnlich kompliziert ist, aber dennoch sehr nett ("Nur harte Fragen können gleichzeitig nett sein" - Spinoza).

Meine Hauptpunkte sind:

1. Das Ausgangstellung des Rätsels ist ausgeglichen. Das erste Zug 44.Db4 ist ein schwerwiegender Fehler, der zu einer Verluststellung führt. Nach dem besseren 44.Dc3  (ein Fund von Dvoretsky), ist die Lage ausgeglichen.

2. Obwohl 46...c5 zu scharfem Spiel führt, ist es kein Fehler (anders als Dvoretsky meint). Schwarz steht auch danach auf Gewinn.

3. Der Zug 47....c4?! ist ein Fehler,  obwohl Schwarz immer noch auf Gewinn steht. 47...Kd7 war einfacher.

4. Ein sehr wichtiger Moment ist schwarzes 51...Dd5, das zuvor nicht erwähnt wurde. Meiner Meinung nach hat Schwarz im entstehenden Turmendspiel sehr gute Gewinnchancen.

5. Der Zug 52...d5? ist ein Fehler, der den Gewinn verdirbt, der mittels 52...De5 nebst Dd5 zu erzielen war. Es ist interessant, dass keiner der berühmten Analytiker diese Gewinnidee angegeben hat.

6. Nach 53.Ta8 ist die Lage ausgeglichen.

7. Der Zug 54...Dc5 ist ein entscheidender Fehler.

 

Lasker konnte die verwickelte 10. Partie gewinnen, glich damit den Wettkampf aus und behielt gemäß den damaligen Vereinbarungen seinen Titel. Schlechter hätte dagegen ein Remis in der 10ten Partie gereicht, um seinen kleinen Vorsprung zu verteidigen und den Titel zu gewinnen. Man wunderte sich, dass Schlechter die 10te Partie trotzdem so verwickelt anlegte und einige vermuteten sogar, dass er vielleicht zwei Punkte Vorsprung haben musste, um den Titel zu gewinnen. Diese Vermutung ist jedoch falsch und durch zeitgenössische Quellen widerlegt. Bei einem Remis in der der 10ten Partie wäre Schlechter Weltmeister geworden. Doch er schaffte es nicht.

 




Karsten Müller gilt als einer der größten Endspielexperten weltweit. Dazu hat sein zusammen mit Frank Lamprecht verfasstes Buch „Grundlagen der Schachendspiele“ ebenso beigetragen wie seine Kolumnen auf der Webseite ChessCafe sowie im ChessBase Magazin. M.s ChessBase-DVDs im Fritztrainer-Format über Endspiele sind Bestseller. Der promovierte Mathematiker lebt in Hamburg, wo er auch für den HSK seit vielen Jahren in der Bundesliga auf Punktejagd geht.
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Karsten Müller Karsten Müller 06.09.2020 09:06
Vielen Dank für den Hinweis auf die Analysen von John Nunn! Die Stellung ist allerdings auch dann für Weiß gewonnen. Stockfish 9 zeigt über +10 an, was ich auch in die Let's Check Datenbank reingeschrieben habe. Die Dame ist in diesen Konstellationen überraschend stark, was in der Tat erst durch die modernen Engines ganz deutlich wird. Am Brett hätte Lasker das spielen sollen und sicher bessere praktische Remichancen gehabt als in der Partie.
renium renium 05.09.2020 10:49
In seinem Buch "John Nunns Schachkurs" , Seite 341, 342 hat Nunn die Variante 55...c3! 56. Ta7! Dxa7 57.Dxa7 Kc6 (anstatt Kd6 in der Analyse) 58. Dxg7 Tc5 als Remis analysiert.... das müsste man also nochmal prüfen
DoktorM DoktorM 05.09.2020 07:58
In gewisser Weise kann ich es nachvollziehen, alte Partien erneut zu betrachten. Das ist durchaus interessant. Aber man sollte nie vergessen, dass da Menschen gespielt haben. Etwaige (Computer)Analysen bringen nichts, wenn kein Mensch, der bereits stundenlang am Brett sitzt, diese Varianten sehen kann.
In manchen Stellungen kann man dann "Er stand auf Gewinn" sagen. Das ist ähnlich sinnvoll wie einem Fußballer nach dem Spiel zu sagen, dass für einen kurzen Moment die eine Ecke des Tores frei gewesen ist und er diese hätte anvisieren sollen. Da finde ich verpasste Gewinne, die man hätte sehen sollen, spannender. Die Datenbanken geben sicherlich auch dafür viele Beispiele her.
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