Lebhafter Auftakt des ECCC 2021

von Gerd Densing
19.09.2021 – Der "European Chess Club Cup" (ECCC), der Europapokal für Vereinsmannschaften, hat am Samstag in der am Ohridsee gelegenen nordmazedonischen Stadt Struga begonnen. In Nordmazedonien ist auch der Verein "Alkaloid" beheimatet, der bei diesem Turnier, dank Shakhriyar Mamedyarov am Spitzenbrett, in der Rolle des Elofavoriten ist. Bevor Alkaloid in der 1. Runde aber den schwedischen Verein Lunds ASK standesgemäß mit 5:1 abfertigen konnte, waren diverse Schwierigkeiten zu überwinden. Gerd Densing ist vor Ort und berichtet von der Anreise, der Unterbringung - und von hitzigen Diskussionen über den Umgang mit der weiterhin bestehenden Corona-Gefahr. Und schließlich hat sich unser Autor auch noch die Zeit zum ausgiebigen Fotografieren genommen.

Schach Nachrichten


ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021 ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021

Dein Schlüssel zu frischen Ideen, präzisen Analysen und zielgenauem Training!
ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

ECCC im Zeichen von Covid-19

Der Tag der Anreise, der 17.09.2021, war bereits ein turbulenter Tag. Einerseits gestaltete sich der Bustransfer vom Flughafen Skopje in Mazedonien nach Struga am Ohrid-See mit weit über 4 Stunden Fahrzeit (geplant waren maximal 3 Stunden) infolge eines längeren Zwischenstopps des Busses (wegen Verwicklung in einen kleinen Autounfall, welchen man im Bus aber nicht bemerkte) bereits zäh. Andererseits offenbarte die Organisation am Anfang noch ein paar Schwächen. Das Open findet im 5-Sterne-Hotel Izgrev, etwa 6 km außerhalb von Struga statt. Dort sind auch die meisten Spieler untergebracht. Ein paar weitere Mannschaften sind im benachbarten Hotel Makpetrol untergebracht, nur 5 Minuten Fußweg. Die Damen hingegen sind im 4-Sterne-Hotel Drim im Zentrum von Struga untergebracht. Dort findet das Damenturnier statt. Wegen nur 8 teilnehmenden Teams, wird das Event als 7 Runden "round robin" ausgetragen. Zur Überraschung vieler Teilnehmer wurde die Eröffnungsveranstaltung auch im Hotel Drim ausgerichtet. Dies war allerdings nur wenigen Spielern bekannt und es gab keinerlei Aushänge oder Informationen des Veranstalters dazu.

Das Captains-Meeting war ein Höhepunkt. Dieses fand ab 22.00 Uhr im Hotel Izgrev im großzügigen – aber fensterlosen – Spielsaal statt. Das technical meeting war geprägt von Covid-Maßnahmen. Für den Folgetag wurde für vormittags vor Beginn der ersten Runde (Runden jeweils ab 15 Uhr nachmittags) eine Zwangs-Covid-Testung avisiert. Ein deutscher/europäischer Impfnachweis war/ist den nordmazedonischen Behörden und auch dem Veranstalter offenbar nicht genug. Man möchte hundertprozentig sicher gehen und den Empfehlungen der WHO weitestgehend folgen. So fanden dann vormittags die Covid-Schnelltests für alle Teams statt – wobei sich einige Spieler bis zum Schluss weigerten. Zu wesentlich mehr Sprengstoff führte die "Empfehlung" (aber eigentlich harte Anforderung), dass während der Partien am Brett (nicht beim Umhergehen!?! und auch nicht draußen) Masken zu tragen seien. Allerdings nicht zwingend FFP2- oder Community-Masken sondern medizinische Masken, die in ausreichender Zahl vom Veranstalter gestellt würden. Das Maskenthema war sehr heikel und sorgte für dutzende, überwiegend kritische Wortbeiträge, auch von einigen Spitzenspielern im Captains-Meeting wie z.B. Grischuk oder Donchenko. Das Team Monte Carlo, vertreten durch Almira Skripchenko, drohte mit sofortigem Rückzug, falls mit Masken gespielt werden müsse. Letztendlich führte die lange Diskussion zu einer "demokratischen" Abstimmung unter allen Kapitänen. Bei den Damen lag ein Ergebnis von 7 zu 1 und bei den Herren von 36 zu 2 vor - ein eindeutiges Votum, ohne Masken zu spielen. Der Veranstalter drohte, dass bei einem positiven Fall (ein weiterer Test wird vor Runde 6 durchgeführt) eine Quarantäne droht, nicht nur für den Infizierten, sondern für alle Kontaktpersonen und bisherigen Gegner im Turnierverlauf. Dieses Risiko wollen die Kapitäne wohl mehrheitlich eingehen. Der Veranstalter belächelte das Ergebnis ein wenig und meinte, dass Demokratien nicht unbedingt die beste Form der Entscheidungsfindung seien und man bei demokratischen Entscheidungen auch falsch liegen könne. Dennoch würde man sich nach dem Votum der Kapitäne richten und nach Entscheidung etwas veröffentlichen. Eine derartige "Revolution" hat es beim ECCC offenbar seit langem nicht mehr gegeben. Die Stimmung war an diesem denkwürdigen Abend gegen 23.30 Uhr wirklich angespannt.

