Legend of Chess: Svidler löst das vierte Ticket für die K.o.-Runden

von André Schulz
30.07.2020 – Vladimir Kramnik hatte noch theoretische Chancen auf den Einzug in die Finalrunde der Legends of Chess, wenn Svidler gegen Giri verlöre- was passierte - und er gegen Carlsen gewönne - was nicht passierte. Carlsen, Nepomniachtchi, Giri und Svidler als Vertreter der Legenden bestreiten nun die Runde der letzten Vier. | Foto: Harry Gielen

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Drei Spieler standen schon vor der Schlussrunde als Teilnehmer des K.o.-Finales fest: Magnus Carlsen, Ian Nepomniachtchi und Anish Giri. Auf dem vierten Platz lag Peter Svidler, der theoretisch aber noch von Valdimir Kramnik eingeholt werden konnte. Dazu musste Svidler gegen Giri verlieren und Kramnik gegen Carlsen gewinnen. 

Obwohl für die anderen meisten Spieler die Weichen schon gestellt waren, wurde in einigen Partien doch noch munter gekämpft.

Ian Nepomniachtchi betrachtet seine Grünfeld Verteidigung trotz der Niederlage gegen Carlsen in der Runde zuvor offenbar noch nicht als widerlegt und wandte seine Lieblingsverteidigung auch gegen Boris Gelfand an, der ja selber ein großer Anhänger dieser Eröffnung ist. Im Theorieduell der beiden Experten behielt Nepomniachtchi mit Schwarz die Oberhand. Gelfand hatte auf der Suche nach Vorteil einen Bauern gegeben, den er im Endspiel dann jedoch vermisste. Verloren war die Sache aber noch nicht:

 

54... Tb1+ 55.Kc5? [55.Kc3 Tb3+ 56.Kd4 Ta3 Schwarz gewinnt.; Richtig war 55.Ka3! Tb3+ 56.Ka2 Lb1+ 57.Ka1 Ld3 58.Tc5 und Schwarz kommt nicht voran.]

55...Tb3 56.Kd6 [Der weiße König musste sich weit entfernen, um den unmittelbaren Bauernvormarsch zu stoppen. Es gibt aber auch einen Hintergedanken...]

56...Ta3 57.Ke5

 

57... Kg4 [Schwarz ist aufmerksam. 57...c3? 58.Kf4 Das war die Falle. Mit dem Abzug des Königs droht Matt und so fällt der Bauer c3.]

58.Le7 Txa4 59.Tc8 Ta7 60.Lf6 Ta3 61.Kd6 Kf3 62.Th8 Ke2 63.Th2+ Kd1 64.Kc5 Tb3 [64...c3 wäre nochmal falsch gewesen: 65.Kb4]

65.Tf2 c3 [Nun ist es soweit.]

66.Tf1+ Ke2 67.Tc1 c2 0–1

Boris Gelfand glich aber in der zweiten Partie aus, nachdem Nepomniachtchi diese mit einem Sizilianischen Läuferspiel im Online-Freestyle eröffnet hatte. Gelfand hielt den weißen König nach einem Qualitätsopfer lange im Zentrum fest und gewann nach 88 Zügen ein Damenendspiel mit Mehrbauern. Es folgten zwei Remis und ein Armageddon. Das entschied Gelfand dann zu seinen Gunsten.

Das Match zwischen Ding Liren und Peter Leko wurde schon in der ersten Partie entschieden. Leko musste dort ein Springerendspiel mit einem Minusbauern bestreiten.

 

51.b4 [Zugzwang.] 51...Sd5 [51...Ke6 52.Sxg6 Sxg6 53.f5+] 52.Sxg6 Sxb4 53.f5 Sd5 54.f6 Sxf6+ [Um vielleicht alle Bauern vom Brett zu entfernen...] 55.gxf6 Ke6 56.Sf4+ Kxf6 57.Sxh5+ Kg5 58.Sf4 Kh4 59.Kf3 [Nach 59.Kd4? b4 60.Kc4 Kg3 hätte es geklappt.] 59...b4 60.Kg2 b3 61.Sd3 Kh5 62.Kg3 Kg5 63.h4+ Kf5 64.Kf3 Ke6 65.Sc5+ 1–0

Die übrigen Partien endeten remis. Matchsieg für Ding.

Alle fünf Partien remis spielten Viswanthan Anand und Vasyl Ivanchuk. Nach den vier Remis in den regulären Partien bedeutete das fünfte Remis für Ivanchuk, der die schwarzen Steine im Armageddon führte, den Sieg im Match.

Und wie lief es in den beiden Wettkämpfen, die für den vierten Qualifikationsplatz zum K.o.-Finale von Bedeutung waren?

Nach zwei Remis zu Beginn seines Treffens mit Anish Giri verlor Svidler die dritte Partie auf recht brutale Weise.
 

 

18... De7 19.Dxa6 Lxe4 20.Tc1 [20.Lxe4 Dxe4 mit einem sehenswerten undeckbaren Doppelangriff auf zwei Türme.] 

20...Lf5 21.Sf4 [Die zäheste Verteidigung war hier tatsächlich 21.Sg1, aber wer will so einen Zug machen?] 

21...Ld2 22.Txc6 Tab8 [Gegen die Mattdrohung auf b1 gibt es keine wirklich brauchbare Verteidigung .]

23.e3 [23.Lf3 Lxf4 24.gxf4 Lh3+ führt zum Matt.]

23...Lxe3 24.Sd5 [24.fxe3 Dxe3 Gefolgt von Matt.]

24...Tb1+ 25.Ke2 Tb2+ 26.Kd1 De5 [Keine Chance für den bloßen weißen König gegen das Rudel schwarzer Figuren.] 0–1

Die vierte Partie endete remis.

Der erste Teil des Planes von Kramnik, vielleicht noch die K.o.-Runden zu erreichen, war aufgegangen. Der zweite Teil, Gewinn gegen Carlsen, erwies sich als schwieriger. In der ersten Partie stand Kramnik mit Schwarz auf Verlust.

 

27.Sc6 [27.Sf5!? mit der Absicht 27...Sg6 28.Sfd6 Txd6 29.Sxd6 Dxd6 30.Dxd5 und Weiß gewinnt.] 

27...Dc7 [Nach 27...bxc6 28.bxc6 Tc7 folgt hübsch. 29.Sb6]

28.S6xa5 Sg6 29.h4 Txa5 30.Sxa5 Dxa5 31.Dd3 [Die sauberere Ausführung der Idee war 31.Dc2 Sb4 32.Db1 Txd1 33.Txd1 h5 34.Td4 und gewinnt.]

31...Sb6 32.Db1 Txd1 33.Txd1 h5 34.Td4 Dc3 35.Td6 [Mit 35.Td3 De5 36.Dd1 Sc4 37.Td4 behält Weiß angesichts des kommenden Freibauern am Damenflügel Vorteil.]

35...Sc4 [Schwarz hat sich konsolidiert.]

36.Td3 [Weiß muss auch aufpassen. Schlecht ist 36.Td7 Sce5 37.Txb7 Dc8 38.Tb6 Sf3+ 39.Kg2 Dg4]

36...De5 37.Td7 b6 38.Dd1 Df5 39.Dd3 Dh3 40.Dd1 Df5 [40...Kh6 41.Dc1+]

41.Dd3 De6 42.Dd1 Df5 ½–½

In der zweiten Partie stand Carlsen mit Schwarz im Endspiel erneut auf Gewinn.

 

50... g6 51.Sf4 Kg7 52.Kh3 Le7 53.Kg4 Ld6 54.Sd5 h5+ [54...Le5!? 55.Se3 Kf6 56.Sc4 h5+ 57.Kh4 Kf5 58.Se3+ Ke4 59.Sc4 Kf4 60.Sd2 Lf6+]

55.Kg5 La3 56.Sc3 Lc1+ 57.Kh4 Lb2 [Auf 57...Kh6 58.Se4 g5+ folgt 59.Sxg5 Lxg5+ und Schwarz hat den falschen Läufer.]

58.Se4 Lf6+ 59.Kh3 Kf7 [Erst der Zug verdirbt die Partie zum Remis. Ein Gewinnweg war 59...Le5 60.Kg2 Kf7 61.Sg5+ Kf6 62.Sf3 Lc7 (62...g5? 63.Sxg5) 63.Kh3 Ld8 64.Sg1 g5 65.Sf3 g4+ 66.Kg3 Kf5 (66...gxf3? 67.Kxf3) 67.Sg1 h4+ 68.Kg2 Le7 69.Se2 Lc5 70.Kh2 Ke4 71.Kg2 h3+ 72.Kh2 Kf3 und Schwarz gewinnt.]

60.Sg3 [Droht schlicht Sxh5.]

60...h4 61.Se4 Ke6 62.Kg4 [Nun werden die Bauern weißfeldig blockiert und es geht nicht mehr weiter. Zum Schluss verbleibt Schwarz mit dem "impotenten Paar".

62...Ke5 63.Sf2 Kd4 64.Kf3 Le5 65.Sh3 Lg3 66.Sg5 Ke5 67.Kg4 Lf2 68.Sh7 Ke4 69.Sf8 g5 70.Se6 Le3 71.Sxg5+ Lxg5 72.Kh3 Kf3 73.Kh2 Lf4+ 74.Kh1 h3 75.Kg1 h2+ 76.Kh1 Kg3 ½–½

Das waren noch die guten Nachrichten für Kramnik. Die beiden übrigen Partien gingen für ihn nämlich tatsächlich verloren. In der dritten Partie nahm der 16. Weltmeister dem 14. Weltmeister alle Bauern weg:

 

45.g4 Sh7 46.Kg3 Sf6 47.Tc2 Te7 48.Kh4 Le4 49.Tb2 Sd5 50.Kg5 Td7 51.Ta6 Tc7 52.Te6 Sc3 53.Tf6+ Kg7 54.Tg6+ Kf7 55.Kh6 Tc8 56.Tg7+ Kf8 57.Tb6 Ld5 58.Th7 Se4 59.Th8+ Lg8 60.Tg6 Kf7 61.Tg7+ Kf6 62.Thxg8 1–0

In der letzten Partie unterlag Kramnik nach einem Kamikaze-Königsangriff. Peter Svidler ist also der vierte Mann im K.o.-Finale.

Partien

 

Endstand Vorgruppe

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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