Bericht von der ersten Runde

An den per DGT-Brettern übertragenen ersten 8 Begegnungen des Open-Turniers gab es keine größeren Überraschungen. Die eine oder andere Remispartie war aber zu sehen. Das israelische Team BEER SHEVA gab gar 4 Remis ab, gewann aber mit 4 zu 2. Am Spitzenbrett zwischen de Sprenger Echternach und Offerspill Chess Club (noch ohne Magnus Carlsen und Aryan Tari) gelang IM Christopher Noe eine schwunghafte Angriffspartie gegen GM Johan-Sebastian Christiansen - ein toller Sieg in einem Königsinder in nur 28 Zügen (wobei Schwarz schon mit 13. … h3 auf Verlust stand).

 

Christopher Noe

Die Organisation zeigt sich heute noch recht holprig. Bei der Auslosung gab es einen Fehler und auch bei der Ergebniserfassung (Team-Echternach). Und die Badges für die Spieler standen auch leider noch nicht zur Verfügung und sollen morgen nachgereicht werden. Die vor Turnierbeginn eingeschickten Spielerfotos seien wohl nicht schön genug gewesen. Während der ersten Runde machte man selbst Spielerfotos, welche nunmehr morgen auf den Badges drauf sein sollen. Nun denn…

Hoffen wir mal, dass es in den nächsten Tagen besser läuft. Beim Damen-Turnier, welches als 7 Runden Round-Robin ausgetragen wird (Fotos folgen erst in den nächsten Tagen), kam es unglücklicherweise bereits in der ersten Runde zur Top-Begegnung zwischen Monte Carlo mit Elisabeth Pähtz an Brett vier und GRECO Kiev mit den Muzychuk-Schwestern, wobei die Begegnung mit 4 Remisen endete.

Partien

 

Tabelle nach der 1. Runde

Rg. Team  Wtg1 
1 Silla-Valencia Origin of Chess 2
  Skakfelag Selfoss 2
3 KPRF 2
  Schachgesellschaft Riehen 2
  Gambit Asseko SEE 2
  ASNIERES Le Grand Echiquier 2
7 Alkaloid 2
  Mednyi Vsadnik 2
  AVE Novy Bor 2
  Team XtraCon 2
  Offerspill Chess Club 2
  Sloven Ruma 2
  Maribor Poligram 2
14 Vugar Gashimov 2
  Schachfreunde Wirtzfeld 2
16 BEER SHEVA 2
  Prilep 2
  Perfect 2
19 Stocholms SS 2
20 Dardania 0
21 Drejtesia 0
  SV Raika Rapid Feffernitz 0
  En Passant 0
24 Gonzaga 0
  Bærum Schakselskap 0
26 Lunds ASK 0
  Andreu Paterna 0
  Reykjavik 0
  Zuid-Limburg 0
  De Sprenger Echternach 0
  Nordkalotten 0
  Sussex Martlets 0
33 Gambit Bonnevoie 0
  Gostivar 0
  Wasa SK 0
  St Benildus 0
37 Viking Chess Club 0
  Team Pelaro Alingsas 0

Partien Frauenturnier

 

Tabelle des Frauenturniers nach der 1. Runde

Rg. Team  Wtg1 
1 South Ural 2
2 Tajfun – SK Ljubljana 2
  Kumanovo 2
4 Monte-Carlo 1
  GRECO – Kyiv Chess Federation 1
6 Alkaloid 0
  MSK Centar 0
8 SK Erste Bank Baden 0

Turnierseite

Der ECCC bei chess-results


Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren